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Fed Cup

"Wir müssen raus aus dieser Division!"

Fed Cup-Captain Clemens Trimmel (Bild) im Interview über seine "Spionagereise" nach Australien, den weiten Weg in Richtung Weltgruppe und weshalb "seine" Fed Cup-Spielerinnen vielleicht ein anderes Coaching benötigen als "seine" Davis Cup-Spieler. Von 4. bis 9. Februar trifft Österreich in der Europa-Afrika-Zone in Budapest auf Isreal, die Ukraine und Slowenien.


Ukraine, Slowenien, Israel - vor welcher dieser Nationen hast du den größten Respekt? Prinzipiell verdient jede Nation, die hier mitspielt, Respekt. Ich sehe das Ganze aber eher neutral, da wir im Februar auf drei gute Mannschaften treffen werden. Betrachtet man die Nennliste unserer Gegner und wirft dabei vor allem einen Blick auf das Ranking der Spielerinnen, so dürfte es in unserer Gruppe ziemlich ausgeglichene Partien geben.

Da die Auslosung gestern (13.1., 12:00 Uhr) stattgefunden hat, kennen wir logischerweise erst jetzt unsere Gegnerinnen. Sind dir in Australien trotzdem schon davor einzelne Spielerinnen aus einer dieser Nationen als besonders gefährlich aufgefallen? Ich bin bis jetzt schon sehr intensiv von Platz zu Platz marschiert und habe mir jene Spielerinnen angeschaut, auf die wir möglicherweise hätten treffen können. Da wir jetzt aber ganz genau wissen, auf wen wir treffen werden, werde ich unsere Gegnerinnen sowohl im Single als auch im Doppel konkret unter die Lupe nehmen. Bis jetzt habe ich z. B. die Partie von Shahar Peer (ISR) gesehen, die in zwei Sätzen verloren hat.

Würdest du das unterschreiben: Die Chancen, wieder einmal in die Weltgruppe II aufzusteigen, sind diesmal so groß wie schon lange nicht mehr? Nein, das würde ich nicht unterschreiben, weil man nicht vergessen darf: Selbst, wenn wir unsere Gruppe gewinnen sollten, müssten wir danach noch einmal gegen einen Gruppensieger spielen, um uns überhaupt für das Weltgruppen II-Playoff im April zu qualifizieren. Deshalb sollten wir lieber von Spiel zu Spiel denken und uns nicht auf irgendwelche Was-wäre-wenn-Chancen einlassen.

Sandi

Es ist aber doch schon beruhigend, dass Österreich in der Gruppe C und Weißrussland in der Gruppe D spielt und unsere Mädels es vorerst damit nicht mit der Weltranglisten-Zweiten Victoria Azarenka zu tun bekommen werden. Darüber mache ich mir wirklich keine Gedanken. Ich warte lieber erst einmal ab, wer tatsächlich vor Ort erscheinen und spielen wird. Bei absoluten Top-Stars wie es Azarenka nun einmal ist, wird viel davon abhängen, wie lange sie bei den Australian Open im Bewerb sein werden. Sollte sie am Finalwochenende noch im Bewerb sein, ist die Frage, ob sie danach auch zum Fed Cup kommen wird. Sollte sie nicht erscheinen, wär's aber sicherlich kein Nachteil.

Das letzte Mal, als das ÖTV-Team ganz oben, nämlich in der Weltgruppe I, mitgespielt hat, war 2006. Ganz ehrlich: Gehören wir dort wieder hin? Das ist noch ein weiter Weg dorthin, da wir uns derzeit inmitten eines Entwicklungsprozesses befinden. Man darf nicht vergessen, dass in der Weltgruppe I sehr starke Nationen vertreten sind und wir uns derzeit in der Europa-Afrika-Zone befinden. Und meistens ist es ja so, dass man sich - sowohl im Davis Cup als auch im Fed Cup - dort wiederfindet, wo man aktuell auch hingehört. Nichtsdestotrotz muss es unser langfristiges Ziel sein, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich wieder aus dieser Division rauszukommen. Bis es aber soweit ist, müssen wir jeden einzelnen Gegner ernst nehmen. Weltgruppe I ist deshalb für mich derzeit noch kein Thema.

