US Open: Premierensiege für Tagger und Rodionov
Am Montag hat der Großteil des ÖTV-Sextetts in den Einzelhauptfeldern der US Open in New York ins Geschehen eingegriffen. Die ersten rot-weiß-roten Erfolgserlebnisse sind dabei am zweiten Main-Draw-Spieltag bei der Hartplatz-Millionenveranstaltung im „Big Apple“ erfreulicherweise nicht ausgeblieben. So feierten Lilli Tagger und Jurij Rodionov Hauptbewerbs-Premierensiege beim Grand-Slam-Spektakel in Flushing Meadows. Zuerst glückte der 18 Jahre alten Osttirolerin (WTA 49) durch ein 6:0, 7:6 (4) über die Deutsche Tamara Korpatsch (WTA 48), bei ihrer erst vierten Teilnahme auf höchster Ebene bei den Erwachsenen, ein erster Hauptfeldcoup. Etwas später folgte ihr der Niederösterreicher: Bei seinem ebenso ersten Hauptbewerbsstart in NYC zog der 27-Jährige (ATP 143) mit einem sehr überzeugenden 7:6 (2), 6:0, 7:6 (4) über den französischen Aufschlagriesen Giovanni Mpetshi Perricard (ATP 105) zum zweiten Mal nach den French Open 2020 in die zweite Runde eines Grand Slams ein. Zum Beginn des Spieltages hatte es für Sinja Kraus, gleichfalls bei ihrem US-Open-Hauptbewerbsdebüt, eine Niederlage gesetzt. Für die Wienerin (WTA 90) gab es beim 3:6, 0:6 gegen die tschechische Weltranglistensiebte Karolína Muchová leider nicht viel zu holen. Den Abschluss bildete aus heimischer Sicht eine Auftaktniederlage von Julia Grabher: Die Vorarlbergerin (WTA 112) musste sich in der Nacht von Montag auf Dienstag nach MESZ der auf 16 gesetzten Rumänin Sorana Mihaela Cirstea (WTA 17) mit 3:6, 0:6 geschlagen geben.
Tagger nach Achterbahnfahrt erleichtert
Auf dem Weg zu ihrem Premierenerfolg nahm Tagger die österreichischen Tennisfans an diesem Montagabend auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit. Die Teenagerin steuerte gegen die diesjährige Hamburg-Gewinnerin bereits auf einen sensationell klaren Sieg zu, ließ ihrer Gegnerin bis 6:0, 4:0 nicht mal die Chance auf einen Spielgewinn, verabsäumte es bei diesem Stand aber, bei 15:40 zwei Breakbälle zur 5:0-Führung im zweiten Satz zu verwerten. Plötzlich kippte das Spiel, die bis dahin groß aufspielende Tagger verlor ihren Rhythmus, während Korpatsch nach ein paar kleinen Erfolgserlebnissen immer mehr an Selbstvertrauen und Mut gewann. Bei 5:6 und 15:40 musste Tagger schließlich gar zwei Satzbälle abwehren und behielt auch nach einem 0:3-Rückstand mit zwei Minibreaks im Tiebreak ihre Nerven. Sie entschied sieben der letzten acht Punkte und damit die Partie doch noch in zwei Sätzen für sich. „Natürlich bin ich superfroh“, atmete sie danach laut sport.orf.at auf. Und sah in ihrem Hänger im zweiten Durchgang keinen Beinbruch: „Das gehört dazu. Wir sind alle Menschen, und Fehler passieren. Das Wichtigste ist, daraus zu lernen.“ Eine womöglich lehrreiche Erfahrung könnte auch das Zweitrundenspiel mit sich bringen. Da erwartet Tagger erstmals die auf zehn gesetzte US-Lokalmatadorin Amanda Anisimova (WTA 10), die letztjährige Wimbledon- und US-Open-Finalistin.
Rodionov-Erfolgslauf geht in die Verlängerung
Auch Rodionov ließ das rot-weiß-rote Tennisherz deutlich höherschlagen und zeigte sich zweieinhalb Wochen vor dem Davis-Cup-Kracher Österreich – Belgien weiter in Topform. Der heimische Länderkampfheld hatte zunächst dank drei Siegen zum vierten Mal nach den French Open 2020, 2023 und 2026 eine Grand-Slam-Qualifikation gemeistert, zum ersten Mal außerhalb von Paris. Und an diese Leistung knüpfte er im Main Draw munter an. Im Eröffnungsdurchgang, in dem es keine Breakmöglichkeiten gab, setzte er sich im Tiebreak klar durch, nahm das Momentum in den zweiten Satz mit und erteilte Mpetshi Perricard dort sogar die Höchststrafe. Der dritte Set verlief dann wieder eng, aber nach Breakchancen auf beiden Seiten bewahrte Rodionov trotz vier vergebenen Matchbällen bei 6:5 in der Kurzentscheidung neuerlich die Ruhe – und machte bei seinem insgesamt fünften Matchball letztlich den Sack zu. „Es war kein einfaches Match, denn jedes Break hätte den Satzverlust bedeuten können. Doch die wichtigen Punkte konnte ich meist machen“, befand er auf seiner offiziellen facebook-Fanseite. Im Kampf um seinen ersten Drittrundeneinzug bei einem der vier größten Turniere der Tenniswelt erwartet ihn somit entweder der an 17 gereihte Tscheche Jakub Mensik (ATP 18).
Startschuss für Misolic und Potapova
Am Dienstag bieten sich zuvor jedoch die nächsten Gelegenheiten zu österreichischen Erfolgen. Ab 17:00 Uhr MESZ misst sich Filip Misolic (ATP 537) in Runde eins, bei seinem Comeback nach mehr als sechsmonatiger Verletzungspause, mit dem auf 24 gesetzten Argentinier Francisco Cerúndolo (ATP 25). Anschließend trifft, gleichfalls auf Court 5, die auf 24 gereihte Anastasia Potapova (WTA 25) auf die Tschechin Tereza Valentová (WTA 50).