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Davis Cup

PRAG: TSCHECHIEN ENTTHRONT SPANIEN IM DAVIS CUP-FINALE UND "IST DAS MASS ALLER DINGE!" EIN BERICHT VON ANDREAS DU-RIEUX AUS PRAG.

Zwei Wochen nach dem Triumph der Damen im Fed Cup gelang auch den tschechischen Herren das historische Double. Die Gastgeber gingen im 100. Davis Cup-Finale gegen Spanien mit einer 2:1-Führung in den Schlusstag. Und Radek Stepanek sorgte mit seinem 6:4 7:6(7/0), 3:6, 6:3 gegen Nicolas Almagro für Tschechiens zweiten Davis Cup-Sieg seit 1980. Ein Blick durch die rosarote Brille in die Zukunft: 2013 könnte Tschechien - falls Österreich in der ersten Runde Kasachstan besiegt - Melzers & Co Viertelfinal-Gegner sein.


INTERVIEW MIT TOMAS BERDYCH & RADEK STEPANEK


INTERVIEW MIT MARCEL GRANOLLERS & MARC LOPEZ

INTERVIEW MIT JAROSLAV NAVRATIL

INTERVIEW MIT ALEX CORRETJA



18. November 2012

SPANIEN UNTER DRUCK.
Als die Protagonisten des dritten Einzels einmarschieren, bestätigt sich zunächst die Ausgangslage aufgrund des Erscheinungsbildes wie folgt: David gegen Goliath - Hier ein 1,96 Hüne und Hardhitter, seit 2003 im Davis Cup-Einsatz, Bilanz 22:11. Dort ein knapp 20 Zentimeter kleinerer Marathonmann, Davis Cup seit 2006, Rekord 22:4, diesmal mit dem Rücken zur Wand, während sein Gegner lockerer ins Match gehen kann. Theoretisch, denn praktisch spielt sich alles ganz anders ab. Ferrer returniert glänzend, entschärft auch die mit brachialer Gewalt angesetzten Groundstrokes, bewegt Berdych ständig durch metronomisches Winkelspiel und entwickelt bald selbst mehr Power als man ihm zutrauen kann von der Baseline, während Berdych stets anzusehen ist, dass er bereits neun harte Sätze in den Beinen hat, agiert Ferrer leichtfüßig und letztlich sogar agressiver. Auch Karel Novacek staunt angesichts der Geschehnisse und meint beim Zwichenstand von 2:6 und 3:6: "Tomas wirkt ein bisschen gehemmt, kann sein kraftvolles Spiel nicht umsetzen, weil Ferrer super kontert und aus der Defensive sofort aktiv wird, außerdem bewegt er sich viel besser und ich fürchte Tomas ist richtig müde heute." Zuversicht strahlt hingegen Juan Carlos Ferrero aus, der ehemalige Weltranglisten-Erste, der kürzlich in Valencia sowie danach nochmals in London emotional verabschiedet wurde, sieht seine Amigos am Ende siegreich: "Berdych geht die Kraft aus, er versucht alles aber es wird nicht mehr reichen, David wird den Ausgleich schaffen und Nico dann gegen Stepanek wohl alles klar machen für uns."

DIE SPANNUNG STEIGT! Imponierend wie Ferrer sein Spiel durchzieht und unbeirrbar marschiert, als wäre es eine völlig belanglose Partie. Ein unerwarteter Aufschlagverlust zum 4:4 beflügelt Berdych noch einmal, weitere vermeidbare Fehler werden ihm letztlich jedoch zum Verhängnis. Ferrer sichert nach 2Std 24 mit 7:5 das wichtige 2:2 für Spanien. Die Spannung  steigt in der Arena. Vor dem finalen Showdown pirsche ich mich an die eine oder andere Legende heran. So meint etwa "Tschechiens Udo Jürgens", der bei uns spätestens durch seine fulminante Interpretation des hinlänglich beliebten Titelsongs zur TV-Serie Biene Maya unsterblich gewordene Herr Karel Gott: "Es ist unglaublich, das Alles hier mit zu erleben. Die Stimmung ist phänomenal. Die Chance ist da, mit dem Publikum im Rücken wird Stepanek das schon machen. " Eher vorsichtig optimistisch hingegen Jana Novotna, nach diversen aufgelegten, aber von ihr "verschwitzten" möglichen Triumphen, 1998 dann endlich in Wimbledon erfolgreich gewesen, meint: "Jetzt wird's leider sehr schwierig für uns. Schade, dass Tomas seine Chance nicht genützt hat und Ferrer kaum fordern konnte. Stepanek hat zwar das Spiel, um Almagro zu schlagen, ich bin mir aber nicht sicher ob auch das Stehvermögen für eine längere Partie reichen wird."

