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Miedler/Oberleitner nach Wien-Coup im ÖTV-Interview: „Das ist Gänsehaut“
Die Wiener Stadthalle bebte richtiggehend, die Fans feierten, und am Ende stemmten an diesem Sonntag zwei Österreicher den Doppelpokal in die Höhe: Lucas Miedler und Neil Oberleitner, die Rot-weiß-rot Ende November auch bei den Davis Cup by Generali Final 8 in Bologna vertreten werden, krönten ihre beeindruckende Erfolgsserie mit dem Titel bei den Erste Bank Open. Für Miedler war es bereits der dritte Erfolg beim Heimturnier nach 2022 und 2024, für den Wiener Oberleitner der erste ATP-500-Titel überhaupt. Im ÖTV-Interview sprechen die beiden über Gänsehautmomente vor ausverkauftem Haus, das Erfolgsgeheimnis ihrer erst wenige Wochen alten Partnerschaft und ihre ambitionierten Ziele für die kommende Saison.
„Luci“, du hast mir zuletzt einmal halb scherzhaft geschrieben, historische Erfolge sind dir generell am liebsten. Ich würde sagen, das ist in letzter Zeit ganz gut gelungen. Erst der Masters-1000-Titel in Shanghai und jetzt bist du der erste Österreicher, der zum dritten Mal in der Wiener Stadthalle im Doppel gewonnen hat. Was bedeutet dir das?
Lucas Miedler: Ja, das bedeutet mir unglaublich viel. Es ist jedes Jahr unglaublich, unbeschreiblich, da auf dem Platz zu spielen. Dann noch zu gewinnen, das ist einfach unglaublich. Ich muss mich bei Neil bedanken, dass er mich da auf die Reise mitnimmt, unsere neue Nummer eins. Von dem her: Ja, ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen. Ich bin dankbar für alles, was schon passiert ist, und freue mich einfach wieder aufs nächste Jahr.
Neil, für dich war es ja neu, hier ein Finale zu spielen, in deiner Heimatstadt. Was macht das mit dir, vor 9800 Fans daheim, restlos ausverkaufte, bebende Halle und dann auch noch gewinnen und deinen ersten 500er-Titel hier zu holen?
Neil Oberleitner: Es ist ein ganz besonderes Gefühl. Ich bin überglücklich, quasi bei mir zu Hause im Wohnzimmer zu spielen. Es ist richtig lustig, dass ich das auch erleben darf. Ich bin als kleines Kind schon hier in die Stadthalle gekommen, und jetzt, dass ich selber hier servieren darf und den 500er-Titel noch einfahren darf, mit Luci gemeinsam an meiner Seite – ja, ich glaube, das ist Gänsehaut, das kann ich gar nicht anders beschreiben. Ich bin glücklich und freue mich schon auf nächstes Jahr.
Ihr spielt ja erst seit sechs Wochen überhaupt zusammen, beginnend mit dem Davis-Cup-Erfolg gegen Belgien. Ihr habt eine unglaubliche Serie jetzt hingelegt. Wie ist das in der kurzen Zeit eigentlich möglich, wo ihr doch noch gar nicht wirklich eingespielt wart? Was ist da der Schlüssel?
Lucas Miedler: Den Schlüssel, den haben wir beim Heraklion-Future 2020 gelegt, wo wir unseren ersten gemeinsamen Titel geholt haben. Von daher ist die Verbindung einfach da gewesen. Wir haben uns ja nie aus den Augen verloren, wir haben uns immer gut verstanden. Bei mir ist die Karriere eben ein bisschen anders abgebogen als beim Neil noch. Aber ja, wir haben gesagt, das kann funktionieren. Wir wollen einfach, dass es auch funktioniert. Wir haben extrem hart gearbeitet auch, vor allem in Tokio, auch in Shanghai dann noch vor dem Turnier. Wir haben die Dinge dann gleich unglaublich umsetzen können. Alex (Alexander Peya, Ex-Doppelweltklassespieler und Oberleitner-Trainer; Anmerkung) hat uns da auch extrem geholfen. Von dem her: Man kann das nicht erwarten, was passiert ist, aber es ist jetzt auch nicht ganz so aus dem heiteren Himmel, weil wir einfach hart daran gearbeitet haben. Wir bringen einfach unsere Leistung, wir sind cool in den wichtigen Momenten, wir verstehen uns gut, und das ist das Wichtigste.
Sportliches Ziel kann für 2027, angesichts so einer Serie, wahrscheinlich trotzdem nur das Masters (die Nitto ATP Finals in Turin; Anmerkung) sein – oder, Neil?
Neil Oberleitner: Das Masters und die Grand Slams und natürlich das Ranking nach oben klettern.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es doch. Luci, du hast es schon angesprochen: Du bist ab Montag nicht mehr Nummer eins Österreichs. Kannst du damit leben?
Lucas Miedler: Das ist der Zahn der Zeit, würde ich sagen. Es rücken einfach die Jungen nach, die jungen Wilden. Und in dem Fall kann ich ganz gut damit leben, dass ich in seinem Schatten dann weiter auf der Tour spielen darf. (lächelt)
Danke euch vielmals und herzlichen Glückwunsch.
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