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ÖTV-Damen verpassen knapp tollen Coup gegen Slowenien

Das Alpstar Billie Jean King Cup Team Austria zieht im zweiten Gruppenspiel den Kürzeren, liegt insgesamt aber dennoch auf gutem Kurs.

Melanie Klaffner, Sinja Kraus ©GEPA pictures/ Walter Luger

Der Klassenerhalt war das ausgegebene Ziel von ÖTV-Teamchefin Marion Maruska beim Corona-bedingt ersten Auftritt von Österreichs Damen im Billie Jean King Cup seit zwei Jahren. Dieses Ziel wäre schon an Tag zwei dieser Länderkampf-Woche fast in mehr als greifbare Nähe gerückt. Das Billie Jean King Cup Team Austria hat in der Europa/Afrika-Gruppe 1 in der Kreisstadt Serik in der türkischen Provinz Antalya im Spiel zwei in Pool B nur ganz knapp eine große Überraschung verpasst. Am Tag nach dem 2:1 über Bulgarien unterlagen die ÖTV-Ladies Dienstagnachmittag den klar favorisierten Sloweninnen mit 1:2 – und zwar erst im alles entscheidenden Doppel. Dennoch liegt man, auch durch den eroberten Siegpunkt, weiter auf gutem Kurs, zumindest den angestrebten Klassenerhalt zu erreichen. Den nächsten Schritt in die Richtung hin kann man am morgigen Mittwoch machen, wenn es ab 9:00 Uhr MESZ diesmal als leichter Favorit gegen Georgien geht.

Marion Maruska, Julia Grabher ©GEPA pictures/ Walter Luger

Zuerst hatte auf die mögliche Überraschung gegen die mit zwei Top-100-Vertreterinnen gespickten Sloweninnen nicht viel hingedeutet. Sinja Kraus (WTA 402) verlor, nach ihrem ersten Einzelsieg überhaupt fürs ÖTV-Team vom Vortag, im Zweier-Duell mit Kaja Juvan (WTA 81) erwartungsgemäß mit 1:6, 4:6, leistete jedoch im zweiten Satz viel Gegenwehr, führte kurz sogar 2:0. Im ersten Durchgang hatte die 19-Jährige zuvor drei Games nach Chancen abgegeben und mindestens ein knapperes Ergebnis verpasst. Im Spitzeneinzel sorgte Julia Grabher für Aufsehen, mit dem besten Sieg ihrer Karriere: Die Vorarlbergerin (WTA 198), die auch schon gegen Bulgarien überzeugt hatte, schlug die Weltranglisten-27., Tamara Zidansek, erstaunlich glatt mit 6:3, 6:3. Im ersten Satz verpasste sie nach Blitzstart knapp die 4:0-Führung, sah sich bei 3:2 wieder, bewahrte jedoch die Ruhe. So auch im zweiten Durchgang, wo sie bei 1:3 und Breakball gegen sich dem Doppelbreak-Rückstand nahe war, mit fünf Games in Serie aber eindrucksvoll den Spieß umdrehte.

Klaffner/Kraus verlieren entscheidendes Doppel nach Satzführung

Somit musste in der Megasaray Tennis Academy, fast direkt am Mittelmeer gelegen, das Doppel entscheiden. Hier setzte man auf das bereits eingespielte Duo Kraus und Melanie Klaffner, das immerhin zwei seiner bis dahin drei Länderkampf-Doppel gewonnen hatte und auch diesmal keineswegs enttäuschen sollte. Mit der nächsten Überraschung sollte es jedoch am Ende knapp nichts werden: Die Wienerin und die Oberösterreicherin zogen gegen die Top-Einzelspielerinnen Sloweniens, Zidansek und Juvan, nach 2:16-stündigem Kampf nach Satzführung mit 6:2, 4:6, 2:6 den Kürzeren. Die Chance auf mehr war dabei absolut gegeben, im zweiten Satz waren der trotz eines 40:15 verfehlte Ausgleich zum 4:4 und der einmal verpasste Ausgleich zum 5:5 der Knackpunkt. Im dritten Durchgang führten Klaffner/Kraus kurz sogar 2:1 mit Break, ließen aber im Finish zu viele Chancen aus: ein 40:15 bei 2:3, eine Rebreakchance zum 3:4 und im letzten Game ein 30:0. Das nützten die Sloweninnen letztlich zum zweiten Sieg am zweiten Tag. Dennoch machten die Leistungen von Österreichs Damen Mut fürs Duell mit Georgien, das hinter Mariam Bolkvadze (WTA 157) keine Einzelspielerin aus den Top 1000 der Welt aufbieten kann – dafür in Oksana Kalashnikova (WTA-Doppel 85) eine ausgezeichnete Doppelspielerin. In der bisher gezeigten Form sollte Rot-weiß-rot allerdings gute Karten besitzen.

