Yvonne Meusburger: She did it her way

"Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich einfach auf mich selber hören wollte", sagt die Vorarlbergerin nach dem am Dienstag bekanntgegebenen Rücktritt. Yvonne Meusburgers erfolgreiche Karriere in Wort und Bild.

754 Profi-Matches, 439 Siege, 1,34 Millionen Dollar Preisgeld, ein Titel auf der WTA-Tour und 24 Trophäen inklusive Future- und Challenger-Events und Doppel-Erfolge - so lauten die stolzen Karriere-Fakten zu Yvonne Meusburger, die am Dienstag nach ihrem Aus in der ersten Runde der US Open ihren Rücktritt bekannt gegeben hat.

Abschied in Australien
Es soll laut "Meusi", wie sie in Tenniskreisen liebevoll genannt wird, kein Rücktritt auf Raten sein. "Ich habe hier mein letztes Match gespielt", verkündete die Vorarlbergerin, die am 3. Oktober ihr 31. Lebensjahr vollendet, nach der Niederlage gegen die junge Tschechin Katerina Pliskova. Auch auf der Nennliste für das WTA-Turnier in Linz fehlt ihr Name, einzig ein kleines Hintertürchen ließ sich Meusburger offen. Ihr Lieblingsturnier, die Australian Open, möchte sie Anfang 2015 noch spielen, sollte das Ranking ihr einen direkten Platz im Hauptfeld ermöglichen - wonach es stark aussieht.

Ein Jahrzehnt konstant vorne dabei
Der Rücktritt der in Dornbirn geborenen und in der 3.800-Seelen-Gemeinde Schwarzach wohnhaften Meusburger kommt für viele überraschend, hatte sie doch erst am 31. März dieses Jahres ihr bisher bestes Karriere-Ranking, Platz 37, erreicht. Davor war die Rechtshänderin, die ihren Gegnerinnen meist nicht mit der Schlaghärte, aber fast immer in puncto Beinarbeit und Zähigkeit überlegen war, knapp ein Jahrzehnt lang zwischen den Rängen 60 und 170 gependelt. Ausreißer gab es kaum, weder nach oben, noch nach unten.

29 Mal für Österreich
Im Alter von nur 15 Jahren und zehn Monaten bestritt Meusburger laut WTA-Aufzeichnungen ihr erstes 10.000-Dollar-Event im belgischen Rebecq, bei dem sie auf Anhieb das Viertelfinale erreichte. Der erste Turniersieg gelang ihr vier Jahre später im britischen Sunderland. Im selben Jahr (2003) wurde Meusburger auch erstmals in den österreichischen Fed-Cup-Kader berufen und feierte ihr Debüt in Rot-Weiß-Rot an der Seite von Sybille Bammer mit einem Doppel-Match gegen die Belgierinnen Kim Clijsters, im gleichen Jahr die Nummer eins der Welt, und Els Callens.

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Insgesamt vertrat Meusburger ihr Land stolze 29 Mal. Highlight: Der 7:6 (3), 6:2-Sieg über Nathalie Dechy in der Werzer Arena von Pörtschach zur 1:0-Führung gegen die damals beste Tennisnation der Welt, Frankreich. Bis heute ist die damalige Weltranglisten-15. Dechy die höchstgereihte Spielerin, gegen die Meusburger je gewann.

Mit 30 in Bestform
Nach zahlreichen Erfolgen bei Challenger-Events gelang Meusburger im Mai 2007 erstmals der Sprung unter die Top 100 der Weltrangliste. Dort setzte sie sich - mit leichten Schwankungen - auch jahrelang fest. Das beste Jahr der Karriere sollte aber erst 2013 folgen, als die exzellente Return-Spielerin - 2013 laut Statistik sogar die beste auf der ganzen Tour - mit mittlerweile 30 Jahren zur Form ihres Lebens auflief.

Heimtriumph als emotionales Highlight
Als Nummer 112 der Welt drang Meusburger mit Siegen über weit höher gereihte Spielerinnen ins Endspiel des 220.000-Dollar-Turniers von Budapest vor, in dem sie der Rumänin Simona Halep, ein Jahr später die Nummer zwei der Welt, in drei Sätzen unterlag. Nur eine Woche später war die Stunde der stets bescheidenen Vorarlbergerin aber gekommen. Ausgerechnet beim Heimturnier in Bad Gastein feierte sie nach einem Finalerfolg gegen die Tschechin Andrea Hlavackova ihren vielumjubelten ersten - und einzigen - WTA-Titel.

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Trimmel: "Eine Vorbildathletin"
Die Welle des neu gewonnenen Selbstbewusstseins trug Meusburger in den Folgemonaten bis in die Top 40 der Welt. Der Schützling des deutschen Trainers Joachim Kretz war nun Stammgast bei allen Grand-Slam-Turnieren, größter Erfolg war 2014 der erste und einzige Einzug in die Runde der letzten 32. Nämlich bei den Australian Open, jenem Turnier, bei dem Yvonne Meusburger ein Jahr später den endgültigen Schlussstrich unter eine erfolgreiche Karriere setzen wird.

Es ist ein Rücktritt, der eine Lücke im österreichischen Tennis hinterlassen wird, schließlich ist Meusburger die derzeit bestgereihte Spielerin in der Weltrangliste. ÖTV-Sportdirektor Clemens Trimmel: "Das Wichtigste ist, dass sie glücklich ist mit ihrer Entscheidung, die sicher reiflich durchdacht ist. Ich hoffe, sie bleibt dem Tennis erhalten. Sie war immer eine Vorbildathletin, hat alles aus ihrer Karriere herausgeholt und ist daher auch ein Ansporn für die Jugend."

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Trainerausbildung im Herbst
In einem bemerkenswert offenen Interview für die "Vorarlberger Nachrichten" erklärt Meusburger die Hintergründe ihrer Entscheidung: "Ich war früher immer sehr unsicher und habe bei anderen Leuten um Rat gefragt. Ich habe wenig auf mich selbst gehört und wollte immer alles richtig machen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich einfach auf mich selber hören wollte und das Rundherum ausgeblendet habe." Die Zukunft sieht Meusburger weiter im Tennis ("Da kenne ich mich richtig gut aus"), nach einer schöpferischen Pause beginnt sie im Herbst mit der Trainerausbildung. Und "in ein, zwei Jahren" kann sich Meusburger auch vorstellen, eine Familie zu gründen.

Der ÖTV wünscht Yvonne Meusburger für ihre Zukunft alles Gute und bedankt sich für die Treue zum Nationalteam und die vielen Erfolge für Österreich.

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