WER GEHT MIT DEM DRUCK BESSER UM? Almagro, Davis Cupper seit 2008, 8:3. Stepanek, im Davis Cup seit 2003, 11:11 Nervöses Geplänkel zu Beginn, Stepanek entschlossener, sucht immer wieder den Weg zum Netz und setzt Alamgron damit auch psychisch sichtlich zu, schliesslich holt er sich das Break zum 6:4. Almagro agiert wie gewohnt eher von hinten, zwischendurch aber unglaublich fehleranfällig, das mässige Niveau verdeutlicht allerdings die Bedeutung der Partie. Nach zähem Ringen kann der Spanier dann erstmals Stepanek den Aufschlag abnehmen. Nicht mehr als ein Strohfeuer allerdings, denn der entfesselte Tscheche fightet sich wieder heran, kann bei 5:4 zwei Satzbälle als Rückschläger nicht nützen. Es ist jetzt eine Begegnung, wie sie nur im traditionsreichsten Mannschaftsbewerb der Welt entstehen kann - dem routinierten Journalisten fällt es schwer, die Ereignisse treffend zu beschreiben, Gänsehaut hemmt, vermittelt aber ein durchaus erhebendes Gefühl. 5:6, wieder wehrt Almagro zwei Satzbälle ab - Tiebreak. "Radek! Radek!"-Sprechchöre, als Stepanek ein taktisch feines Tiebreak gelingt, während Almagro ideenlos abwartend immer defensivern wird. 2:13 Stunden, die Masse tobt nach krachenden Rückhandcrosswinner zur Höchststrafe von 7:0.

NOCH EIN SATZ ZUR UNSTERBLICHKEIT. Auch klar, dass der Sieger dieses einen Tennisspiels den Sprung zu unvergänglichem Ruhm,  ja zur sportlichen Unsterblichkeit schaffen wird. Kampflos wirkend kann, kampflos wirkend will kein Torero untergehen. "Nico! Nico!" hallt es aus dem rot-gelben Sektor, als Alamgro den dritten Satz 6:3 gewinnt, 3:03 Stunden vorbei sind. Immer noch beinhaltet sein Vortrag kein erkennbares Konzept, es sei denn man darf das "Ball im Spiel halten" dazu zählen, und erhebt die vermeintlich bessere Ausdauer zum Credo - riskant, aber dies gilt ja nach wie vor auch für das Tennis des alternden Nordtschechen, der weiterhin stets attackiert, stürmt, am Netz brilliert, an der Grundlinie aber immer öfter den Kürzeren zieht. Ich gedenke weitere Stimmen zum Spiel einzuholen, nähere mich Lukas Rosol, doch der Nadal-Bezwinger befindet sich in ähnlich rauschartigem Zustand wie bei seinem Husarenstück von Wimbledon, brüllt mir euphorisiert fäusteschwingend nationale Schlachtgesänge entgegen, auch mit Marc López, ansonsten meist für einen Scherz zu haben, ist nicht zu spaßen:"vamos vamos Arriba " , o.k. Comprende ;-)

ES IST VOLLBRACHT! Unwiderstehlich zieht Radek Stepanek nun auf 3:0 davon, der Spanier zögerlich abwartend, gerät mehr und mehr unter Druck. Stepanek hat bei 5:2 Matchball als Rückschläger, Almagro verkürzt, doch nach 3:51 Stunden es dann soweit, 40:30, zweiter Aufschlag Stepanek, Return auf die Vorhand, hoher Ball auf die Rückhand von Almagro, und der verschlägt dem Druck nicht mehr gewachsen. Unvorstellbar, was sich dann abspielt, Tschechien zelebriert den zweiten Davis Cup-Sieg nach 1980. Die Helden von damals sind alle präsent. Lendl, Kodes, Slozil und Smid, man blendet deren Triumph per Videowall ein - tschechischer Freudentaumel folgt minutenlang, ehe man feierlich mit dem silbernen 105 Kilogramm schweren Davis-Pokal posiert. Tschechien ist das Maß aller Dinge als Fed- und Davis Cup-Sieger 2012. Es war einmalig, dabei gewesen zu sein und die Essenz lautet, im Zweifelsfall höre auf Gott (Karel) , alles klar?

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