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Im Februar 2019 gelang dem österreichischen Fed-Cup-Team in Luxemburg der sofortige Wiederaufstieg in die Europa/Afrika-Zone I, ein Jahr später konnte die Klasse gehalten werden. Seit 2021 heißt der Fed Cup zu Ehren der großen, ehemaligen Tennisspielerin Billie Jean King Cup. Die ÖTV-Damen belegten 2022 in der Europa/Afrika-Zone I den guten fünften Rang unter elf Nationen und spielen am 11./12. November in Schwechat gegen Lettland um einen Platz in der Qualifikation für die Billie Jean King Cup Finals 2023.

Julia Grabher, Österreichs Nummer 1. ©GEPA pictures/ Walter Luger

Der Billie Jean King Cup (bis 1995 Federation Cup, bis 2020 Fed Cup) ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Damentennis, analog zum Davis Cup bei den Herren. Bereits 1919 hatte Hazel Hotchkiss Wightman die Idee eines Wettkampfs zwischen Damenmannschaften. 1923 rief sie den Wightman Cup ins Leben, der einen jährlichen Länderkampf zwischen den USA und Großbritannien darstellte. Erst 1963 – zum 50. Geburtstag der ITF – setzte man die ursprüngliche Idee um und trug den Federation Cup zum ersten Mal aus. In seinen Anfängen wurde der Federation Cup zwischen 16 Ländern ausgetragen und dauerte eine Woche. Durch vermehrtes Sponsoring erhöhte sich seit den 70er-Jahren die Teilnehmerzahl stetig, sodass 1992 regionale Qualifikationswettkämpfe eingeführt wurden. 1995 wurde der Name in Fed Cup geändert und der Länderkampf durch Änderungen am Spielmodus (vier Einzel, ein Doppel statt bisher zwei Einzel, ein Doppel, Heimrechtvergabe) dem Davis Cup weiter angeglichen. Zu Ehren der großen US-Tennisspielerin heißt der Bewerb seit 2021 Billie Jean King Cup.

Im Februar 2020 durfte das Team in Tallinn über den Klassenerhalt jubeln. © | GEPA pictures/ Walter Luger

Die jüngere Vergangenheit

Seit Dezember 2018 ist Marion Maruska Kapitänin. Das Ziel für die Kalenderwoche 6 im Jahr 2019 war mit dem sofortigen Wiederaufstieg in die Gruppe I klar definiert. Das Turnier wurde in Esch-sur-Alzette in Luxemburg ausgetragen. Österreich besiegte in der Gruppenphase Tunesien 2:1 und Bosnien 3:0, in der Relegation wurde mit dem 2:0 gegen Israel der Aufstieg fixiert.

Ein Jahr später ging’s erneut nach Tallinn. Nach dem 0:3 gegen Italien und dem 2:1 gegen Griechenland mussten sich Österreichs Damen beim Turnier der Europa/Afrika-Zone I Gastgeber Estland mit 1:2 geschlagen geben. Aber: Der Punkt, den Melanie Klaffner und Sinja Kraus im abschließenden Doppel holten, reichte aus, um in der Tabelle an Griechenland vorbeizuziehen. Österreich beendete somit das Turnier als Gruppendritter und schaffte den Klassenerhalt.

„Ich bin wirklich stolz und happy, dass wir das Ziel, das ich ausgegeben habe, erreicht haben“, sagte Maruska. „Nach dem Sieg gegen Griechenland habe ich zu glauben begonnen, dass wir es schaffen können. Dass das jetzt schon in der Gruppenphase passiert ist, ist umso schöner.“ Verantwortlich für den Erfolg sei eine starke Teamleistung gewesen: „Jede Einzelne hat ihren Part erfüllt. Julia Grabher hatte als Nummer 1 den großen Druck, bei 0:1 gegen deutlich besser klassierte Spielerinnen reingehen zu müssen; Mira Antonitsch hat gegen die Italienerin Camilla Giorgi einen sensationellen ersten Satz hingelegt; und das Doppel mit Melanie Klaffner und Sinja Kraus ist toll eingespielt und hat drei großartige Matches abgeliefert.“

