"Mein Leben dem Tennis gewidmet"

Nick Bollettieri ist in Wien eingetroffen. Die Tennis-Legende aus Florida landete am Freitagfrüh am Flughafen Wien-Schwechat und zog bei einem Medientermin am Mittag mit seinen markigen Sprüchen und Geschichten aus jahrzehntelanger Arbeit mit Weltstars wie Andre Agassi, Boris Becker, den Williams-Schwestern oder Maria Sharapova alle in seinen Bann. Ein paar Punchlines gefällig? "Monica Seles hat mich drei Ehefrauen gekostet", "Als Coach muss man auch Psychiater sein" oder "Ich habe mein Leben für meine Spieler geopfert".

Nick Bollettieri wird am Samstag beim ÖTV-Trainerfortbildungsseminar in der Südstadt einen Vortrag halten. Kurzentschlossene können sich noch anmelden. Am Samstagabend wird der Trainerstar beim ProAm im Wiener Colony Club und schließlich auch am Montag beim spark7 KidsDay der Erste Bank Open zugegen sein.

"Tennis-Guru" Nick Bollettieri über …

... sich selbst:
"Ich bin vielleicht nicht der beste Coach, aber sicher der verrückteste. Ich habe Sachen gemacht, die andere nicht gemacht oder bei ihnen nicht funktioniert hätten. Ich habe italienische Wurzeln, ich stehle von hier und dort ein paar Sachen und integriere es in mein System. Und ich habe das Geschenk bekommen, Spieler zu sehen und richtig einschätzen und behandeln zu können. Man muss den Spielern aber auch vorleben, was man ihnen erzählt. Ich stehe noch immer jeden Tag um halb fünf in der Früh auf, gebe meine erste Stunde um sechs. Ich habe mein Leben dem Tennis gewidmet, war 36 Wochen im Jahr unterwegs. Ich habe mein Leben geopfert für die Spieler."

... das heutige Tennis:
"Die Tage, in denen ein Becker mit 17 oder 18 Jahren Wimbledon gewann, sind vorbei. Der Altersschnitt der Top-Spieler ist heute um drei oder vier Jahre höher als früher. Auch die Größe ist heute viel entscheidender als zu Zeiten eines Chang oder Agassi. Heute brauchst du die Technik, den Körper und die mentale Stärke. Novak Djokovic ist 27, wenn er so weitermacht, werden ihn auch in den nächsten Jahren nicht viele schlagen können. Bei den Damen fällt Eugenie Bouchard auf. Sie ist ein wenig wie Maria Sharapova, aber mit mehr Finesse, sie spielt mit etwas mehr Gefühl."

... Dominic Thiem:
"Ich habe gerade vorgestern mit Tommy Haas über ihn gesprochen. Er hat einen exzellenten Aufschlag, eine beeindruckende Rückhand, eine gute Vorhand. Ihr könnt Tommy zitieren: 'He is the real thing!'. Er sammelt gerade sehr viel Respekt, braucht nur noch etwas mehr Erfahrung. Und was er wissen muss: Mit dem Erfolg kommt auch der Druck, noch mehr Erfolg haben zu müssen."

... das österreichische Tennis:
"Wenn Thiem so weitermacht, ist er in einigen Jahren ein absoluter Top-Spieler. Bei den Damen seid ihr zurück, da muss aus dem Nachwuchs wieder etwas aufgebaut werden. Ich kenne Michiel Schapers, er war ein verdammt guter Spieler, hat einen guten Background und wird hier sicher großartige Arbeit abliefern. In der Arbeit mit jungen Spielern ist es wichtig, sie nicht von ihren Trainern zu trennen. Du kannst nicht zu den Trainern hingehen und ihnen sagen: 'Toll gemacht, und jetzt gehört der Spieler mir.'"

... die Arbeit mit jungen Spielern:
"Erfolg kommt durchs Scheitern. Champions erkennst du nicht daran, wie sie siegen, sondern wie sie nach Niederlagen wieder zurückkommen. Talent allein reicht nicht. Der talentierteste Spieler, mit dem ich je gearbeitet habe, war Marcelo Rios. Für ihn sind oft junge Leute stundenlang um ein Autogramm angestanden, aber er ist einfach nicht aufgetaucht, hatte keine Lust. Er hatte keinen Respekt für den Sport."

... die Arbeit mit den zahlreichen Stars, die er trainierte:

"Jeder ist verschieden, sogar Zwillinge sind unterschiedlich. Als Coach musst du ein Top-Trainer und manchmal ein guter Psychiater sein. Monica Seles wollte immer nur trainieren, immer Bälle schlagen. Sie hat mich drei Ehefrauen gekostet. Bei Maria Sharapova war alles immer "Business". Sie wollte nie mit anderen Mädchen trainieren. Bei Boris Becker musste man immer sehr aufpassen, was man zu ihm sagt."

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