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ÖTV INSIDE: DIE JUGEND-GRUPPEN VON CONNY GRUBER

Der aus Wien stammende 28-jährige Ex-Tennisprofi Konstantin Gruber, betreut seit September 2007 die Schüler-Gruppe 2 und die Mädchen-Gruppe 2 im LZ Südstadt. Im ÖTV INSIDE Interview stellt er seine Spieler vor und spricht über seine Ziele für 2008.

Herr Gruber, wie haben Sie sich im LZ Südstadt eingelebt?

Es hat mich sehr gefreut, dass ich vom ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller und von allen ÖTV-Coaches mehr als herzlich aufgenommen wurde. Ich hatte immer schon viel Kontakt zur Südstadt, aktiv habe ich 1997 unter Joakim Nyström in einer Gruppe mit Alex Peya, Andi Fasching, Simon Wernhart, unter dem damaligen ÖTV-Herrenchef und Davis Cup Captain Günther Bresnik trainiert. Ich bin eigentlich ein sehr kritischer Mensch, möchte aber betonen, dass sich in den letzten Jahren im LZ Südstadt sehr viel getan hat und die Weichen für eine professionelle Entwicklung gestellt wurden. Auf lange Sicht wird und muss der Erfolg in allen Bereichen kommen. Besonders gut finde ich das Trainerteam, das einen optimalen Mix aus harten Arbeitern und Trainern mit hohem Technikverständnis bietet. Generell herrscht ein sehr guter Teamgeist und alle arbeiten am gleichen Ziel.


Stellen Sie bitte Ihre Spieler vor:

Patricia Haas (09.09.1993): Die 14-jährige ist eine ausgezeichnete Arbeiterin, mit kräftigem und sportlichen Körperbau. Sie verfügt über ein druckvolles und risikofreudiges Grundlinienspiel, das über ihre Vorhand aufgebaut ist. In den Trainingseinheiten ist Patricia sehr wissbegierig und erfolgsorientiert. Da ihr Spiel mit der Beinarbeit und der Bewegung steht und fällt, muss in diesen Bereichen angesetzt werden, weiters wird auch noch intensiv an der Schlagtechnik gearbeitet.

Christina Auer (06.05.1992): Sie verfügt über ein ausgezeichnetes Service und kann von der Grundlinie schnell und kompromisslos, speziell mit ihrer Rückhand spielen. Sie gehört zur modernen Spielergeneration, denn sie sucht im Ballwechsel den schnellen Abschluss und nimmt gerne das Spiel in die Hand. Im physiologischen Bereich werden wir vor allem an ihrer Schnellkraft arbeiten und versuchen, ihre optimalen Ausdauerwerte umzusetzen. .

Peter Nagovnak (08.08.1992): Der junge Steirer ist ein sehr guter Arbeiter und er verfügt über die sogenannte „schnelle Hand“! Er kann ansatzlos Winner schlagen und sucht den Abschluss am Netz, weiters traut er sich auch zu, in engen Situationen die Initiative zu übernehmen. Diese Eigenschaft zeichnet meiner Meinung nach echte Siegertypen aus. Peter kann speziell trainierte Spielformen im Training sehr schnell umsetzen und auch im Sparring oder Turnier sofort abrufen. Am wichtigsten für seine Entwicklung, sehe ich die Erarbeitung eines individuellen „Gameplans“, d.h. konkrete Spielzüge müssen einstudiert werden, damit er sich taktisch weiter entwickeln kann.

Björn Treber (27.05.1992): Er ist ein sehr gefährlicher Spieler mit ausgeprägtem Drang zum Netz. Für diese Art des Spiels verfügt Björn über sehr gute körperliche Voraussetzungen, da er athletisch gebaut und knapp 1,90m groß ist. Er besitzt ein gutes, ausbaufähiges Service und ist auch taktisch bereits mit klugen Spielvarianten ausgestattet. Bei ihm wird es wichtig sein, die Grundschläge zu stabilisieren, damit er auch über einen langen Zeitraum seinen Level halten kann.