2022 wurde der Klassenerhalt in Serik, Antalya, bereits vor dem letzten Gruppenspiel fixiert. © GEPA pictures/ Walter Luger

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie war auch Österreich erst wieder im Jahr 2022 im Einsatz, und zwar vom 11. bis 16. April in der Europa/Afrika-Gruppe I in der Kreisstadt Serik in der türkischen Provinz Antalya. Die ÖTV-Damen waren erneut mit dem Ziel Klassenerhalt ins Turnier gegangen, verkauften sich aber teuer und hatten nach einem 2:1 über Bulgarien, einem 1:2 gegen Slowenien, einem 3:0 über Georgien und einem 2:1 gegen Schweden bis zum letzten Gruppenspiel gar die Chance auf den Aufstieg. Das entscheidende Spiel gegen die starken Kroatinnen ging jedoch mit 1:2 verloren, womit es der dritte Rang im Pool B wurde. Beim Spiel um Platz fünf wurde abschließend dann noch Gastgeber Türkei mit 2:0 geschlagen. „Es war ein schöner Ausklang dieser gelungenen Länderkampfwoche“, freute sich Maruska.

Platz in der Weltgruppe I geerbt

Der Sieg gegen die Türkei im vermeintlich bedeutungslosen Platzierungsspiel sollte sich für das ÖTV-Team allerdings noch als sehr wichtig erweisen. Denn im Juni erfuhr die Auswahl von Maruska, dass man nach dem Ausschluss von Russland und Weißrussland aufgrund der Kriegshandlungen in der Ukraine sowie der Bestimmung von Glasgow als Austragungsort der Billie Jean King Cup Finals 2022 den Platz von Großbritannien in der Weltgruppe I im Herbst erhält. Jener bietet die Chance auf ein Ticket für die Qualifikation im Frühjahr 2023 zu den nächstjährigen Billie Jean King Cup Finals im Herbst 2023. „Das ist für uns sehr überraschend gekommen, aber es freut uns extrem. Es haben sich eigentlich alle riesig darauf gefreut, mal wieder so ein richtiges Billie-Jean-King-Cup-Match zu spielen, wie beim Davis Cup mit vier Einzeln und einem Doppel – und nicht so viele Länderkämpfe hintereinander in einer Woche wie im Frühjahr in der Türkei. Wir haben uns dort jedoch super präsentiert, ein wirklich gutes Resultat eingefahren, und dafür haben wir uns diese Chance jetzt auch verdient“, sagte Captain Maruska.

Am 16. Juni fand die Auslosung statt, bei der Österreich ein Heimspiel gegen Lettland (Topspielerinnen Jelena Ostapenko und die von Verletzungsproblemen geplagte Anastasija Sevastova) am 11. und 12. November zugeteilt wurde. „Grundsätzlich ist unser Los okay. Es kommt ganz darauf an, in welcher Besetzung Lettland antreten wird, sie hätten zwei Topspielerinnen in ihren Reihen. Wenn sie nicht in der besten Besetzung kommen sollten, hätten wir aber relativ gute Karten. Ich gehe jedoch davon aus, dass sie im Herbst dann wieder stärker aufgestellt sein werden und zumindest Ostapenko wohl spielen wird“, vermutete Maruska. Als Austragungsort für den Länderkampf wurde das Multiversum Schwechat festgelegt.

Die ÖTV-Damen krönten ihr starkes Jahr 2022 mit dem Sieg über Lettland und damit dem Sprung in die Qualifikation für die Billie Jean King Cup by Gainbridge Finals 2023. ©GEPA pictures/ Walter Luger

