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PEKING: JÜRGEN MELZER FOLGT SYBILLE BAMMER ...

... und scheidet aus: Zuerst war für Sybille Bammer Endstation im Viertelfinale, danach scheiterte auch Jürgen Melzer (Bild) an einem übermächtigen Gegner - Rafael Nadal.

Lehrstunde vom Meister
"Vielleicht kann ich ja einen Coup landen", hatte sich Jürgen Melzer am Tag davor noch an ein kleines Stück Hoffnung geklammert. Nach nur 63 Minuten im Viertelfinale gegen Rafal Nadal musste sich der Niederösterreicher dann aber doch eingestehen, "dem weitaus besseren Tennisspieler" (Melzer) gegenüber gestanden zu sein. Mit 6/0, 6/4 war er vom Spanier mit peitschenden Spinschlägen vom Court gefegt worden, der Melzer in keiner Phase des Matches eine Chance gelassen hatte. Danach übte Österreichs Nummer 1, der in Peking erstmals am Centrecourt gespielt hatte, neben Selbstkritik auch Kritik an der Organisation des Olympia-Turniers. "Das waren zwei verschiedene Turniere, der Centrecourt ist zehnmal so schnell wie die Außenplätze." Hinzu kam der extrem späte Spielbeginn. Dass man am Donnerstag in Peking bis in die Morgenstunden Tennis spielen musste, bestätigte ihn in seiner Meinung, die sich mit der am Vortag geäußerten Kritik von Roger Federer deckte: "Es ist eine Frechheit, wie das Ganze aufgezogen ist." Trotzdem wollte Melzer die äußeren Umstände nicht als Entschuldigung für die Niederlage gelten lassen. "Nadal ist der bessere Tennisspieler. Ich hoffe, ich kann irgendwann auch bei gleichen Bedingungen gegen ihn spielen. Ich habe ein tolles Olympiaturnier gespielt und drei starke Leute geschlagen. Gegen den Weltranglisten-Ersten kann man schon verlieren."

Harter Kampf, knappe Niederlage
Für Sybille Bammer ist der Olympiatraum vorbei. Die Oberösterreicherin musste sich der als Nummer neun gesetzten Russin Vera Zvonareva nach hartem Kampf mit 3/6, 6/3, 3/6 geschlagen geben und ist damit aus dem Medaillenrennen. Die 28-Jährige kassierte im ersten Satz ein frühes Break zum 1/3 und musste danach gleich noch einmal ihren Aufschlag zum 1/5 abgeben. Bammer schaffte zwar noch ein Rebreak zum 2/5, doch die Russin servierte in der Folge zum 6/3 aus. Im zweiten Satz kam die Ottensheimerin wesentlich besser ins Spiel. Mit Breaks zum 2/0 und 4/0 zog sie auf 5/0 davon und bestimmte mit druckvollen Schlägen die Begegnung. Nach einem vergebenen Satzball kam Zvonareva zwar noch auf 3/5 heran, die Österreicherin brachte ihren Aufschlag zum 6/3 aber dennoch zu null durch. Im entscheidenden dritten Satz hatte wieder die Russin den besseren Start und stellte nach einem frühen Break auf 3/0, doch Bammer schlug zurück und glich zum 3/3 aus. Mit einem weiteren Break zum 5/3 fiel die Vorentscheidung für Swonarewa, nachdem die Österreicherin bei eigenem Spielball einen leichten Fehler gemacht hatte.

Niederlage gegen die Besten
Das Doppel Julian Knowle/Jürgen Melzer unterlag dem favorisierten und als Nummer eins gesetzten Amerikanern Bob und Mike Bryan in 1:26 Stunden in einer mitreißenden Partie mit 6/7(2), 4/6. "Wir haben gegen das weltbeste Doppel gespielt und unsere Chancen in beiden Sätzen nicht genützt", analysierte Melzer danach die Niederlage. "Schade. Unser Ziel war eine Medaille, jetzt stehen wir mit leeren Händen da", machte sich auch bei Knowle Frustration breit, der aber aucb Unverständnis für die Ausrichtung des Doppelbewerbes bei Olympia zeigte. "Dass hier Weltklasse-Doppel schon so früh aufeinandertreffen, ist Wettbewerbsverzerrung. Wenn man bei der Setzung auf das Einzelranking Bezug nimmt, kommt es eben dazu, dass schon in Runde eins zwei Grand-Slam-Sieger aufeinandertreffen"

