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Serie: ÖTV-Talente on Tour

Lucas Miedler - eine Karrierekurve mit stetigem Trend nach oben: Zuletzt Doppel-Turniersieg in Nonthaburi, davor Finale bei den Australian Open, Gold bei der u16-EM in Moskau, Turniersiege in Prag, Novi Sad, Amstetten, Villach und Piestany. Die nächsten Schritte zu den nächsten Highlights bereitet der 16-jährige Muckendorfer (Bild) derzeit mit Coach Norbert Richter fern der Heimat vor. „Wir bleiben ein Monat in Asien, damit Luci viele Matches gewinnen und sein Spiel auf Hartplatz verbessern kann.“


Das vergangene Jahr? "Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich diese Saison mit 7 bewerten", sagt Lucas Miedler beim Rückblick auf ein Jahr, in dem die Leistungskurve stetig nach oben wanderte. Die Highlights waren im Einzel der Gewinn der Goldmedaille bei den u16-Europameisterschaften in Moskau, der Turniersieg in Prag sowie die Semifinale in Linz, Amstetten, in Oberentfelden und Bratislava. Im Doppel konnte der 16-jährige Muckendorfer seiner Erfolgsbilanz sogar vier Turniersiege (Novi Sad, Amstetten, Villach und Piestany) hinzufügen. Zuletzt war ihm im Jänner 2013 in Melbourne als erstem Österreicher seit Dominic Thiem (French Open 2011) der Einzug in das Finale eines Jugend-Grand Slam-Turniers gelungen, auf den ersten Titel musste Lucas Miedler, der sich selbst als "Offensivspieler mit starkem Aufschlag, druckvoller Vorhand und gutem Volley" bezeichnet, allerdings noch etwas warten: Mit Partner Max Marterer an seiner Seite unterlag der 16-jährige Muckendorfer im Doppelfinale der Australian Open Junior Championships den Australiern Jay Andrijic und Bradley Mousley mit 3:6, 6:7(3). "Darauf lässt sich aufbauen. Und ich weiß, dass ich am richtigen Weg bin. Dieser Finaleinzug ist gemeinsam mit dem u16-Europameistertitel mein bisher größter Erfolg", so Miedler. "Das waren gute Leistungen und haben eine gewisse Bestätigung für all die Arbeit gebracht. Trotzdem muss ich weiter hart arbeiten und darf mich nicht auf Resultaten ausruhen."

Die nächsten Schritte auf dem Weg nach oben versucht Miedler fern der Heimat zu setzen: Derzeit hält sich der ÖTV-Kaderspieler (u17 / u18) gemeinsam mit Trainer Norbert Richter in Bangkok auf. "Wir bleiben ein Monat in Asien, damit Luci viele Matches gewinnen und sein Spiel auf Hartplatz verbessern kann", so Richter. Am 27. Februar absolvierte das Erfolgsduo in Thailands Hauptstadt bei Temperaturen von bis zu 35 Grad das erste leichte Training. "Es ist sehr heiß und der Flüssigkeitsverlust ist schon enorm", so Richter damals. "Bis Sonntag, den 3. März, wurde noch fleißig in Bangkok trainiert, dann ging's ab Montag richtig los." Das erste Turnier der "Asien-Tournee" des ÖTV-Talents war das ITF Kat. 1-Event in Nonthaburi (THA), bei dem Miedler trotz einer 5:3-Führung im ersten Satz gegen Benjamin Bonzi (FRA) mit 5:7, 4:6 im Achtelfinale ausschied. Im Doppel funktionierte die "Strategie", soviele Matches wie möglich zu spielen, dafür umso besser: Mit Partner Brad Mousley (AUS) an seiner Seite konnte Miedler das Finale gegen das topgesetzte Duo Luke Bambridge (GBR) / Borna Coric (CRO) mit 7:6(6), 6:4 für sich entscheiden. Richter: "Nach starkem Beginn und 3:0, 40:0 drohte das Match zu kippen, aber nach 3:3 und später zwei Satzbällen ging es schließlich ins Tiebreak, wo die beiden ihren sechsten Satzball verwerten konnten. Im zweiten Satz stand es schnell 1:4, doch dann kämpften sich die beiden zurück und siegten schließlich mit 6:4. Für Brad ist es der zweite Titel hintereinander, nachdem er auch das Doppel bei den Australien Open gewinnen konnte, für Luci ist es heuer das zweite Doppelfinale und der erste Finalsieg." Die nächste Station der asiatischen Miedler-Tour: Zunächst das Kat. 1-Turniere im malaysischen Sarawak und danach in Manila auf den Philippinen. "Asien ist derzeit der einzige Ort auf der Welt, wo man drei Kat. 1-Turniere hintereinander bestreiten kann", so Miedler über den Anlass der "Flucht" aus Österreich. Ein weiterer Vorteil der Turniere fern der Heimat: "Da ich schon viele Spieler kenne, gibt es jeden Tag andere Trainingspartner" (Miedler).