Überraschung gegen Lettland – und Hammerlos für 2023

Und die Überraschung sollte gelingen: Das Alpstar Austria Billie Jean King Cup Team Austria schaffte sogar ohne die heimische Nummer eins Julia Grabher den Coup im Play-off gegen Lettland. Die ÖTV-Damen-Nationalauswahl setzte sich, bei ihrem ersten Heimmatch seit April 2008, vor begeisterten Fans im Multiversum gegen die favorisierten Baltinnen knapp mit 3:2 durch. Das eingespielte Duo Melanie Klaffner und Sinja Kraus stellte hierbei im alles entscheidenden Doppel den Sieg für die Mannschaft von Kapitänin Marion Maruska sicher. Die Oberösterreicherin und die Wienerin bezwangen Diana Marcinkevica und Jelena Ostapenko nach rund 1:21 Stunden Spielzeit mit 7:5, 6:3 und sorgten für Jubelströme in Rot-weiß-rot – Sektduschen für alle Beteiligten inklusive, auch für die diesmal nicht zum Einsatz gekommene Barbara Haas, Teammasseur Werner Farmer, Physiotherapeutin Katrin Müllner und Veranstalter Florian Leitgeb von der Agentur Champ Events.

War man den Lettinnen 2015 in Budapest (Ungarn) mit 1:2 und 2018 in Tallinn (Estland) noch mit 0:3 unterlegen gewesen, so glückte beim dritten Versuch nun der Coup und die erfolgreiche Revanche. Damit spielen Österreichs Tennisdamen im Frühjahr 2023 am 14. und 15. April sensationell in der Qualifikationsrunde für die hochprämierten Billie Jean King Cup Finals 2023. Ihre dortigen Gegnerinnen erfuhren die ÖTV-Ladies bereits einen Tag nach dem Sieg über Lettland, bei der Auslosung am 13. November in Glasgow (Schottland): Es wurde mit einem Auswärtsspiel in den USA ein ganz anderes Kaliber als Lettland, gegen eine absolute Tennis-Weltmacht. Während Österreich mit Grabher (WTA-Rang 84) seit dem 12. September 2022 nach längerer Zeit immerhin wieder eine WTA-Top-100-Spielerin vorweisen kann, kann die Mannschaft von US-Captain Kathy Rinaldi zum Zeitpunkt der Auslosung gleich 13 Spielerinnen zu diesem elitären Kreis zählen. Allein vier davon befinden sich unter den besten 14 in der Welt: Jessica Pegula (WTA 3), die erst 18 Jahre alte French-Open-Finalistin Coco Gauff (WTA 7), Ex-US-Open-Finalistin Madison Keys (WTA 11) und Australian-Open-Finalistin Danielle Rose Collins (WTA 14).

ÖTV-Teamkapitänin Maruska zeigte sich von der Auslosung nur einerseits sehr angetan: „Grundsätzlich ist das natürlich ein attraktives Los, aber natürlich auch kein Wunschlos – das wäre sicherlich Deutschland gewesen. Es ist eine ganz harte Aufgabe. Wir haben die USA zwar schon ein paar Mal überraschend geschlagen, und ich erinnere mich dabei natürlich an den letzten Länderkampf, bei dem ich zum Einsatz gekommen bin, 2002 bei unserem sensationellen 3:2-Sieg in Charlotte, mit Billie Jean King auf der gegnerischen Bank. Es wird jedoch sehr, sehr schwierig, solch eine Sensation zu wiederholen, denn die USA sind nicht nur ein bisschen die Favoritinnen, sondern deutlich. Nichtsdestotrotz hat der Billie Jean King Cup immer eigene Gesetze. Und damals, als wir sie 2002 geschlagen haben, hatten sie auch sogar gerade fünf Spielerinnen unter den besten Sieben. Also wir hoffen, dass wir mit unserem bestmöglichen Team antreten werden können und werden sicherlich unser Bestes geben.“


Letzte Begegnung

Weltgruppe I, Play-off (11./12.11.2022, Multiversum Schwechat)

Österreich – Lettland 3:2

Tamira Paszek – Jelena Ostapenko 6:3, 2:6, 6:7 (9)
Sinja Kraus – Daniela Vismane 6:3, 6:1
Sinja Kraus – Jelena Ostapenko 0:6, 6:3, 1:6
Tamira Paszek – Diana Marcinkevica 6:2, 6:3
Melanie Klaffner / Sinja Kraus – Diana Marcinkevica / Jelena Ostapenko 7:5, 6:3