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SCHALLER - GEDANKEN IV

Gilbert Schaller ist Sportdirektor des ÖTV. Er hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, die Tennis-Öffentlichkeit regelmäßig über die Arbeit und News im Leistungszentrum Südstadt zu informieren. Heute: Gedanken zur Entwicklung der Talente.

Nach vielen Gesprächen mit Trainern, Journalisten und anderen Tennisinteressierten bin ich zur Überzeugung gekommen, dass es zum Thema „Durchschnittliche Entwicklung zum Tennisprofi“ verbreitet falsche Ansichten gibt.

Im Damenbereich ist das Erreichen eines Top 100-Rankings mit 21 Jahren weltweit ein Durchschnittswert; wobei es für die österreichischen Spielerinnen auch eher die Ausnahme war. Im Herrentennis hat das mit unserer Realität wenig zu tun.

Die in vielen Köpfen verankerte Ansicht „wenn man mit 20 Jahren die Top 100 nicht erreicht hat, kannst es eh vergessen“ ist absolut unrichtig.

Ich kann das aus eigener leidvoller Erfahrung bestätigen. Wobei zu meiner Zeit der Alters-Durchschnitt derer, die es geschafft hatten, so früh nach oben zu kommen, noch etwas näher bei 21 Jahren lag als heute.

Wenn man sich jetzt die Entwicklung einiger unserer Spieler genauer ansieht, so ist es belegbare Realität, dass man bis zum Alter von 25 oder 26 konsequent seinen Weg gehen muss, um die Top 100 vielleicht zu erreichen. Ausnahmen, die mit 17, 18, 19 Jahren bereits Top 10 sind, wird es immer geben und das ist auch gut so. Aber die meisten erarbeiten sich ihr Ranking durch jahrelanges Training und konsequente Weiterentwicklung. Sie werden meist zu früh abgeschrieben.

Beispiele gefällig? Alex Peya war auf dem Sprung in die Top 100, als ihn Verletzungen zurückwarfen, Oliver Marach hat gute Chancen, dieses Ziel zu erreichen. Beide sind Jahrgang 1980, also heuer 25-jährig.

Wie kann die Entwicklung von Rainer Eitzinger weitergehen, der in Wien zum ersten Mal die breite Tennis-Öffentlichkeit auf sich aufmerksam gemacht hat? Er ist jetzt 22, wird sich jetzt hoffentlich bald unter die Top 200 einreihen und sich - wenn der Weg in die richtige Richtung weitergeht - wohl auch erst mit frühestens 24 berechtigte Hoffnung auf die ersten 100 machen.

Gar nicht zu reden von Julian Knowle und Werner Eschauer, die beide erst spät ihre größten Erfolge erzielt haben, was auch nur noch wenige erwartet hatten.

Was hat das aber für Konsequenzen für die Spieler? Im besten Falle werden sie bis 20 von uns (dem ÖTV) oder von Privatinitiativen gefördert. Wenn dann die Weltspitze noch nicht in Sicht ist, müssen sie es meist allein schaffen.

Die wenigsten gehen dann den Weg weiter und schaffen es aus eigener Kraft. Daher muss meiner Meinung nach ein Umdenken stattfinden und ich möchte auch an alle, die den Tennissport in Österreich fördern, die Bitte senden: schreibt Spieler mit 20 noch nicht ab; unterstützt sie weiter, wenn der Weg, den sie gehen, stimmt.

Auch ich möchte einen Schritt in diese Richtung setzen und habe daher einen Teil unseres Budgets für einen sogenannten Erweiterungskader bereitgestellt. Dieser Erweiterungskader wird nächstes Jahr starten und ist für international tätige Spielerinnen und Spieler gedacht, die nicht vom ÖTV unterstützt werden. Wer dafür berechtigt ist und wie die finanzielle Unterstützung aussehen wird, werde ich bald bekannt geben. Zuerst müssen noch notwendige Details beschlossen und ausgearbeitet werden.

Außerdem möchte ich die Zusammenarbeit und vor allem die Kommunikation aller Trainer, die österreichische Spieler betreuen, schnellstmöglich verbessern: wie schon früher angekündigt, sollen sie sich bei Turnierreisen gegenseitig vertreten. So können erhebliche Kosten gespart werden und die Spieler werden vom Wissen mehrerer Trainer mit Sicherheit profitieren. Auch dazu werden noch genauere Informationen nachgereicht.

Es gibt viel zu tun und ich hoffe auf die Unterstützung alles Tennisbegeisterten.

Gilbert Schaller

ÖTV-Sportdirektor

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