Hauptziel bei den Turnieren in Nonthaburi, Sarawak und Manila ist dabei, das umzusetzen, was in den Wochen nach den Australien Junior Championships im Training Schwerpunkt war. "Die Schwerpunkte im Training", so Miedler, "liegen derzeit im Bereich von Schnelligkeit, Schlagpräzision und bei leichten Veränderungen beim Aufschlag." Norbert Richter, der seinerzeit eine amerikanische Tennislehrerausbildung zum PTR Professional absolviert hatte: "Nachdem Australien bereits wieder längere Zeit hinter uns liegt, ging es im Februar darum, etwas die Technik anzupassen und Stärken weiter zu verbessern und die Schwächen abzubauen. Viele Trainingsstunden brachten wieder eine deutliche Steigerung bei Luci." Miedler: "Ich bin auf dem richtigen Weg und nehme diese super Ergebnisse, um mich weiter zu pushen." Eines der Erfolgsrezepte des Hardcourt-Spezialisten ("Hardcourt passt besser zu meinem Spiel") lautet: So oft wie möglich mit den besten Jugendlichen der Welt trainieren. So absolviert er bereits seit Jahren vor den amerikanischen Top-Jugendturnieren (Orange Bowl, Eddie Herr Junior Championships) eine extra Trainingswoche in der Bollettieri Academy in Bradenton. "Bei unglaublichem Wetter sind die Trainingsbedingungen fast immer optimal", so Richter. "Viele Top-Jugendliche aus der ganzen Welt sind immer dort und bereiten sich auf die Orange Bowl vor. Dadurch gibt es sehr viele verschiedene, aber starke Trainingspartner, mit denen gemeinsame Trainingseinheiten, aber auch viele Sparringmatches, abgehalten werden." Der Tagesablauf in der Akademie der Trainerlegende: "Am Vormittag gibt es Schlag- und Matchtraining", so Miedler. "Dann gibt es eine Fitnesseinheit und am Nachmittag nur mehr Sparring v. a. mit anderen Jugendlichen wie z. B. Laslo Djere und Thanasi Kokinakis." In Australien waren es dann u. a. der Einzel- und Doppelsieger der Eddie Herr Junior Championships Christian Garin (CHI / ITF 10), Robin Stanek (CZE / ITF 34), Paul Wörner (GER / ITF 81) oder Hannes Wagner (GER / ITF 88), die Miedler als Trainingspartner gegenüberstanden.

Miedler

Lucas Miedler, zu dessen Team neben Norbert Richter und Fitnesscoach Zdenek Kos auch Mentaltrainerin Martina Grubmüller zählt: "Was man immer wieder lernt, ist, dass man hart arbeiten muss, weil die Spieler immer näher zusammenrücken und, wenn man sich da durchsetzen will, muss man überall top sein." Der erste Anstoß zu dieser Learning-by-doing-Sichtweise erfolgte seinerzeit in der 1.300-Seelen-Gemeinde Muckendorf, in der Norbert Richter seit 1995 seine Tennisschule betreibt und Miedler im Alter von drei Jahren erstmals ein Racket in der Hand hatte. Es folgten die Aufnahmen in diverse ÖTV-Kader, die Umstellung der Ernährung von Fastfood auf Fisch, Obst und Gemüse, die Schule wurde abgebrochen, "um am Vor- und Nachmittag trainieren zu können" (Miedler), 2011 folgte in Budapest dann der erste Sieg auf der ITF-Tour (ITF Kat. 5). Der Rest ist bereits Geschichte. Als nächstes Highlight könnte laut ÖTV-Präsident Ronnie Leitgeb zumindest in mittelfristiger Zukunft bereits der Davis Cup stehen: "Was wir in Österreich brauchen, ist ein etwas breiter aufgestellter Stamm an Einzelspielern. Wir haben einen Gerald Melzer, einen Michael Linzer, einen Dominic Thiem. Und einen Lucas Miedler." Der Davis Cup ist für Miedler "wie für jeden anderen Junior selbstverständlich ein großes Ziel." Die nächsten Schritte sollen vorerst aber auf anderen Ebenen gelingen: 2013 will der Youngster, der sich selbst als "nett, ehrgeizig, aber oft zu ungeduldig" (Miedler) bezeichnet, im ITF-Ranking unter die Top 10 vorstoßen (aktuell: ITF-34.) "und möglichst viele Siege auf der Herrentour haben." Und in zehn Jahren? "Dann will ich ein etablierter Spieler auf der ATP-Tour sein."

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