PMA_in_Melbourne

Tamira Paszek hat in Melbourne in der Qualifikation verloren, Patricia Mayr-Achleitner in der ersten Runde. Waren das aus deiner Sicht vermeidbare Niederlagen? Bei Patricia war es so, dass ich erst Anfang des zweiten Satzes zu ihrer Partie gekommen bin, da davor Dominic Thiem noch seinen vierten Satz gespielt hat. Sie hat im zweiten Satz gegen Madison Keys 5:2 geführt, die dann fünf Matchbälle im Tiebreak gehabt hat und nicht nutzen konnte. Und dann war das Momentum auf Seite von Patricia, sie hat mit einem Break auf das Match serviert. Da habe ich mir gedacht, dass ihr diese kleine Sensation vielleicht gelingen kann. Leider hat sie doch noch verloren. Spielerisch war das, was ich von ihr gesehen habe, aber schon sehr okay. Bei Tamira war es, so dass sie in der zweiten Qualifikationsrunde gegen eine sehr athletische Chinesin verloren hat, die sehr zügig gespielt hat. Leider hat Tamira dabei nicht ihren besten Tag erwischt und sich am Ende des ersten Satzes auch noch leicht verletzt.

Tamira_in_Melbourne

Hast du dir eigentlich schon Gedanken darüber gemacht, ob man als Fed Cup-Captain "seine" Frauen bzw. Mädchen während eines Matches eigentlich anders "anfassen" muss als ein Davis Cup-Captain "seine" Männer bzw. Burschen? Prinzipiell gibt es da sicherlich Unterschiede. Aus diesem Grund wird es zum Thema "Coaching" noch das eine oder andere Gespräch mit den Mädels geben: Ich selber habe als Coach ja auch meine eigenen Angewohnheiten. Wenn Spielerinnen den Wunsch haben, während einer Partie eher ruhiger oder doch emotionaler von mir gecoacht zu werden, dann werde ich versuchen, mich danach zu richten. Das werden wir aber alles im Vorfeld noch besprechen.

Wie wird die Vorbereitung unseres Teams aussehen? Wir werden am Sonntag davor nach Budapest reisen. Sollte es sich ausgehen, dann werden wir uns zwei, drei Tage davor in Südstadt treffen und uns vorbereiten. Das wird aber eher spontan entschieden werden, da z. B. Klemenschits, Paszek und Meusburger in dieser Woche in Paris spielen und Mayr-Achleitner in Pattaya City im Einsatz ist.

Yvonne_in_Melbourne

Stichwort Davis Cup: Wie beruhigend ist es für dich, zu sehen, wie gut sich Dominic Thiem derzeit am Court präsentiert? Bis zu unserem ersten Davis Cup-Einsatz in diesem Jahr dauert es zwar noch etwas. Dass dieser Bursche aber über ein riesiges Potenzial verfügt, auch einmal ganz weit oben mitzuspielen, ist mittlerweile kein großes Geheimnis mehr. Ich habe mir hier in Australien bis jetzt alle seiner vier Partien angeschaut: Es ist schon sehr beeindruckend, was er da alles macht. Als er in seinem Erstrunden-Match gegen Joao Sousa im ersten Satz mit einem Break vorne war und den Satz als eigentlich besserer Spieler trotzdem noch verloren hat, war es toll zu sehen, wie cool und abgeklärt er dennoch im Kopf geblieben ist und das Match noch zu seinen Gunsten drehen konnte. Er kann jetzt locker drauf los spielen. Ich glaube auch, dass er in der zweiten Runde Chancen gegen Kevin Anderson haben wird.

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