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COVID-19

"Plötzlich ist der Daviscup-Termin nicht schlecht"

Daviscup-Kapitän Stefan Koubek spricht über die Zeit ohne Tennis, Chancengleichheit auf Ausüben des Berufs, eine Europa-, Asien- und US-Tour sowie neue Werte, die das Oberflächliche verdrängen.

©GEPA-Pictures

Stefan Koubek arbeitet seit 16. März im Home Office, „gefühlt ist es schon viel länger“. Am 14. April wird der Daviscup-Kapitän seinen „Tennis-Point“-Store in Vösendorf wieder aufsperren, wo er als Country Manager auch zuständig ist für Sales & Partnership.

Werden dir die Leute am Dienstag die Tür einrennen?
Das glaube ich nicht. Die Sportstätten sind ja zu, der Bedarf an Equipment ist daher überschaubar. Aber ich denke, dass wir einige Schläger zum Tunen oder Besaiten reinkriegen werden, damit die Leute gut vorbereitet sind, wenn die Saison los geht.

Wie hast du die Wochen seit der Ausgangssperre verbracht?
Täglich grüßt das Murmeltier. Aber in meinem Fall ist das ein Jammern auf hohem Niveau. Ich habe das Glück, in einem kleinen Haus zu wohnen. Dort bin ich mit meinem sechsjährigen Sohn, der sich viel alleine beschäftigt. Es gibt viele Felder und Gärten in der Nähe, wir gehen spazieren, fahren Rad, schießen mit dem Bogen. Ich räume zusammen, sortiere Sachen, miste aus, repariere ein paar Dinge im Haus. Zum Sport komme ich kaum, dafür esse ich oft und gut – die Kilos gehen nach oben .

Wie sehr fehlt es dir, Tennis zu spielen?
Nicht, dass ich jetzt jeden Tag auf dem Platz stehen würde. Aber das Gefühl, nicht Tennis spielen zu können, weil die Plätze zu sind, ist schon komisch.

ATP und WTA werden bis Mitte Juli keine Turniere austragen. Wann glaubst du, werden die Profi-Touren wieder den Betrieb aufnehmen?
Klar wird es möglich sein, irgendwann Turniere zu veranstalten. Aber Tennis ist ein internationaler Sport. Die Frage ist also, wer anreisen kann. Es braucht eine globale Besserung, um ein faires Turnierleben zu starten. Gibt es etwa ein Turnier in Europa, dürfen die Amerikaner nicht kommen. Diese Spieler wollen antreten, dürfen aber nicht. Es fehlt die Chancengleichheit auf Ausüben des Berufs. Das ist das Hauptproblem von ATP und WTA. Vermutlich wird man warten, bis alles wieder hundertprozentig normal ist. Andererseits muss man die Turnierveranstalter verstehen, die alles daran setzen, ihr Event durchzuziehen, um am Leben zu bleiben.

Wie könnte eine Lösung aussehen?
Dass man heuer eventuell wie im Golf eine Europa-, Asien- und US-Tour durchführt. Aber was das Ranking betrifft, ist dieser Ansatz auch nicht wirklich fair. Trotzdem glaube ich, dass man sich etwas überlegen wird müssen. Denn die Sportler sind arbeitslos. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass – sollte es zu einer Lösung kommen – die ATP- und WTA-Saison bis in den Dezember hinein dauern könnte.

Was hieße das für das Daviscup-Finalturnier Ende November in Madrid, für das sich Österreich qualifiziert hat?
Viele Spieler haben sich über diesen späten Termin beschwert, sie wollten nach dem ATP-Saisonfinale eine Pause machen. Plötzlich ist dieser Termin nicht schlecht. Die Chance ist groß, dass viele dabei sein wollen. Es gibt zwar keine Punkte, dafür recht viel Geld, das die meisten sehr gut gebrauchen können. Aber man muss aufpassen: Erstens, wie sich die Lage in Spanien entwickelt. Zweitens, ob tatsächlich so viel Geld ausgeschüttet werden kann, wie geplant. Es gibt überall Kürzungen, die Weltwirtschaft leidet sehr unter den Auswirkungen der Corona-Krise.

Kannst du dieser Krise auch Positives abgewinnen?
Man merkt, was wirklich wichtig ist. Man verbringt intensiv Zeit mit der Familie. Man merkt mit der Zeit, wie Oberflächliches verloren geht.

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