Die mentale Komponente ist bei allen meinen Spielern ausbaufähig und fast genauso wichtig wie das Training am Platz. Mir ist es ein großes Anliegen, dass dem mentalen Training in Zukunft ein viel größerer Stellenwert eingeräumt wird. Gerade in diesem Alter sollte bereits intensiv damit begonnen werden!


Der Trainingsaufbau für 2008 hat vor kurzem begonnen, wie ist der momentane Status?

Die ersten beiden Septemberwochen haben wir als Eingewöhnungsphase genutzt und den Trainingsumfang noch eher gering gehalten. Als dann der Schulstundenplan feststand, wurde der Gesamtplan erarbeitet und der Trainingsumfang wesentlich erhöht. Es freut mich sehr, dass alle meine Spieler das harte Training sehr gut verkraften und bis jetzt verletzungsfrei geblieben sind. Am wichtigsten ist für mich, dass ein gut strukturierter Trainingsaufbau, auf jeden Spieler individuell abgestimmt durchgezogen wird. An dieser Stelle möchte ich mich beim gesamten Trainerteam von Dr. Ernst Köppel, Markus Forsthuber, Alexander Dubisar, Martin Metz bis zu Mischa Sverak herzlich bedanken, die alle an einem Strang ziehen und mein Team bestens betreuen.
Derzeit befinden wir uns in der Aufbauphase, wobei wir vor zwei Wochen mit dem Krafttraining begonnen haben, davor waren alle kraftspezifischen Übungen für die Stabilisation, jetzt sind wir mitten im intensiven Muskelaufbau. Diese Phase wird bis Weihnachten andauern. Zur Wettkampfvorbereitung und zur Motivation für das harte Training werden auch in der harten Aufbauphase Turnierteilnahmen eingestreut, die für mich eine sehr gute Standortbestimmung dafür sind, wie weit meine Spieler bereits in ihrer Entwicklung sind. Ab Jänner befinden wir uns dann voll in der Wettkampfphase und die ersten Monate des Jahres werden von Turnieren geprägt sein.


Wie ist das Klima in Ihrem Team und wie sind die Bedingungen im Leistungszentrum Südstadt?

Alle Spieler verstehen sich ausgezeichnet und es herrscht ein ausgeprägtes „Wir-Gefühl“ unter meinen Team-Mitgliedern. Das ist für mich sehr wichtig, da wir künftig viele Reisen zusammen machen werden. Die Spieler pushen sich gegenseitig und es freut mich persönlich sehr, dass so eine harmionische Stimmung entstanden ist, wir fühlen uns als „kleine Familie“.
Im LZ Südstadt herrschen für die Ausbildung zum Profitennissport die perfekten Bedingungen. Man ist mit den besten Sportlern Österreichs zusammen, die alle das Ziel des Profisports verfolgen. Es ist einzigartig, meine Spieler können parallel zur Tennisausbildung auch die Schule abschließen. Nicht zuletzt deswegen, bin auch ich damals in die Südstadt gekommen um diese optimalen Bedingungen zu nutzen.


Wie schätzen Sie das Potenzial Ihrer Spieler im internationalen Vergleich ein?

Die internationale Szene kenne ich noch nicht im Detail, habe aber durch die Bertreuung von Kathi Negrin auch auf ITF-Ebene Erfahrung gesammelt. Meine Spieler werden mit der Aufgabe wachsen, mit jeder Turnierteilnahme wird die Erfahrung besser und man muss die Entwicklung langfristig sehen. Ich bin überzeugt, dass meine Spieler relativ kurzfristig den Einstieg ins Juniorentennis und den Sprung an die internationale Spitze schaffen werden. Langfristig bin ich der Überzeugung, dass alle das Potenzial haben, früher oder später sogar bei Grand Slam Turnieren den Hauptbewerb bestreiten zu können. Im Endeffekt geht es ums vorhandene Potenzial jedes Einzelnen, denn sonst würden sie nicht in der Südstadt unter der Obhut von Tennisaustria trainieren können.


