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ÖTV INSIDE: DIE SCHÜLER-GRUPPE 1 VON WALTER GROBBAUER

Der aus Graz stammende 38-jährige Sportwissenschaftler und staatliche Tennistrainer Walter Grobbauer (Bild) betreut seit September 2006 die Schüler-Gruppe 1 im LZ Südstadt. Im ÖTV INSIDE Interview stellt er seine Spieler vor und berichtet über seine Ziele für 2008.

Herr Grobbauer, was fällt Ihnen rückblickend auf die Saison 2007 als erstes ein?

Unser großes Ziel im vergangenen Jahr war es, auf ITF-Ebene Fuß zu fassen und zwar, dass meine Spieler den Sprung unter die Top 500 der ITF-Juniorenweltrangliste schaffen. Die ganze Gruppe hat diese Zielvorgabe erreicht und Sam Weissborn hat es mit Platz 280 am weitesten nach vorne geschafft. Ich habe versucht, für jeden Spieler individuelle Trainingspakete zu schnüren, d.h. nach einer Ist-Zustands Analyse wurde ein Plan aufgestellt, der einerseits die Forcierung der Stärken und andererseits die konsequente Arbeit an den Schwächen jedes Einzelnen zum Inhalt hatte. Die große Herausforderung für mich war es, die unterschiedlichen Spielertypen meiner Gruppe optimal zu betreuen und auf jeden Spieler individuell einzugehen. National gesehen, haben meine Burschen ihre Top-Positionen in Österreich absolut bestätigt, d.h. bei allen ÖTV-Meisterschaften wurden die Titel untereinander entschieden.


Stellen Sie bitte Ihre Spieler vor:

Daniel Schmidt (13.02.1991): Er ist ein solider Arbeiter und seine Stärken liegen an der Grundlinie, d.h. Daniel spielt einen offensiven Stil und versucht mit seiner Vorhand den Gegner unter Druck zu setzen. Er hat außerdem sehr schnelle Beine. Auf nationaler Ebene hat er mit dem Vize-Meistertitel in der Halle und dem Staatsmeistertitel im Freien groß aufgezeigt, international konnte er das ITF Kat. V Turnier in Algerien gewinnen. Mit seiner Entwicklung bin ich sehr zufrieden, aber das große Ziel ist es, auf ITF-Ebene eine konstantere Performance zu erreichen.

Tristan-Sam Weissborn (24.10.1991): Sam ist sicherlich der offensivste und kompletteste Spieler meiner Gruppe, mit schnellen Schlägen sowohl von der Rückhand als auch von der Vorhandseite, aber auch stark in der Defensive. Er hat den sprichwörtlichen „natürlichen Zug zum Netz“ und damit einen zukunftsweisenden und modernen Wettkampfstil. Mit dem Erreichen des Österreichischen U16-Hallenmeistertitels ist Sam toll ins Jahr 2007 gestartet, danach hat er sich im Verlauf der Saison weiterentwickelt und seinen körperlichen Nachholbedarf gut kompensiert. Er wurde robuster und ausdauernder. Sehr hoch zu bewerten ist sein ITF-Turniersieg beim Kat. IV Turnier im slowakischen Zilina, wo er sein Potenzial durch Siege über international starke Spieler bestätigen konnte.

Dominik Wirlend (29.01.1991): Er ist vom Körperbau her ein sehr kräftiger, muskulöser Typ und hat dadurch die optimalen körperlichen Voraussetzungen für einen Tennisprofi. Sein Stil zeichnet sich durch gute Powerschläge aus, dennoch werden seine Stärken in Zukunft in einem robusten Grundlinienspiel liegen, mit dem er seine Gegner zermürben kann. Ebenso wird Dominik in der Defensive starke Leistungen bringen. Leider konnte er durch seine langwierige Verletzung (Morbus Schlatter) erst sehr spät ins Training und damit in die Saison 2007 einsteigen und hatte dadurch großen Nachholbedarf.

