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Im März 2020 qualifizierte sich Österreichs Tennis-Nationalmannschaft durch ein 3:1 gegen Uruguay in Premstätten erstmals fürs Weltgruppen-Finalturnier in Madrid, das aufgrund der Coronavirus-Pandemie erst im November 2021 ausgetragen werden konnte. Gespielt wurde in Innsbruck, die Mannschaft war damals jedoch Serbien und Deutschland unterlegen. Beim Debüt von ÖTV-Sportdirektor Jürgen Melzer als neuer Davis-Cup-Kapitän verpasste die heimische Auswahl am 4. und 5. März 2022 durch eine 1:3-Niederlage in Südkorea diesmal die Chance auf die Davis Cup by Rakuten Finals 2022. Am 16. und 17. September 2022 wahrte man aber mit einem 4:0 über Pakistan in Tulln die Chance, 2023 wieder am so lukrativen Finalturnier teilnehmen zu können.

Jubel nach dem Sieg gegen Pakistan: Die ÖTV-Herren besitzen damit 2023 wieder die Chance, sich fürs Finalturnier zu qualifizieren. © | GEPA pictures/ Manfred Binder

Der Davis Cup ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Herrentennis. Jährlich beteiligen sich mehr als 100 Nationen. Veranstalter ist die International Tennis Federation (ITF).

2018 wurde in der Europa/Afrika-Zone I ein neuer Modus ausprobiert: Der Kapitän darf fünf Spieler nominieren, gespielt wird nur an zwei statt wie bisher drei Tagen, der Modus wird auf Best-of-Three reduziert. Dieser Modus wurde zum Standard.

Neues Weltgruppen-Format ab 2019

Im August 2018 ließ die ITF bei der Generalversammlung in Orlando, Florida, über ein neues Davis-Cup-Format abstimmen. Nötig dafür war eine Zwei-Drittel-Mehrheit der stimmberechtigten nationalen Verbände. Diese wurde mit 71 Prozent erreicht.

Und so sah der Davis Cup in der Weltgruppe mit 2019 aus:

Ein jährliches Finale wurde und wird zum Ende der Saison ausgetragen, bei dem ein Champion gekürt wird. In diesem Finalturnier traten 18 Teams an. Zwölf davon qualifizierten sich in einer Heim- oder Auswärtspartie in Kalenderwoche fünf in einer Vorrunde mit 24 Nationen. Zusätzlich hatten die vier Halbfinalisten des Vorjahres einen Fixplatz. Es gab auch zwei Nationen-Wildcards.

Beim Finalturnier wurden in sechs Round-Robin-Gruppen zu je drei Teams sechs Gruppengewinner ermittelt, die ebenso ins Viertelfinale aufstiegen wie die zwei besten Gruppenzweiten. Danach folgten Semifinali und Finale. Beim Finalturnier wurden und werden pro Ländermatch zwei Einzel und ein Doppel an einem Tag ausgetragen. Die Qualifikationsspiele im Februar bestanden weiterhin aus vier Einzeln und einem Doppel, allerdings nur über zwei Tage und nur noch im Best-of-three-Modus.

Die Nationen, die im Finale die Plätze 17 und 18 belegen, steigen in die jeweiligen Zonen-Gruppen ab, die Plätze 5 bis 16 verbleiben in der Weltgruppe.

Weitere Neuerungen ab 2020 und 2022

Eine Liga unter Österreich gab es 2020 weitere Änderungen des Formats. Die ersten beiden Stufen der bisherigen Kontinentalzonen wie Europa/Afrika-Zone I und II wurden aufgelöst und durch die Weltgruppen I und II ersetzt. Der größte daraus resultierende Unterschied ist, dass die Gegner in diesem Bereich nun auf weltweiter Ebene zugelost werden, nicht nur kontinental. Geändert wurde auch der Auf- und Abstiegsmodus.

