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ÖTV NEU, TEIL 1: „KEIN RESPEKT VOR GROSSEN NAMEN“

In Österreichs Tenniszukunft soll vieles anders werden. Die Weichen dazu sollen mit dem von ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller entwickelten Sportkonzept gelegt werden. Heute: Schaller über Entwicklungsreisen und die Nachfolger von Melzer & Co im Davis Cup.

"Mit 24 Top 20"
(10.12.2009)

Bereits seit 1. September „läuft“ das von Ihnen neu entwickelte Sportprogramm. Ist es jetzt noch zu früh, eine erste Bilanz zu ziehen?

Nein, erste Erfolge lassen sich schon jetzt erkennen. In der Vergangenheit war eines der größten Probleme in Österreich, dass es für Jugendliche – egal ob in der Südstadt oder extern – zu wenige Möglichkeiten gegeben hat, sich nach oben zu orientieren. Das Problem, das dadurch aufgetreten ist: Wenn sie dann einmal gegen bessere Spieler gespielt haben, traten sie ihnen oft mit unnötigem Respekt gegenüber. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Match von Martin Fischer gegen Juan Martin del Potro in der Stadthalle 2008. Dieses Match war durchaus zu gewinnen. Der einzige Punkt, weshalb Fischer verloren hat, war der "große" Name, der ihm gegenüber gestanden ist. An diesem Punkt haben wir jetzt mit dem neuen Sportkonzept angesetzt.

Wie kann man einem österreichischen Spieler, der sich in der Weltrangliste in einem Bereich um die 200 bewegt, klarmachen, dass er das Potential hat, einen Top 5-Spieler zu besiegen?
Von der Südstadt ausgehend war der erste Schritt, dass wir in den Gruppen eine Umstellung erwirkt haben. Früher war es so, dass wir die Gruppen altersspezifisch zusammengestellt haben. Jetzt ist es so, dass wir eine Röhrendynamik haben und damit 15- oder 16-Jährige die Möglichkeit haben, schon mit 19- oder 20-Jährigen permanent zu trainieren. Dazu kommen sogenannte „Entwicklungsreisen“, für die wir vom Sportministerium eine Unterstützung bekommen haben. Dadurch ist es jetzt möglich, Jugendliche schon früher bei höherwertigen Turnieren einzusetzen. Das haben wir heuer im Herbst in die Tat umgesetzt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht. D. h. zwei bis drei Mal pro Jahr werden Mädchen oder Burschen, die vielleicht noch auf ITF-Basis sind, zu Future-Turnieren mitgenommen – egal, ob sie dort in diese Turniere hineinkommen oder nicht. Wichtig ist, dass sie vor Ort mittrainieren, sehen, wie es dort abläuft und erkennen, dass sie von der spielerischen Klasse dieser Spieler gar nicht soweit entfernt liegen. Vor kurzem wurde etwa Michael Eibl, 16 Jahre alt, zu drei Future-Turnieren in die Dominikanischen Republik mitgenommen, um ihm die Möglichkeit zu geben, mit Top 500-Spielern zu trainieren. Etwas, das er aus dem normalen Trainingsalltag logischerweise nicht kennt.

Was war eigentlich der Auslöser für den Weg in eine andere Richtung?

Ich bin seit 2005 als Sportdirektor im Amt. Eines meiner Ziele war, aus der Südstadt heraus mit einer verbreiterten Dichte Jugendliche ins Erwachsenentennis, in die Top 100 hineinzubringen. Es ist ein Faktum, dass Spieler wie Köllerer, Peya oder Marach im Alter zwischen 24 und 26 oder noch älter die Top 100 im Einzel geschafft haben. Wenn man jetzt die aktuelle Situation betrachtet, dann haben wir im Moment drei Spieler, bei denen ich die berechtigte Hoffnung habe, dass sie in einem ähnlichen Alter eine ähnliche Entwicklung durchmachen könnten: Andreas Haider-Maurer, Philipp Oswald, Martin Fischer. Alles Spieler, die sich in einem Alter zwischen 21 und 23 Jahren bewegen und das Potential haben, in ein, zwei, drei Jahren in die Top 100 vorzustoßen, sodass sie legitime Nachfolger der derzeitigen Davis Cup-Generation wären. Diese Spieler waren jahrelang in der Südstadt und versuchen jetzt auf eigene Faust von einem Ranking um die 200 den nächsten Schritt zu wagen.

Mit 26 in den Top 100 – ist diese Latte nicht etwas zu niedrig angesetzt?

Der generelle Anspruch – von der Öffentlichkeit, von den Medien und der Verbandsspitze – ist logischerweise ein anderer als der Weg, den wir bisher beschritten haben: Es gilt Athleten mit 20 in die Top 100 zu bringen und mit spätestens 24, 25 sollte der/die eine oder andere in den Top 20 der Weltranglisten zu finden sein. Das ist der Anspruch, den wir uns gesetzt haben. Um diese Ziele zu erreichen, habe ich dieses adaptierte Konzept entwickelt. Ganz klar ist: Es muss v. a. in jüngeren Jahren etwas passieren. Wie sieht die Realität aus? Der ÖTV hatte bisher keinen Einfluss auf die Ausbildung der Jugendlichen bis zum Alter von 14. Ab 14, 15 erfolgte dann die Einberufung in die Südstadt, und ab diesem Zeitpunkt haben wir versucht, aus den Spielern die optimalen Möglichkeiten herauszuholen. Sehr oft waren diese Möglichkeiten aber nicht immer so, wie wir es uns erhofft hatten. Es gab Defizite im körperlichen Bereich, Defizite im technischen Bereich, aber auch in der Persönlichkeitsentwicklung.  Mein großes Ziel ist es, diese Defizite zu verändern. Dazu benötigen wir aber eine Gesamtstruktur, die im neuen Sportkonzept verankert wurde.

Teil 2, 14.12.2009: Schaller über die Förderung externer SpielerInnen und den Weg von unserem Nachwuchs an die europäische Spitze.

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