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Am 13. und 14. September 2019 siegte die Tennis-Nationalmannschaft in Espoo gegen Finnland durch Punkte von Dominic Thiem, Oliver Marach/Jürgen Melzer und Dennis Novak 3:2. Das Team von Kapitän Stefan Koubek spielt im März 2020 um den Einzug ins Weltgruppen-Finalturnier.

Dennis Novak sorgte in Finnland für die Entscheidung. ©GEPA | GEPA pictures/ Matthias Hauer

Der Daviscup ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Herren-Tennis. Jährlich beteiligen sich mehr als hundert Nationen. Veranstalter ist die International Tennis Federation (ITF).

2018 wurde in der Europa/Afrika-Zone I ein neuer Modus ausprobiert: Der Kapitän darf fünf Spieler nominieren, gespielt wird nur an zwei statt wie bisher drei Tagen, der Modus wird auf Best-of-Three reduziert. Dieser Modus wurde zum Standard.

Neues Weltgruppen-Format seit 2019

Im August 2018 ließ die ITF bei der Generalversammlung in Orlando, Florida, über ein neues Daviscup-Format abstimmen. Nötig dafür war eine Zwei-Drittel-Mehrheit der stimmberechtigten nationalen Verbände. Diese wurde mit 71 Prozent erreicht.

Und so sieht der Daviscup in der Weltgruppe seit 2019 aus:

Ein jährliches Finale wird zum Ende der Saison ausgetragen, bei dem ein Champion gekürt wird. In diesem Finalturnier werden 18 Teams antreten. 12 davon qualifizieren sich in einer Heim- oder Auswärtspartie in der Kalenderwoche 5 in einer Vorrunde mit 24 Nationen. Zusätzlich haben die vier Halbfinalisten des Vorjahres einen Fixplatz. Es gibt auch zwei Nationen-Wildcards.

Beim Finalturnier werden in sechs Round-Robin-Gruppen zu je drei Teams sechs Gruppengewinner ermittelt, die ebenso ins Viertelfinale aufsteigen wie die zwei besten Gruppenzweiten. Danach folgen Semifinali und Finale.

Beim Finalturnier werden pro Ländermatch zwei Einzel und ein Doppel an einem Tag ausgetragen. Wo das erste Finale veranstaltet werden wird, ist noch offen.

Jene Duelle im Februar sollen weiterhin aus vier Einzeln und einem Doppel bestehen, allerdings nur über zwei Tage und nur noch im "Best-of-three"-Modus.

Die Nationen, die im Finale die Plätze 17. und 18. belegen, steigen in die jeweiligen Zonen-Gruppe ab, die Plätze 5 bis 16 verbleiben in der Weltgruppe.

Weitere Neuerungen ab 2020

Die österreichische Nationalmannschaft muss sich mit der Daviscup-Reform, die 2020 in Kraft tritt, vorerst nicht befassen. Nach dem 3:2 in Finnland spielt das Team von Kapitän Stefan Koubek im März um die Teilnahme am Weltgruppen-Finalturnier in Madrid. Der Gegner wird im November zugelost.

Eine Liga darunter wird es einige Änderungen geben. Die ersten beiden Stufen der bisherigen Kontinentalzonen wie Europa/Afrika I und II werden aufgelöst und durch die Weltgruppen I und II ersetzt. Der größte daraus resultierende Unterschied ist, dass die Gegner in diesem Bereich nun auf weltweiter Ebene zugelost werden, nicht nur kontinental. Geändert wurde auch der Auf- und Abstiegsmodus.

Verliert Österreich im März, würde im September 2020 in der Weltgruppe I die Möglichkeit bestehen, sich für das Weltgruppen-Play-off 2021 zu qualifizieren.

Legendäre Erfolge, die in Österreichs Sportgeschichte eingegangen sind

Österreichs größter Erfolg im Mannschaftsbewerb Davis Cup war im Jahr 1990 das Erreichen des Halbfinales, als das Team um Thomas Muster, Horst Skoff und Alexander Antonitsch durch eine knappe 2:3-Niederlage gegen die USA den Einzug ins Finale verpasste. Für den ganz großen Tennisboom in Österreich hatten die Davis Cup-Erfolge der "Musketiere" Muster, Antonitsch und Skoff (verstorben am 7. Juni 2008) gesorgt: Mit dem 5:0 über Großbritannien in Zell am See stießen sie 1988 erstmals in die noch junge Weltgruppe vor, in der sie mit dem legendären 5:0 gegen Australien 1989 im Wiener Dusikastadion debütierten. Mit den Siegen erreichten die seit Jahren schwelenden persönlichen Rivalitäten zwischen den Spielern ein kaum noch erträgliches Maß, aber selbst das trug zur Popularität bei. Als Muster durch seine schwere Verletzung (1989 hatte ihn vor dem Finale in Key Biscayne ein Betrunkener mit dem Auto niedergestoßen; Anm.) ausfiel, ging das Viertelfinale gegen Schweden 2:3 verloren. Aber das 9:7 im fünften Satz nach 6 Stunden und 4 Minuten für Horst Skoff gegen den großen Mats Wilander bleibt unvergesslich.

