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ÖTV INSIDE: DER MÄDCHEN U12 KADER VON SUSANNE GRABER

Fünf Jahre ist es her, seit der Österreichische Tennisverband einen u12 Kader für Österreichs jüngste Nachwuchsspielerinnen ins Leben gerufen hat. Die heutigen Erfolge von Tamira Paszek oder Melanie Klaffner sind der Beweis dafür, wie wichtig es ist, bereits in diesem Alter mit professionellem Koordinations- und Techniktraining zu beginnen. Im Interview erzählt die Tirolerin Susanne Graber, die sich mit ganzem Herzen dieser Aufgabe verschrieben hat, über ihre Arbeit mit dem ÖTV u12 Kader der Mädchen.

Frau Graber, was fällt Ihnen rückblickend auf das Jahr 2005 als erstes ein?

Sehr positiv waren natürlich der Viertelfinaleinzug von Lena Steiger beim ETA-Turnier in Porto San Giorgio (ITA) und die gezeigten Leistungen meiner Mädels im Rahmen des ÖTV Masters in Klagenfurt. Der eigentliche Erfolg unserer Arbeit liegt darin, dass die international gesammelte Erfahrung umgesetzt wurde und dadurch eindeutig die spielerische Leistung verbessert werden konnte. Es ist ganz wichtig, dass bereits die u12 Talente professionell betreut werden und an internationalen Turnieren teilnehmen. Würde man erst bei den u14 damit anfangen, wäre es meiner Meinung nach zu spät.

Der Pionier der u12 Jugendarbeit war der ehemalige Davis Cup Captain Filip Krajicek aus der Südstadt, der viel persönlichen Einsatz zeigte und der die Einführung eines u12 Kaders vorantrieb. Krajicek hatte immer einen super Draht zu den Kindern und bot ein einzigartiges Anschauungstraining.

Zu den Hauptakteuren, den Spielerinnen. Wie ist der aktuelle Stand im u12 Kader?

Der 94er Jahrgang ist sehr breit gefächert und spielt wirklich starkes Tennis. Das konnte man auch jetzt bei den u12 Staatsmeisterschaften in Oberwaltersdorf sehen. Im Moment stechen Christine Kandler (NÖTV) und Julia Dinhof (WTV) ganz klar heraus. Diese Spielerinnen haben auch schon internationale Luft geschnuppert. Aufstrebend ist auch die junge Anna-Maria Heil.

Der gesamte Kader besteht derzeit aus Christine Kandler (NÖTV), Julia Dinhof (WTV), Lisa Dinhof (BTV), Lisa Reichel (WTV), Anna Götz, (OÖTV), Anna Maria Heil (STTV), Michelle Knapp (VTV), Nadine Mathis (VTV), Kristina Pfoser (OÖTV), Janine Remler (STTV), Nadine Kopf (VTV), Pia Apollino (OÖTV) und Lisa Wegmair (TTV).

Wie verändert sich der u12 Kader bzw. wie kommt man hinein?

Ich persönlich unterscheide einerseits den Beschickungskader (Spielerinnen die vom ÖTV offiziell auf Turniere entsandt werden) und andererseits den Beobachtungskader (Spielerinnen, die von mir laufend beobachtet werden). Wer in welchem Kader spielt kann sich laufend verändern. Die Sichtung und Beobachtung des u12 Nachwuchses ist eine meiner größten Aufgaben. Erst kürzlich sind mir in Bergheim wieder zwei Mädchen aufgefallen, die dann von mir angesprochen und über das u12 Kaderprogramm informiert werden.

Ab welchem Alter werden Kinder auf Turniere mitgenommen und wie ist die Stimmung untereinander?

Erst beim letzten Trainingslager, Anfang November in Innsbruck, hatten wir wieder eine super Stimmung. Die Mädchen halten toll zusammen, vor allem im Ausland. Wir nehmen die Kinder schon ab 9 oder 10 Jahren auf nationale Turniere mit um sie an das Turniergeschehen zu gewöhnen. Sollte es Heimweh geben, sind die Eltern ja nur ein paar Autostunden entfernt. Auf den internationalen Turnieren darf Heimweh dann aber kein Thema mehr sein. Das kläre ich aber immer schon im Vorfeld mit den Eltern ab.

Der u12 Kader ist über ganz Österreich verstreut. Wie muss man sich das Training vorstellen?

Ich erstelle am Anfang des Jahres einen Turnierplan, an den sich die Kaderspielerinnen halten müssen. Wenn eine Spielerin an einem Turnier nicht teilnehmen kann, muss sie sich bei mir begründet abmelden. Ich bin bei allen Turnieren vor Ort und kann die Spielerinnen so optimal betreuen und beobachten.

