Zum Inhalt springen

ÖTV INSIDE: DER BURSCHEN U12 KADER VON CHRISTIAN HEBAR

Der Steirer Christian Hebar betreut den jüngsten Burschen Kader des Österreichischen Tennisverbandes. Im ÖTV Inside Interview berichtet er über die Leistungen seiner Schützlinge des letzten Jahres, warum es so wichtig ist, dass auch junge Spieler an internationalen Turnieren teilnehmen und worauf es beim Training des heimischen Tennisnachwuchses ankommt.

Herr Hebar, wie ist es dem u12 Burschen Kader aus Ihrer Sicht im vergangenen Jahr ergangen?
Sehr gut! Alle Kaderspieler haben sich das gesamte Jahr über gut präsentiert. Heraus gestochen sind vor allem Dominic Thiem (Jg. 93 / NÖTV / ÖTV 2) und David Aschaber (Jg. 93 / TTV / ÖTV 8), die einzigen Spieler, die auf einem internationalen Leistungslevel gespielt haben. Beim Team Bewerb auf Korsika (FRA) haben beide das Finale erreicht. Auch das nächste Turnier in Porto San Giorgio (ITA) galt als internationaler Gradmesser und war ein voller Erfolg. Dominic Thiem konnte das Turnier sogar gewinnen, David Aschaber erreichte das Finale. Die Philosophie dieser gemeinsamen, längeren Turnierreise hat sich bestätigt. Einerseits konnte über einen gewissen Zeitraum mit den Jungs gearbeitet werden, andererseits war die Kombination dieser beiden Turniere gut. Das Erste Turnier war ein Teambewerb, bei dem der Coach auf der Bank sitzt, das unmittelbar darauf folgende Turnier war ein Einzelevent, bei dem wertvolle Erfahrungen des Team Events umgesetzt werden konnten.
Hier hat sich wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass Kinder international schon im frühen Alter eingesetzt werden. Das Kadersystem des ÖTV ist ja auch dafür da, um als neutraler Beobachter an die jeweiligen privaten Trainer Tipps weitergeben zu können und Kindern internationale Turniererfahrung zu ermöglichen.


Wie wird sich Ihr Kader im kommenden Jahr verändern?
Zum einen ergibt sich das ganz natürlich auf Grund des Geburtsjahres. Dominic Thiem und David Aschaber (beide Jahrgang 1993) sind mit 2006 in den u14 Kader gewechselt. Derzeit befinden sich 8 Spieler in meinem Kader. Marcel Hadwiger (Jg. 94 / VTV / ÖTV 1), Teo Puhanic (Jg. 94 / NÖTV / ÖTV 2), Johannes Schretter (Jg. 94 / StTV / ÖTV 3), Erhart Linus (Jg. 94 / VTV / ÖTV 3), Felix Wohlgenannt (jg. 94 / VTV / ÖTV 5), Dominic Weidinger (Jg. 95 / NÖTV / ÖTV 6), Peter Platzer (Jg. 95 / KTV / ÖTV 12) und Thomas Weirather (Jg. 95 / VTV / ÖTV -).
Mann muss aber bedenken, dass dieser Kader komplett neu ist und erst seit ca. zwei Monaten besteht. Es kann sich natürlich laufend etwas ändern. Im Moment stechen bei den 95er Jahrgängen vor allem Weirather und Platzer als sehr viel versprechend für die Zukunft heraus.


Wie ist die Stimmung unter den Spielern beim Training oder auf Turnierreisen?

Es herrscht eine absolut positive Gruppendynamik. Diese wird dadurch gefördert, dass der Kader als Mannschaft gesehen wird. Gleich nach Bekanntgabe des Kaders im Herbst 2005 wurde der erste Lehrgang abgehalten. Es ging in erster Linie darum, sich gegenseitig kennen zu lernen und grundsätzliche, organisatorische Dinge einer Zusammenarbeit mit dem ÖTV den Spielern und den Eltern näher zu bringen. Vor allem die Eltern spielen eine sehr wichtige Rolle im Zusammenspiel zwischen dem Österreichischen Tennisverband und den Spielern.
Weiters hat es sich bewährt, die u12 und u14 Spieler auf Lehrgängen zusammenkommen zu lassen, da hier neben den sozialen Aspekten auch gute Trainingspartner zur Verfügung stehen.

