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PARALYMPICS IN LONDON: THOMAS MOSSIER - "ICH WILL MEIN BESTES TENNIS SPIELEN, DAS ICH JE GESPIELT HABE"

Begonnen hatte seine Tennisleidenschaft mit Boris Beckers Wimbledonsieg 1985, gekrönt werden soll sie bei den Paralympics in London: Thomas Mossiers (Bild) Minimalziel ist diesmal das Erreichen des Viertelfinales gemeinsam mit Doppelpartner Martin Legner. Allerdings: "Es ist sehr schwierig, überhaupt die erste Runde zu überstehen. Ich würde mich freuen, wenn ich sie überstehe, das hängt aber vom Losglück ab."


ÖSTERREICHISCHES PARALYMPISCHES COMMITEE


19. August 2012

GUTE CHANCEN IM DOPPEL.
Als Kind hat Thomas Mossier einem gewissen Boris Becker bei seinem ersten Wimbledonsieg ganz genau auf die Finger geschaut. 27 Jahre später holt der Steirer in London unweit des heiligen Rasens zum eigenen Erfolg bei den Paralympics aus. „Mein bestes Tennis zu spielen, das ich je gespielt habe!“ Die Erwartungen von Rollstuhl-Tennisspieler Thomas Mossier an seine zweiten Paralympics nach PEKING 2008 sind klar: in China kam er vor vier Jahren im Doppel bis ins Viertelfinale, das soll - so der Plan des 35-Jährigen - auch heuer das Minimalziel sein: gemeinsam mit Doppelpartner Martin Legner will Thomas Mossier auf dem Hartplatz im Olympic Park in London nachlegen. Mossier: „Martin und ich können mental sehr gut miteinander.“ Was noch für sportliche Höchstleistungen nötig ist? Eine perfekte Vorbereitung und vor allem die Ausheilung seiner Verletzungen im Schulter und Ellbogenbereich. Mossier: „Es ist nach wie vor schwierig, aber ich versuche, nicht darüber nachzudenken, weil im Moment nichts zu tun ist.“ Der Linkshänder rechnet sich die besseren Chancen im Doppel als im Einzel aus, allerdings bleibt er auch hier realistisch: „Es ist sehr schwierig, überhaupt die erste Runde zu überstehen. Ich würde mich freuen, wenn ich sie überstehe, das hängt aber vom Losglück ab."

TRAINING & TURNIERE. Thomas Mossier hat eine intensive Vorbereitung auf die Paralympics hinter sich: alleine im letzten Jahr holt er Einzelsiege bei den Vulkanland Open und den Sopron Open, kommt bei den Austrian Open bis ins Viertelfinale. Acht bis zehn Stunden steht er pro Woche für´s Training am Platz, dazu jede Menge Turniere rund um den Globus. Mossier: „Ich war intensiv im Turniergeschehen und habe viele Tests gemacht, was das Rollstuhl-Set-Up betrifft. Dabei habe ich versucht, noch einmal Möglichkeiten zu finden, um meine Beweglichkeit und meine Reichweite zu verbessern – quasi an der Beinarbeit zu arbeiten. Und mein Rollstuhl-Set-Up muss abgeschlossen sein, damit ich im Kopf völlig frei für mein Spiel bin.“ Im Winter stattet Thomas Mossier dem japanischen Weltranglistenvierten in seiner Heimat einen Besuch ab und nimmt unvergessliche Eindrücke mit: „Ich hab´ gesehen, dass die Japaner als Vollprofis zwar super Arbeit machen, ich aber verglichen mit der dortigen Nummer 4 und der Nummer 17 der Welt mit meinen Entwicklungen ganz gut liege.“ Training, Turniere und Vorbereitung muss der Steirer, der als Diplomsozialarbeiter arbeitet, mit dem Job unter einen Hut bringen: „Ich habe das Glück, dass ich in meiner Projektarbeit über den Winter viele Gutstunden ansammeln konnte. Es ist aber ein extremer Grenzgang und ich muss zugeben, dass das die letzte Saison ist, wo ich das noch unter einen Hut bringe."

BALLGEFÜHL & TECHNIK. Den Hut muss man vor Thomas Mossier ziehen, wenn es um seinen Ehrgeiz und seine Willenskraft geht. Im Alter von 20 Jahren stürzt der Steirer bei einem Unfall auf der Baustelle so schwer, dass er querschnittgelähmt bleibt. Ein Schicksalsschlag, den der Linkshänder nur mit Hilfe seines Umfeldes, überwinden kann. Mossier: „Psychologische Unterstützung habe ich über meine Freunde bekommen, in den letzten Jahren auch durch unterschiedliche Leute, die sich beruflich mit mentalen und körperlichen Prozessen beschäftigen.“ Nur zwei Jahre nach dem Unfall nimmt Thomas Mossier im Rollstuhltennis an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil, ist seit 1999 auf der World Tour unterwegs und qualifiziert sich 2008 erstmals für die Paralympics. Ein gutes Ballgefühl, eine super Technik und seine mentale Stärke zeichnen Thomas Mossier aus, auch wenn er zugeben muss, „manchmal fällt mir das Akzeptieren meiner Grenzen schwer und damit das optimale Ausschöpfen meines Potenzials innerhalb meiner Grenzen.“

STARTSCHUSS DURCH BORIS. Alpha Nova ist eine weitere Passion des 35-jährigen Weitendorfers: über 15 Jahre hat sich die Projektgruppe in der psychosozialen Beratung mit intellektuell beeinträchtigten Frauen und Männern beschäftigt. 2006 startete das Projekt mit Sitz in der Steiermark ein Projekt zur Schaffung von aktiver Sexualbegleitung für Frauen und Männer mit Behinderung. Mossier: „Mittlerweile haben wir 19 SexualbegleiterInnen, die im Jahr an die 800 Stunden Sexualbegleitung machen (www.libida-sexualbegleitung.at). Wir sind vom Land Steiermark gefördert, bräuchten aber dringend finanzielle Unterstützung!“ In London war Thomas Mossier noch nie. Ob er allerdings viel Zeit für Sightseeing haben wird, bleibt dahingestellt, denn vor allem im Doppel sind die Chancen für ihn, der bereits vor seinem Unfall als Fußgänger mit seinem Onkel, der auch im Rollstuhl sitzt, Tennis gespielt hat, mehr als nur intakt. Ein Traum bleibt ihm bei seinen letzten Paralympics allerdings verwehrt: Spiele auf dem heiligen Rasen in Wimbledon. Mossier: „Es wäre auf Gras sehr schwierig, also wird es mehr Spaß machen, im Olympic Parc auf Hartcourt zu spielen. Aber meine Faszination für´s Tennis ist mit dem Sieg von Boris Becker in Wimbledon 1985 entstanden. Ich hab´ damals im Alter von acht Jahren mit meinem Familytennis-Set gegen die Wand das Tiebreak nachgespielt und seine Aufschlagbewegung imitiert. So hat alles angefangen.“ Wer weiß, vielleicht ist genau sein Auftritt in LONDON 2012 die Initialzündung für jemand anderen.
(Quelle: Österreichisches Paralympisches Committee)

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