Das tägliche Training und die Grundausbildung wird bei allen Kaderspielerinnen zu Hause mit den jeweiligen Trainern absolviert. Hierbei ist der direkte Kontakt zu den Trainern ganz wichtig und funktioniert auch sehr gut. Da ich ganz genau weiß, wie international gespielt wird, kann ich den Trainern wichtige Tipps und Hinweise geben, die sie in ihr individuelles Trainingsprogramm einfließen lassen können.

Zusätzlich gibt es regelmäßige Trainingslager, wo alle Spielerinnen zusammenkommen. Hier wird einheitlich trainiert und ich kann sehr gut überprüfen, ob die Leistungskurve meiner Mädels nach oben geht.

Welche internationalen Turnierteilnahmen sind für 2006 geplant?

Wir werden wieder an 6 international bedeutenden Turnieren teilnehmen. Die Austragungsorte sind:

Auray (FRA) - Februar 
Bressuire (FRA) - April
Cakovec (CRO) - April
Korsika – Ajaccio (FRA) - Juni
Porto San Giorgio (ITA) - Juni
Nationen - Team Cup in Brescia (ITA) - August.

Ich freue mich schon darauf zuzusehen, wie weit unsere Mädchen im internationalen Vergleich wirklich sind. International sind die zwölfjährigen Spitzenspielerinnen bereits technisch und spielerisch sehr weit und fast komplett. Ehrlich gesagt erwarte ich mir aber schon den einen oder anderen Halbfinaleinzug.

Wie sehen Sie die Österreichische Jugendtennislandschaft. Gehen wir ihrer Meinung nach in die richtige Richtung?

Ganz allgemein gesagt ja, aber es gibt ein paar ganz wichtige Punkte die ich in diesem Zusammenhang ansprechen möchte:

Punkt 1:
Man muss Tennis leben, um seine Erfahrungen an junge Spielerinnen weitergeben zu können.

Punkt 2:
Es muss jedem Trainer klar gemacht werden, welche soziale und vor allem auch spielerische Verantwortung er beim Training eines Kindes trägt. An der Basis müssen die Besten der Besten arbeiten um ideale Voraussetzungen für später zu schaffen. Es hat keinen Sinn, wenn später versucht wird, so genannte „verkorkste Talente“ auszubessern.

Punkt 3:
Ich verwehre mich ganz energisch gegen Ostblocksysteme. Ich habe im Ausland schon Mädchen gesehen, die zu Mittag, bei über 40 Grad Hitze und unter Tränen zum Training gezwungen wurden. Talentierte Kinder dürfen nicht mit der Brechstange zum Erfolg geführt werden. Kinder müssen auch Kind sein dürfen. Obwohl sehr hart und meistens fünf Mal pro Woche trainiert wird, müssen Kinder neben dem Tennis auch Skifahren, Skaten oder Radfahren dürfen. Im internationalen Vergleich steht Österreich im Bezug auf Talente und Bevölkerungsdichte vielen anderen Ländern um nichts nach.

Punkt 4:
Die ganz jungen u10 Spielerinnen sollten nicht auf einem normalen Platz, sondern auf einem so genannten Mid-Court (ca. 9x18 Meter Spielfeld, das Netz auf 80 cm Höhe gespannt), mit Kinderbällen trainieren und auch die ersten Turniere spielen. Dabei ist das Absprungverhalten des Balles nicht so aggressiv , der „Westerngriff“ wird vermieden und die Wege sind nicht so weit. Dadurch gehen die Kinder auch von selber ans Netz. Es wird mehr „Tennis gespielt“ und auch aggressive Spielzüge können bereits früh geübt werden. Erst wenn die Kinder so weit sind, wird auf dem normalen Feld gespielt. Hier ist noch sehr viel Überzeugungsarbeit bei Trainern und Turnierveranstaltern zu leisten. In anderen Ländern wie zum Beispiel Belgien ist der Mid-Court bereits seit Jahren Standard.

Zusätzlich zu Ihrer Aufgabe als u12 Mädchen Jahrgangscoach, ist Susanne Graber auch Betreuerin der Österreichischen Rollstuhlfahrer. In diesem Zusammenhang wird Sie uns auch vom World Team Cup – dem nächsten Wheel-Chair Tennis Highlight 2006 aus Brasilien berichten.

Nächster ÖTV INSIDE Bericht:

Jahrgangscoach Christian Hebar u12 Burschen

Bereits erschienene ÖTV INSIDE Berichte:

Die HSZ-Gruppe von Thomas Weindorfer

tp

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