Maximilian Neuchrist (22.07.1991): Ich bezeichne Max als „Hardhitter“ in unserer Gruppe, denn er verfügt über ein sehr gutes Service und eine echte Power-Vorhand. Vom Stil her, zieht es ihn zum Netz und er sucht in jedem Ballwechsel rasch die Entscheidung. Bei ihm wird es ganz wichtig sein, seine starken Schläge zu stabilisieren und er muss lernen seine Waffen effizienter einzusetzen. Im konditionellen Bereich arbeiten wir daran, seine Beweglichkeit am Platz zu optimieren. Max ist aber auf jeden Fall ein echter Wettkampftyp, der sich seinen Gegnern sehr gut anpassen kann und meistens gegen starke Gegner über sich hinauswächst. Dies hat er unter anderem bei den Europameisterschaften bewiesen, wo er das Achtelfinale erreichen konnte.


Der Trainingsaufbau für 2008 hat vor kurzem begonnen, wie ist der momentane Status?

Die bereits abgeschlossene Vorbereitungsperiode 1 (VP 1) dauerte 4 Wochen, d.h. wir haben Mitte September begonnen, sowohl konditionell als auch tennisspezifisch hart zu arbeiten und haben das Training auf die harte und sieben Wochen dauernde ITF-Südamerikatour ausgelegt, zu der wir am 17.12. aufbrechen werden. Diese Turnierserie wird sehr interessant, da wir sowohl auf Hardcourt als auch auf Sand spielen werden, d.h. meine Spieler müssen sehr vielseitig vorbereitet werden. Derzeit befinden wir uns in der VP 2, wo die Schwerpunkte im Schnellkraft und im taktischen Bereich, sowie im Sparringbereich liegen . Die VP 2 dauert bis zum Abflug an und vor der Abreise haben meine Jungs noch ein paar Tage zur Erholung frei. In der letzten Woche vor dem Abflug erhalten die Burschen noch den letzten Feinschliff und zwei nationale Herrenturniere (Bergheim) werden als Vorbereitung eingeplant.


Wie ist das Klima in Ihrem Team und wie sind die Bedingungen im Leistungszentrum Südstadt?

Sehr positiv finde ich, dass alle vier Jungs, von ihrem Leistungsniveau her, ganz eng beieinander stehen. Dadurch pushen sie sich gegenseitig im Training aber auch bei Turnieren, sodass einerseits ein gesunder Konkurrenzkampf intern entsteht, andererseits aber auch ein starker Zusammenhalt im Team zu verspüren ist. Max Neuchrist und Sam Weissborn sind Zimmerkollegen im Internat und enge Freunde, Dominik Wirlend lebt auch im Sportheim und Daniel Schmidt ist als Wr. Neudorfer ebenfalls in der unmittelbaren Umgebung zuhause.
Die Bedingungen im LZ Südstadt sind für meine Gruppe absolut optimal. Gilbert Schallers Idee, die besten Spieler des Landes in der Südstadt zu zentralisieren, hat sich für mich als goldrichtig erwiesen. Aufgrund des Ende 2005 erstmalig durchgeführten, intensiven Sichtungstrainings, hat sich meine Gruppe ergeben und die Erfolge meiner Burschen bestätigen unser System. Das Umfeld ist für den Profisport perfekt, denn es stehen Psychologen, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Konditionstrainer und Ärzte zur Verfügung, die den Aufbau jedes Athleten überwachen und auch Massnahmen im wichtigen regenerativen Bereich setzen. Ganz wichtig und entscheidend ist es meiner Meinung nach aber, dass im Rahmen des ÖTV-Südstadt-Konzepts, meine Burschen auch oft die Möglichkeit des Sparring-Trainings nach oben erhalten, d.h. gegen bessere Spieler aus anderen ÖTV-Gruppen spielen können und somit einen zusätzlichen Motivationsschub erhalten.
Als sehr wichtig erscheint es mir als Südstadt-Trainer auch, neue wissenschaftliche Aspekte in den Trainingsprozess einzubauen, da ich davon überzeugt bin, dass es unbedingt notwendig ist, den Tennis-Spitzensport heutzutage wissenschaftlicher zu betreiben. Wir arbeiteten z.B. in der VP1 (Vorbereitungsperiode 1) mit dem „Silicon Coach“, einem Bewegungsanalysenprogramm mit sehr detaillierten Analysemöglichkeiten. Spieler sind visuelle Typen und profitieren von dieser neuen Methode enorm. Weiters versuche ich auch von den internationalen ITF-Kongressen viele neue Erkenntnisse (Methoden) ins Training einzubringen und nutze auch die Möglichkeiten des „I-Coach“, einer interaktiven Coachingplattform der ITF.


