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WIMBLEDON: JÜRGEN MELZER/PHILIPP PETZSCHNER GEWINNEN DEN DOPPELBEWERB IN WIMBLEDON

Jürgen Melzer (Bild) darf sich Wimbledon-Sieger nennen: Mit seinem deutschen Partner Philipp Petzschner besiegte er Robert Lindstedt/Horia Tecau glatt in drei Sätzen.

DAS ERSTE INTERVIEW MIT JÜRGEN MELZER UND PHILIPP PETZSCHNER NACH IHREM GROSSEN TRIUMPH FINDEN SIE HIER

DEN RASTER DES WIMBLEDON-DOPPEL-BEWERBS FINDEN SIE HIER


Grösster Karriere-Erfolg für Melzer
(3.7.2010)
Jürgen Melzer hat am Samstag bei den All England Championships in Wimbledon mit seinem deutschen Partner Philipp Petzschner den Herren-Doppel-Bewerb gewonnen und damit den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Das ungesetzte Duo besiegte im Finale in souveräner Manier und drei Sätzen die als Nummer 16 gereihten Robert Lindstedt/Horia Tecau (SWE/ROM) 6:1, 7:5, 7:5. Melzer ist damit erst der zweite Österreicher, der einen Doppelbewerb in einem Grand-Glam-Turnier gewonnen hat. Zuvor war dies 2007 Julian Knowle mit dem Schweden Simon Aspelin bei den US Open gelungen. Knowle stand zudem 2004 im Endspiel auf dem "heiligen Rasen", das er allerdings verlor. Im Einzel war French Open-Halbfinalist Melzer im Achtelfinale an Roger Federer gescheitert, Petzschner in der dritten Runde am spanischen Weltranglistenersten Rafael Nadal. Melzer wird in den am Montag erscheinenden Weltranglisten von allen Tennisprofis jener sein, der das beste kombinierte Einzel- und Doppelranking hat. Für Melzer ist es in Summe der dritte Grand-Slam-Titel, zwei hat er 1999 auf Junioren-Ebene erreicht, als er das Einzel in Wimbledon und das Doppel bei den Australian Open für sich entschied. Petzschner ist der erste männliche deutsche Wimbledon-Champion seit Michael Stich 1992 mit John McEnroe das Doppel gewann.

"Um eine Klasse besser"
ÖTV-Vize-Präsident Walter Sattlberger hat das Match vor Ort live mitverfolgt: "Die beiden waren irrsinnig souverän und sowohl hinten an der Grundlinie als auch vorne am Netz um eine Klasse besser. Vor allem im ersten Satz hat man nie das Gefühl gehabt, dass etwas passieren könnte. Jürgen hat teilweise Lobs und Passierschläge aus der Hand gezaubert, die grandios waren." Jürgen Melzer tat sich danach schwer, die richtigen Worte zu finden: "Das Gefühl ist noch nicht zu beschreiben. In Wimbledon ein Finale zu spielen und das auch noch zu gewinnen, ist natürlich das schönste Wimbledon aller Zeiten. Es war ein unglaubliches Gefühl, die Trophäe zu bekommen, aber das ging so schnell, das muss ich mir in einer ruhigen Minute mal durch den Kopf gehen lassen." "Im ersten Satz haben wir unglaubliches Tennis gespielt. Das war eines unseren besten Spiele, das wir je gespielt haben. Der Sieg ist absolut verdient", erklärte Petzschner.
(Quelle: APA/red.)

"Der Lebenstraum jedes Tennisspielers" 
(1.7.2010)
Jürgen Melzer steht bei den All England Championships in Wimbledon mit seinem deutschen Doppel-Partner Philipp Petzschner im Endspiel und hat den größten Grand Slam-Erfolg seiner Karriere dicht vor Augen. Die "deutsch-österreichische Freundschaft" (FAZ) aus Bayreuth und Deutsch-Wagram setzte sich am Donnerstag in London mit 7:6(3), 6:3, 3:6, 5:7, 6:3 gegen die an Nummer sieben gesetzten Wesley Moodie/Dick Norman durch. Melzer ist damit erst der zweite Österreicher im Doppel-Finale des Rassenklassikers und eines Grand-Slam-Turniers in der Profi-Ära. 2004 war Julian Knowle, der 2007 gemeinsam mit dem Schweden Aspelin die US Open gewonnen hatte, erst im Endspiel auf dem "heiligen Rasen" gescheitert. Und auch für Petzschner gibt es eine Premiere: Er ist der erste Deutsche in einem Herren-Doppel-Endspiel in Wimbledon seit dem Sieg von Michael Stich an der Seite von John McEnroe (USA) 1992. Sowohl Petzschner als auch Melzer hatten noch nie das Doppelendspiel bei einem Grand-Slam erreicht, sie waren allerdings im Februar gemeinsam beim Turnier in Zagreb erfolgreich. "Am Samstag geht's darum, sich einen Lebenstraum jedes Tennisspielerszu erfüllen: bei den Herren Wimbledon-Sieger zu werden", so Melzer in seinem Internet-Blog auf www.tennisnet.com. Auch für Petzschner "ist das mit Abstand mein größter Erfolg als Tennisspieler. Wenn wir auch noch gewinnen würden, wäre das unglaublich."

