Trotz Aus: Thiem zeigt gegen Nadal auf

Fünf ÖTV-Asse hatten es in die zweite Runde der French Open geschafft. Nach Jürgen Melzer, Andreas Haider-Maurer, Yvonne Meusburger und Tamira Paszek hat es am Donnerstagnachmittag mit Dominic Thiem aber auch den letzten Österreicher erwischt. Erwartungsgemäß musste sich der Jungstar gegen den Turnierfavoriten Rafael Nadal geschlagen geben, ließ aber erkennen, warum er als eine der heißesten Zukunftsaktien im Welttennis gehandelt wird.

Tennis-Feiertag in Österreich! Aber nicht nur innerhalb der rot-weiß-roten Grenzen wurde dem Duell des Weltranglisten-Ersten mit dem 20-jährigen Shooting Star aus Lichtenwörth mit großer Spannung entgegengeblickt.  Am Court Philippe Chatrier hatten sich die oberen Zehntausend des Tennissports - etwa Kim Clijsters oder Ion Tiriac - eingefunden, um Nadal zu sehen, aber auch um Dominic Thiem etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Enttäuscht wurden sie nicht, doch trotz einer beherzten Leistung des Niederösterreichers mit einer Vielzahl an spektakulären Punkten war der French-Open-Triumphator der Jahre 2005 bis 2008 und 2010 bis 2013 insgesamt zu dominant und siegte nach 1:55 Stunden mit 6:2, 6:2, 6:3.

Nadal unerbittlich
Der Reihe nach: Thiem begann ohne Nervosität und ließ die Alarmglocken bei Nadal bereits im ersten Game mit dem ersten Breakball der Partie schrillen. Fortan zeigte der Spanier aber sein bestes Tennis, spielte weitgehend fehlerlos und zog auf 5:1 davon. Thiem ließ sich nicht hängen, erspielte sich mit einigen sensationellen Punkten in Serie ein Re-Break und die Begeisterung des Publikums. Doch Nadal konterte stark und nahm dem nicht konstant genug agierenden Thiem zum dritten Mal und zum gleichbedeutenden Satzgewinn den Aufschlag ab. Satz zwei bot ein ähnliches Bild: Thiem ließ immer wieder sein Können aufblitzen, beging aber auch viele Fehler. Zu viele gegen den hochkonzentrierten Weltranglisten-Ersten, der auch seine körperliche Überlegenheit - Thiem war bekanntlich im Vorfeld der French Open krank und verlor einige Kilogramm Kampfgewicht - immer stärker ausspielte.

Satz drei ging Thiem noch eine Spur aggressiver an und versuchte die Ballwechsel immer öfter zu diktieren. Zunächst mit Erfolg, denn mit dem zweiten Break ging die aktuelle Nummer 57 im Ranking erstmals in der Partie innerhalb eines Satzes in Führung. Die Antwort Nadals folgte aber wieder prompt in Form von fünf Spielgewinnen in Folge - das war's auch schon mit dem ersten Auftritt von Dominic Thiem auf dem größten Platz von Roland Garros. Von einer "Lehrstunde", von der der 20-Jährige im Vorfeld der Partie gesprochen hatte, war das Aufeinandertreffen mit dem besten Tennisspieler der Gegenwart aber weit entfernt, wie auch Nadal im Interview kurz nach der Partie meinte: "Von mir braucht er sicherlich keine Ratschläge mehr."

Bei den Winnern schon vorne
Fazit: Auch gegen den Weltranglisten-Ersten zeigte Thiem phasenweise ganz stark auf, gewann sogar etwa die Wertung der direkten Gewinnschläge mit 27 zu 16. Um in Zukunft auch auf der Ergebnistafel vorne zu stehen, muss der Niederösterreicher noch an der Konstanz arbeiten und die Fehlerzahl reduzieren. Der nächste Turnierauftritt des österreichischen Toptalents wird bereits auf Rasen stattfinden, und zwar ab 9. Juni im Queens Club von London.

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