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Im Februar 2019 gelang dem österreichischen Fed-Cup-Team in Luxemburg der sofortige Wiederaufstieg in die Europa/Afrika-Zone I, ein Jahr später konnte die Klasse gehalten werden. Seit 2021 heißt der Fed Cup zu Ehren der großen Tennisspielerin Billie Jean King Cup.

Julia Grabher, Österreichs Nummer 1. ©GEPA pictures/ Walter Luger

Der Billie Jean King Cup (bis 1995 Federation Cup, bis 2020 Fed Cup) ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Damentennis, analog zum Davis Cup bei den Herren. Bereits 1919 hatte Hazel Hotchkiss Wightman die Idee eines Wettkampfs zwischen Damenmannschaften. 1923 rief sie den Wightman Cup ins Leben, der einen jährlichen Länderkampf zwischen den USA und Großbritannien darstellte. Erst 1963 – zum 50. Geburtstag der ITF – setzte man die ursprüngliche Idee um und trug den Federation Cup zum ersten Mal aus. In seinen Anfängen wurde der Federation Cup zwischen 16 Ländern ausgetragen und dauerte eine Woche. Durch vermehrtes Sponsoring erhöhte sich seit den 70er-Jahren die Teilnehmerzahl stetig, sodass 1992 regionale Qualifikationswettkämpfe eingeführt wurden. 1995 wurde der Name in Fed Cup geändert und der Länderkampf durch Änderungen am Spielmodus (vier Einzel, ein Doppel statt bisher zwei Einzel, ein Doppel, Heimrechtvergabe) dem Davis Cup weiter angeglichen. Zu Ehren der großen US-Tennisspielerin heißt der Bewerb seit 2021 Billie Jean King Cup.

Im Februar 2020 durfte das Team in Tallinn über den Klassenerhalt jubeln. © | GEPA pictures/ Walter Luger

Die jüngere Vergangenheit

Seit Dezember 2018 ist Marion Maruska Kapitänin. Das Ziel für die Kalenderwoche 6 im Jahr 2019 war mit dem sofortigen Wiederaufstieg in die Gruppe I klar definiert. Das Turnier wurde in Esch-sur-Alzette in Luxemburg ausgetragen. Österreich besiegte in der Gruppenphase Tunesien 2:1 und Bosnien 3:0, in der Relegation wurde mit dem 2:0 gegen Israel der Aufstieg fixiert.

Ein Jahr später ging’s erneut nach Tallinn. Nach dem 0:3 gegen Italien und dem 2:1 gegen Griechenland mussten sich Österreichs Damen beim Turnier der Europa/Afrika-Zone I Gastgeber Estland mit 1:2 geschlagen geben. Aber: Der Punkt, den Melanie Klaffner und Sinja Kraus im abschließenden Doppel holten, reichte aus, um in der Tabelle an Griechenland vorbeizuziehen. Österreich beendete somit das Turnier als Gruppendritter und schaffte den Klassenerhalt.

„Ich bin wirklich stolz und happy, dass wir das Ziel, das ich ausgegeben habe, erreicht haben“, sagte Maruska. „Nach dem Sieg gegen Griechenland habe ich zu glauben begonnen, dass wir es schaffen können. Dass das jetzt schon in der Gruppenphase passiert ist, ist umso schöner.“ Verantwortlich für den Erfolg sei eine starke Teamleistung gewesen: „Jede Einzelne hat ihren Part erfüllt. Julia Grabher hatte als Nummer 1 den großen Druck, bei 0:1 gegen deutlich besser klassierte Spielerinnen reingehen zu müssen; Mira Antonitsch hat gegen die Italienerin Camilla Giorgi einen sensationellen ersten Satz hingelegt; und das Doppel mit Melanie Klaffner und Sinja Kraus ist toll eingespielt und hat drei großartige Matches abgeliefert.“

2022 wurde der Klassenerhalt in Serik, Antalya, bereits vor dem letzten Gruppenspiel fixiert. © GEPA pictures/ Walter Luger

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie war auch Österreich erst wieder im Jahr 2022 im Einsatz, und zwar vom 11. bis 16. April in der Europa/Afrika-Gruppe I in der Kreisstadt Serik in der türkischen Provinz Antalya. Die ÖTV-Damen waren erneut mit dem Ziel Klassenerhalt ins Turnier gegangen, verkauften sich aber teuer und hatten nach einem 2:1 über Bulgarien, einem 1:2 gegen Slowenien, einem 3:0 über Georgien und einem 2:1 gegen Schweden bis zum letzten Gruppenspiel gar die Chance auf den Aufstieg. Das entscheidende Spiel gegen die starken Kroatinnen ging jedoch mit 1:2 verloren, womit es der dritte Rang im Pool B wurde. Beim Spiel um Platz fünf wurde abschließend dann noch Gastgeber Türkei mit 2:0 geschlagen. „Es war ein schöner Ausklang dieser gelungenen Länderkampfwoche“, freute sich Maruska.

