Vizepräsident des ÖTV verabschiedet sich nach Amerika/Kalifornien

Robin Lumsden wird in wenigen Wochen seinen Wohnsitz nach Kalifornien / USA verlegen, um dort ein größeres Auslandsbüro seiner Kanzlei Lumsden & Partner zu eröffnen.

ÖTV: Sie verlassen nicht nur den ÖTV, sondern auch Österreich, warum?
Zum einen wegen der Zuneigung zu Amerika und zum anderen ist es der Drang und die Chance mich noch einmal weiterzuentwickeln. Ich hatte durch die Familie meines Vaters  immer schon eine besondere Beziehung zu den USA, nach meinem Studium in Österreich habe ich auch in Berkeley Jus studiert und bin sowohl in Österreich als auch in den USA als Anwalt zugelassen. Meine Kanzlei ist mittlerweile auch am Standort New York in großen Verfahren engagiert und nachdem ich kürzlich auch die Aufnahme in das prominente MBA Programm von Stanford geschafft habe, war der Zeitpunkt ideal für eine Erweiterung unserer Aktivitäten und die Gründung eines weiteren Standortes in Kalifornien. Wir sind im Sillcon Valley gut vernetzt, auch mit CEO’s von globalen Playern. Dadurch können wir einerseits österreichische Unternehmen bei ihrem Schritt über den großen Teich perfekt unterstützen, und andererseits beraten wir auch dort ansässige Firmen bei Aktivitäten in Europa. Mit meiner Tätigkeit als Vizepräsident ist dieser Schritt leider zeitlich nicht mehr vereinbar. 

Wenn sie Resümee ziehen, wie sehen Sie die Entwicklungen im österreichischen Tennis in den letzten Jahren?
Grundsätzlich positiv, natürlich gibt es auch hier permanent Veränderungen und Tennis steht durch die Globalisierung der Medien in immer stärkerer Konkurrenz zu anderen Sportarten. Ein Ausnahmetalent wie Dominic Thiem und seine Präsenz in den Medien hilft dem Tennissport natürlich enorm. Das und eine zunehmende Professionalisierung in vielen Teilbereichen lässt mich zuversichtlich in die Zukunft blicken. Wichtig ist es sich ständig weiterzuentwickeln, zu bilden und von anderen zu lernen.

Mit dem Zugpferd Dominic Thiem sollte die Zukunft rosig ausschauen?
Die Zukunft einer Sportart oder auch eines Verbandes kann natürlich nicht an einem einzelnen Sportler festgemacht werden, aber Dominic Thiem ist auf einem großartigen Weg und hilft uns durch seine Erfolge Tennis wieder populärer zu machen. Sowohl beim Nachwuchs als auch bei Sponsoren ist so ein Zugpferd äußerst wertvoll, so etwas hat die letzten Jahre ein bisschen gefehlt. Der Spitzensport ist jedoch nur die strahlende Seite der Medaille, die Kehrseite eines Verbandes ist die undankbare Arbeit in oft unbeachteten Bereichen. Ich habe immer versucht diese genauso zu würdigen und gäbe es diese nicht, könnte eine ehrenamtliche Organisation wie der ÖTV nicht performen. Leider ist ein Verband nicht wie ein Unternehmen zu führen, ansonsten wäre dies eine leichtere Aufgabe. 

Sie waren schon vor ihrer Tätigkeit beim ÖTV dem Tennis verbunden, die Liebe zu diesem Sport  war Ihnen ja quasi  in die Wiege gelegt?
Ich komme aus einer Tennisfamilie, mein Vater hat auf der Tour gespielt, dadurch kam ich schon sehr früh zu diesem Sport. Ich hatte danach das Privileg als aktiver Jugendspieler die Jugendturniere in Wimbledon und Paris zu spielen, Ich nehme aus meiner Tenniszeit, auch wenn ich kein Star oder erfolgreicher Profi wurde, nur Positives mit und blicke mit Freude und Stolz auf eine interessante Zeit zurück. Ich kann offen sagen, meine Jugend der Freude am Sport und Wettkampf gewidmet zu haben. Ich habe dadurch sehr früh gelernt, hart an mir zu arbeiten und mit Druck konstruktiv umzugehen. Viele Strategien des Tennis (wie „Percentage Tennis“ oder Lehren aus dem Buch „Tennis im Kopf“) konnte ich später in meinen Folgesportarten oder als Anwalt, artverwandt anwenden. Auch deshalb trifft es mich persönlich, dass wir aktuell leider nicht so viele Jugendliche bei Grand Slam Turnieren haben, daran wird gearbeitet.

