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„Wahnsinns-Woche“ bringt Filip Misolic in Grand-Slam-Reichweite

Auch für Neil Oberleitner ging die Woche auf der ITF World Tennis Tour mit einem beachtlichen Doppel-Turniersieg zu Ende.

Filip Misolic © GEPA pictures/ Walter Luger

Das Millionen-Event in Indian Wells geht nach der Absage von Dominic Thiem zwar diesmal ohne österreichische Beteiligung in Szene. Auf den Turnierlevels darunter haben die ÖTV-Asse jedoch erneut eine höchst erfolgreiche Woche hingelegt. Allen voran Filip Misolic: Der junge Steirer hat am Sonntag auf der ITF World Tennis Tour das M25-Sandplatzturnier in Porec in Kroatien für sich entschieden. Der 20-Jährige (ATP 335) war mit vier Siegen ohne Satzverlust souverän ins Finale eingezogen, wo er schließlich den viertgesetzten Spanier Oriol Roca Batalla (ATP 330) nach hartem, 2:56-stündigem Kampf 3:6, 7:6 (2), 6:4 niederrang. „Es war eine Wahnsinns-Woche. Ich habe jede Partie richtig gut gespielt, von Anfang bis Ende, und ich bin sehr froh, das Turnier gewonnen zu haben“, freute sich Misolic, im Gespräch mit oetv.at. Das Titelmatch hatte es dabei in sich: Er drehte einen 3:6,-3:5-Rückstand noch um. „Es war richtig spannend für die Zuschauer – für uns aber eher etwas taff“, lächelte er. „Ich war im ersten Satz wohl etwas zu passiv. Aber nachdem ich mir den Zweiten noch geholt habe, war ich wieder aggressiver.“ Und nach noch so einigen bangen, engen Momenten hieß es letztlich doch „Game, set and match Misolic“.

Filip Misolic ©zVg

Fürs heimische Nachwuchstalent zahlte sich damit die diesmal bereits einige Tage vor Turnierstart erfolgte, gezielte Vorbereitung vor Ort aus. Misolic, der in Zagreb unter Ante Andric trainiert sowie zeitweise in Graz mit Lorenz Fink als Konditions- und Tennistrainer, wird sich mit diesem Erfolg dicht an die Top 300 im ATP-Ranking schieben und darf nun sogar von den Grand Slams träumen. „Ich hätte noch etwas Zeit, um es vielleicht in die Qualifikation der French Open zu schaffen. Aber ich will darüber nicht zu viel nachdenken und mich nicht darauf fokussieren, sondern gut spielen, und wenn ich es dann erreiche, wäre es natürlich geil. Mein Ziel ist es aber, spätestens ab Wimbledon in den Grand-Slam-Qualifikationen dabei zu sein.“ Dazu bestreitet Misolic in der neuen Woche ein weiteres M25-Turnier in Rovinj und dann den ATP-Challenger in Zadar, ebenso Kroatien. Auch der ÖTV hat für ihn übrigens so einigen Anteil an seinen Erfolgen: „Der Verband hat mich von jungen Jahren an immer voll unterstützt – mit Turnierbetreuung, Wildcards und in finanzieller Form. Und seit Ende 2021 komme ich auch immer wieder in die Südstadt, um mit Jürgen Melzer (ÖTV-Sportdirektor und -Davis-Cup-Kapitän; Anmerkung) zu trainieren.“

Oberleitner gewinnt Österreicher-Finale gegen Neuchrist

Während es für Misolic der dritte M25-Einzeltitel war, sicherte sich Neil Oberleitner den fünften M25-Doppeltitel seiner jungen Karriere, den bereits zweiten in diesem Jahr, und seinen insgesamt 14. ITF-Herren-Doppeltitel. Und das in einem rot-weiß-roten Finalduell: Der Wiener gewann beim Hartplatzturnier in Portimao (Portugal) mit Yu Hsiou Hsu (Taiwan) gegen seinen engeren Landsmann Max Neuchrist und den Deutschen Kai Wehnelt mit 6:3, 3:6 und 10:7 im Match Tiebreak und beendete so den Erfolgslauf der Vorwochensieger von Faro. „Es war schon was Besonderes, im Finale gegen einen anderen Österreicher zu spielen“, so Oberleitner gegenüber oetv.at. „Ich kenne Max bereits länger und auch sehr gut. Wir trainieren ab und zu mal in Wien und haben immer einen Spaß miteinander. Ich kann sicher auch noch so einiges von ihm lernen, weil er schon viele Jahre auf der Tour ist und daher auch viel mehr erlebt hat.“ Dennoch setzte sich der 22-Jährige gegen den 30-Jährigen in der südportugiesischen Hafenstadt diesmal ganz knapp durch: „Am Ende mit dem Pokal dazustehen, ist ein tolles Gefühl.“

