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WIEN: DAS NEUE SPORTKONZEPT ALS WEICHE FÜR ERFOLGE IN DER ZUKUNFT

Seit Anfang September wird das von ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller (Bild) entwickelte neue Sportkonzept bereits umgesetzt. Im Rahmen einer Pressekonferenz warf er einen Blick hinter die Kulissen von Österreichs Tenniszukunft.

Berg- und Talfahrt 2009
(25.11.2009)
Im Rahmen einer Pressekonferenz warf die ÖTV-Spitze - vertreten durch ÖTV-Präsident Prof. Ernst Wolner, ÖTV-Generalsekretär Peter Teuschl und ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller - sowohl einen Blick zurück auf die vergangene Saison als auch nach vorne in die nähere Zukunft. "Das sportliche Jahr", so Teuschl, "war eine Berg- und Talfahrt. Denkbar schlecht begonnen hat es mit der Tatsache, dass uns im Fed Cup unsere Spitzenspielerinnen nicht zur Verfügung gestanden sind." Die weiteren Eckpunkte des 2009er-Jahres: der Klassenerhalt des Fed Cup-Teams, der in Estland "im letzten Match" (Teuschl) doch noch gelungen ist. Die Davis Cup-Begegnung gegen Deutschland, bei der am ersten Spieltag alles nach Plan gelaufen ist und dennoch verloren wurde. Ein Jugend-Europameistertitel, "den wir nach langer, langer Zeit im Doppel der Altersklasse U18 wieder erringen konnten" (Max Neuchrist/Tristan-Samuel Weissborn; Anm.). Bis hin zu aufstrebenden Talenten à la Barbara Haas und Niki Hofmanova und zum Davis Cup-Duell mit Chile, das zwar unglücklich verloren wurde, bei dem aber Stefan Koubek "seit langem eines seiner besten Matches gespielt hat." Der absolute Highlight sollte mit dem Sieg von Jürgen Melzer bei der BA Tennis Trophy Anfang November folgen. "Ein triumphaler Abschluss, der zu einem kleinen Hype geführt hat" (Teuschl).

Mit 20 unter den besten 100
Offiziell seit 1. September wird das von Gilbert Schaller entwickelte Sportkonzept mittlerweile angewandt und umgesetzt. "Trotzdem wissen bis jetzt nur wenige, wie diese positiven Veränderungen im Detail aussehen." Schaller, seit 2005 als Sportdirektor im Amt, hatte es sich von Anfang zum Ziel gesetzt, "aus der Südstadt heraus mit einer verbreitenen Dichte Jugendliche ins Erwachsenentennis bis hinein in die Top 100 zu führen." Spielern wie Daniel Köllerer, Alexander Peya oder Oliver Marach ist im Einzel der Sprung "im Alter zwischen 24 und 26 oder noch älter" (Schaller) über die Top 100-Grenze gelungen. Beim Blick auf die aktuelle Situation "gibt es drei Spieler, bei denen ich die Hoffnung habe, dass ihnen in ein, zwei oder drei Jahren in einem ähnlichen Alter eine ähnliche Entwicklung gelingen könnte: Andreas Haider-Maurer (ATP 164), Philipp Oswald (ATP 214) und Martin Fischer (ATP 218)." Der öffentliche Anspruch, jener der Medien und auch von der Verbandsspitze, so Schaller, ist aber ein anderer: "Es gilt Athleten mit 20 in die Top 100 zu bringen und mit spätestens 24, 25 sollte der/die eine oder andere in den Top 20 der Weltrangliste zu finden sein." Als Werkzeug dafür soll das neue Sportkonzept dienen.

Zu großer Respekt vor großen Namen
"Um diese Ziele realisieren zu können, muss", so Schaller, "vor allem in den jüngeren Altersklassen etwas passieren. Wie sieht derzeit die Realität aus? Der ÖTV hatte bisher noch keinen Einfluss auf die Ausbildung der Jugendlichen bis zum 14. Lebensjahr. Ab 14, 15 erfolgte die Einberufung in die Südstadt, und ab diesem Zeitpunkt haben wir versucht, aus diesen SpielerInnen die optimalen Möglichkeiten herauszuholen. Oft gab es aber Defizite im körperlichen oder technischen Bereich, aber auch in der Persönlichkeitsentwicklung. Um diese Umstände zu verändern, bedarf es aber einer Änderung in der Gesamtstruktur - was mit dem neuen Konzept realisiert wurde." Was Schaller vermisst, sind in den letzten zehn Jahren die Erfolge im Jugendtennis "wie ein Stefan Koubek, der mit 14 Jugend-Europameister war oder ein Jürgen Melzer, der mit 17 Junioren-Sieger in Wimbledon war." Oft ist es aber auch übermäßiger Respekt vor vermeintlich besseren Spielern, der einem Erfolg im Weg gestanden ist. Schaller: "Wir erinnern uns alle noch an das Match von Martin Fischer gegen Juan Martin del Potro in der Stadthalle 2008. Der einzige Punkt, weshalb Fischer verloren hat, war der "große" Name, der ihm gegenüber gestanden ist."

Das neue Sportkonzept
Für diese Probleme wurden Lösungen gesucht. Wurden früher die Südstadt-Gruppen altersspezifisch zusammengestellt, "so haben wir jetzt eine Röhrendynamik eingeführt. D. h. wir haben jetzt die Möglichkeit geschaffen, dass 15- oder 16-Jährige permanent mit 20-Jährigen trainieren und mit ihnen auch auf Entwicklungsreisen gehen. D. h. Jugendliche werden künftig früher als bisher bei höherwertigen Turnieren eingesetzt. Zwei bis drei Mal pro Jahr werden Burschen oder Mädchen, die vielleicht noch auf ITF-Niveau sind, zu Future-Turnieren mitgenommen und dort mittrainieren. Dadurch werden viele dieser Jugendlichen erkennen, dass sie spielerisch gar nicht so weit entfernt sind." Aktuell wurde etwa Michael Eibl (16) zu drei Future-Turnieren in die Dominikanischen Republik mitgenommen, "um ihm die Möglichkeit zu geben, mit Top 500-Spielern zu trainieren. Etwas, das er aus dem normalen Trainingsalltag logischerweise nicht kennt."

Weichen in Richtung Zukunft
Das neue Konzept konzentriert sich aber nicht "nur" auf SpielerInnen aus der Südstadt: SpielerInnen, die nicht im ÖTV-Leistungszentrum trainieren, sich aufgrund ihres Umfelds aber dennoch auf einem hohen Niveau befinden, werden künftig im Rahmen einer externen Förderung vom ÖTV finanziell unterstützt. Schaller: "Mit diesen SpielerInnen und deren Trainern soll eine enge Kooperation stattfinden, sodass Synergien gemeinsam gebildet werden können. Externe SpielerInnen werden so im Rahmen des ÖTVs bei Turnieren betreut, und umgekehrt." Einen der wichtigsten Baustein im neuen Sportkonzept nimmt der U14-Bereich ein. Wurde dieser Nachwuchs bisher von acht teilzeitbeschäftigten Trainern betreut, "so haben wir jetzt zwei Bundesnachwuchstrainer angestellt, die voll für diesen Bereich verantwortlich sind." Die Weichen, so Schaller, für ein erfolgreiches Tennis "sind damit gestellt."

wowo

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