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ATP

Wunderkind gestoppt: Misolic holt in Zagreb seinen 1. ATP-Challenger-Titel

Das heimische Nachwuchstalent gewinnt das Endspiel in Kroatiens Hauptstadt gegen einen 17-Jährigen in zwei Sätzen.

Filip Misolic ©GEPA pictures/ Matic Klansek

Tennis-Österreich mag momentan erstmalig seit 28. April 1986 keinen Spieler unter den ATP-Top-100 haben. Doch dafür wieder neue Hoffnung, dass sich dies auch unabhängig vom Comeback-Verlauf von Dominic Thiem bereits bald wieder ändern könnte – genährt durch den nächsten heimischen Triumph auf ATP-Challenger-Bühne. Hatte letzte Woche Jurij Rodionov beim Heimturnier in Mauthausen triumphiert, so hat in dieser Woche Filip Misolic für erfreuliche Schlagzeilen gesorgt. Der 20-Jährige hat am Samstagnachmittag beim ATP-Sandplatz-Challenger der Kategorie 80 in Zagreb einen ersten Titelgewinn auf dieser Ebene gefeiert. Der Steirer (ATP 301) gewann das Endspiel gegen den kroatischen Lokalmatador Mili Poljicak (ATP 1472) und stoppte damit den Erfolgslauf des gerade mal 17-jährigen Wunderkinds, im Jänner die Nummer zwei und die derzeitige Nummer vier in der Jugendweltrangliste. Misolic wird mit den 80 ATP-Punkten in der Weltrangliste seine aktuelle, bisher beste Platzierung um rund 75 Positionen toppen und sich also auf einen Rang um 225 einreihen. Ein Startplatz in der Wimbledon-Qualifikation und dadurch seine erste Grand-Slam-Teilnahme bei den Erwachsenen ist ihm nun endgültig sicher.

Misolic: „Bin richtig stolz auf mich“

Misolic absolvierte in Zagreb ein intensives Programm, konnte sich jeweils in drei Sätzen durch zwei Qualifikationsrunden kämpfen und musste auch im Halbfinale am Freitag die volle Distanz bestreiten, während sich Poljicak diese Mühen durch seine Hauptbewerbs-Wildcard ersparte und zudem bei seinen vier Matches ohne Satzverlust blieb, jedoch nur bis zum heutigen, großen Finale. „Er ist ein richtig guter Spieler, hat sehr viel Talent. Das wird diesmal eine spannende Partie“, hatte Misolic über Poljicak gemeint und zum Finale angekündigt – und sollte damit völlig Recht behalten. Der Grazer startete gut ins Match, holte sich gleich ein glattes Break zum 2:0, welches er nach 15:40-Rückstand auch zum 3:0 bestätigen konnte – danach servierte er den ersten Satz aus. Im zweiten Durchgang ließen beide Finalisten (Poljicak im vierten Game, Misolic im neunten) jeweils ein 0:40 als Rückschläger aus, ehe dem jungen ÖTV-Talent das vermeintlich vorentscheidende Break zum 6:5 gelang. Mitnichten! Es folgte ein Rebreak zum 6:6 und das Tiebreak, wo sich der rot-weiß-rote Youngster eine zweimalige Minibreak-Führung, samt zwei Matchbällen bei 6:4, zunächst noch nehmen ließ.

Doch Misolic blieb cool, erspielte sich gleich den dritten Matchball. Die vorangegangenen hatte Poljicak noch stark abgewehrt, diesmal jedoch unterlief ihm dann ein Returnfehler – und Misolic konnte so nach knapp 1:49-stündigem Kampf über seinen Premierenerfolg jubeln. „Es war ein sehr, sehr enges Match. Auch im ersten Satz, wo ich ein frühes Break holen konnte und er vielleicht noch nicht warm genug war, aber es waren eigentlich alle Aufschlaggames knapp. Von der Grundlinie war ich der bessere Spieler, aber das war ein richtig taffes Spiel heute, mit den vielen Stoppbällen“, sagte Misolic gegenüber dem ÖTV und bekannte, dass die Hand beim Ausservieren bei 6:5 dann ziemlich schwer geworden war. „Sehr sogar“, lächelte er. „Ich habe richtiggehend gezittert, ich hatte im Kopf da so viele Sachen, an die ich plötzlich gedacht habe, war mir unsicher.“ Doch das ÖTV-Talent schaffte es, den Reset-Button zu drücken und die Partie zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. „Jetzt bin ich sehr stolz, richtig stolz auf mich. Ich bin richtig glücklich, weil ich am Anfang des Turniers nicht annähernd gedacht habe, dass das möglich ist, noch dazu aus der Qualifikation heraus. Aber ich habe mich auf jedes Match einzeln fokussiert und jedes Match einfach mein Bestes geben wollen.“ Letztlich mit Erfolg.

„Wir können es alle in die Top 100 schaffen“

Misolic hatte vor dieser Turnierwoche auf Challenger-Level noch kein Halbfinale erreicht, jetzt klappte es gleich mit dem Turniersieg, bei seinem erst 13. Auftritt auf dieser Ebene überhaupt. Dies kam auch für ihn selbst überraschend: „Das habe ich in jedem Fall nicht so früh erwartet. Ich finde, dass ich schon das Spiel dazu hatte. Dass es jedoch gelingt, ein ganzes Turnier so durchzuspielen, hatte ich bislang noch nicht gezeigt. Ich war diese Woche auch im Kopf sehr gut und das Selbstvertrauen ist dann eben auch immer größer geworden.“ Zudem habe es ihm in Zagreb, wo er auch zeitweise unter Coach Ante Andric trainiert, viel Spaß gemacht, weil ihn viele Zuseher anfeuerten. Sogar im Endspiel gegen einen jungen Einheimischen war das Publikum recht gespalten und waren so einige Fans auf seiner Seite. „Es war richtig angenehm und toll hier, das gibt den Spielern richtig viel Kraft, wenn das Publikum so dabei ist – auch wenn es mal mehrheitlich gegen einen ist. Es gab richtig viel Stimmung, und das motiviert einfach und macht dann viel mehr Spaß.

Dass Österreich zurzeit ohne Top-100-Mann dasteht, sieht Misolic recht entspannt: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir bald wieder jemanden dort haben werden. Vor allem bei Dominic Thiem. Wenn er wieder zu seiner Form zurückkehrt, dann wird er nicht nur unter die Top 100 kommen, sondern wieder dorthin, wo er früher war. Und auch Jurij Rodionov, Dennis Novak, Sebastian Ofner, ich und so weiter, die Burschen können es alle in die Top 100 schaffen. Das sind alles richtig gute Spieler.“ Ob er sich selbst zutraut, der nächste Top-100-Mann aus Österreich zu werden? Dies beantwortete Misolic so: „Es wäre sicher sehr schön und ich werde alles dafür machen, dass das passiert und ich dorthin komme. Ich wäre sehr glücklich, wenn es klappt – aber bei jedem von uns…“

Hier alle Ergebnisse vom ATP-Challenger in Zagreb.

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