Das österreichische Nationalteam musste sich mit der weiterführenden Davis-Cup-Reform vorerst nicht befassen. Nach dem 3:2 in Finnland spielte man im März um die Teilnahme am Finalturnier in Madrid, die mit dem 3:1 gegen Uruguay prompt glückte.

Im Juni 2020 wurde von der ITF verlautbart, dass das Event in Madrid aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf November 2021 verschoben wird und die Vorrunden in Innsbruck, Turin und Madrid ausgetragen werden. Das ÖTV-Team spielte in Tirol gegen die Tennis-Großmächte Serbien (0:3) und Deutschland (1:2) und verpasste damit den Aufstieg ins Viertelfinale.

Mit 2022 nehmen nur noch 16 Nationen (zwölf über die Qualifikationsrunde, die zwei Vorjahresfinalisten und zwei Nationen-Wildcards) an den Davis Cup by Rakuten Finals teil, die sich in vier Vierergruppen die acht Viertelfinalisten ausmachen. Die ersten zwei jeder Gruppe steigen dabei ins Viertelfinale auf.

Österreich 2023 mit nächster Finalturnier-Chance

2022 hat Österreichs Herren-Nationalmannschaft die Runde der letzten 16 Nationen diesmal verpasst: In der Qualifikationsrunde gegen Südkorea zog man am Olympic Park Tennis Court in Seoul mit 1:3 den Kürzeren. Die Auswahl von Neo-Kapitän und ÖTV-Sportdirektor Jürgen Melzer war dabei noch mit einem 1:1 in den Entscheidungstag gegangen.

Nach der 4:6,-3:6-Niederlage für Alexander Erler und Lucas Miedler im Doppel gegen Jisung Nam und Minkyu Song lief es dann für Dennis Novak auch nicht besser: Der Niederösterreicher unterlag im Einser-Duell mit Soonwoo Kwon nach 1:42-Stunden-Kampf knapp mit 5:7, 5:7. Das fünfte und letzte Spiel, für das Jurij Rodionov und Nam ursprünglich nominiert waren, wurde nicht mehr ausgetragen.

Damit spielte die rot-weiß-rote Auswahl am 16. und 17. September gegen Pakistan gegen den Abstieg in die Weltgruppe I. Diese Hürde wurde in diesem Play-off-Duell souverän genommen: Mit einem 4:0 wurde man der deutlichen Favoritenrolle in Tulln mehr als gerecht.

Durch Erfolge von Jurij Rodionov und Debütant Filip Misolic ging man wie erhofft mit einem 2:0 in den Entscheidungstag. Dort machten Alexander Erler und Lucas Miedler mit ihrem ersten Davis-Cup-Sieg im zweiten Versuch alles klar: Die beiden schlugen ihre jeweils 42-jährigen Gegner, Aqeel Khan und den Ex-Doppel-Weltranglistenachten und Playing Captain Aisam-ul-Haq Qureshi, glatt mit 6:3, 6:3. Rodionov sorgte danach mit seinem zweiten Einzelsieg für den Endstand.

Somit wahrten die ÖTV-Herren die Chance, sich 2023 wieder für die Davis Cup by Rakuten Finals qualifizieren zu können. Anfang Februar des kommenden Jahres spielt man neuerlich in der diesbezüglich alles entscheidenden Qualifikationsrunde. Der Gegner wird erst Ende November per Los ermittelt.

Letzte Begegnung: Weltgruppe I (16./17. September 2022)

Österreich – Pakistan in Tulln (TC Tulln, Sand) 4:0

Jurij Rodionov – Muhammad Shoaib 6:3, 6:1
Filip Misolic – Muzammil Murtaza 6:1, 7:6 (4)
Alexander Erler / Lucas Miedler – Aqeel Khan / Aisam-ul-Haq Qureshi 6:3, 6:3
Jurij Rodionov – Muzammil Murtaza 6:2, 6:2
Filip Misolic – Muhammad Shoaib nicht ausgetragen