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ORF-INTERVIEW MIT SANDRA KLEMENSCHITS: "ICH HABE WIEDER SPASS AM TENNIS"

Sie hat den Kampf gegen den Krebs gewonnen, ihre Schwester Daniela dabei allerdings verloren. Auf www.orf.at spricht Sandra Klemenschits (Bild) über ihren ersten Geburtstag ohne Dani, ihre Kontrolluntersuchungen und ihren Turnierplan 2009.

"Sie wird immer ein Vorbild für mich sein"
(9.12.2008)
Ihre Website hat noch immer den Titel www.k-twins.com,  die Klemenschits-Zwillinge. Die Links darauf spiegeln aber genau wider, was in den letzten Monaten passiert ist: "Farewell", "Memories", "Together4ever". Abschied, Erinnerungen, für immer vereint. Am 9. April hat Sandra Klemenschits mit dem Tod ihrer Zwillingsschwester Daniela nicht nur ihre Doppel-Partnerin, sondern auch den wichtigsten Menschen in ihrem Leben verloren. Im Interview mit www.orf.at  spricht Österreichs beste Doppel-Spielerin über ihr Schicksal, ihr Leben und ihre Zukunft.

Sie sind am 13. November 26 geworden. War Ihnen am ersten Geburtstag ohne Ihre Zwillingsschwester Daniela überhaupt zum Feiern zumute?
Ich habe meinen Geburtstag heuer nicht gefeiert, weil mir meine Schwester natürlich noch sehr fehlt. Die Zeit vom 9. April bis heute lässt mich erst richtig realisieren, was es heißt, wenn ein Mensch, der einem so viel bedeutet hat, nicht mehr da ist. Dennoch habe ich mich gefreut, dass sehr viele Menschen an meinem Geburtstag an mich gedacht und mir gratulierten haben.

Sie haben viel im mentalen Bereich gearbeitet. Haben Sie den Tod Ihrer Schwester schon etwas verarbeiten können?
So etwas kann man nach so kurzer Zeit nicht verarbeitet haben, da Dani einfach der wichtigste Mensch in meinem Leben war und für immer bleiben wird. Sie wird wegen ihrer positiven Lebenseinstellung und Menschlichkeit immer ein Vorbild für mich sein.

Wie sehen Sie nach diesem Schicksalsschlag das Leben?
Ich weiß jetzt, dass man im Leben Gesundheit schätzen muss und bestimmte Momente bewusster wahrnehmen soll. Jede Minute im Leben ist wertvoll. Der Sport hat mir in dieser schweren Zeit sehr geholfen. Ich habe wieder Spaß am Tennis.

Sind Sie noch in ärztlicher Behandlung?
Ja, ich muss in regelmäßigen Abständen zu meinen Kontrolluntersuchungen. Ich bin in Wien bei bei Univ.-Doz. Hans Schön und Univ.-Prof. Brigitte Schurz in Behandlung und möchte mich in diesem Zuge bei ihnen bedanken. Ich fühle mich bei ihnen sehr gut aufgehoben, da mir die Kontrolluntersuchungen nicht leichtfallen.

Sie spielen seit Sommer wieder Doppel-Turniere. Können Sie bereits uneingeschränkt trainieren?
Ich werde weiterhin gut auf meinen Körper hören und meinen Trainingsumfang danach abstimmen. Ich versuche auf jeden Fall, regelmäßig zu trainieren. Meine Trainer Gerald Mandl (Ex-Davis-Cup-Spieler, Anm.) und Michi Schwarz helfen mir, im Tennis wieder dort anschließen zu können, wo ich mit meiner Schwester war. Wenn sie mir in die Augen schauen, wissen sie, wie es mir geht.

