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ÖTV NEU, TEIL 1: MEHR QUALITÄT ALS QUANTITÄT

Ab September 2009 wird das neue ÖTV-Sportkonzept in die Tat umgesetzt. ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller (Bild): „Mein Wunsch ist, dass künftig jeder Trainer in Österreich das Gefühl hat: Der ÖTV ist die Anlaufstelle, an die er sich jederzeit wenden kann. Und jeder, der daran interessiert ist, eine Topausbildung anzubieten bzw. zu durchlaufen, soll seinen Platz in einem Gesamtsystem finden.“

„Österreichweite Partnerschaften“
(22.7.2009)
Im Dezember 2008 hatte ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller angekündigt, Österreichs Tennis im Allgemeinen und die Struktur des Leistungszentrums Südstadt im Speziellen mithilfe des „Sportkonzepts 2009“ auf neue Beine zu stellen. „Top-Kader, Profi-Kader, Future-Kader, Beobachtungskader, HSZ-Kader – das war einmal, diese Einteilung unserer SpielerInnen wird schon bald der Vergangenheit angehören“, hatte Schaller damals angekündigt. „Ab dem September 2009 wird es nur mehr drei Kader geben – den A-, den B- und den C-Kader, wobei der A-Kader die Speerspitze des reformierten Systems bilden wird.“ Mittlerweile sind die ersten Entscheidungen gefallen.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie das bisherige Ausbildungssystem ad acta legen und eine vollkommen neue Struktur auf die Beine stellen wollten?
Ich habe als ÖTV-Sportdirektor drei Jahre lang Zeit gehabt, einen Teil des Systems aufzubauen und dabei die notwendigen nächsten Schritte zu durchdenken. Dabei ist mir aufgefallen, dass einiges gut läuft. Es gibt aber auch einige Bereiche, in denen man ansetzen und Verbesserungen in die Wege leiten muss. Deshalb habe ich versucht, das jetzt konsequent umzusetzen. Wir haben im Dezember 2008 die neuen Trainerjobs ausgeschrieben. Die Resonanz darauf war gut. Es sind viele Trainer in die Südstadt zum Vorstellungsgespräch gekommen, die  interessant waren. Nach reiflichen Gesprächen und Überlegungen denke ich die richtigen Leute für die kommenden Aufgaben ausgewählt zu haben (mehr dazu im Teil 2 am 22.7.2009; Anm.). Speziell der neue Bereich der Bundesnachwuchstrainer ist eine sehr breit gefächerte Herausforderung. Das ist eine Aufgabe, die nicht sehr leicht zu bewältigen sein wird und deshalb auch von meiner Seite bzw. der Südstadt-Trainer starke Unterstützung bekommen wird.

Man will künftig mit einem klar strukturieren Konzept bei Trainern und ihren Spielern vorstellig werden, um ihnen den Weg vom U12- bis zum Profibereich zu erläutern. Nimmt man den Trainern damit nicht ihre Eigenverantwortung aus der Hand?
Bei vielen Trainern war tatsächlich unterschwellig die Furcht zu bemerken: Jetzt taucht bei mir ein Bundesnachwuchstrainer auf und schreibt mir vor, was ich zu tun habe. Das wird definitiv nicht passieren! Es braucht kein einziger Trainer, der in Österreich seine Arbeit engagiert und gut macht, auch nur das Geringste befürchten. Es wird kein einziger ÖTV-Trainer rausgehen und jemandem vorschreiben, was zu tun ist. Der ÖTV will als Partner auftreten und gemeinsam mit dem jeweiligen Trainer die Entwicklung seines Schützlings gewährleisten.

Wie soll das geschehen?
Es ist nicht die Aufgabe des Bundesnachwuchstrainers den Besserwisser zu spielen. Natürlich kommen wir mit einem Konzept und einem Programm zu den Trainern und sagen: Das ist unsere Linie. Aber genauso wie der Trainer von uns lernen kann, können wir von ihm Knowhow mitnehmen und lernen. Unsere Bundesnachwuchstrainer werden österreichweite Partnerschaften mit Trainern gründen und gemeinsame Ziel erarbeiten. Natürlich wird der Verband für diese Trainer auch etwas tun: Wir werden unsere Partnertrainer zu internationalen Turnieren mit ihren Talenten beschicken, damit sie sich weiterentwickeln können. Wir werden ihnen aber auch bei ihren internen Anforderungen unter die Arme greifen – beim mentalen Training, beim Konditionstraining, taktischen Training, tennistechnischem Training. Mein Wunsch ist, dass die Trainer das Gefühl haben: Der ÖTV ist die Anlaufstelle, an die sie sich jederzeit wenden können.

