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ATP

"Unser Anspruch ist gewachsen"

Österreichs bester Doppelspieler aller Zeiten, Alexander Peya, vor Beginn des ersten ATP 1000-Turniers in Indian Wells über die Schwierigkeiten, eine Top-Saison wie 2013 zu wiederholen, Jürgen Melzers Ausfall für den Davis Cup und weshalb er sich öfter Superstars wie Nadal, Federer oder Djokovic als Doppel-Gegner wünschen würde.


In Sao Paulo habt ihr 2013 das Turnier noch gewonnen, heuer habt ihr in der ersten Runde gegen einen Österreicher verloren, der nicht auf den Namen „Knowle“ oder „Marach“ hört, sondern auf „Oswald“ (im Bild unten: 2. v. rechts). Eine Überraschung?
Natürlich war es für uns überraschend, da wir doch als Favoriten in die Partie gegangen sind. Die beiden (Philipp Oswald / Guillermo Garcia-Lopez; Anm.) haben ein gutes Match gespielt, obwohl wir das Match eineinhalb Sätze lang unter Kontrolle gehabt haben. Im zweiten Satz hat niemand wirklich eine große Chance gehabt, bis wir bei 3:3 ein schlechtes Aufschlaggame gespielt haben und gebreakt wurden. Danach haben sie viel besser gespielt und ein sehr gutes Champions-Tiebreak gespielt und deshalb am Ende verdient gewonnen.

Traust du den beiden zu, dass aus ihnen ein ähnlich kompaktes Team wird wie du und Bruno es bereits seid?
Ich weiß jetzt nicht, wie bei ihnen jetzt die weitere Planung aussieht. Es ist aber klar, dass ein derartiger Erfolg im Normalfall ein Team stark zusammenschweißen kann.

Peya_Oswald

Du hast mit Bruno im Vorjahr fünf große Turniere gewonnen, konntest dich fürs Masters qualifizieren und bist fünf Mal erst im Finale gescheitert wie z. B. bei den US Open. War euch vor Beginn dieser Saison klar, dass es nicht allzu einfach werden würde, derartige Ergebnisse noch einmal „abzuliefern“?
Mit Sicherheit sogar. Es war uns klar, dass wir all die Ergebnisse, die wir im letzten Jahr erreicht haben, erst einmal bestätigen müssen, bevor man über so etwas spricht wie z. B.  „Angriff auf die Nummer 1“ oder „Bryans-Jäger“. Es ist nicht so einfach, solche Erfolge zu wiederholen. Bis jetzt ist die Saison für uns sicherlich nicht zufriedenstellend verlaufen, obwohl wir in die Saison gleich mit zwei Finale (Doha, Auckland; Anm.) gestartet sind, die wir dann verloren haben. Dadurch ist dann ein etwas fader Beigeschmack dazugekommen, obwohl es trotzdem sehr gute Turnierwochen waren. Auch in Australien haben wir gegen ein sehr gutes Team (Llodra / Mahut; Anm.) verloren. Und auch bei den beiden Turnierwochen in Brasilien ist nicht hundertprozentig das passiert, was wir uns vorgestellt hätten (Semifinale in Rio de Janeira, 1. Runde in Sao Paulo; Anm.). Das soll aber trotzdem nicht bedeuten, dass ich jetzt den Kopf in den Sand stecke oder sage: Alles ist fürchterlich!

Wäre man sarkastisch, könnte man jetzt sagen: Gott sei Dank kannst du es dir erlauben, auf einem derart hohen Niveau zu „jammern“.
Stimmt absolut. Hätte ich jedes andere Jahr meiner Karriere mit zwei Finale begonnen, wäre ich darüber überglücklich gewesen. Auch heuer bin ich nicht wirklich unglücklich. Wenn man dann aber diese beiden Finale verliert, ist es irgendwie so, als hätte man etwas nicht zu Ende gebracht. Wir haben bis jetzt nicht schlechter als letztes Jahr gespielt. Es ist aber schon so, dass auf unserer Seite der Anspruch an uns selber gewachsen ist.