2:3-Niederlage gegen die USA im Prater-Stadion: "Ein Jahrhundert-Ereignis!"

Gipfeltreffen: Andre Agassi und Thomas Muster ©GEPA-Pictures

1990 feierte Muster dann sein Comeback - Österreich gewann 3:2 gegen die Spanier in Barcelona! Es folgte ein 5:0 über Italien in Wien, mit dem Österreich erstmals in der Geschichte des Davis Cup ein Semifinale erreichte. Was dann im Wiener Praterstadion vor täglich bis zu 17.000 Zuschauern (insgesamt waren es ca. 40.000; Anm.) passierte, ist längst in Österreichs Sportgeschichte eingegangen: Die USA siegten 3:2, weil Horst Skoff zum Schluss nach 2:0-Satzführung gegen Michael Chang noch unterlag. Nur ein Satz hatte dem ÖTV-Team im Halbfinale zur Sensation gefehlt. Thomas Muster hatte damals mit Siegen über Andre Agassi und Michael Chang für die beiden Punkte gesorgt. Ex-Davis Cup-Kapitän Gilbert Schaller erinnert sich zurück. "Gegen Amerika zu Hause im Praterstadion, das war aus österreichischer Sicht für den Tennissport ein Jahrhundert-Ereignis." Nicht vergessen werden dürfen aber auch die gemeinsamen Siege in Uruguay und über Spanien in Wien sowie die fast im Alleingang errungenen Davis Cup-Erfolge für Alex Antonitsch 1992 in Kanada und 1993 in Neuseeland sowie von Gilbert Schaller 1997 gegen Kroatien. Herausragend wird aber auch immer die gewaltige Willensleistung Musters beim 2:3 gegen Deutschland in Unterpremstätten bleiben, als er Michael Stich, Sieger in Wimbledon und Paris, mit 6:4, 6:7, 4.6, 6:3, 12:10 niederrang. 

Die jüngere Vergangenheit

Wels ist ein guter Boden für das Team: Drittes Ländermatch, dritter Sieg. ©GEPA

Das Los bescherte dem Team nach mehr als zwei Jahren endlich wieder ein Heimspiel. Zu Gast waren von 15. bis 17. September 2017 die Rumänen, es ging um den Verbleib in der Europa/Afrika-Zone 1. Auf der Anlage des UTC Wels wurde im Freien auf Sand gespielt, 3500 Zuschauer fanden Platz. Österreich gewann souverän mit 4:1 und stellte im direkten Duell auf 3:3.

Dominic Thiem steuerte beim Comeback nach eineinhalbjähriger Absenz ebenso zwei Punkte bei wie Gerald Melzer. Thiem schlug die Youngsters Bogdan Borza (6:2, 6:2, 6:4) sowie Nicolae Frunza 7:6 (2), 7:6 (3), 6:3, Melzer besiegte Dragos Dima (6:1, 6:1, 3:6, 6:1) und Bogdan Borza (6:1, 7:5). Im Doppel mussten sich Philipp Oswald und Thiem der Paarung  Horia Tecau/Nicolae Frunza 6:7 (1), 2:6, 7:6 (5), 3:6 beugen.

Sebastian Ofner konnte wegen einer Bauchmuskelzerrung am dritten Spieltag nicht eingesetzt werden. Jürgen Melzer musste verletzungsbedingt passen, der Rekord-Daviscupper stellte sich aber als Sparringpartner in den Dienst der Mannschaft.

Die gelungene Revanche gegen Weißrussland

In St. Pölten war alles im Rahmen. ©GEPA-Pitures

Das Team empfing in der 1. Runde der Europa/Afrika-Zone 1 die Nationalmannschaft aus Weißrussland. Gespielt wurde am 2. und 3. Februar 2018, Austragungsort war  erstmals St. Pölten, als Belag im VAZ wurde Sand gewählt. Die geplante Revanche für das 1:3 im April 2017 in Minsk glückte souverän, das Team von Kapitän Stefan Koubek gewann 5:0. Erstmals kam der neue Modus zur Anwendung: Zwei statt drei Spieltage, Best-of-three statt Best-of-five, fünf statt vier Kaderspieler.

