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WTA

US OPEN: SYBILLE BAMMER VERPASST IHR ERSTES MAJOR-SEMIFINALE

Im Viertelfinale kam das Aus: Sybille Bammer (Bild) begeht zu viele Eigenfehler und verliert gegen Jelena Jankovic 1/6, 4/6. Dennoch bleibt Bammers Einzug unter die besten acht Österreichs größter Tenniserfolg seit Jahren.

Brav gekämpft
(3.9.2008)
Das längste Damen-Match in der US Open-Geschichte (Achtelfinale gegen Marion Bartoli; Anm.), erst als sechste Österreicherin überhaupt in einem Major-Viertelfinale, im Alter von 28 erst ihr dreizehntes Grand Slam-Turnier - all diese Headlines und Superlative finden seit Sybille Bammers Viertelfinalmatch gegen Jelena Jankovic keine Fortsetzung mehr: Österreichs Nummer 1 musste sich am Dienstagabend der Weltranglisten-Zweiten Jelena Jankovic nach exakt eineinhalb Stunden Spielzeit 1/6, 4/6 geschlagen geben und bezog im achten Duell mit der Serbin die siebente Niederlage. Solides Tennis auf der einen Seite (Jankovic), zu viele unerzwungenen Fehler auf der anderen (Bammer) brachten den Ausschlag zu Ungunsten Bammers. Die Oberösterreicherin nimmt Jankovic im Laufe der Partie zwar vier Mal den Aufschlag ab, bringt ihr Service aber lediglich einmal durch. Die Tennis-Mama begeht 40 unerzwungene Fehler. Bei Jankovic sind es 14. Jannkovic, die in dieser Saison immer wieder mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte, war danach "froh, dass ich es in zwei Sätzen geschafft habe." Ihre nächste Gegnerin ist die Olympiasiegerin Jelena Demetjewa.

"Ich werde mein Bestes versuchen müssen"
(2.9.2008)
Am Dienstag in der Night Session (1:00 Uhr MESZ/ab 1.05 Uhr live in ORF 1) wird Sybille Bammer auf die aktuelle Nummer 2 der Welt, Jelena Jankovic, treffen. In einer Pressekonferenz nach ihrem Drei-Satz-Sieg über Caroline Wozniacki wurde die 23-jährige Serbin zu ihren Chancen gegen Österreichs Nummer 1, über ihre Zeit in der Bollettieri-Academy und zum Vorteil übergewichtiger Sparringspartner befragt.

Jelena Jankovic über ...

... Sybille Bammer
In diesem Jahr sind wir noch nicht aufeinander getroffen. Letztes Jahr haben wir aber sehr oft gegeneinander gespielt - ich glaube, drei Mal hintereinander. Ich weiß, dass ich im Head-to-Head in Führung liege (6:1; Anm.) und erst ein Mal gegen sie verloren habe. Ich weiß ganz genau, wie ich gegen sie spielen muss: Sie ist eine Linkshänderin und eine sehr erfahrene Spielerin, die versucht, jeden Ball zu erreichen. Sie hat ein sehr solides Spiel, ich werde daher mein Bestes versuchen müssen.

... die Nummer 1
Natürlich ist das ein großes Ziel von mir. Genauso wichtig ist es mir aber, ein Grand Slam-Turnier zu gewinnen. Denn wenn mir das gelingt, dann kommt die Nummer 1-Position (zuletzt 11.8.2008; Anm.) beinahe automatisch zu mir zurück.

... Verletzungen
Ich habe aufgrund meiner Verletzung (Oberschenkel; Anm.) ein hartes Jahr hinter mir. Im Moment fühle ich mich aber sehr gut und habe keine Probleme mehr. Ich kann jetzt einfach auf den Court rausgehen und mein Tennis genießen. Ich freue mich, dass ich deshalb mit jedem Mal besser und besser werde. Gelingt es mir, das so fortzusetzen, dann bin ich sicherlich auf dem richtigen Weg.

... Nick Bollettieri
Ich bin zu ihm in seine Akademie in Florida gekommen, als ich zwölfeinhalb Jahre alt war. Ich war damals sehr jung und hatte keine Ahnung von irgendetwas. Ich bin von 8.00 Uhr bis 1:15 Uhr oder 2:00 Uhr zur Schule gegangen und konnte immer nur am Nachmittag Tennis spielen. Ganz anders als Mädels wie Maria Sharapova oder Tatiana Golovin, die das Programm voll durchgezogen haben.

... Amerika
Es war ziemlich schwierig für mich - ein junges Mädchen in einem fremden Land, das kaum die Sprache konnte. Es waren aber genau diese Herausforderungen, die mich stark gemacht haben. Tagtäglich war man in der Bollettieri-Akademie in einem Wettstreit mit all den anderen Spielern, die ebenso groß herauskommen wollten wie ich. Da hat es keine Rolle gespielt, ob dir am Court ein dürrer, ein fetter oder ein großer Spieler gegenüber gestanden ist. Ich habe gegen jeden gespielt, und da jeder eine ganz andere Art zu spielen hatte, war es jedes Mal das perfekte Training.