In Indian Wells gilt es jetzt ein Semifinale aus dem Vorjahr zu verteidigen, in Miami seid ihr 2013 in der ersten Runde ausgeschieden. Rechnest du dir – zumindest unbewusst – aus, was heuer noch alles nötig ist, um das große Saisonziel „Masters“ zu erreichen?
Nein! Schon zum jetzigen Zeitpunkt darüber nachzudenken, hätte überhaupt keine Aussagekraft. Es ist aber klar, dass uns jedes gute Ergebnis dem Masters einen Schritt näher bringt. Wir schauen aber dennoch überhaupt nicht in Richtung Masters, sondern ausschließlich darauf, dass wir unsere Leistungen bringen. Dann kommen die Ergebnisse von alleine. Und mit den Ergebnissen kommen die Punkte. Und mit den Punkten die Masters-Teilnahme. Im Endeffekt ist das also eine einfache Rechnung, bei der man aber nicht allzu weit nach vorne schauen darf. Und schon gar nicht Anfang März!

preview7100

Tut es dir eigentlich leid, dass Spieler wie z. B. Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Roger Federer nie oder kaum Doppel spielen und du ihnen vermutlich eher selten bis nie gegenüberstehen wirst?
Gegen Nadal hab ich bereits zwei Mal gespielt, gegen Murray vier oder fünf Mal. Sie spielen also schon hin und wieder Doppel. Aber natürlich nicht so oft. Ich würde es auch  begrüßen, wenn sie es öfter machen würden. Die physischen Ansprüche ihrer Einzelkarrieren wird das aber auch künftig nicht zulassen. Die Doppeltour würde durch diese Spieler mit Sicherheit sehr aufgewertet werden, es wird aber nicht passieren. Weil sie nicht spielen werden.

Ist es auch in den Players Lounges der einzelnen Turniere so, dass "Einzel" und "Doppel" zwei getrennte Welten sind? Auf der einen Seite die einen Spieler, auf der anderen Seite die anderen?
Es sind schon alle Spieler beinander. Eine leichte Trennung ist aber trotzdem immer wieder zu erkennen. Das ist von Spieler zu Spieler aber unterschiedlich.

Wann sind bei euch die nächsten Trainingsblöcke eingeplant?
Das wird noch dauern. Nach Indian Wells geht es nach Miami, danach – sollte ich einberufen werden – spiele ich Davis Cup. Und dann geht die Sandsaison los. Großartige Trainingswochen wird es also nicht geben. Aber wir hatten ja eine relativ lange Pause zwischen Australien und Brasilien. Deshalb haben wir in diesem Zeitraum – auch im Hinblick darauf, dass danach keine großen Löcher im Turnierplan kommen – sehr intensiv trainiert.

Stichwort "Training": In Sao Paulo hat es ein gemeinsames Training mit dem ehemaligen Weltfußballer Ronaldo (im Bild unten: 1. von links) gegeben. Wie es dazu gekommen?
Bruno hat ihn im letzten Jahr kennengelernt und hat einmal auch eine kleine Exhibition mit ihm gespielt. Heuer hatte Ronaldo beim Karneval in Sao Paulo zu tun, und so ist das zustande gekommen. Eine absolute Sportlegende! In Brasilien sowieso! Und eine witzige Erfahrung für uns alle!

Wie gut ist er in Form?
Er hat sicherlich das eine oder andere Kilo zu viel. Es sieht aber auf dem Foto viel ärger aus als es tatsächlich ist. Er ist sehr kräftig und massig und noch immer relativ schnell.

Peya_Ronaldo

Zum ersten Mal seit Februar 2002 (3:2 gegen Israel; Anm.) wird Jürgen Melzer im Davis Cup nicht mit dabei sein. Ist das etwas, mit dem du dich schon jetzt beschäftigst?
Mit dem Thema Davis Cup beschäftige ich mich eigentlich immer in irgendeiner Form, jetzt halt noch intensiver und aktueller. Da das Team noch nicht nominiert ist und ich deshalb auch nicht weiß, ob ich dabei sein werde, kann ich da nicht wirklich vorgreifen. Die Aufgabe wird aber durch den Ausfall unseres jahrelangen Zugpferdes sicherlich nicht einfacher werden.

