Vor 20 Jahren war Muster die Nr. 1 der Welt

Am 12. Februar 1996 saß der Steirer, der im Jahr zuvor in Paris und bei weiteren 12 Turnieren triumphiert hatte, auf dem Tennis-Thron. Die Kronprinzen: Sampras, Agassi, Becker.

Es gibt Momente im Leben des passiven Sportlers, die er nie, nie, nie vergisst. So wissen ältere Semester haargenau, wo sie Franz Klammers Olympische Gold-Fahrt 1976 miterlebt haben. Oder das 3:2 der Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 1978 gegen Deutschland. Oder den French-Open-Sieg von Thomas Muster 1995, als er im Finale Michael Chang abservierte.

Zusätzlich zum Grand-Slam-Titel in Paris triumphierte Muster 1995 bei zwölf ATP-Turnieren. Die Jahresbilanz auf Sand: 65 Siege, nur zwei Niederlagen. Die Krönung erfolgte am 12. Februar 1996, auf den Tag genau vor 20 Jahren: Der ATP-Computer spuckte die Namen Thomas und Muster auf Platz 1 der Weltrangliste aus. Um die Dimension zu verdeutlichen: Hinter dem 28-jährigen Leibnitzer folgten Pete Sampras, Andre Agassi und Boris Becker.

APA-Journalist Gerald Widhalm erinnert sich an den denkwürdigen Tag – er weilte mit Muster  in Südafrika. Das österreichische Davis-Cup-Team gastierte in Johannesburg. Die Nummer 1 der Welt rang Wayne Ferrera in 2:56 Stunden mit 7:5, 6:7 (5), 6:4, 7:6 (4) nieder. Muster reagierte gelassen auf seine Nummer-eins-Position: „Ich bin dafür bekannt, dass ich mit den Füßen am Boden bleibe. Ich habe seit Jahren auf dieses Ziel hingearbeitet und werde deswegen nicht ausflippen. Dafür bin ich schon zu alt und zu reif.“
 
Muster, der in Summe 44 Titel holte, saß insgesamt sechs Wochen auf dem Tennis-Thron. Zweitbester Österreicher in der ewigen Bestenliste ist Jürgen Melzer (Nr. 8), Dominic Thiem liegt derzeit auf Platz 19.

Stimmen zum großen Steirer
Kons. Robert Groß, ÖTV-Präsident:

"Ich war in den 90er-Jahren ein begeisterter Muster-Fan, bei allen Davis Cup-Partien dabei und kenne Thomas Muster natürlich auch persönlich. Ein fantastischer Typ, der das Publikum mitgerissen hat und der in der österreichischen Tennis-Geschichte einzigartig ist. Solche Leute braucht das Tennis. Nach dem Boom in seiner Ära ist der Sport in ein Wellental gekommen - ähnlich wie es auch in Deutschland nach Boris Becker der Fall war -, und es ist nicht ganz gelungen, den Höhenflug der 90er bis heute mitzunehmen. Wir setzen als Verband aber alles daran, möglichst bald wieder an diese Zeiten anknüpfen zu können und eine neue Tennis-Euphorie zu entfachen."

Thomas Hammerl, ÖTV-Geschäftsführer:
"Der Sieg des Grand Slam-Turniers in Paris 1995 hat zum damaligen Zeitpunkt eine noch nie dagewesene Dimension in Sachen Marketing und Werbung für den Tennissport in unserem Land ausgelöst. Wie so oft wird erst im Nachhinein bewusst, was es im harten Profigeschäft heißt, insgesamt 44 Turniere zu gewinnen. Der Österreichische Tennisverband zollt Muster für seine außergewöhnlichen Leistungen höchsten Respekt und er wird für das, was er für den Verband und für Österreich geleistet hat, immer eine Sonderstellung im ÖTV genießen."

Marion Maruska, ehemalige Spitzenspielerin und ÖTV-Jugendreferentin:

"Er war ein unglaubliches Vorbild, besonders auch für mich. Er hat uns Spitzenspielern, aber auch der breiten Masse gezeigt, was man mit Willen und Einsatz erreichen kann. Er hat einfach nie aufgehört zu kämpfen. Tom hat damals einen Tennisboom ausgelöst, der sehr lang angehalten hat. Das French Open-Finale hab ich zwar nicht mehr live vor Ort gesehen, aber im nächsten Jahr hat er als Titelverteidiger das Turnier eröffnet, da war ich live dabei. Für das österreichische Tennis hat er eine unglaublich große Bedeutung."
 

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