Wie schätzen Sie das Potenzial Ihrer Spieler im internationalen Vergleich ein?

Meine Burschen haben durch einige gute Resultate auf sich aufmerksam gemacht. Die internationale Spitze in diesem Jahrgang zeichnet sich allerdings – über die ganze Saison hinweg gesehen - durch noch konstantere Leistungen aus. Vor allem im mentalen Bereich müssen meine Spieler noch einen Tick „abgebrühter“ werden, um im Konkurrenzkampf mit der internationalen Spitze mithalten zu können. Berücksichtigen muss man aber auf jeden Fall, dass meine Spieler neben dem Tennissport eine volle Schulausbildung absolvieren und dies international großteils nicht der Fall ist. Viele Top-Juniors sind schon als „Profis’“ unterwegs. Ein weiterer ausschlaggebender Aspekt ist auch die langfristige Persönlichkeitsentwicklung jedes einzelnen Spielers. Auf diesen Bereich legen der Sportdirektor des ÖTV; Gilbert Schaller, und ich besonders großen Wert.
Unser Ziel muss es sein, in der Saison 2008 den Anschluss zur Weltspitze im Juniorentennis zu schaffen und am Jahresende ein einstelliges ITF-Ranking aufweisen zu können.


Welche Turnierteilnahmen sind 2008 im Fokus und nach welchen Kriterien wird geplant?


Wir starten noch im heurigen Jahr mit einer 7-wöchigen Südamerika-Tour, mit ITF-Turnieren der Kategorie A bis II, danach steigen wir bei den ITF-Turnierserien in Europa ein und werden natürlich die Events in Wels, Villach und St. Pölten, sowie die Europameisterschaften spielen. Mein großes Ziel ist es, alle vier Burschen zu den US Open 2008 zu bringen. Kriterium für die Turnierplanung ist in erster Linie eine vielseitige Ausbildung der Spieler auf allen Belägen (z.B. Rasen in Halle, Sand in Südamerika, Hardcourt in Asien), weiters wird das Team immer gemeinsam reisen, um damit auch den hervorragenden Teamgeist ausnützen zu können!


Wie sehen Ihre Visionen für den österreichischen Tennissport 2008 und für die weitere Zukunft aus bzw. was würden Sie verbessern?


Ich würde mir wünschen, dass in Österreich die Coaches noch enger zusammenarbeiten. Wir sind international gesehen ein kleines Tennisland und müssen einfach viel stärker zusammenhalten, egal ob ein Spieler oder eine Spielerin in der Südstadt trainiert oder privat gecoacht wird. Es sollte viel mehr Austausch der Trainer untereinander geben! Außerdem muss es uns gemeinsam gelingen, unsere Jugendlichen zu mehr internationalen Turnierteilnahmen zu motivieren. Ich bin davon überzeugt, dass der internationale Vergleich für die Entwicklung eines jugendlichen Tennisspielers von essentieller Bedeutung ist, um dann später als Profi erfolgreich Fuß fassen zu können.


Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg in der Zukunft!

bh

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