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SALZBURG: GORAN IVANISEVIC - RACKETS WIE ZAHNSTOCHER, FLÜCHE WIE GEDICHTE

Er war Wimbledonsieger, Straßenkehrer und nur kurz davor, nach Alaska auszuwandern. Im Legendenduell mit Thomas Muster wird Goran Ivanisevic (Bild) am 20.11. auf einen Spieler und Menschen mit ebensoviel Charme und Charisma treffen. Das härtere Service hat die „Aufschlagkanone“ aus Split, den fitteren Body der „Ausdauerkönig“ aus Leibnitz. Wer wird gewinnen?


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Das Programm für Samstag, 20. November 2010 (ab 14:00 Uhr):

1. Semifinale: ATP-Challenger, Einzel
danach: Match der Legenden Thomas MUSTER (AUT) vs. Goran IVANISEVIC (CRO)

2. Semifinale: ATP-Challenger, Einzel
2. Semifinale: ATP-Challenger, Doppel

Alaska oder Selbstmord
(17.11.2010)
Geplant war Agassi, gekommen ist Ivanisevic. Nach der gesundheitsbedingten Absage des US-Stars für das Legendenduell am 20. November 2010 in der Salzburgarena mit Thomas Muster "möchten wir uns bei Goran Ivanisevic bedanken, der sich bereit erklärt hat, kurzfristig einzuspringen", legt Turnierdirektor Edwin Weindorfer seinem "neuen" Star nicht weniger erfreut den roten Teppich. "Er hat kaum etwas von seiner früheren Aufschlagstärke verloren und wird Thomas Muster daher alles abverlangen." Goran Ivanisevic – ein Spieler mit ebensoviel charmantem Charisma wie auch durchschlagender Power. Ein Mann mit vielen Ecken und Kanten, die er sich trotz seiner 39 Jahre bis heute noch nicht abgeschliffen hat.

Wussten Sie etwa, dass ...

... er im Verlauf seiner Karriere sechs Mal gegen Thomas Muster spielte und dabei drei Mal als Sieger vom Platz ging? 1997 kämpfte er im Daviscup (Viertelfinale der Euro-Afrika-Zone; Anm.) Muster in fünf Sätzen nieder, bei den ATP World Tour Championships 1996 in Hannover siegte er 6:4, 6:4, 1993 verhinderte er im Finale des ATP-Turniers in Wien in vier Sätzen Musters Heimsieg.

... er 2004 seinen Einstand auf der ATP Champions Tour hatte und "erst" im August 2010 sein erstes Racket zertrümmerte? Im Finale des Optima Open im belgischen Knokke lag er gegen Pat Cash bereits 3:6, 1:3 und 15:40 hinten, ehe ihm der spezielle "Belastungstest" für sein Arbeitsgerät den erhofften Aufschwung gab. "So schlecht wie ich gespielt habe, hätte ich eigentlich alle meine Schläger vernichten sollen." Damit nicht genug, stibitzte er während einer Wechselpause eines von Cashs Stirnbändern und band es um den eigenen Kopf. "Erst, als ich das gemacht habe, ist es bei mir wieder bergauf gegangen."

... er in einer kroatischen Reality-TV-Show einmal den Job eines Straßenkehrers ausübte? „Das war die schwierigste Arbeit in meinem Leben", sagte Ivanisevic danach – tagtäglich musste er nämlich um 4 Uhr Früh aus dem Bett.

... er vor seinem Wimbledonsieg im Jahr 2001 aufgrund von Schulterproblemen auf Platz 125 in der Weltrangliste abgerutscht war und er für die Teilnahme an seinem Lieblingsturnier eine Wildcard benötigte, um überhaupt dabei sein zu können? In der Statistik des All England Lawn Tennis and Croquet Clubs steht er bis heute als einziger Sieger, der zuerst eine Wildcard und zwei Wochen später den Siegespokal überreicht bekam.

... Goran Ivanisevic ein Riesenfan von West Bromwich Albion ist und sämtliche Partien des englischen Fußballteams online verfolgt, gleichgültig, wo er sich gerade aufhält?

... er "vermutlich Selbstmord begangen" (Ivanisevic) hätte, wäre ihm 2001 nicht sein erster und einziger Wimbledonsieg gelungen? "Oder ich wäre für immer nach Alaska ausgewandert."

... er in Wimbledon drei Mal das Finale erreichte (1992, 1994, 1998) und drei Mal als Verlierer vom Platz ging, ehe ihm als ungesetzter Spieler im Jahr 2001 sein großer Coup gelingen sollte?

