Davis Cup

Darcis vor Davis-Cup-Kracher: „Wir werden kämpfen wie verrückt“

Belgiens Kapitän verspricht dem österreichischen Herrennationalteam im Interview vehemente Gegenwehr.
Verfasst von: Presseaussendung / Redaktion, 12.09.2026
© GEPA pictures / Mario Kneisl
Steve Darcis war schon mehrfach zu Gast in Wien – hier bei seinem Auftritt in der Wiener Stadthalle im Jahr 2012. Ein Jahr zuvor schlug er dort damals auch den jungen Dominic Thiem nach dessen Sieg über Thomas Muster.

Belgien ist im Anmarsch! Am heutigen Samstag macht sich Steve Darcis mit seinem Team rund um die Spieler Zizou Bergs, Gauthier Onclin, Kimmer Coppejans und den Doppelspezialisten Sander Gillé und Joran Vliegen auf den Weg nach Wien, um sich am 18./19. September im WAC dem KURIER Austria Davis Cup Team beim Kampf um einen Platz bei den Davis Cup Final 8 der besten acht Nationen der Welt entgegenzustellen. Schon sonntags möchte man die ersten Trainingseinheiten in Österreichs Bundeshauptstadt absolvieren, ab Montag dann im eigens errichteten Stadion auf dem Fußballplatz des Traditionsvereins im Wiener Prater. Vor dem Abflug stellte sich Belgiens Kapitän Darcis, selbst einst 2013 Bezwinger von Tennislegende Rafael Nadal in Wimbledon und 2017 Nummer 38 der Welt gewesen, einigen Fragen – auch zur Ausgangslage, die sich durch die verletzungsbedingten Absagen von zwei seiner drei Topspieler, Alexander Blockx und Raphael Collignon, deutlich verändert hat.

Steve, in sechs Tagen geht es los mit dem Davis-Cup-Duell Österreich – Belgien. Wie sehr freut ihr euch schon auf diesen Länderkampf?

Steve Darcis: Es ist immer ein Vergnügen, Davis Cup zu spielen. Besonders gegen Österreich, da ich in bestem Kontakt zu Jürgen Melzer (ÖTV-Sportdirektor und -Davis-Cup-Kapitän; Anmerkung) stehe. Wir freuen uns alle schon sehr auf den Länderkampf, und hoffentlich können wir’s wieder zu den Final 8 schaffen. Es wird ein hochklassiger und spannender Länderkampf.

Heute erfolgt eure Anreise nach Wien. Was gefällt dir an der Stadt am meisten?

Wir alle lieben natürlich das Wiener Schnitzel, das ist mal sicher, und hoffentlich können wir am Samstagabend ein gutes haben. Sonst kann ich über Wien noch nicht viel sagen, weil ich die Stadt noch fast gar nicht besucht habe – außer der Arena (beim ATP-Turnier in der Wiener Stadthalle; Anmerkung) und dem Hotel habe ich bisher nicht viel gesehen. Aber ich habe schon oft gehört, dass die Stadt wunderschön sein soll und es hier etliche Sachen gibt, die man machen und sich ansehen kann. Hoffentlich kann ich das eines Tages nachholen.

Was weißt du über den Austragungsort, an dem nächste Woche gespielt wird?

Ich bin mir sicher, dass es ein großartiger Centercourt sein wird. Es ist immer etwas Spezielles, im September im Freien anzutreten. Normalerweise wird da meistens in der Halle gespielt. Es wird ein bisschen anders, aber ich bin mir sicher, dass alles gemacht wurde, um bestmögliche Bedingungen bereitzustellen. Ich habe schon einige Male in Österreich und in Wien gespielt, es war stets für eine tolle Austragungsstätte gesorgt, und ich bin davon überzeugt, dass dem auch diesmal so sein wird.

Raphael Collignon hat nach seiner Erstrundenniederlage bei den US Open ebenso verletzt abgesagt wie Alexander Block nach seiner Aufgabe im Viertelfinale. Wie groß ist denn der Rückschlag für dein Team?

Das ist natürlich taff. Die Saison ist schon lang, beide haben überragend gespielt, sind jetzt ein bisschen müde und haben Verletzungen. Normalerweise haben wir immer das beste Team zur Verfügung, hier sind wir diesmal mit zwei Mann weniger. Die Aufstellungen haben sich deutlich verändert, es ist jetzt ziemlich 50:50. Aber wir haben gute Leute hinter Blockx und Collignon, die immer noch auf einem sehr hohen Level spielen, und insgesamt ein sehr gutes Team. Hoffentlich sind die Ausfälle für unsere Spieler eine Extramotivation, um zu zeigen, was sie können.

Österreich hat derzeit keinen Top-100-Spieler im Einzel. Und dennoch besteht die Chance, dass sich die ÖTV-Herren bereits das zweite Mal in Folge für das Finalturnier qualifizieren könnten. Was macht das österreichische Team aus deiner Sicht so gefährlich?

