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ÖTV NEU, TEIL 3: DIE MARSCHRICHTUNG ZUM WELTKLASSETENNIS

In Zukunft wird es für die Phase zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr eines Spielers eine klare Vorgabe geben. ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller (Bild): „Wie soll die Entwicklung aussehen, bis das Endziel Top 100, Top 70, Top 5 in der Weltrangliste erreicht ist?“

„Ein Leitfaden unter die Top 100“
(26.7.2009)
Im Dezember 2008 hatte ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller angekündigt, Österreichs Tennis im Allgemeinen und die Struktur des Leistungszentrums Südstadt im Speziellen mithilfe des „Sportkonzepts 2009“ auf neue Beine zu stellen. „Top-Kader, Profi-Kader, Future-Kader, Beobachtungskader, HSZ-Kader – das war einmal, diese Einteilung unserer SpielerInnen wird schon bald der Vergangenheit angehören“, hatte Schaller damals angekündigt. „Ab dem September 2009 wird es nur mehr drei Kader geben – den A-, den B- und den C-Kader, wobei der A-Kader die Speerspitze des reformierten Systems bilden wird.“ Mittlerweile sind die ersten Entscheidungen gefallen.

In Zukunft soll es für 13-jährige SpielerInnen einen Leitfaden bis hin zum Profispieler geben. Wie soll er aussehen?
Ich habe mit dem Trainerstab – Jürgen Hager, Konstantin Gruber, Thomas Weindorfer, Ernst Köppel (Trainingswissenschafter Anm.), Florian Pernhaupt – in den letzten Wochen sehr viele Gespräche geführt. Wir sind oft bis zu fünf Stunden beisammen gesessen und haben diskutiert. Was mich freut, ist, dass alle sehr intensiv an den Inhalten mitgearbeitet haben und vor allem Hager sehr strukturiert aufgetreten ist. Das ermöglicht es uns, das neue Konzept noch zielorientierter umzusetzen. Der erste Schritt war, dass wir die Idealentwicklung eines Spielers konstruiert haben. Wir sind von einem 13-jährigen Mädchen oder Burschen ausgegangen und haben einen Leitfaden herausgearbeitet: Wie soll ihre/seine Entwicklung in den nächsten sieben, acht Jahren aussehen, bis das Endziel Top 100, Top 70 in der Weltrangliste erreicht ist?

Wie lautet die Antwort?
Der nächste Schritt soll sein, dies bis zum Alter U10 weiter auszuarbeiten. Natürlich gilt es auch noch die Fertigkeiten, die Talente in den verschiedenen Altersstufen beherrschen sollten, noch weiter im Detail herauszuarbeiten und zu Papier zu bringen. Das ist eine Marschrichtung, die natürlich mit den Tennis Europe-Turnieren – U14, U16 – beginnt. Danach geht es weiter mit dem ITF-Jugendbereich und darauf folgen die WTA- bzw. ATP-Turniere. In diesem „Plan“ sind die Turniere, die man in einem gewissen Alter spielen sollte, genauso enthalten wie die ungefähre Anzahl dieser Turniere. Ebenso wird auch die Plus-Minus-Situation berücksichtigt – im Idealfall stehen am Saisonende einer Niederlage mehr als zwei Siege gegenüber. Die Turnierplanung sollte daher unbedingt in diese Richtung gehen: Die Spieler brauchen neben der Möglichkeit sich nach oben zu orientieren auch Erfolgserlebnisse! Durch die gewonnenen Matches durchlaufen sie auch die Entwicklung bis zum Profi viel schneller.

Wird es Vorgaben geben, die sich an der Weltrangliste orientieren?
Die Entwicklung unseres „Idealspielers“ ist natürlich auch im Ranking definiert. Es wird klar vorgegeben, in welchem Alter ein Spieler wo in der Weltrangliste stehen sollte. An diesen Daten wird auch die externe B-Kader-Förderung angelehnt werden, weil das Ranking sehr objektiv ist und zeigt: Wo stehen wir? Es war sehr interessant, einen Blick in die jüngere Vergangenheit zu werfen: Wo ist ein Jürgen Melzer ein Stefan Koubek bzw. eine Sybille Bammer oder Tamira Paszek mit 14, 15 oder 16 gestanden?