... es immer wieder die unterschiedlichsten Verletzungen waren, die ihn zurückwarfen? 2003 waren es z. B. Schmerzen im linken Ellbogen, der linken Schulter und dem rechten Knie. "Es ist immer schön, neue Verletzungen zu entdecken", grinst Ivanisevic heute darüber. Im März 2003 gelang ihm bei dieser "Entdeckungsreise" ein besonderer Fund. In Miami trat er auf eine Muschel. "So etwas passiert nur mir. Zehn Kilometer Sand, eine Muschel, und ich finde sie." Als der Schmerz nach drei Wochen immer noch nicht wich, suchte Ivanisevic einen Kernspintomographen auf. Der zeigte: Ein Muschelsplitter saß noch im Fleisch. Also stand erneut eine Operation an. Erst nach zweieinhalb Monaten konnte Ivanisevic wieder laufen.

... er 2004 im Alter von 32 in Wimbledon nach 15 Jahren sein letztes Match als Tennisprofi bestritt? Die Sonne schien, 13.808 verzückte Zuschauer füllten den Centre Court. Irgendwann schrie eine Verehrerin: "Goran, ich liebe Dich!" Dem Angebeteten gelang daraufhin prompt ein Punkt, den er seiner Freunndin mit einem Wink widmete. Gleich darauf schrie die nächste: "Goran, ich liebe Dich!" Das Schauspiel wiederholte sich. Als Ivanisevic wieder zur Linie schritt, rief ein Mann: "Goran, ich liebe Dich auch!" Dieses Mal schüttelte Ivanisevic den Kopf. Der Punkt ging an Lleyton Hewitt. Am Ende war Ivanisevic chancenlos gegen den Australier: 2:6, 3:6, 4:6.

... er im November 2005 zugeben musste, pleite zu sein? Nachdem er alle Investitionen in seinem Heimatland in den Sand gesetzt habe, stehe er vor dem privaten Bankrott, sagte der Wimbledon-Sieger von 2001 der Zagreber Zeitschrift "Globus". Der einzige Weg, den Konkurs abzuwenden sei seine Beteiligung an der Senior-Tour ehemaliger Tennisgrößen. Ein Teil seines wirtschaftlichen Misserfolges sei auf die weit verbreitete Korruption im Lande zurückzuführen, sagte der damals 34 Jahre alte Ivanisevic. "Ich habe niemanden bestochen, und im Baugeschäft in Kroatien kann man nicht einmal eine Hundehütte errichten ohne Bestechungsgelder", begründete er seine Verluste. Ivanisevic hatte sein Geld vor allem im Bausektor angelegt.

... ihm 2004 sein erster Titel auf der ATP Champions Tour gelungen ist? Bei den AFAS Classics in Eindhoven besiegte er im Finale Jim Courier.

... er im Jahr 2000 beim Turnier in Brighton sein Achtelfinale gegen Hyung-Taik Lee (KOR) nicht zu Ende spielen konnte (5:7, 7:6, 1:3), da er davor sämtliche seiner Schläger zertrümmert hatte? Bereits in seiner Jugendzeit hatte ihm sein flegelhaftes Benehmen einmal (1985) sogar den Ausschluss von der Orange Bowle eingebracht.

... er einmal bei den Australian Open 9.000 Dollar Strafe zahlen musste, nachdem sich der Schiedsrichter ein Match von ihm auf Video angesehen hat? "Danach ist er zu mir gekommen und hat gesagt: Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so fluchen kann. Schimpfworte waren für mich immer wie Gedichte."

... er im Jahr 1996 die Rekordanzahl von 1.477 Assen schlug?

... er sagt, während seiner Partien stets mit fünf Gegnern kämpfen zu müssen? Schiedsrichter, Publikum, Balljungen, Platz und sich selbst.

... er nach seinem Wimbledonsieg im Jahr 2001 in seiner kroatischen Heimat Split von 200.000 Fans frenetisch empfangen und als Volksheld gefeiert wurde?

... er nie die Nummer 1 der Welt war? "Das ist das Einzige, was ich bedaure. Aber ich war Nummer zwei hinter Pete Sampras, und in dem Jahr (1997; Anm.) gewann er drei Grand-Slam-Titel. Um Nummer eins zu werden, hätte ich ihn erschießen müssen. So weit wollte ich dann doch nicht gehen."

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