Die Medaillen in Reichweite
Souverän und ohne Satzverlust haben Jürgen Melzer und Sybille Bammer am Mittwoch das Viertelfinale beim olympischen Tennisturnier erreicht und damit die Chance eines Matches um eine Medaille gewahrt. Melzer zeigte dem Überraschungsmann Yen-Hsun Lu aus Taiwan bei seinem 6/2, 6/4-Sieg von Anfang an, wer der Herr am Platz ist und erreichte nach nur 1:05 Stunden souverän die Runde der letzten acht. Melzer danach: "Ich habe von Anfang an Druck gemacht und meinen Gegner nicht ins Spiel kommen lassen. Das Selbstvertrauen stimmt einfach, und mir liegen die Bedingungen hier." Vor Melzer baut sich jetzt allerdings eine große Hürde auf: Der Niederösterreicher trifft erstmals auf den spanischen Superstar und designierten Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal, der den Russen Igor Andrejew 6/4, 6/2 bezwang. Seine Taktik: "Ich muss aggressiv spielen und versuchen, ihn nicht ins Spiel kommen zu lassen. Dann habe ich meine Chancen."
Ähnliches kann auch Sybille Bammer berichten: Sie bezwang die Tschechin Lucie Safarova 7/5, 6/4 in 1:39 Stunden und trifft nun auf Vera Zvonareva aus Russland, die sich gegen Francesca Schiavone durchsetzte. Bammers bisherige Bilanz gegen die Russin ist allerdings negativ: In beiden bisherigen Begegnungen ging Zvonareva als Siegerin vom Platz - 2004 in Philadelphia und zuletzt 2008 im Viertelfinale von Doha.

Jürgen Melzer: "Perfekt serviert."

Jürgen Melzer und Sybille Bammer stehen beim olympischen Tennisturnier in Peking bereits im Achtelfinale. Der Niederösterreicher setzte sich am Dienstag mit konstantem Service und wenig Eigenfehlern gegen den als Nummer neun gesetzten und in der Weltrangliste auf Rang zehn platzierten Schweizer Stanislas Wawrinka überraschend klar mit 6/4, 6/0 durch. Nächster Gegner ist Yen-Hsun Lu aus Taiwan, der mit dem 6/4, 6/4-Sieg über den Argentinier Agustin Calleri ebenfalls für eine Überraschung sorgte. "Ohne hochmütig wirken zu wollen", sagte Melzer danach in der Pressekonferenz, "aber wenn ich so spiele, dann muss erst ein Gegner kommen, der mich hier schlagen kann. Ich habe perfekt serviert. Daher habe ich auch immer die Möglichkeit gehabt, beim Aufschlag von Wawrinka Risiko zu nehmen, und auch die Returns haben gepasst. Es ist einfach super gelaufen für mich." Ein weiteres Erfolgserlebnis "gönnte" sich der Niederösterreicher auch im Doppel: Zum Auftakt setzte er sich mit seinem Vorarlberger Partner Julian Knowle gegen die deutsche Paarung Nicolas Kiefer/Rainer Schüttler nach 2:02 Stunden mit 6/7(3), 6/3, 6/1 durch. Melzer/Knowle bekommen es nun im Achtelfinale mit den topgesetzten US-Brüdern Bob und Mike Bryan zu tun.

Sybille Bammer: "Es hat viel Kraft gekostet."
Sybille Bammer eliminierte mit Patty Schnyder ebenfalls eine Gegnerin aus dem westlichen Nachbarland. Sie setzte sich beim ersten Duell mit der Schweizerin in einem regulären Wettkampfspiel mit 6/4, 6/4 durch. Nächste Gegnerin ist nun entweder die Ukrainerin Marija Korizewa oder die Tschechin Lucie Safarova. Den Weg zum Erfolg dokumentiert die Statistik: Bammer beging mit 28:42 deutlich weniger unerzwungene Fehler als die favorisierte Schweizerin und brachte dazu 79 Prozent ihrer ersten Aufschläge ins Feld. "Es hat viel Kraft gekostet, aber ich habe einfach versucht, Punkt für Punkt zu spielen."