Sie haben im Juli beim WTA-Turnier in Bad Gastein Ihr Comeback gegeben. Wie war für Sie das erste Mal, als Sie ohne Ihre Schwester auf dem Platz gestanden sind?
Es ist mir nicht leichtgefallen, da mir die Gedanken an unsere gemeinsame Zeit, die ich mit Dani auf und außerhalb des Tennisplatzes verbracht habe, durch den Kopf gegangen sind. Ich hatte Zweifel, ob ich wirklich das Richtige mache. Meine deutsche Partnerin Marlene Weingärtner und ich haben trotzdem in dieser Woche unser Bestes für Dani gegeben.

Seither sind Sie mit wechselnden Partnerinnen auf dem Tennisplatz. Mit Barbara Hellwig haben Sie im August beim Future-Turnier in Pörtschach sogar Ihren 21. Doppel-Titel geholt. Gibt es schon eine Favoritin auf den Platz an Ihrer Seite?
Ich habe seit Bad Gastein mit sieben verschiedenen Partnerinnen bei zehn Turnieren gespielt. Mit der Argentinierin Erica Krauth, mit der ich bei drei Turnieren im Einsatz war, werde ich im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder spielen. In dieser Woche steht die Bosnierin Sandra Martinovic, die im November ebenfalls schon meine Partnerin war, bei einem ITF-Turnier in Tschechien an meiner Seite. Ich möchte mich aber derzeit noch nicht auf eine fixe Doppel-Partnerin festlegen.

Werden Sie 2009 auch auf der WTA-Tour spielen oder vorerst weiterhin auf ITF-Ebene? Ist der Fed-Cup im Februar in Estland für Sie ein Thema, oder kommt das noch zu früh?
Ich werde im nächsten Jahr sowohl WTA- als auch ITF-Turniere spielen. Für mich ist wichtig, dass ich viel Matchpraxis bekomme, da zwei Jahre ohne Match eine sehr lange Zeit sind. Ich glaube nicht, dass für mich der Fed-Cup zu früh kommt. Wenn mich Fed-Cup-Kapitän Alfred Tesar braucht, dann spiele ich sofort. Meine Schwester und ich haben für Österreich immer gerne gespielt, da es etwas Besonderes ist, mit einer Mannschaft für Österreich das Beste zu geben.

Sie haben im Herbst die Prüfung zur Tennistrainerin mit Auszeichung abgeschlossen. Geben Sie Ihr Wissen bereits weiter?
Die Ausbildung bei Harald Mair und Petra Russegger in Innsbruck hat mir sehr viel gebracht, vor allem in Hinblick auf meine Zukunft. Nach der Karriere kann ich mir sehr gut vorstellen, mit Kindern zu arbeiten. Im Moment konzentriere ich mich aber hauptsächlich wieder darauf, unter die Top 100 im Doppel zu kommen. Das habe ich meiner Schwester, mit der ich in der WTA-Doppel-Weltrangliste 95. war, versprochen.

Gibt es etwas abseits vom Tennis, was Sie sich erfüllen möchten?
 Ich habe mich bis jetzt mit dem Gedanken nicht auseinandergesetzt, weil mir zurzeit meine Gesundheit das Wichtigste ist.

Sie werden auch vom langjährigen ÖTV-Physiotherapeuten Kurt Waltl betreut. Er ist Ihnen und Ihrer Schwester neben Ihren Verwandten in der schweren Zeit zur Seite gestanden. Welche Rolle spielt er in Ihrem Leben?
Kurt ist für mich ein besonderer Mensch, der in der schwierigen Zeit stets hinter uns gestanden ist und uns unterstützt hat. Durch seine positive Lebenseinstellung hat er uns immer wieder viel Kraft gegeben, um positiv in die Zukunft zu schauen. Er kümmert sich nach wie vor sehr um mich.

Ihr Schicksal hat damals in der Tennisfamilie und der Bevölkerung eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Haben Sie mit einer so großen Resonanz gerechnet?
Nein, für mich ist diese Hilfsbereitschaft keine Selbstverständlichkeit. Ich möchte mich daher an dieser Stelle nochmals bei allen, die meine Schwester und mich unterstützt haben, bedanken und 2009 mit einem Charity-Turnier ein bisschen etwas zurückgeben.

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