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WTA-Challenger Bari: Sensationelle Grabher mit größtem Karrieretitel erstmals Top 100

Die ÖTV-Spitzenspielerin gibt sich im Finale des 115.000-US-Dollar-Turniers in Italien keine Blöße.

Julia Grabher © | GEPA pictures/ Edgar Eisner

Es ist die Krönung ihrer schon bis dato so starken Saison: Julia Grabher hat am Sonntag beim WTA-Sandplatz-Challenger in Bari den größten Turniersieg in ihrer Karriere gefeiert und damit erstmals den Sprung unter den elitären Kreis der Top 100 der Welt geschafft. Die Vorarlbergerin (WTA 120) knüpfte im abendlichen Finalspiel in der Hafenstadt an der Adria voll und ganz an die zuvor gezeigten Vorstellungen an und fertigte die italienische Qualifikantin Nuria Brancaccio (WTA 433) mit 6:4, 6:2 ab, in nur 69 Minuten Spielzeit. Der Lohn hierfür sind 15.000 US-Dollar Preisgeld und stolze 160 WTA-Punkte, mit denen sich die 26-Jährige im WTA-Ranking am Montag bis auf Position 97 verbessern konnte. Somit ging zugleich eine ungewohnt lange, rot-weiß-rote Durststrecke bei den Damen zu Ende: Seit ihrer Vorarlberger Landsfrau Yvonne Meusburger vor mehr als siebeneinhalb Jahren (Platz 93 der Weltrangliste vom 19. Jänner 2015) war keine ÖTV-Vertreterin mehr unter den besten 100 gestanden.

Grabher ließ nach bereits davor starken Leistungen auch im Finale nicht viel anbrennen. Zwar musste sie sich die frühe 2:0-Führung wieder nehmen lassen, aus dem 2:2 machte sie jedoch ein 4:2 und 0:40 als Rückschlägerin. Das Doppelbreak gelang der Dornbirnerin nicht, sie servierte dafür trocken zur 1:0-Satzführung durch. Im zweiten Durchgang ging sie rasch 3:0 und 30:0 bei eigenem Service in Front, kassierte noch ein Rebreak und sah sich kurz darauf bei 3:2 wieder. Doch die letzten drei Games entschied sie alle zu 30 für sich, beim zweiten Matchball machte sie den Sack zu. „Der erste Titel auf der WTA-Tour ist etwas ganz Besonderes, entsprechend groß ist die Genugtuung und Freude über den Erfolg im italienischen Bari“, so Grabher auf ihrer offiziellen facebook-Fanseite. Mit dem Finalcoup kröne sie „eine perfekte Woche, bin überglücklich und megastolz. Weiter geht es in Bukarest.“ Dort bestreitet sie in dieser Woche einen weiteren WTA-Challenger.

Grabher „überglücklich und megastolz“

Gegenüber dem Österreichischen Tennisverband zeigte sich Grabher ob ihres bisher klar größten Titelgewinns „megahappy – und auch darüber, dass ich nun in den Top 100 bin. Die Erleichterung ist riesengroß. Da bin ich echt stolz darauf, dass mir das gelungen ist. Das war ein Riesenziel von mir, das ganze Jahr schon. Jetzt habe ich das im Prinzip mit einem Turnier geschafft.“ Die Dornbirnerin gab offen zu: „Ich habe vor dem Turnier nicht wirklich erwartet, dass ich es gewinne, auch wenn ich gewusst habe, dass ich dort jede Spielerin schlagen kann. Ich habe die ganze Woche sehr, sehr gute Matches gespielt. Ich habe gute Gegnerinnen geschlagen, die echt gut in Form waren“, freute sie sich. Danach im Finale auch den letzten Schritt zum Erreichen ihres Ziels zu machen, das sei ihr nicht so leicht von der Hand gegangen: „Natürlich war ich megaangespannt, es ging doch um einen WTA-Titel und die Top 100. Das ist nicht komplett an mir vorübergegangen.“