Angenommen, ein junger Spieler liegt in der Weltrangliste weit hinter einem Jürgen Melzer oder einer Sybille Bammer im gleichen Alter. Hat das die sofortige Reduzierung der Fördergelder zu Folge?
Nein. Es sollte niemand in Panik verfallen, sollte er diesen Daten hinterherhinken. Es gibt verschiedene Karriereentwicklungen, und gerade in der Ausnahme liegt manchmal die Regel. Eine Sybille Bammer ist dafür das beste Beispiel. Normalerweise sagt man, dass man mit 17 oder 18 Top 100 sein sollte. Sie war die Ausnahme, hat das erst relativ spät geschafft und sich an der Weltspitze etabliert – und auf dem Weg dorthin auch noch ein Baby bekommen. Trotzdem sollte das Ranking eine gewisse Vorgabe und Orientierungshilfe sein.

Warum gelingt so wenigen österreichischen SpielerInnen der Sprung unter die besten 100 der Welt?
Ich kann nur von der Südstadt sprechen, wenn die Leute mit 14, 15 zu uns kommen. Oft ist der Sprung auf die nächste Entwicklungsebene im körperlichen Bereich gescheitert, die Belastungsverträglichkeit war oft nicht gegeben. Manche Dinge, v. a. im koordinativen Bereich waren davor einfach vernachlässigt worden: Die Spieler sind in der Technik meistens okay, aber sobald es gilt, gewisse Fertigkeiten miteinander zu kombinieren – z. B. Beinstellungen mit einer guten Schlagausführung – sieht man oft, dass die Spieler „zerbröseln“.

Wie wollen Sie das in Zukunft verhindern?
Es muss, und das wird in Zukunft auch passieren, im jungen Bereich die Gesamtausbildung verstärkt geschult werden. Eine mögliche Antwort, warum das bisher noch nicht perfekt funktioniert hat, ist bei den Eltern zu suchen: Sie bezahlen den Trainer für eine Tennisstunde und haben nicht immer das Verständnis dafür, wenn er innerhalb dieser Stunde gewisse Übungen mit ihren Kindern macht, bei denen sie einmal keinen Schläger in der Hand haben. Für den Trainer ist es nicht immer leicht, den Eltern zu verkaufen, wie wichtig solche Übungen für die Entwicklung ihrer Kinder ist. Aber auch das Knowhow der Trainer in diesem spezifischen Bereich gehört verbessert.

Wie, glauben Sie, wird das Feedback jener Personen auf das neue ÖTV-Konzept sein, die sich schon ihr gesamtes berufliches Leben lang mit Tennis befassen?
Es war sicherlich ein Fehler von uns in der Vergangenheit, dass die Kompetenzen fähiger Leute im Land  zu wenig genutzt worden sind. Die Kommunikation wurde zu wenig gesucht. Das sehe ich jetzt auch als das Wesentliche in meiner Aufgabe, dass diese Kompetenzen zusammengeführt werden, um alle an einem Strang zu ziehen. Die Vision ist, ein dichtes Netzwerk zu haben, in der die direkte Kommunikation und Zusammenarbeit funktioniert. Ich bin kein Träumer und weiß ganz genau, dass die Frage „Wann gelingt endlich einem Südstadt-Spieler der Sprung unter die ersten 100?“ immer über mir hängen wird. Diesen Anforderungen sind wir uns alle bewusst. Ich kann aber keinem Trainer vorwerfen, dass er nicht genug kompetent und motiviert  ist, haargenau das erreichen zu wollen. Wir können allerdings nur mit dem arbeiten, was wir haben. Das erste große Ziel ist daher, eine Struktur und Bedingungen zu schaffen, wo jeder sagt: Eigentlich kann nur ein Spieler daran schuld sein, wenn er es nicht schafft, da die Struktur glasklar vorgegeben und stimmig ist.

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