Wie läuft die Vorbereitung für die Turniersaison 2006?

Die Vorbereitung hat Ende des Jahres 2005 in Bergheim begonnen, wo ich in erster Line Spieler gesichtet habe. Jetzt, nach den u12 Staatsmeisterschaften werde ich den Beschickungskader festlegen.

Welche sportlichen Ziele erwarten Sie von Ihrem Kader 2006?

Im u12 Kader sind Ranking oder Punktevorgaben nicht sinnvoll. Es geht vielmehr um einen prozessorientierten Aufbau der Spielanlage. Ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung ist das Controlling. Anhand von sportmotorischen Tests sind die Trainingsergebnisse und Steigerungen eindeutig messbar.
Das Trainingssystem hat sich in den letzten zwei Jahren stark verbessert. Für den u12 Kader gilt es deshalb auch als Ziel international mithalten zu können und in den Bereichen Spielweise und Taktik auf internationalem Level zu sein.
In Bressuire (FRA) und Korsika (FRA) erwarte ich mir eine Standortbestimmung, um abzuschätzen in welche Richtung gearbeitet werden muss und wie der aktuelle Ist-Zustand der Kaderspieler im internationalen Jugendtennis aussieht.

Das Training mit u12 Spielern – also Kindern, gilt als besonders heikel. Wie sollte Ihrer Meinung nach mit dieser Altersklasse trainiert werden.

Generell muss die sportliche Entwicklung der Spieler im Vordergrund stehen und nicht immer die aktuelle Leistung. Dazu gehören auch einmal schlechte Ergebnisse. In diesem Alter handelt es sich um einen Trainingsprozess, und nicht nur um ein Produkt. Das muss aber an alle Trainer und Eltern auch vermittelt werden.
Turnierteilnahmen sollen als Belohnung für das Training gesehen werden. So werden auch die Turnierergebnisse aufgewertet, denn eine Turnierbeschickung ist keine Selbstverständlichkeit sonder wie gesagt eine Belohnung.
Der Leistungsgedanke muss aber auch 12jährigen bewusst gemacht werden. Kinder dürfen erst auf Turniere geschickt werden, wenn sie im Kopf soweit sind, also wenn ein gesunder Wettkampf- und Leistungsgedanke vorhanden ist. Das ist bis dato auch ein großer Unterschied zu anderen Nationen. Eine gewisse Disziplin muss bei Turnieren und auch im Training vorhanden sein.
Natürlich ist auch viel Fingerspitzengefühl notwendig. Nie zu früh Hochjubeln, nicht überbewerten, aber auch nicht unterbewerten. In erster Linie muss die Entwicklung gelobt werden.

Welche Änderungen bzw. Innovationen würden Sie sich für den österreichischen Tennissport wünschen?

Die Lehrgänge in der Südstadt sind toll! Es wäre aber wünschenswert, öfters Lehrgänge abzuhalten um die Kinder auch beisammen zu haben. Es geht aber grundsätzlich in die richtige Richtung.
Damit meine ich auch das Grundkonzept der Südstadt mit Gilbert Schaller. Um erfolgreich zu sein, muss man den internationalen Vergleich immer wieder als Herausforderung annehmen.
Die optimale Geschichte wäre eine Gesamtstruktur am Beispiel des Österreichischen Skiverbandes. Das Gesamtkonzept muss von A bis Z funktionieren. Es muss auch genügend Budget geschaffen und auch bereitgestellt werden um die Trainer richtig auszubilden und zu finanzieren. Motiviertes Personal bekommt man über Bezahlung. Weiters müssen Spieler im Rahmen ihrer Ausbildung von Trainer zu Trainer neidlos weitergegeben werden können. So könnte man Misserfolge ausschließen und Erfolg planen – sprich dann könnte man für die nähere Zukunft sagen „Wenn´s beim Training passt, dann kommt nach und nach auch der Erfolg!“

tp

Top Themen der Redaktion