Auch von der Ausgangslage her sei es für Grabher eine völlig andere Situation gewesen: „Ich war im Vergleich zu den Matches davor im Prinzip komplette Favoritin.“ Ob all dieser Faktoren im Hinterkopf lieferte sie im Endspiel „wahrscheinlich sogar meine schwächste Partie im Turnierverlauf. Aber es ist natürlich auch um sehr viel mehr gegangen, und ich denke, es ist auch an meiner Gegnerin nicht spurlos vorübergegangen. Deswegen bin ich megastolz, wie ich das letztlich über die Bühne gebracht und in Summe gut gemeistert habe. Ich habe versucht, mich nicht auf die zwei Sachen (die Möglichkeit ihres größten Titelgewinns und jene, in die Top 100 einzuziehen; Anmerkung) zu konzentrieren und es einfach wie ein normales Match zu sehen.“ Was ihr letztlich doch sehr gut gelang und in den ersten Triumph einer Österreicherin bei einem WTA-Event seit ebenfalls Meusburger beim Heimturnier in Bad Gastein 2013 münden sollte.

„Ich glaube, dass es noch viel weiter nach vorne gehen kann“

Grabher stellte allerdings klar, dass der erstmalige Sprung unter die Top 100 keinesfalls schon alles gewesen sein soll: „Jetzt habe ich das erste Ziel erreicht – aber das soll auf keinen Fall das Ende sein. Ich habe noch viele Ziele mehr, und ich glaube auch, dass es noch viel weiter nach vorne gehen kann. Ich habe auch schon WTA-Top-30-Spielerinnen geschlagen“, in Bari hatte sie zudem mit der topgesetzten Ungarin Panna Udvardy (WTA 78) zum bereits sechsten Mal in dieser Saison eine Top-100-Vertreterin bezwungen. Nun wolle sie sich im WTA-Ranking langsam weiter hocharbeiten. Zweifellos bestätigt dieser schöne Erfolg jedenfalls, dass Österreichs Damentennis wieder deutlich im Aufwind ist – allen voran mit Grabher und auch mit der heimischen Nummer zwei Sinja Kraus, die sich 2022 schon um mehr als 250 Plätze verbessern konnte und seit Montag neuerlich unter den Top 200 steht. Dazu erfreut sich der ÖTV momentan einiger sehr vielversprechender Nachwuchstalente, speziell bei den Mädchen des Jahrgangs 2010. „Ich freue mich sehr, dass Julia jetzt die Top 100 geknackt hat, nach so langer Zeit ohne Österreicherin dort“, sagte ÖTV-Sportkoordinatorin und -Billie-Jean-King-Cup-Kapitänin Marion Maruska. „Sie hat wirklich eine kontinuierliche Verbesserung an den Tag gelegt und es ist schön, dass sie diese Schallmauer nun durchbrochen hat. Sie ist jetzt dort angekommen, wo auch ihr Potential liegt: Sie gehört in die Top 100. Wir sind zudem guter Dinge, dass es allgemein mit Österreichs Damentennis wieder bergauf geht.“

Grabher wolle jedenfalls ihren Beitrag zum Damentennis-Aufschwung leisten: „Ich hoffe, dass es jetzt vielleicht ein bisschen einen Aufwind im österreichischen Tennissport gibt. Es kommen einige gute Junge nach. Ich hoffe, ich konnte da ein bisschen was bewirken bzw. ich hoffe, dass ich in Zukunft was bewirken kann.“ Diesbezüglich ist der Schützling der heimischen Trainerlegende Günter Bresnik, in Bari jedoch durch Touring Coach Philip Lang vertreten, augenscheinlich auf einem guten Weg. Mit den Erfolgen von Österreichs Ladies steigt auch die Vorfreude auf den Billie Jean King Cup, wo die ÖTV-Damen am 11. und 12. November im Multiversum Schwechat im Play-off der Weltgruppe I auf Lettland treffen werden – als Außenseiter, in dieser Form aber sicherlich mit Chancen. Zunächst wolle Grabher jedoch beim nächsten WTA-Sandplatz-Challenger in Bukarest „versuchen, dort weiterzumachen, wo ich in Italien aufgehört habe.“ Ihre erste Kontrahentin wird die rumänische Wildcard-Spielerin Andreea Rosca (WTA 314) sein.

Hier alle Ergebnisse des WTA-Challengers in Bari.

Hier alle Ergebnisse und Auslosungen des WTA-Challengers in Bukarest.

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