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PARALYMPICS IN LONDON: DIE SECHSTEN OLYMPISCHEN SPIELE FÜR MARTIN LEGNER. DIE ERSTE MEDAILLE?

Wenn von 29. August bis 9. September 2012 in London die Olympischen Spiele für körperbehinderte Sportler ("Paralympics") über die Bühne gehen werden, wird dabei Österreichs dreiköpfiges Rollstuhl-Tennisteam (Thomas Mossier, Henriett Koósz) von einem Sportler angeführt werden, der Titel und Rekorde sammelt wie Briefmarken: Bei den Paralympics 1992 in Barcelona feierte Martin Legner (Bild) seine olympische Premiere, zwanzig Jahre später ist er immer noch im Favoritenkreis im Kampf um die Rollstuhl-Tennis-Medaillen. Eine beispiellose Karriere.



ÖSTERREICHISCHES PARALYMPISCHES COMMITEE


17. August 2012

TRAINING MIT BRETT & SCHETT.
Er war über viele Wochen Weltranglistenerster im Doppel, war Weltranglistendritter im Einzel und hat nicht weniger als 198 Doppel- und 74 Einzel-Turniersiege eingehamstert. Der Platz für Pokale und Medaillen in seiner Landwirtschaft in Mils dürfte schön langsam knapp werden, für ein ganz bestimmtes Edelmetall würde der Tiroler allerdings sicher einen Sonderplatz frei machen: eine Paralympics-Medaille fehlt Österreichs bestem Rollstuhl-Tennisspieler noch in seiner Sammlung: zwei Mal ist er mit Platz 4 hauchdünn daran vorbeigeschrammt. Druck macht sich der 51-Jährige aber auch bei seinen sechsten Paralympics nicht: „Ich habe noch nie Druck verspürt, weil bei mir der olympische Gedanke vorherrscht. Allein die Tatsache, dass ich für die sechsten Spiele nominiert bin, bestätigt, dass meine sportlichen Leistungen noch immer okay sind. Es ist eine große Ehre für mich, Teil des österreichischen paralympischen Teams sein zu dürfen. Bei der großen Dichte müssen alle spielentscheidenden Faktoren zusammenpassen und die Glücksgöttin muss ein bisschen nachhelfen, damit man im Rollstuhltennis eine Medaille gewinnen kann.“ Martin Legner ist Agraringenieur, führt zu Hause in Mils eine Landwirtschaft und ist seit 22 Jahren auf der Tour mindestens 30 Wochen pro Jahr unterwegs. Trainiert wird meistens zu Hause mit nicht-behinderten Tennisspielern, darunter einige prominente Exhibition-Partner wie Stefan Koubek, Alexander Antonitsch oder Bob Brett. Legner: „Auch mit Babsi Schett hab´ ich eine Exhibition gespielt, als in Mils der Tennisplatz eingeweiht wurde. Duelle gab es mit diesen Spielern nicht, aber ich hab´ schon mit vielen berühmten Spielern Exhibitions gespielt, was immer viel Spaß gemacht hat.“ Und der Tiroler mit den Surfer-Style-Haaren und dem immer noch verschmitzten Lächeln ist nicht nur Bob Marley-Fan. Legner: „Ich mag gern Oldies und rhythmische Musik, mal Pop oder Rock oder mal Volksmusik aber auch Jazz. Für mich muss Musik ins Ohr gehen, mich berühren und eine Geschichte erzählen.“

KEIN KARRIERE-ENDE IN SICHT. Berührend ist Martin Legners Geschichte für sich: im Alter von 26 Jahren, im August 1988, verletzt sich der Tiroler beim Paragleiten, ist seitdem querschnittgelähmt. Nach wochenlanger Reha in Bad Häring entdeckt er nach einiger Zeit seine Liebe zu Ballsportarten wieder, steigt ins Rollstuhltennis ein und ist seitdem aus der Weltelite nicht mehr wegzudenken: der Tiroler ist seit 1997 bis zu seiner Verletzung heuer im Frühjahr in den Top-Ten und wird auf der World Tour nicht nur aufgrund seiner herausragenden Leistungen respektiert. Legner: „Ich denke, dass ich ein guter Verlierer bin, was nicht heißt, dass ich mich nicht auch darüber ärgern kann, wenn ich ein Match deshalb verliere, weil ich schlecht spiele. Wenn der Sieg an den Gegner geht, weil er der bessere Spieler war, kann ich das durchaus anerkennen und akzeptieren. Da ich schon öfters auf Turnieren einen Fair-Play-Award bekommen habe, nehme ich dies als Zeichen, dass auch meine Gegner und die diversen Turnierleitungen mich als fairen Spieler bzw. Verlierer sehen und so auch beurteilen. Ich habe in meiner langen Tenniskarriere noch nie ein „warning“ bekommen!“ Ein Ende der Ausnahme-Karriere ist nicht in Sicht, denn Martin Legner hat Spaß an seinem Job. Legner: „Anlässlich meiner ersten Paralympics machte Robert Barth vom ORF Tirol ein Portrait über mich und stellte mir genau diese Frage. Meine Antwort damals war: „Solange es mir Spaß macht und ich mich gut fühle und Freude am Spiel verspüre, werde ich spielen!“ Diese Antwort hat sich bis heute nicht geändert!“

LEGNERS SECHSTE PARALYMPICS. Und soll sie auch nicht: die Verletzungen an Schulter und Handgelenk vom letzten Jahr sind ausgeheilt, dem Unternehmen „Paralympics-Medaille“ steht nichts mehr im Weg. Gespielt wird in London auf Hartplatz, nicht wie bei den Olympics in Wimbledon auf Rasen. Keine emotionale, sondern eine rationale Entscheidung. Legner: „Ein Rasenplatz wie in Wimbledon ist für Rollstuhltennis einfach nicht so gut geeignet!“ Ob ihm Hartplatz liegt, beantwortet Martin Legner mit einem Schmunzeln: „Mein Lieblingsbelag ist immer der, auf dem ich zuletzt gewonnen oder ein schönes Spiel gehabt hab´.“ Gelassen geht Martin Legner im September in seine sechsten Paralympics nach BARCELONA 1992, ATLANTA 1996, SYDNEY 2000, ATHEN 2004 und PEKING 2008. Legner: „Gelassenheit ist ein Parameter, der über viele schwierige Situationen im Leben hinweg helfen kann – ich gehe mit viel Vorfreude und sportlichem Ehrgeiz in diese Paralympics, genauso wie in alle fünf anderen davor.“ Zu Gute kommt dem Tiroler sicher auch seine Passion für das Schachspiel. Legner: „Eine meiner Stärken ist vielleicht auch, die Schwächen des Gegners auszumachen, das Spiel des Gegners früh lesen zu können. Dabei hilft mir sicher meine Liebe zum Schachspiel und meine Fähigkeiten, zu kämpfen und mich zu konzentrieren."
(Quelle: Österreichisches Paralympisches Committee)

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