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ÖTV NEU, TEIL 3: „TALENTE TRAINIEREN MIT TOPSPIELERN“

In Österreichs Tenniszukunft soll vieles anders werden. Die Weichen dazu sollen mit dem von ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller entwickelten Sportkonzept gelegt werden. Heute: ÖTV-Headcoach Jürgen Hager (Bild) über Entwicklungsturniere, die neuen Südstadt-Kader und die Arbeit am neuen Wir-Gefühl in Österreich.

"Was erwartet mich im Profigeschäft?"
(16.12.2009)

Gilbert Schaller ist ÖTV-Sportdirektor, Sie haben mit 1. September 2009 die Funktion als ÖTV-Headcoach übernommen. Was genau ist dabei Ihre Aufgabe?
Neu ist sicher, dass ich zu den bisherigen Aufgaben auch verstärkt am Konzept mitarbeiten kann, das wir gemeinsam entwickelt haben, und ich meine Erfahrung in den einzelnen Jahrgängen einbringe, zusätzlich Bundesnachwuchstrainer unterstütze und  vermehrt in der Umsetzung unser Pläne in der Südstadt mitwirke. Für mich ist wichtig, dass der Weg von A bis Z von Anfang an klar ist: Wie bringt man, was die ganze Turnierplanung betrifft, einen Spieler von U12 bis zum Profispieler? Einen derartigen Turnierleitfaden kann man von U12 beginnend auf ein Jahr durchplanen bzw. grob auf fünf bis sechs Jahre vorplanen. In der Vergangenheit war für mich immer der Fehler, dass man gewisse Turniere oder Altersklassen übersprungen hat und dann in einen Kreislauf hineingekommen ist, in dem die jugendlichen Spieler mehr verlieren als gewinnen. Für mich sollte das aber ein Verhältnis von 2:1 haben: Einer Niederlage sollten zwei Siege gegenüber stehen. Ich glaube, dass es speziell bei den Burschen mit 15, 16 die „Überspringer“ gibt, die gewisse Turniere auslassen und sofort in den U18-Bereich hinein gehen oder sogar schon mit Herrentennis anfangen. Dort verlieren sie oft, haben dadurch wenig Matches, wenig Selbstvertrauen  und somit auch wenig Entwicklung.

Was ist weiters neu am neuen Sportkonzept?
Ein Leitsatz für die neue Ära sind die „Entwicklungsturniere“ bzw. „-reisen“.  Junge SpielerInnen fahren drei bis fünf Mal pro Jahr mit zwei oder drei Jahre älteren Profis auf Turniere, um dort Erfahrungen zu sammeln: Was erwartet mich im Profigeschäft? Wie laufen die Turniere ab? Da kann es dann auch durchaus sein, dass sie bei diesem Turnier nicht einmal teilnehmen können. Dann steht eben das Training mit besseren SpielerInnen im Vordergrund,  um dadurch das Umfeld des nächsten Level kennen zu lernen. Grundsätzlich sollte es aber schon so sein, dass sie bei den vom Turnierleitfaden vorgegebenen Turnieren hauptsächlich teilnehmen. Anfang Dezember ist z. B. Michael Eibl (16 Jahre alt; Anm.) gemeinsam mit Coach Thomas Weindorfer mit einer Future-Truppe in der Dominikanischen Republik auf Entwicklungsreise gewesen.

Wie sieht z. B. für Nico Reissig dieser Leitfaden für 2010 aus?
Nico war 2009 bei den Future-Turnieren in Bergheim-Salzburg mit einem Turniersieg und einem Finaleinzug erfolgreich in die Saison gestartet. Da die Bergheim-Turniere nun ausfallen sind, musste sein Turnierleitfaden für 2010 in den letzten Wochen adaptiert werden. Bei ihm wird es im Jänner einen weiteren Aufbau geben, der konditionelle Trainingsschwerpunkt wird also verlängert. Ende Jänner, Anfang Februar wird er dann auf Future-Ebene, eventuell auf Sand im Freien, beginnen und maximal drei Turniere spielen. Darauf folgt dann eine ca. dreiwöchige Trainingsphase. Aus gegebenem Anlass, da er derzeit noch einen konditionellen Aufholfbedarf hat, verschiebt sich sein Turnierjahr daher etwas nach hinten. Bis Dezember 2010 ist dieser grobe Turnierplan bis jetzt bereits abgesteckt. Insgesamt wird Nico in der kommenden Saison 25 bis 30 Turniere spielen und dabei auf ungefähr 70 Matches auf internationalem Niveau kommen. Sollten es mehr werden, wäre das auch kein Problem. Wichtig ist bloß, dass er ausreichend Zeit bekommt, zu regenerieren und sich auch noch körperlich weiter zu entwickeln. Meine Aufgabe ist es, ihm diese „Phasen“ zu geben.

Welche Trainer sind in der Südstadt jetzt eigentlich für welche SpielerInnen zuständig?
Das überschneidet sich. Grundsätzlich sieht die Gliederung aber so aus: Thomas Weindorfer ist gemeinsam mit mir für die Burschen verantwortlich, und bei den Mädchen ist Conny Gruber der Haupttrainer. Im Burschenkader sind Maximilian Neuchrist, Tristan-Samuel Weissborn, Nico Reissig, Gerald Melzer, Dominic Weidinger, Michael Eibl, Dominic Wirlend, Marc Rath und „Soldat“ Daniel Geib  (HSNS). Der Mädchenkader ist mit Anna-Maria Heil, Patricia Haas und Julia Dinhof etwas kleiner. Es hilft aber auch Gilli Schaller vermehrt und aktiv mit.

Was muss passieren, dass Sie nach zwei, drei Jahren sagen können: „Ich war erfolgreich.“

Erfolgreich kann nur das Team sein, das als Gesamtes das Konzept trägt. Wenn z. B. der vorgegebene Turnierleitfaden sich auch durch Erfolge in den diversen Ranglisten niederschlägt. Ich sehe aber nicht „nur“ ein gutes Ranking als Erfolg, sondern auch eine Verbesserung der Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Trainern und Funktionären in den einzelnen Bundesländern. Wenn vielleicht  sogar ein „Wir-Gefühl“ entsteht.

Teil 4, 18.12.2009: Herren-Nationaltrainer Thomas Weindorfer über den Erfolgsdruck, den das neue Sportkonzept auf SpielerInnen und TrainerInnen ausübt

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