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ÖTV NEU, TEIL 5: „ALLE TOPATHLETINNEN KOCHEN MIT WASSER“

In Österreichs Tenniszukunft soll vieles anders werden. Die Weichen dazu sollen mit dem von ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller entwickelten Sportkonzept gelegt werden. Heute: ÖTV-Damencoach Conny Gruber über die Verkleinerung des Südstadt-Mädchenkaders und die Sparrings „seiner“ Mädchen mit Bammer & Co.

„Die Dosis macht das Gift“
(26.12.2009)

Im Burschenkader der Südstadt sind neun Spieler, im Mädchenkader mit Patricia Haas, Anna-Maria Heil und Juli Dinhof bloß drei Spielerinnen. Gibt es derzeit in Österreich tatsächlich bloß so wenige Talente?
Gott sei Dank nein! Der Kader war bis vor kurzem noch größer, wir haben aber „ausgemustert“. Das war ein Prozess, dem u. a. Magdalena Österle zum Opfer gefallen ist. Wir haben das aber nicht gemacht, weil die Mädels nicht ausreichend Talent gehabt haben, sondern weil wir gesagt haben: Tennis ist ein Leistungssport, in dem regelmäßig Leistung gezeigt werden muss. Andererseits ist auch die Verletzungsanfälligkeit der Spielerinnen ein Messwert, und Magdalena Österle war leider zu viel verletzt. So etwas kann sich ein Verband auf Dauer nicht leisten. Das wäre so, als wäre ich als Trainer jeden dritten Tag krank. Dann würde Gilbert Schaller auch zu mir sagen: Du musst schon ein bissl was arbeiten! Deswegen hat sich das Ganze verkleinert. Wir brauchen Spielerinnen, bei denen wir wirklich hundertprozentig das Gefühl haben, dass sie es schaffen können.

Und das sind nur diese drei?
Es gibt natürlich viele andere Mädels, die privat trainieren und auch für uns interessant sind und wir mit ihnen unbedingt kooperieren wollen und sie auch dementsprechend unterstützen würden. Aber diese Mädels haben sich nun einmal für diesen privaten Weg entschieden, und ich akzeptieren das komplett. Ich denke, dass dieser positive angenehme Konkurrenzkampf für uns alle gut ist.

Sie haben sich bereits vor einiger Zeit gewünscht, dass früher oder später „Ihre“ Mädels mehr oder weniger regelmäßig mit Sybille Bammer oder Tamira Paszek im Training am Platz stehen werden. Wie ist hier der Status quo?
Das ist kein Wunschgedanke. Der neue Fed Cup-Kapitän Jürgen Waber ist am Mädchen-Juniorentennis sehr interessiert und hat mir das Angebot gemacht, mit „meinen“ Mädchen nach Linz zu kommen und dort „seine“ Mädels einmal kennenzulernen, damit sie die Scheu vor den großen Namen verlieren. Wir werden das auf jeden Fall in Anspruch nehmen, das ist ein fixer Bestandteil unserer Vorbereitungsphase. Es muss ja nicht unbedingt immer ein Training mit einer Paszek sein. Es reicht ja schon, wenn die Mädels einmal dabei sind und sehen, dass auch die Tamira eigentlich nur mit Wasser kocht und ihre Fehler macht. Vielleicht erkennen sie dann, dass sie doch nicht so weit von ihr entfernt sind wie sie vielleicht glauben.

Einer der wichtigsten Punkte des neuen Sportkonzepts sind die Entwicklungsturniere. Wann werden Haas, Heil und Dinhof auf „Reise“ geschickt werden?
Ich habe mit diesen drei Mädchen drei unterschiedliche Jahrgänge bei mir. Ich habe eine Anna-Maria Heil (Jahrgang 1995; Anm.). Für sie wären ITF Ier- oder IIer-Turniere Entwicklungsturniere und würden ihr auch sehr viel bringen. Das Problem bei ihr ist allerdings, dass sie nur ein gewisses Kontingent an Junioren-Turnieren hat, und dieses Kontingent will ich natürlich nicht zu sehr strapazieren. Es werden bei ihr also nur gewisse Entwicklungsturniere auf ITF-Ebene stattfinden. Bei Patricia Haas und Julia Dinhof (Jahrgang 1993 bzw. 1994; Anm.)würden  Entwicklungsturniere in den 10.000er-Bereich hineinfallen. Bei ihnen ist daher geplant, dass wir in der kommenden Saison die 10.000-Dollar-Turniere in Österreich in Angriff nehmen. Ich will, dass sie sich dort mit den internationalen und den nationalen guten Spielerinnen messen und trainieren, sich aber auch präsentieren können. Es kann aber auch sein, dass wir einmal das eine oder andere 10.000er-Turnier im Ausland in Angriff nehmen. Das wird oft aber eine sehr kurzfristige Entscheidung sein, da man anhand der jeweiligen Nennlisten immer sehr spät herauslesen kann, ob sie akzeptiert wurden oder nicht.

Haben Sie nicht die Angst, dass Ihre jungen Spielerinnen durch allzu viele Niederlagen bei größeren Turnieren „verheizt“ werden könnten?
Ich glaube, dass unsere Mädchen durchaus die Chance haben, ein erfolgreiches 10.000er-Turnier zu spielen. Sie werden vermutlich nicht jedes dieser Turniere gewinnen können, die Marschrichtung stimmt aber trotzdem. Ich berufe mich dabei immer auf den Spruch: „Die Dosis macht das Gift alleine“. Das heißt, wenn sie zwanzig 10.000-Dollar-Turniere spielen würden, wäre das natürlich zu viel. Es wird für sie aber nur drei bis fünf derartiger Turniere pro Jahr geben.

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