ATP Shanghai: Historischer Triumph für Miedler/Oberleitner
Es ist erst ihr zweiter gemeinsamer Antritt auf der ATP-Tour nach Tokio in der Vorwoche (Viertelfinale) – und schon ist Lucas Miedler und Neil Oberleitner eine aus rot-weiß-roter Sichtweise historische Erfolgsmeldung gelungen. Denn Österreichs neues Spitzendoppel hat am Sonntagmorgen nach MESZ sensationell das Rolex Shanghai Masters gewonnen. Der Niederösterreicher (ATP-Doppel 26) und der Wiener (ATP-Doppel 39) entschieden das Finale gegen Miedlers Ex-Doppelpartner Francisco Cabral aus Portugal (ATP-Doppel 30) und James „JJ“ Tracy aus den USA (ATP-Doppel 42) nach rund 66 Minuten Spielzeit mit 6:3, 6:4 für sich. Es ist für beide der bisher größte Karrieretriumph.
Miedler/Oberleitner blieben damit gar im gesamten Turnierverlauf ohne Satzverlust. Auf der Betreuerbank führte ausgerechnet Alexander Peya das Duo zum ersten heimischen Doppelpokal auf ATP-Masters-1000-Ebene, seit dem Wiener selbst dieses Kunststück in Madrid 2018 (mit dem Kroaten Nikola Mektić) zuletzt geglückt war. Durch ihren Finalsieg sicherten sich Miedler/Oberleitner den Siegerscheck in der Höhe von 234.100 US-Dollar pro Kopf sowie je 1000 ATP-Punkte. Dank diesen wird Miedler in der Doppelweltrangliste sein bisheriges Career High von Position 19 einstellen. Oberleitner, der erst sein zweites ATP-Masters-1000-Event überhaupt bestritt, war der erstmalige Top-30-Einzug bereits vor dem Titelkampf sicher und wird sich nun sogar auf Platz 23 schieben.
Miedler/Oberleitner knüpften im Endspiel munter an ihre herausragende Turnierleistung an – und noch mehr als das: Die beiden gaben bei eigenem Aufschlag gerade mal sechs Punkte ab, holten stolze 96 Prozent aller Punkte über ihr erstes Service (24 von 25) und schafften in beiden Sätzen je ein Break. In Satz eins ließen sie sogleich im zweiten Spiel eine erste Chance noch liegen, schlugen aber bei 4:3 bei der zweiten und gesamt dritten Gelegenheit zu. Im zweiten Abschnitt nahmen sie Cabral/Tracy schon bei 2:2 nach deren 40:15-Führung den Aufschlag ab und hielten danach dreimal zu null (insgesamt viermal in Folge zu null) ihr Service bis zum Sieg.
Melzer: „Sie waren in den Partien einfach klar die Besseren“
Mit ihrem beeindruckenden Coup trugen sich Miedler/Oberleitner als zweite Österreicher nach Jürgen Melzer im Jahre 2010 (mit dem Inder Leander Paes) in die Doppelsiegerliste des Rolex Shanghai Masters ein. Der ÖTV-Sportdirektor und -Davis-Cup-Kapitän fand für die beiden nur lobende Worte: „Ich finde, das war eine extrem überzeugende Woche von den beiden. Ich habe mir die letzten drei Matches auch alle angesehen. Sie waren in den Partien einfach klar die Besseren“, so der Niederösterreicher. „Was, finde ich, die Woche extrem war, wie gut und ruhig sie in den entscheidenden Situationen gespielt haben. Die wichtigen Punkte haben sie eigentlich alle gemacht. Und dann gewinnt man eben solche Turniere.“
Melzer ergänzte: „Dass sie das Level haben, das haben sie, glaube ich, relativ früh unter Beweis gestellt, allein schon mit dem Davis-Cup-Doppel“, als die beiden vor einem Monat beim 3:1-Sieg über Belgien den so wichtigen Punkt zur 2:1-Führung beigesteuert hatten. „Ich freue mich einfach riesig für die beiden, weil man sieht, dass die einen Spaß haben. Die verstehen sich weg vom Platz richtig gut. Ich glaube, die werden nächstes Jahr sehr gefährlich werden und hoffentlich noch den einen oder anderen 1000er-Titel dazuholen. Und vielleicht kommt es ja dazu, dass wir sie in Bologna (bei den Davis Cup by Generali Final 8; Anmerkung) auch nochmal brauchen, bei einem 1:1 – und dann wäre ich relativ entspannt, muss ich sagen.“