... Familie und Tennis
Sobald ich den Tennisplatz verlassen habe, bin ich eine vollkommen andere Person. Am Court bin ich der typische Kämpfer, außerhalb bin ich ein Mädchen, dem der Spaß im Leben sehr wichtig ist. Will man mich etwa in einem vollen Restaurant suchen, muss man nur dem lautesten Lachen folgen, und schon hat man mich gefunden. Ich glaube, dass diese Einstellung zum typischen Sportlerleben sehr wichtig ist: Wir reisen von einem Turnier zum nächsten, auf die eine Stadt folgt sofort die nächste. Wir sehen oft monatelang unsere Familien und Freunde nicht. Ohne ein bißchen Humor wäre das alles nicht zu ertragen und die Nummer 1 oder ein Grand Slam-Sieg wären dadurch in weite Ferne gerückt.

"Wahnsinn, dass ich das geschafft habe!"

(1.9.2008)
Amerika und seine Sicherheitsvorkehrungen - ausgerechnet einem siebenjährigen Mädchen aus Linz ist es gelungen, diese "Firewall" zu durchbrechen. "So schnell haben die Securities gar nicht schauen können", strahlte Sybille Bammer übers ganze Gesicht, "und schon ist Tina am Platz neben mir gestanden." Die Tochter von Österreichs Nummer 1 hatte sich ihren Weg durch die Menschenmassen gebohrt, um beim größten Erfolg ihrer Mama dabei sein zu können: Die 28-jährige Oberösterreicherin hatte soeben bei den US Open die als Nummer zwölf gesetzte Französin Marion Bartoli, aktuelle Nummer 13 der Welt, nach 3:03 Stunden mit 7/6(3) 0/6, 6/4 niedergerungen und steht damit erstmals in ihrer Karriere bei einem Major-Turnier in der Runde der letzten acht. Ein weiteres Superlativ: Seit Barbara Schett (US Open 1999) ist sie die erste Österreicherin, der das gelingt. Bammer trifft am Dienstag auf die Weltranglisten-Zweite Jelena Jankovic aus Serbien, die zuvor gegen die Dänin Caroline Wozniacki mit 3/6, 6/2, 6/1 gewonnen hatte. In der anschließenden Pressekonferenz konnte Bammer ihren Erfolg "noch nicht wirklich realisieren. Ich freue mich irrsinnig, dass ich es geschafft habe. Wahnsinn! Es war immer ein großes Ziel, in einem Viertelfinale bei einem Grand Slam dabei zu sein. Deshalb war ich auch nervöser, als ich gedacht habe."
Ausschlaggebend für den Sieg, analysierte Bammer, sei nur zum Teil die Fitness gewesen. Bartoli hatte sich zwar im ersten Durchgang ein Medical Time-out genommen, um sich am Rücken behandeln zu lassen und hatte sich danach immer wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den Bauch.gegriffen. Bammer hatte sich davon allerdings nicht beeinflussen lassen. "Ich habe mich im dritten Satz mehr gepusht und versucht, positiv zu bleiben. Dann bin ich aktiver geworden. Wenn ich mental besser gewesen wäre, hätte ich besser gespielt." In das Match gegen Jankovic geht Bammer als klare Außenseiterin. In ihren bisher sieben Begegnungen mit der aktuellen Nummer 2 der Welt hat sie bisher erst einmal gewonnen. Dennoch sieht sie sich nicht chancenlos: "Eigentlich liegt mir ihr Spiel, sie geht auch eher über Rallyes und wartet auf ihre Chance. Es wird wichtig sein, dass ich eine gute Länge in meinen Schlägen haben werde. Aber ich kann locker drauflosspielen."

Advantage Family Bammer
Ein weiterer Vorteil könnte auch das Umfeld von Tennis-Mama Bammer sein. In ihrem Webblog "Bammer on Tour" auf der Website der Oberösterreichischen Nachrichten (www.nachrichten.at)  beschreibt sie den typischen Tagesablauf der kleinen Familie in New York: "Während ich am Vormittag trainiere, üben meine Tochter und ihr Vater Lesen, Schreiben und Rechnen. Davor sitzen wir aber alle noch gemeinsam am Frühstückstisch in unserem angemieteten kleinen Apartment in der 40. Straße. Wir machen es uns ganz gemütlich, und wie zuhause gibt es Omeletts oder Eierspeise ... An einem freien Tag sind wir auch schon zum Empire State Building gefahren. Aber eineinhalb Stunden anstellen, um mit dem Lift nach oben zu fahren und die sicher tolle Aussicht über die Weltstadt New York zu genießen, war uns dann doch zu viel. So haben wir dann in unserer Wohnung DKT gespielt. Gleich vier Stunden lang, was kein Einzelfall ist, weil Tina dieses Spiel so liebt. Bleiben wir auf der Anlage in Flushing Meadows, wird Tina auch nie langweilig. Es sind ja auch noch andere Kinder zum Spielen da, wie die von Rossana de Los Rios oder vom Trainer des Italieners Andreas Seppi ..."

wowo
 

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