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NACHRUF FÜR WALTER FÖGER

Seinen besten Tennisfreund, Hans Kary, hat er noch am Freitag während des Daviscup-Meetings angerufen, mit ihm und anderen Wegbegleitern wollte er heuer am 30.11. den 90. Geburtstag feiern. Samstag früh ist Walter Föger in Wien für immer eingeschlafen.

Der Skisport war sein Beruf, Tennis seine Leidenschaft

WALTER FÖGER

1917 – 2007


Walter Föger – ein Name, der nur noch älteren Tennisfreunden ein Begriff ist; ein Name, der unser Tennis jedoch viele Jahre lang geprägt hat und der für einen der erfolgreichsten Auslandsösterreicher steht. Gegen Ende eines erfüllten Sportlerlebens wurde der Tiroler vor zehn Monaten in die Ski-Hall of Fame der USA in Ispheming, Michigan, aufgenommen, nachdem er in Jay Peak, Vermont, eine Skischule aufgebaut hatte und die Amerikaner dort den Parallelschwung gelehrt hatte. Die zweite ganz große Auszeichnung für Walter Föger neben dem höchsten olympischen Orden...
Geld gab`s für den jungen Sportler kaum, auch wenn er z. B. in Kitzbühel mit Erfolg an einigen Hahnenkamm-Rennen teilnahm, mit dem IEV österreichischer Eishockeymeister war, und mehrmals Tiroler Meister im Tennis. Auch seine Tochter Eva ist dem Tennis- und Skisport eng verbunden: sie spielte im Wimbledon-Juniorenturnier und ist mit Adrien Duvillard, dem Sieger auf der Streif 1960, verheiratet.
Aus dem zweiten Weltkrieg kehrte Föger als Hauptmann zurück, war 1945 Mitbegründer des Tiroler Tennisverbandes und in weiterer Folge des Kitzbüheler Turniers, damals Cup der Alpenländer, später Head Cup, Generali Open. In Kufstein erbaute er ein Sporthotel mit Schwerpunkt Tennis.
Anfang der Fünfziger war er Cheftrainer der spanischen Ski- sowie Eishockeyteams. Von 1956 bis 72 lebte er in Vermont, schrieb mehrere Ski- und Tennis-Lehrbücher, ja sogar Romane in Englisch, Spanisch und Deutsch.
Der in Innsbruck geborene Walter Föger war schon 56, als ihn der ÖTV-Vorstand im Februar 1973 zum Organisationsleiter bestellte. Dass er auf gut bezahlte Positionen im Ausland verzichtete, hatte mehrere Gründe: er wollte er in seiner Heimat für den geliebten Tennissport etwas bewirken. Und so auch ein Versprechen einlösen, das er sich selbst gegeben hatte, nachdem er als junger Spieler gesperrt worden war. Zu verdienen war damals ja mit Tennis wenig und so hatte er Nachhilfestunden gegeben und Tennis-Zeitungsartikel mit 35 Groschen Zeilenhonorar geschrieben. Das war verboten und die Folge war eine einjährige Sperre...
Vor allem aber lockte die Größe der Aufgabe, der er sich zunächst als Organisationsleiter widmete, dann auch als Daviscup- und Kingscup-Kapitän sowie schließlich mehr als zehn Jahre lang als Generalsekretär von ÖTV-Präsident Dr. Theo Zeh.
Für uns junge Tennisjournalisten war der kleine Mann schwer einzuordnen, es war auch schwierig, seinen Visionen von Turniercircuits in Österreich, Leistungszentren, einem Austria Tennis Pool usw. zu folgen. Er war es, der das Finden der Talente als Hauptaufgabe der Sportverantwortlichen sah. Auf drei Wegen: erstens in Zusammenarbeit mit den Schulen, dann in den Vereinen mit Hilfe der zurückgetretenen Cracks vergangener Jahre. Und drittens mit einer möglichst großen Serie von Turnieren für alle Altersstufen. O-Ton Föger: „Wenn wir die Talente gefunden haben, müssen wir sie testen. Die Kriterien sind Gesundheit, Talent, Leistungswille, Intellekt und Disziplin.“
Als er seine Ideen verwirklicht hatte, im Südstadt-Internat Muster und Co. aufgebaut wurden, der Pool eine bedeutende wirtschaftliche Hilfe geworden war, gab es nur wenige, die in Walter Föger noch den Vater des Erfolges sahen. Sein überschäumender Tatendrang wurde oft belächelt, zehn Themen zur gleichen Zeit hatten manche Panne zur Folge – aber nur im Detail. Oder wegen seines Temperaments. Hans Kary, zunächst Star seines Daviscupteams, später Lebensmensch, der ihn zuletzt in seiner Wohnung in Wien X, Gudrunstraße, fast täglich besucht hat, erinnert sich: „Captain war er nur kurz. Gegen die Schweiz ist der Bobby Pokorny ausgezuckt, Referee Mills hat ihn bestraft und Walter wurde lautstark, war nicht zu beruhigen. Sperre, Ende der Karriere als Kapitän...“
Bis zuletzt hat Walter Föger nicht nur Bücher geschrieben, Fanbriefe aus Spanien und den USA beantwortet, vor allem aber mit seiner Meinung zum österreichischen Tennis nicht hinter dem Berg gehalten. Von der er als streitbarer Tiroler auch kaum abzubringen war...
Kommenden Samstag wird Walter Föger zu Grabe getragen. In Nickelsdorf, wo ihn mit der burgenländischen Familie Pingitzer eine langjährige Freundschaft verband. Wir nehmen Abschied von dem kleinen Mann, der ein ganz Großer des österreichischen Tennis war.



Franz Krynedl






























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