Zuerst mal ein sehr, sehr guter Mann an der Spitze. Jürgen besitzt als Kapitän ein sehr großes Spielverständnis, sowohl im Einzel als auch im Doppel. Das ist ein wichtiger Punkt. Und auch sein Bruder Gerald hilft sicherlich eine Menge. Er war Top 100 und versteht das Spiel auch gut. Dazu haben sie sehr gute Spieler – manche von ihnen waren Top 100, manche werden es sein. Sie haben zusammen einen großartigen Teamspirit und legen in eine Davis-Cup-Woche alles hinein. Es ist bekannt, dass das Ranking gerade im Davis Cup nicht immer so viel aussagt. Da zählen auch andere Dinge wie der Kampfgeist und Einsatz für sein Land, der Teamspirit – und das hat Österreich.

Und was würde es für Belgien als Vorjahressemifinalist bedeuten, sich abermals für die Final 8 zu qualifizieren?

Das würde eine Menge bedeuten – insbesondere, wenn das ohne Blockx und Collignon gelingen sollte. Wir werden kämpfen wie verrückt, und für ein kleines Land wie Belgien wäre es toll, das zu schaffen, aber es ist noch ein weiter Weg dorthin. Wir möchten uns jetzt mal einfach nur auf diese Begegnung fokussieren. Und wenn wir uns nach dieser Woche in den Spiegel schauen und es geschafft haben sollten – super! Und wenn nicht, aber wir alles gegeben haben, dann muss man eben zur Kenntnis nehmen, dass man es nicht immer ganz in seinen eigenen Händen hat.

Derzeit befinden sich drei belgische Herren unter den besten 40 der Welt, die mit 21, 24 und 27 Jahren auch noch ziemlich jung sind. Es sieht ganz danach aus, dass das Land eine vielversprechende Zukunft vor sich hat, oder?

Darauf können wir hoffen. Wir stehen gut da. Bergs kann noch viele Jahre spielen, und die zwei anderen sind noch so jung und drängen stark nach. Das ist sehr gut für unser Land, das belgische Tennis und alle. Wir haben jetzt ein großartiges Davis-Cup-Team, und wenn alle weiterhin so gut spielen, besteht eine gute Chance, dass das auch noch einige Jahre lang so bleibt.

Was macht dein Team aus? Was macht es gefährlich?

Das ist ein bisschen ähnlich wie bei Österreich. Wir haben einen großartigen Teamspirit, lieben es, füreinander da zu sein und füreinander zu spielen. Unsere Jungs trainieren auch auf der Tour und in Belgien immer wieder miteinander.

Ein guter Trainer auf der Bank wird trotzdem immer gebraucht. Bei einem Medientermin hat Jürgen Melzer dich vor versammelten Journalist:innen als einen der besten Davis-Cup-Kapitäne bezeichnet, vor allem in taktischer Hinsicht. Ist das für dich eine Auszeichnung?

Natürlich, wenn es von jemand wie Jürgen kommt. Er ist selbst ein unglaublicher Coach. Er war so ein guter Spieler, jetzt ist er ein fantastischer Kapitän, unter dem seine Mannschaft die Chance hat, es so wie im Vorjahr unter die Top Acht zu schaffen. Ihr habt ein tolles Team und einen tollen Kapitän. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit ihm.

Ihr seid euch ja auch auf der ATP-Tour dreimal gegenübergestanden.

Ja, ich habe dabei eine ganz gute Siegquote gegen ihn. Aber das letzte Mal war es bitter für mich, da habe ich aufgeben müssen.

Was hat dir der Davis Cup in deiner Laufbahn eigentlich bedeutet?

Für sein Land, seine Teamkollegen und das Publikum zu spielen, war für mich immer eine Ehre. Das ist heute als Kapitän dasselbe. Es ist jetzt ein etwas anderes Format, aber unter der eigenen Flagge zu spielen, ist für mich ein echtes Privileg. Und das versuche ich auch, meinen Spielern zu erklären und zu vermitteln.

| GEPA pictures / Mario Kneisl

Der aktuelle Zeitplan zum Davis Cup Österreich – Belgien (Änderungen vorbehalten)

Dienstag, 15. September 2026
8:30–11:45 Uhr: Davis-Cup-Schulaktionstag für Wiener Volksschulen

Mittwoch, 16. September 2026
10:45 Uhr: Pre-Draw-Pressekonferenz Österreich
11:15 Uhr: Pre-Draw-Pressekonferenz Belgien

Donnerstag, 17. September 2026
11:30 Uhr: Official Draw, Riesenrad (Riesenradplatz 1, 1020 Wien / ORF-Liveübertragung geplant)

Freitag, 18. September 2026
12:45 Uhr: Sieger:innenehrung der 37. Drei Tennisschulcup Bundesmeisterschaft der Unterstufe
13:00 Uhr: Eröffnungszeremonie (live auf ORF 1)
Im Anschluss: 1. Einzel (live auf ORF 1)
Im Anschluss: 2. Einzel (live auf ORF 1)

Samstag, 19. September 2026
10:40 Uhr: Ehrung des ÖTV-Nachwuchsspielers des Jahres 2025
10:45 Uhr: Ehrung von Martin Ohneberg zum ÖTV-Ehrenpräsidenten
11:00 Uhr: Doppel (live auf ORF 1)
Im Anschluss: 3. Einzel (live auf ORF 1)
Im Anschluss: 4. Einzel, falls nötig (live auf ORF 1)

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