Duell in Stuttgart?
Im Finale am Samstag nach dem Damenfinale (Serena Williams vs. Vera Zwonarewa) erwarten Petzschner/Melzer nun die an Nummer 16 gesetzten Robert Lindstedt/Horia Tecau (SWE/ROM) und könnten mit einem Sieg ihr Erfolgskonto beachtlich aufbessern: Im Einzel war French Open-Halbfinalist Melzer im Achtelfinale an Roger Federer gescheitert, Petzschner in der dritten Runde am spanischen Weltranglistenersten Rafael Nadal. Ein Doppel-Preisgeld von 73.500 Euro hat jeder der beiden schon jetzt sicher. Sollten Melzer/Petzschner das Endspiel für sich entscheiden, könnte es bei dem in einer Woche beginnenden Mercedes Cup in Stuttgart zu einem interessanten Duell der beiden (Noch-nicht)Wimbledonsieger kommen: Linkshänder Melzer tritt dort nämlich mit Philipp Kohlmann an seiner Seite an, Rechtshänder Petzschner versucht sein Doppel-Glück mit Christopher Kas. Zu einem "Duell" der anderen Art wird es insbesondere für deutsche Sportfans bereits am Samstag-Nachmittag kommen: Während in Wimbledon Philipp Petzschner um den Titel kämpft, starten bei der Fußball-WM in Südafrika seine Kicker-Kollegen Schweinsteiger, Lahm & Co gegen Argentinien ihr Projekt "Einzug ins Halbfinale".
(Quelle: APA/red.).

"Perfektes Training für Federer"
(28.6.2010)
Pat Cash, selbst Wimbledonsieger aus dem Jahr 1987, hatte vor dem Achtelfinal-Duell zwischen Jürgen Melzer und Roger Federer der "Times" seine für Österreichs Nummer 1 düsten Vorahnungen preisgegeben: Das Melzer-Match werde ein "perfektes Training" für Federer, "der uns Kritikern trotzt. Ich war etwas unreif anzunehmen, dass er so früh ausscheidet. Ich erhebe meine Hand, gebe meinen Fehler zu und sage: Der Mann, der am Sonntag die Trophäe in die Höhe stemmt ist Roger Federer." Cash hatte im Vorfeld von Wimbledon vor allem Federers passive Slice-Returns auf der Rückhandseite ("die bringen ihn gegen Nadal immer in Bedrängnis") kritisiert. "Ich war mit John McEnroe und anderen Experten eigentlich einig, dass dies das Jahr wird, in dem Federer allzu menschlich wird. Denn in diesem Frühling sah er – ganz ehrlich gesagt – ziemlich gewöhnlich aus."

Klares Aus gegen den Rasenkönig
Menschlich und gewöhnlich waren an diesem Nachmittag allerdings nicht die Eigenschaften, die den Schweizer plagten. Melzer hatte sich zwar vorgenommen, "das Heft selbst in die Hand zu nehmen", um sich gegen die Nummer 1 der Welt Außenseiterchanchen zu erkämpfen, dennoch hatte Federer meistens die bessere Antwort auf Melzers Attacken. Nach 28 Minuten und zwei Federer-Breaks war Satz eins (6:3) vorbei, nach 21 Minuten und mit zwei Breaks beendete "FedEx" auch Satz zwei (6:2). Auch im dritten Satz fand Melzer nur phasenweise besser ins Spiel. Beim Stand von 3:3 hatte Federer drei Breakbälle, den zweiten nutzte er mit einer starken Vorhand. Um 15:34 Uhr war auch Satz drei vorbei: Melzer setzt eine Rückhand ins Aus und verliert das Match gegen den Rasenkönig mit 3:6, 2:6, 3:6. Der French-Open-Halbfinalist darf sich aber mit seinem bisher besten Wimbledon-Abschneiden und umgerechnet 76.220 Euro Preisgeld trösten. Melzer, der in Wimbledon als Nummer 16 gesetzt war, hat nach Siegen über Dustin Brown (JAM), Viktor Troicki (SRB/nach 0:2-Satzrückstand) und Feliciano Lopez (ESP-22) seine tolle Paris-Performance bestätigt. Er wird im Ranking den Kroaten Ivan Ljubicic überholen und am Montag erstmals als 15. in den Top 15 aufscheinen. Melzer kehrt nun für drei Turniere wieder auf Sand zurück und spielt ab 12. Juli der Reihe nach in Stuttgart, Hamburg und Umag.
(red./APA)