Gerald Melzer brachte Österreich in Führung, der 27-Jährige besiegte vor 2500 begeisterten Zuschauern die Nr. 1 der Gäste, Ilya Ivashka, nach 2:15 Stunden mit 2:6, 7:5, 6:4. In Minsk hatte Melzer gegen Ivashka verloren. Anschließend ließ der Weltranglisten-Sechste Dominic Thiem der ATP-Nummer 389 wie erwartet keine Chance, der 24-Jährige gewann gegen Dzmitry Zhurmont nach 1:14 Stunden 6:3, 6:3.

Am zweiten Tag machten Australian-Open-Champion Oliver Marach und Philipp Oswald alles klar, das Duo schlug Ilya Ivashka und Andrei Vasilevski 6:3, 7:6 (5). Beim Stand von 3:0 für Österreich wurden zwei Dead Rubber ausgetragen. Erst begeisterte Thiem die 2643 Fans beim 6:4, 7:6 (5) gegen Ivashka, zum Abschluss zeigte Dennis Novak gegen Yaraslav Shyla sein großes Potenzial - 7:6 (1), 6:0.

Zweitrunden-Gegner am 6. und 7. April war Russland, gespielt wurde in Moskau. Österreich gewann sensationell 3:1 und spielt von 14. bis 16. September in Graz gegen Australien um den Aufstieg in die Weltgruppe.

Die Rückkehr in die Weltgruppe

Nach dem 3:1 in Moskau gegen Russland trat das „Kronen Zeitung Austria Davis Cup Team“ von 14. bis 16. September 2018 gegen Australien um den Aufstieg in die Weltgruppe an, der die Mannschaft zuletzt 2013 angehörte. Auf der Messe Graz wurde im Freien auf Sand gespielt, an drei Tagen kamen 17.600 Fans, der Center Court war am Freitag und Sonntag mit je 6000 ausverkauft.

Nach den beeindruckenden Siegen von Dominic Thiem (6:1, 6:3, 6:0 gegen Thompson) und Dennis Novak (3:6, 6:2, 6:3, 6:2 gegen de Minaur) am Freitag und der 1:3-Niederlage des Doppels Oliver Marach / Jürgen Melzer am Samstag, sicherte Dominic Thiem der Mannschaft mit dem Punkt zum 3:1 den Aufstieg in die Weltgruppe. Der 25-Jährige besiegte den um sechs Jahre jüngeren Alex de Minaur (ATP-38) mit 6:4, 6:2, 3:6, 6:4. Zuletzt hatte Österreich im Jahr 2013 im Konzert der großen Tennisnationen mitgespielt.

Eine bittere Niederlage gegen Chile

Am 1. und 2. Februar 2019 spielte das Team in der SalzburgArena an zwei Tagen im Best-of-three-Modus gegen Chile um ein Ticket für das Weltgruppen-Finalturnier in Madrid, an dem sich im November 18 Nationen beteiligen. Am ersten Tag glich Dennis Novak nach Jurij Rodionovs Auftaktniedelage aus, der Samstag begann mit einem Sieg des Doppels Oliver Marach/Jürgen Melzer. Novak musste sich Jarry erst im Tiebreak des Entscheidungssatzes geschlagen geben, Debütant Rodionov war gegen Garin chancenlos. Nach dem 2:3 spielte die Mannschaft im September in Finnland.

Der Kraftakt in Finnland

Das österreichische Daviscup-Team besiegte Finnland am 13, und 14. September 2019 in der Espoo Arena 3:2 und qualifizierte sich für das Weltgruppen-Play-off im März 2020. Der Gegner wird der Mannschaft von Stefan Koubek im November zugelost. Die Punkte steuerten Dominic Thiem am Freitag sowie das Doppel Oliver Marach / Jürgen Melzer und Dennis Novak am Samstag bei. Letzterer gewann gegen Harri Heliovaara im dritten Satz des Tiebreaks. "Heuer habe ich gegen Chile das Tiebreak im dritten Satz verloren, wo es um die Teilnahme am Finalturnier in Madrid gegangen ist. Hier habe mir vor dem Tiebreak gedacht: es kann nicht sein, dass das wieder mir passiert. Gottseidank habe ich den Sieg heimgeholt", sagte Novak, der Tags zuvor aufgrund einer starken Erkältung im Bett gelegen war und nicht spielen hatte können.

Letzte Begegnung, Europa/Afrika-Zone, Relegation (13. und 14. September 2019)

Finnland - Österreich in Espoo (Espoo Metro Areena, Halle/Hardcourt) 2:3

Erster Spieltag
Patrik Niklas-Salminen - Dominic Thiem 3:6, 4:6
Emil Ruusuvuori - Sebastian Ofner 6:3, 6:4

Zweiter Spieltag
Henri Kontinen/Emil Ruusuvuori - Oliver Marach/Jürgen Melzer 6:7 (5),  2:6
Emil Ruusuvuori - Dominic Thiem 6:3, 6:2
Harri Heliovaara - Dennis Novak 6:3, 3:6, 6:7 (5)