Platz in der Weltgruppe I geerbt

Der Sieg gegen die Türkei im vermeintlich bedeutungslosen Platzierungsspiel sollte sich für das ÖTV-Team allerdings noch als sehr wichtig erweisen. Denn im Juni erfuhr die Auswahl von Maruska, dass man nach dem Ausschluss von Russland und Weißrussland aufgrund der Kriegshandlungen in der Ukraine sowie der Bestimmung von Glasgow als Austragungsort der Billie Jean King Cup Finals 2022 den Platz von Großbritannien in der Weltgruppe I im Herbst erhält. Jener bietet die Chance auf ein Ticket für die Qualifikation im Frühjahr 2023 zu den nächstjährigen Billie Jean King Cup Finals im Herbst 2023. „Das ist für uns sehr überraschend gekommen, aber es freut uns extrem. Es haben sich eigentlich alle riesig darauf gefreut, mal wieder so ein richtiges Billie-Jean-King-Cup-Match zu spielen, wie beim Davis Cup mit vier Einzeln und einem Doppel – und nicht so viele Länderkämpfe hintereinander in einer Woche wie im Frühjahr in der Türkei. Wir haben uns dort jedoch super präsentiert, ein wirklich gutes Resultat eingefahren, und dafür haben wir uns diese Chance jetzt auch verdient“, sagte Captain Maruska.

Am 16. Juni fand die Auslosung statt, bei der Österreich ein Heimspiel gegen Lettland (Topspielerinnen Jelena Ostapenko und die von Verletzungsproblemen geplagte Anastasija Sevastova) am 11. und 12. November zugeteilt wurde. „Grundsätzlich ist unser Los okay. Es kommt ganz darauf an, in welcher Besetzung Lettland antreten wird, sie hätten zwei Topspielerinnen in ihren Reihen. Wenn sie nicht in der besten Besetzung kommen sollten, hätten wir aber relativ gute Karten. Ich gehe jedoch davon aus, dass sie im Herbst dann wieder stärker aufgestellt sein werden und zumindest Ostapenko wohl spielen wird“, vermutete Maruska. Der Austragungsort für den Länderkampf wird erst festgelegt.


  • Letzte Begegnung 
    Europa-Afrika-Gruppe I (11.4. – 16.4.2022, Serik, Antalya) 
  • 1. Spieltag: Österreich – Bulgarien 2:1
    Sinja Kraus (WTA 402) – Julia Terziyska (WTA 522) 6:1, 6:4
    Julia Grabher (WTA 198) – Isabella Shinikova (WTA 226) 6:2, 6:3
    Barbara Haas / Sinja Kraus – Isabella Shinikova / Julia Terziyska 7:6 (6), 2:6, 4:6
  • 2. Spieltag: Österreich – Slowenien 1:2
    Sinja Kraus (WTA 402) – Kaja Juvan (WTA 81) 1:6, 4:6
    Julia Grabher (WTA 198) – Tamara Zidansek (WTA 27) 6:3, 6:3
    Melanie Klaffner / Sinja Kraus – Kaja Juvan / Tamara Zidansek 6:2, 4:6, 2:6
  • 3. Spieltag: Österreich – Georgien 3:0
    Sinja Kraus (WTA 402) – Nino Natsvlishvili (WTA 1186) 6:4, 6:2
    Julia Grabher (WTA 198) – Zoziya Kardava (WTA 1016) 6:0, 6:1
    Barbara Haas / Melanie Klaffner – Tamari Gagoshidze / NIno Natsvlishvili 6:4, 4:6, 6:3
  • 4. Spieltag: Österreich – Schweden 2:1
    Sinja Kraus (WTA 402) – Jacqueline Cabaj Awad (WTA 487) 6:2, 6:2
    Julia Grabher (WTA 198) – Caijsa Wilda Hennemann (WTA 374) 6:7 (2), 5:7
    Melanie Klaffner / Sinja Kraus – Caijsa Wilda Hennemann / Kajsa Rinaldo Persson 4:6, 7:5, 6:0
  • 5. Spieltag: Österreich – Kroatien 1:2
    Sinja Kraus (WTA 402) – Donna Vekic (WTA 108) 5:7, 3:6
    Julia Grabher (WTA 198) – Petra Martic (WTA 60) 2:6, 4:6
    Barbara Haas / Melanie Klaffner – Petra Marcinko / Tara Wurth 5:7 ret. Marcinko/Wurth
  • Spiel um Platz 5: Österreich – Türkei 2:0
    Melanie Klaffner (WTA 585) – Zeynep Sönmez (WTA 551) 6:3, 5:7, 6:2
    Barbara Haas (WTA 236) – Berfu Cengiz (WTA 398) 6:4, 6:2