Yu Hsiou Hsu, Neil Oberleitner ©zVg

Noch knapper war’s für Oberleitner/Hsu im Halbfinale gewesen, als sie die Spanier Alberto Barroso Campos und Pablo Llamas Ruiz mit 3:6, 7:6 (Tiebreak 16:14!) und 11:9 niedergerungen hatten: „Es war vom Niveau her eines der besten Doppel, die ich je gespielt habe – und was dann im Tiebreak des zweiten Satzes passiert ist, ist schwer in Worte zu fassen.“ Drei Matchbälle wehrten die beiden hier ab, im Match Tiebreak von 6:9 weg noch drei weitere – um mit fünf Punkten am Stück doch noch die Oberhand zu behalten, der Schlüssel auf dem Weg zum Titelcoup. „Ich bin sehr glücklich mit der Turnierwoche, nur im Einzel hätte ich mir mehr gewünscht.“ Dort war er im Qualifikationsfinale am sonst Challenger-Spieler Sebastian Fanselow aus Deutschland mit 3:6, 6:7 (6) gescheitert, mit Satzball im zweiten Satz. Neuchrist war im Achtelfinale dem Ex-Weltranglisten-56. Marius Copil (Rumänien) mit 4:6, 7:6 (6), 6:7 (7) hauchdünn unterlegen. Oberleitner, im Einzel erst auf ATP-Rang 892, dürfte nun im Doppel die Top 300 knacken. „Ich will mich aber jedenfalls noch aufs Einzel konzentrieren, weil ich das Gefühl habe und ich dran glaube, dass es nur noch ein bisschen dauert, bis da die Erfolge kommen. Und wenn nicht, kann ich mit 27 oder 28 immer noch einige Jahre Doppel spielen. Ich habe da auch einige gute Vorbilder mit Julian Knowle und Alexander Peya, die ebenso bei uns trainiert haben“ – in der Akademie seines Vaters, Michael „Elch“ Oberleitner, selbst Ex-Davis-Cup-Spieler.

Oswald mit Doppelfinale, Jozwicki mit Doppeltitel

Auch abgesehen von den Erwähnten gab es einige schöne Erfolge der ÖTV-Spieler. Beim M25-Sandplatzturnier von Antalya (Türkei) legte Lukas Neumayer, auf seinen Vorwochen-M15-Titelgewinn am selben Ort, ein Viertelfinale nach. Und eine Ebene höher kam Philipp Oswald beim ATP-Sandplatz-Challenger in Roseto degli Abruzzi (Italien) gar bis ins Doppelfinale. Für den Vorarlberger und den Tschechen Roman Jebavy wurden beim 6:7 (2), 6:4, 3:10 ebenso Hugo Nys (Monaco) und Jan Zielinski (Polen) zum Stolperstein wie im Viertelfinale schon für Landsmann Tristan-Samuel Weissborn und den Slowaken Andrej Martin. Für Oswald war es dennoch eine sehr erfreuliche Woche, nachdem er mit einer Coronavirus-Erkrankung ganz kurzfristig für den Davis Cup in Südkorea ausgefallen war und hier sein Comeback gab, „weil ich dringend Matchpraxis und Trainings benötige. Von dem her bin ich zufrieden, da ich das Maximum an Matches herausgeholt habe. Im Finale war halt die Energie nach einer anstrengenden Woche etwas weg und ich war ein wenig angeschlagen, wegen der Temperaturen. Es ist ein Outdoor-Turnier und hat 9 Grad. Das Highlight waren mal 13 Grad. Das ist recht mühsam. Trotzdem war’s eine gute Woche“ – und ein wenig Balsam auf die Wunden eines verpatzten Saisonstarts, nachdem bereits Österreichs Teilnahme am ATP Cup nichts geworden war und ihn zuletzt auch ein Bauchmuskeleinriss gehandicapt hatte.

Patrick Jozwicki, Adam Duda ©facebook

Und auch von der ITF-Junioren-Tour gibt es Erfolgsmeldungen. Beim J2-Turnier in Valencia (Spanien) erreichte Jan Kobierski immerhin das Viertelfinale. Und beim J4-Turnier in Kramfors (Schweden) war für Patrick Jozwicki zwar im Viertelfinale Ende, doch im Doppel holte er dafür seinen ersten internationalen U18-Turniersieg. Der Niederösterreicher siegte mit dem Tschechen Adam Duda in vier Matches dreimal im Match Tiebreak, im Endspiel mit 6:7 (8), 6:2, 10:7 gegen Martin Mazev (USA) und Oleksandr Ponomar (Ukraine).

Hier alle Ergebnisse der ÖsterreicherInnen in Kalenderwoche 10.

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