"Ich bin krassester Außenseiter
(28.6.2010)

Jürgen Melzer über seine Premiere gegen Federer:
"Das ist eigentlich ein Wahnsinn, weil wir ja praktisch gemeinsam auf die Tour gekommen sind. Es ist nie dazu gekommen. Meistens habe ich mich früher verabschiedet, ein paar Mal auch er. Ich freue mich sehr auf dieses Match. Wenn ich jetzt nicht in Form wäre, würde ich lieber nicht gegen ihn spielen. Aber so ist es okay. Und man hat in der ersten Runde gesehen, dass er verwundbar ist. Ich hoffe natürlich, dass ich zu meinen Chancen kommen werde. Aber natürlich bin ich krassester Außenseiter. Es ist ein angenehmes Gefühl, in der dritten Runde zu stehen und zu wissen, dass man auf alle Fälle gewinnt, wenn man eine gute Leistung bringt."

Roger Federer über die Gefahr, die von Österreichs Nummer 1 ausgeht:
"Es wird definitiv ein hartes Match. Er hat sich wieder verbessert. Es geht aufwärts mit ihm, auch im Ranking. Mein Job ist es, diesen Aufstieg ein bisschen zu stoppen. Es ist irgendwie cool, dass wir endlich die Chance bekommen, gegeneinander zu spielen. Wir plaudern, wir haben schon miteinander trainiert, haben aber noch nie gegeneinander gespielt."

"Stillstand in den Beinen"
(26.6.2010)
20 Jahre nach Alexander Antonitsch steht mit Jürgen Melzer wieder ein österreichischer Tennis-Profi im Achtelfinale von Wimbledon. Der Niederösterreicher setzte sich gegen den Spanier Feliciano Lopez am Freitagnachmittag in vier Sätzen 4:6,6:3,6:2,6:4 durch. Als nächster Gegner wartet auf Melzer nun der sechsfache Champion und Titelverteidiger Roger Federer. Auf dem Weg zum Erfolg hatte Melzer im Duell zweier Linkshänder nur im ersten Durchgang Probleme mit dem tückischen Spiel des als Nummer 22 gesetzten Spaniers, der immer wieder seinen Rückhand-Slice einsetzte. Danach riss der 29-Jährige die Initiative immer mehr an sich. "Am Anfang habe ich mich fürchterlich bewegt. Es war Stillstand bei meinen Beinen. Das kam auch daher, dass man bei seinem Slice das Gefühl hat, dass man ohnehin gut hinkommt", analysierte Melzer. Mit Fortdauer der Partie stellte er sich aber immer besser ein. Zudem war er in den entscheidenden Phase hellwach und verwertete fünf seiner zehn Breakbälle. Nach 2:28 Stunden verwertete Melzer auf Court 2, der drittgrößten Arena, seinen zweiten Matchball. Federer zeigte sich nach zwei mühevollen Auftritten in der 3. Runde klar verbessert. Gegen den ungesetzten Franzosen Arnaud Clement ließ der topgesetzte Schweizer seine Extraklasse aufblitzen und gewann sicher 6:2,6:4,6:2. Federer und Melzer haben auf der Tour erstaunlicherweise noch kein Spiel gegeneinander bestritten. Das für Montag anvisierte Duell wird voraussichtlich auf dem Centre Court über die Bühne gehen. Mit Julian Knowle steht neben Melzer noch ein weiterer Davis Cup-Spieler im Achtelfinale. Der Vorarlberger siegte im Doppel mit seinem israelischen Partner Andy Ram gegen die spanische Paarung Marc Lopez/David Marrero 7:6(2),6:2,6:4. Mit Marcel Granollers/Tommy Robredo wartet auf die als Nummer acht gesetzten Knowle/Ram nun ein weiteres spanisches Duo.
(Quelle: APA)



 

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