2. Runde: Jürgen Melzer - Stanislas Wawrinka
"Das war heute ein harter Kampf gegen Marcos Daniel. 6/7, 6/1, 8:6 - das Ergebnis sagt eigentlich schon alles", schnaufte ein erschöpfter Jürgen Melzer nach seinem nach 2:23 Stunden-Auftaktsieg gegen den Brasilianer Daniel Marcos. "Ich hoffe, dass ich mit einem weiteren Sieg ins Doppel gehe." Er hätte es leichter haben können. Denn der Linkshänder aus Niederösterreich führte nach einem überfallsartigen Start im ersten Satz schon 4/0, wurde aber durch mehrere Umstände wie ein fotografierendes chinesisches Zuschauerpaar völlig aus dem Konzept gebracht. "Ich habe dann drei Satzbälle im Tiebreak vergeben und auch noch ein Break Vorsprung im dritten Satz verspielt. Erst mit dem fünften Matchball habe ich den Sack zu machen können." Sein Fazit: "Ich habe unglaublich begonnen und war so viel besser. Leider habe ich durch unnötige Fehler das Match fast noch aus der Hand gegeben, aber ich habe mich nicht hängen lassen." Sein nächster Gegner ist der Schweizer Stanislas Wawrinka. "Das wird ganz schwer. Er ist nicht umsonst an Nummer neun gesetzt. Leider spielen wir wieder auf einem Nebenplatz. Die Außenplätze sind nämlich um einiges langsamer als die Showcourts. Und gegen Wawrinka hätte ich viel lieber einen schnelleren Belag gehabt. Ich werde aber auf Fälle wie gewohnt mein Bestes geben. Am Kampfgeist wird es sicher nicht scheitern!"

2. Runde: Sybille Bammer - Patty Schnyder

Sybille Bammer ist der Start ins olympische Tennisturnier geglückt. Die Oberösterreicherin setzte sich am Montag in der ersten Runde gegen Anabel Medina Garrigues aus Spanien nach hartem Kampf mit 6/2, 4/6, 6/4 durch. In der zweiten Runde trifft Österreichs Nummer eins nun auf Patty Schnyder aus der Schweiz, die die US-Amerikanerin Jill Craybas 6/3, 6/2 besiegte. Auf der WTA-Tour waren die beiden bisher noch nicht aufeinander getroffen, im Finale der Tennis Trophy in St. Anton hatte Bammer 2007 die Schweizerin aber 6/4, 7/6 besiegt. "Dass ich diesen Höhepunkt in meiner Karriere als Sportlerin erleben darf", strahlte Bammer in ihrem Webblog auf www.nachrichten.at  über ihre Olympia-Nominierung, "ist auch ein Verdienst des oberösterreichischen Tennisverbands und von Präsident Robert Groß. Sie unterstützen mich seit Jahren. In Peking möchte ich ihnen etwas zurückgeben."

1. Runde: Jürgen Melzer - Daniel Marcos
Eine interessante Auslosung für Jürgen Melzer bei seinen zweiten Olympischen Spielen: Der 27-jährige Niederösterreicher trifft in der ersten Runde auf Daniel Marcos, gegen den er bereits zwei Mal positive Erfahrungen sammeln durfte. 2006 besiegte Melzer den Brasilianer im Achtelfinale von Houston 7/6, 6/4. Zwei Jahre später musste er in der zweiten Runde von Roland Garros bereits etwas härter kämpfen. Mit 4/6, 6/3, 2/6, 6/3 6/4 hatte er in einem Fünf-Satz-Marathon aber dennoch die Nase vorne. Ein Blick auf den Raster macht klar: Sollte sich Melzer in einen Erfolgslauf hineinsteigern, könnte im Viertelfinale ein Duell mit Rafael Nadal möglich sein. Noch schwieriger ist die Aufgabe im Doppelbewerb: In der ersten Runde treffen Julian Knowle/Jürgen Melzer auf das Silber-Doppel von Athen (2004) Nicolas Kiefer/Rainer Schüttler. Bei einem Sieg würde in der zweiten Runde der Sieger aus der Begegnung zwischen den topgesetzten Bob Bryan/Mike Bryan (USA) und Mark Knowles/Devin Mullings (BAH) warten.

1. Runde: Sybille Bammer - Anabel Medina Garrigues
Ähnlich holprig könnte auch der Weg für Sybille Bammer werden. Österreichs Nummer 1 trifft in der ersten Runde auf die Spanierin Anabel Medina Garrigues, gegen die sie bisher zwei Mal gespielt und dabei ein Mal verloren und ein Mal gewonnen hat - in der ersten Fed Cup-Runde hatte Medina 2006 Bammer mit 0/6, 3/6 keine Chance gelassen. Eine Saison später revanchierte sich Bammer im Achtelfinale von Hobart - 6/4, 6/3. Sollte ihr das auch in Peking gelingen, würde in der zweiten Runde die Siegerin aus dem Duell Patty Schnyder (CHN) - Jill Craybas (USA) warten.

wowo
 

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