Wie stark schätzt du die Slowaken ein?
Ich glaube, dass sie ein relativ solides Team ohne allzu große "Ausreißer" und Stars haben. Martin Klizan und Lukas Lacko sind auf jeden Fall zwei sehr gute Spieler, die sich schon seit ein paar Jahren konstant im Bereich der Top 100 halten, aber nicht unbedingt die konstantesten Spieler sind. Andrej Martin steht unter den ersten 150, ist ein solider dritter Spieler. Und Michal Mertinak spielt schon seit Ewigkeiten Doppel, ist also ein sehr erfahrener Mann. Insgesamt also ein solides, starkes Team.

Sollte Dominic Thiem ins Team einberufen werden, wäre er Österreichs Nummer 1, und das erst mit 20 Jahren. Kannst du dich noch erinnern, wie alt du bei deiner Premiere warst?
Da müsste ich 19 Jahre alt gewesen sein. Das war 1999 beim Duell gegen die Schweden, das wir in Pörtschach 3:2 gewonnen haben.

Wie sehr haben dir damals die Knie gewackelt?
Eigentlich war's eine coole Sache, wir waren mit Sicherheit aber auch ziemlich angespannt. Bei uns waren die Vorbedingungen aber auch etwas anders, weil wir absolut nichts zu verlieren hatten. Wir haben damals gegen ein absolutes Weltklasse-Team (Nicklas Kulti / Mikael Tillstrom; Anm.) Doppel gespielt. Deshalb war’s eigentlich von Anfang an klar, dass da für uns nur sehr wenig zu holen sein wird und es vor allem darum gegangen ist, Erfahrungen zu sammeln. Im Großen und Ganzen war's aber eine ziemlich coole Sache, für Österreich Davis Cup spielen zu können.

Kannst du dich noch daran erinnern, ob es für dich von den damaligen "Oldies" Stefan Koubek und Markus Hipfl im Team in irgendeiner Weise Support gegeben hat?
Ich kann mich aber nicht mehr im Detail daran erinnern, von wem vor einem Match der eine oder andere Rat gekommen ist. Es war aber generell immer so, dass ich immer mehr mit Stefan zu tun gehabt habe, obwohl sowohl Stefan als auch Markus damals für uns die Führungsspieler waren. Für Jürgen und mich ist es hauptsächlich darum gegangen, Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln. Auch heute sind alle Spieler schon so lange unterwegs, dass z. B. auch Dominic trotz seines relativ niedrigen Alters bereits viel Erfahrung besitzt. Dennoch braucht jeder Spieler im Team Unterstützung, Rückendeckung und das Gefühl, dass das Team für ihn da ist.

Peya_1999

Zum Abschluss ein paar für ein Sportler-Interview nicht unbedingt typische Fragen: Das erste Wort, das dein Sohn Noah gesagt hat?
Das war logischerweise „Mama“. Auch „Papa“ kann er schon seit langem. Da ich aber doch viel unterwegs bin, war’s klar, dass ich hier nur die Nummer 2 sein werde.

Der Ort, an dem all deine gewonnenen Pokale gesammelt werden?
(lacht) Das alles steht irgendwo bei uns herum, weil wir noch keinen speziellen Raum dafür gefunden haben. Wenn wir irgendwann einmal umziehen, werden wir das von Anfang wohl einkalkulieren müssen.

Das letzte Mal, als du für die Benutzung eines Tennisplatzes etwas bezahlen musstest?
Sehr gute Frage. Daran kann ich mich nicht erinnern, weil das in den Trainingspauschalen, die man bezahlen muss, integriert ist.

Wer kocht, wenn du daheim bist? Die Gattin? Du? Ein Lieferservice?
Alles gemischt. Einmal der eine, dann die andere.

Das letzte Mal, als du an deinem Material etwas Entscheidendes verändert hast?
Das war 2012, als ich von meiner alten Saite zu meiner jetzigen gewechselt bin.

Das letzte Mal, als du dich wegen eines Muskelkaters kaum bewegen konntest?
Das war im Dezember 2013, als ich nach meinem Urlaub wieder mit der Vorbereitung auf die neue Saison begonnen habe.

Das letzte Buch, das du gelesen hast – ein Erwachsenen- oder ein Kinderbuch? Kinderbücher lese ich eigentlich die ganze Zeit vor. Das letzte Erwachsenenbuch, das ich während des Urlaubs gelesen habe, hat den Titel gehabt: „Wer eincheckt, hat verloren“.






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