Im Dezember 2008 wurden die neuen Trainerjobs ausgeschrieben, aber erst über ein halbes Jahr später sind die ersten Entscheidungen gefallen. Warum hat das so lange gedauert?
Der Prozess mit den neuen Trainern war ein langwieriger, da ist es nicht gerade leicht ist, das Budget für die vielen Umstrukturierungen aufzustellen und genehmigt zu bekommen.  Es hat sieben bis zehn Budgetentwürfe gegeben. Deshalb hat sich alles ziemlich in die Länge gezogen. Die wirtschaftliche Situation des ÖTV hat sich in den letzten Jahren nicht maßgeblich verbessert. Es wird immer genauer geschaut, wo das Geld hinfließt.

Ein Teil des Budgets wird auch in Richtung des neuen B-Kaders fließen. Wie wird in diesem Bereich die Förderung aussehen?
Die Fördermittel des ÖTV in Form von Reisekosten werden ab Jänner 2010 fließen. Es wird aller Voraussicht nach ein gewisses Fixum geben, das quartalsmäßig ausbezahlt wird. Und es wird ein Bonussystem geben – wenn gewisse Ziele erreicht werden, wird es Bonuszahlungen geben. Wesentlich sind bei diesem externen B-Kader die Erfüllung der Richtlinien. Wenn sie gebrochen werden, dann hat das die sofortige Eliminierung aus dem Kader zur Folge. Sollte ein Spieler verletzt sein und deshalb nicht bei den für uns wichtigen Turnieren – Europameisterschaften und den Cup-Bewerbe – antreten können, gibt es eine Reduktion der Fördermittel. Man sieht schon: Die Kriterien werden sehr streng sein. Es gibt bei dieser externen Förderung kein Gießkannenprinzip, sondern es wird selektiert. Es werden nur die genommen, die international Perspektive haben oder schon im europäischen Jugendbereich vorne mit dabei sein. Die sollen eine bessere Förderung bekommen. Ich gehe von sechs bis acht männlichen und weiblichen Athleten aus, die im nächsten Jahr im B-Kader sein werden.

Welche Auswirkungen hat das neue Sportkonzept auf die SpielerInnen im Leistungszentrum Südstadt?
Was die Südstadt betrifft, ist es so, dass die Spielerkader stark reduziert werden. Wir haben bisher zwischen 18 und 20 Spieler gehabt. Aber Herbst werden wir zwischen 10 und 12 Spieler haben. Durch diese Reduktion im Bereich „Quantität“ erwarten wir uns eine Erhöhung im Bereich „Qualität“.

Was bedeutet für Sie „Qualität“?
Anhand vieler Beobachtungen bei Turnieren ist mir aufgefallen, dass viele österreichische Spieler, egal ob sie in der Südstadt oder woanders trainieren, ihre Matches verlieren, obwohl sie den ersten Satz gewonnen und im zweiten mit 3:0 oder 4:1 geführt, und das Match dennoch verloren haben. Ein Mädel hat z. B. mit 6:1, 5:2 geführt. Sie hätte das Match locker nach Hause spielen können, hat es aber dennoch in drei Sätzen verloren. Das ist ein Prozess, auf den wir alle einwirken sollten. Wir wollen in Zukunft mehr den Siegertypus mit der Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen herausstreichen. Diese Botschaft sollte auch bei den Eltern ankommen.

Was meinen Sie damit konkret?

Ein/e SpielerIn verliert. Was ist die erste Reaktion? Es wird zu Hause angerufen und die Eltern fragen: Was ist passiert? Als Antwort der/des SpielerIn darauf habe ich noch nie gehört: Ich war schuld, weil ich die Leistung nicht so gebracht habe, wie ich es mir eigentlich vorstellt hatte! Zu 99 Prozent begründen die Spieler ihre Niederlagen mit dem Wetter, den falschen Bällen. Oder: Der Gegner hat mich beschissen! Oder: Mein Trainer hat mir eine falsche Taktik gegeben! Für die Eltern gibt es – meiner Meinung nach – in einer solchen Situation zwei Möglichkeiten: Entweder – und das wird leider oft gemacht – bestärken sie ihr Kind und sagen: Ja, du hast vollkommen recht mit deiner Einschätzung! Damit bestärkt man das Kind in einer falschen Meinung und baut eine Hürde auf, gegen die alle Trainer immer wieder ankämpfen müssen. Die andere Möglichkeit der Eltern wäre, in einer gesunden und klar objektiven Art und Weise dem Kind zu sagen: Das interessiert mich eigentlich alles  nicht! Du bist Sportler und nur du alleine bist für die Leistung, die du bringst, verantwortlich! Lerne aus den Fehler, die du gemacht hast! Das ist das, was ich mir wünschen würde.


24. Juli 2009:

ÖTV NEU, TEIL 2: NEUES TRAINERTEAM FÜRS LEISTUNGSZENTRUM

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