Marion Maruska (ÖTV-Kapitänin Alpstar Billie Jean King Cup Team Austria): „Es war ganz knapp. Wir haben gegen eine starke Mannschaft gespielt. Die Bedingungen waren echt extrem schwierig – es war nicht windig, es hat gestürmt. Julia hat wirklich unglaublich gut gespielt, ist auch mit dem Sturm sehr, sehr gut umgegangen. Sinja hat im zweiten Satz eine deutlich bessere Leistung als im ersten geboten, wo sie sich noch nicht ganz an den Wind gewöhnt hatte. Unser Doppel hat den ersten Satz richtig gut gespielt, der zweite Satz war megaknapp, es waren auch sehr viele Chancen dabei. Nichtsdestotrotz wieder eine sehr gute Leistung der gesamten Mannschaft.“

Jürgen Melzer (ÖTV-Sportdirektor und -Davis-Cup-Kapitän): „Schade darum. Nach der Super-Einzelleistung von Julia heute wäre dann fast der Sieg drinnen gewesen. Da hat im Doppel auch nicht viel gefehlt. Man muss fairerweise sagen, dass uns im Einzel der Wind, glaube ich, geholfen hat. Julia ist damit super umgegangen, hat echt tolles Tennis gespielt, den Wind zu ihrem Vorteil genutzt und verdient gewonnen. Sinja hat am Anfang hingegen gehadert und Probleme mit dem Wind gehabt, ist dann im zweiten Satz besser reingekommen. Man hat aber gemerkt, dass die Gegnerin doch besser war. Es tut weh, denn mit einem Sieg heute hätten wir fast um den Aufstieg spielen können. Jetzt heißt es die nächsten zwei Partien gewinnen, damit wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben.“

Julia Grabher: „Mit meinem heutigen Sieg bin ich natürlich zufrieden. Ich habe erstmals eine Top-30-Spielerin geschlagen. Ich glaube, ich habe ein sehr solides Match gespielt und bei den wie gestern sehr windigen Bedingungen sehr, sehr vieles richtig gemacht. Ich habe mich darauf insgesamt besser als meine Gegnerin eingestellt und bin besser damit umgegangen.“

Sinja Kraus: „Das Einzel war unter extrem schwierigen Bedingungen. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben, es war schwer, aufzuschlagen oder taktisch zu spielen. Ich hatte besonders im zweiten Satz auch meine Chancen. Aber sie hat, auch mit dem Wind, sehr gut gespielt und hat am Ende verdient gewonnen. Im Doppel war es sehr, sehr eng. Den ersten Satz haben wir richtig gut gespielt, von hinten und vorne dominiert. Im zweiten Satz hatten wir einige Chancen, die wir nutzen hätten können. Im dritten Satz hört sich 2:6 sehr glatt an – aber eigentlich war es sehr, sehr knapp. Wir haben am Ende unsere Chancen leider nicht verwertet. Aber wir können heute trotzdem alle stolz auf uns sein.“

Melanie Klaffner: „Wir sind super ins Match gestartet, haben einen voll entschlossenen, konsequenten ersten Satz gespielt, unsere Chancen gut genützt, alles gut umgesetzt, uns voll gepusht und sind auch vom Team toll gepusht worden. Wir haben es im zweiten Satz dann nicht mehr ganz so halten können und die Chancen danach nicht mehr ganz zu Ende gespielt. Wir haben aber super gespielt, uns echt wohl gefühlt, und ich glaube, darauf kann man aufbauen. Julia und wir haben bewiesen, dass wir uns vor niemandem verstecken müssen. Wir können mit den Besten mithalten und sie auch schlagen.“

Georg Blumauer (ÖTV-Vizepräsident): „Die Mädels haben alle echt super gespielt und sie sind vor allem irrsinnig gut mit den so schweren Bedingungen zurechtgekommen – Julia sowieso. Das Doppel war wahnsinnig eng und schade, es gab da einige Games, die man gewinnen hätte können. Es war trotzdem eine ansprechende Leistung.“

Spielplan der Europa/Afrika-Gruppe 1 (11. bis 16. April), Pool B

Montag: Kroatien – Schweden 3:0, Österreich – Bulgarien 2:1, Slowenien – Georgien 2:1.
Dienstag: Schweden – Georgien 3:0, Slowenien - Österreich 2:1, Kroatien – Bulgarien 3:0.
Mittwoch: Bulgarien – Schweden, Kroatien – Slowenien, Österreich – Georgien.
Donnerstag: Schweden – Österreich, Georgien – Kroatien, Slowenien – Bulgarien.
Freitag: Schweden – Slowenien, Bulgarien – Georgien, Kroatien – Österreich.

Modus: Die beiden Gruppensieger (Pool A und Pool B) sowie der Sieger des Duells der beiden Gruppenzweiten (am Samstag) qualifizieren sich fürs Weltgruppen-Play-off zum Billie Jean King Cup im November. Die beiden Gruppendritten bestreiten am Samstag ein Platzierungsspiel gegeneinander. Die letzten zwei Teams aus beiden Gruppen spielen hingegen gegeneinander in Kreuzspielen ebenfalls am Samstag gegen den Abstieg in die Europa/Afrika-Gruppe 2.

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