Welche Turnierteilnahmen sind 2008 im Fokus und nach welchen Kriterien wird geplant?

Bis auf Christina Auer hat noch keiner meiner Gruppe ITF-Punkte, d.h. ich muss mit meiner Gruppe reisen und für alle optimal planen, damit alle Teamspieler gute Möglichkeiten haben, den Einstieg ins ITF-Tennis zu schaffen. Der Startschuss dazu fällt in Bergheim beim ITF Kat. IV Turnier. Der Turnierplan wurde gemeinsam mit Peter Eipeldauer und Gilbert Schaller erstellt. Nach Bergheim wird in Leuggern (ITF V), Ostrava (ITF IV), Algerien oder Skandinavien (jeweils zwei ITF V), danach Litauen (ITF IV) und Schweden (zweimal ITF IV) oder Slowakei (zweimal ITF V) gespielt. Dazwischen werden auch immer wieder nationale Damen- und Herrenturniere bestritten und die europäischen Team-Cups beschickt. Natürlich startet mein Team auch bei den U16-Hallenmeisterscaften in Neudörfl und bei den U16 Freiluft-Staatsmeisterschaften 2008. Wir haben absichtlich nur bis Ende März geplant, um dann eine Zwischenbilanz zu ziehen und die Ranking-Entwicklung zu analysieren. Ziel ist es, dass alle Spieler die ersten ITF-Punkte erzielen, was sicherlich schwer werden wird, da fast alles in Europa bei den stark besetzten Turnieren gespielt wird. Wenn der Plan aufgeht, werden wir auch weitere Reisen planen, um etwa in Asien bei Turnieren höherer Kategorie an den Start zu gehen. Besonderes Augenmerk lege ich auf die Sommer-Saison, da dann der Schulstress abfällt und die Spieler sich nur aufs Turniertennis konzentrieren und ihren Rythmus finden können. Ich bin der Überzeugung, dass sich spätestens dann auch das harte Training auswirken wird.


Wie sehen Ihre Visionen für den österreichischen Tennissport 2008 und für die weitere Zukunft aus bzw. was würden Sie verbessern?

Mein persönliches Ziel für meine Gruppe ist ganz klar! Wir werden alles daran setzen dass alle Spieler meiner Gruppe den Einstieg in die ITF-Rangliste mehr als nur schaffen, d.h. dass sowohl punkte- als auch rankingmäßig ein großer Sprung gelingt. Für das österreichische Tennis würde ich mir wünschen, dass unsere Profi-Gruppe den Sprung vom Challenger-Level zur ATP-Tour schafft, und ab 2009 sich der eine oder andere in den Top 100 behauptet. Weiters hoffe ich dass unserem Davis Cup Team gegen die USA eine Überraschung gelingt und unser Fed Cup Team immer stärker wird. Mit solchen Erfolgen kann sich Österreich als Tennisland international Ansehen verschaffen und wieder eine höheren Stellenwert erlangen.
Persönlich würde ich mir wünschen, dass dem österreichischen Tennissport, künftig ein viel größeres mediales Interesse entgegengebracht wird. Mit verstärkter medialer Präsenz können bestehende Sponsoren an den Tennissport gebunden und neue Sponsoren lukriert werden, welche die Visionen mit „Tennisösterreich“ teilen.
Weiters bin ich der Meinung, dass die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Verbänden und den privaten Trainingszentren wesentlich verstärkt werden müsste. Als Vorbild dafür sollten uns andere Länder, wie z.B. Schweden oder Spanien dienen, wo man das Gefühl hat dass alle an einem Strang ziehen!


Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg in der Zukunft!

bh

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