Sie gelten intern auch als kritischer Querdenker, ist das eine Rolle mit der Sie leben können?
Hätte ich in meinem Leben zu allem Ja und Amen gesagt, hätte ich vielleicht mehr Schulterklopfer, aber ich wäre sicher nicht dort wo ich jetzt bin.
Als ich von Franz Wohlfahrt und Ronnie Leitgeb zum ÖTV geholt wurde, habe ich mich aufgrund der beteiligten Personen im Präsidium, meiner Verbundenheit zum Tennis und einer romantischen Note in Erinnerung an meinen Vater entschlossen, hier einen ehrenamtlichen Beitrag zu leisten.
Ich wollte mich bewusst keinem vermeintlichen Lager anschließen sondern mit meinem rechtlichen Fachwissen und meinen persönlichen Erfahrungen als Spieler eine kritische aber lösungsorientierte Stimme sein. Ich stehe zu pragmatischen Ansätzen und bin kein Fan von um den heißen Brei rumreden, bzw. bin ich frustriert wenn ich aus einem Meeting keinen Umsetzungsplan generieren kann, so kommt dieses Image eventuell zustande. That’s it.
Das war anfangs vielleicht für manche ein bisschen ungewohnt, hat sich aber, denke ich, schlussendlich bewährt. Die Zusammenarbeit im aktuellen Präsidium ist fair und professionell, auch wenn wir manchmal nicht einer Meinung sind, was ich für wichtig halte, gibt es am Ende eine demokratische Entscheidung und was ich für sehr wichtig halte, einen einheitlichen Aussenauftritt.

Wo orten Sie Optimierungspotenzial im österreichischen Tennis? 
Es gibt sehr viele Menschen, die sich berufen fühlen an der Zukunft des österreichischen Tennissports und im Zusammenhang damit, des ÖTV, mitzuwirken. Das ist grundsätzlich positiv, doch verlassen viele der an den Verband herangetragenen Ideen den Boden der Realität, sowohl organisatorisch als auch finanziell. Die Rolle des ÖTV im Bereich der Ausbildung und Jugendförderung ist sicherlich einem Wandel unterworfen. Wir sehen hier immer mehr privatwirtschaftlich geführte, international agierende und teilweise erfolgreiche Trainingszentren, mit deren Strukturen der Verband nur schwerlich mithalten wird können. Die ehemals historisch dominante Position des ÖTV in der Südstadt wird hier vielleicht nicht zu halten sein, es sollte mittelfristig eine neue Strategie entwickelt werden. Ich persönlich halte es für sinnvoller, wenn der ÖTV im Spitzensportbereich vom „Daily Training bzw. Tagesgeschäft“ sich eher auf die professionelle Turnierbetreuung der Spieler außerhalb Österreichs konzentrieren würde, dh die Spieler trainieren in ihrer jeweiligen Akademie und der ÖTV stimmt sich mit deren Trainern ab und bildet rund ums Jahr Turniergruppen und nimmt Trainer, Physiotherapeuten, vielleicht sogar Lehrer, auf längere Reisen mit. Dann stünde der ÖTV nicht im direkten Wettbewerb mit den privaten Akademien und könnte sich als Kompetenzzentrum für weitere wichtige Aspekte des Spitzensports positionieren. Eine sich ergänzende Zusammenarbeit wäre vorprogrammiert, da jeder gerne auf den ÖTV zurückgreifen würde und das „Team und Wir-Gefühl“ stärker entwickelt werden könnte. Vielleicht kann der ÖTV in Zukunft auch abseits der klassischen Trainingsthemen einen Beitrag leisten, z.B. könnte der ÖTV eine Art „Notfall-Trainer-Team“ zur Verfügung stellen, d.h. hat ein Spieler Probleme mit seinem Team oder in seiner Entwicklung, springt der ÖTV ein paar Wochen ein. Mir hätte es Spaß gemacht im Laufe der zweiten Hälfte des Jahres 2017 solche neuen Angebote zu diskutieren, auch wenn mir sehr wohl bewusst ist, dass es leichter ist einfach Ideen zu kommunizieren als diese auch umsetzen bzw. finanzieren zu müssen.
Abschließend möchte ich aber noch allen Mitarbeitern und auch besonders den vielen ehrenamtlichen, danken. Viel zu oft erhalten sie nur Feedback wenn etwas nicht klappt, in der absoluten Mehrzahl der Fälle, wenn alles passt und gut läuft, kommt wenig retour - für eure Arbeit – auch von meiner Seite ein großes Danke!

Was sind Ihre persönlichen nächsten Ziele?
Wir wollen in Zukunft österreichischen Unternehmern helfen ihren Traum zu leben und als Unternehmer (start up oder etablierte Player) den Sprung über den Teich zu schaffen. Da ist unser know how Vorsprung als US- und EU Anwälte ein echter Mehrwert und diesen Wettbebwerbsvorteil wollen wir weiter ausbauen. Die nächsten großen Herausforderungen für mich und meine Familie (die mich bei all meinen Aktivitäten immer unterstützt hat) sind der Umzug, dann der Aufbau der Niederlassung in Stanford/Kalifornien und natürlich auch nach Jahren wieder auf eine Uni zu gehen, noch dazu auf eine so spezielle. Österreich und Wien bleibe ich aber natürlich ein bisschen erhalten, meine Kanzlei in Wien läuft ja weiter und ich berate selbstverständlich meine großen Mandanten unvermindert weiter, dem Tennis entkomme ich in diesem Leben und mit meinem Familiennamen ohnehin nicht.

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