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INTERVIEW: "TENNIS MUSS DERZEIT IM VORDERGRUND STEHEN, ABGERECHNET WIRD MIT 16, 17 ODER 18"

Anfang Mai gewann Lena Reichel (Bild) in Kordin ihr erstes ITF-18u-Turnier, in Istanbul versucht sie das jetzt erneut. Wolfgang Reichel, Lenas Vater und Trainer, über die aktuelle Doppelbelastung mit Einzel und Doppel, den typischen Arbeitstag im Leben einer (noch) 13-Jährigen und die externe ÖTV-Förderung, "die für Lenas aktuelles Leistungsniveau absolut in Ordnung ist."



11. Mai 2011


Privat steht bei Ihrer Tochter am 17. Mai der 14. Geburtstag ins Haus. Und sportlich?
Unser nächstes Turnier ist das ITF Kat. 4-Turnier in Istanbul. Was danach kommt, ist noch nicht ganz sicher. In Budapest (ITF Kat. 4/24.5. - 29.5.; Anm.) ist sie derzeit noch als "Alternate" auf der Liste. Daher weiß ich jetzt noch nicht, ob sie da fix hineinkommt. Wenn nicht, dann spielt sie in Montenegro (Niksic; Anm.) das Kat. 4-Turnier. Diese Turniere werden in etwa so stark besetzt sein wie das Turnier in Malta, das sie vor kurzem gewonnen hat.

Gutes Stichwort: Was war Anfang Mai in Kordin denn mit Lena "los"? Gleich bei ihrem ersten ITF-18u-Turnier rast sie von der Quali bis ins Finale, gewinnt das dann auch noch und gibt im Verlauf des gesamten Turniers keinen einzigen Satz ab.
Sie hat in letzter Zeit über eine längere Phase schon sehr gut gespielt und hat "es" konstant durchgebracht. Saint-Genevieve des Bois (7.3. -13.3.; Anm.) war schon sehr gut, hat dann aber gegen diese Griechin (Valentini Grammatikopoulou; Anm.) im Viertelfinale verloren, die dann das Turnier gewonnen hat. Da war halt das Problem, dass sie noch nicht die Doppelbelastung aus Einzel und Doppel so richtig aushält. Sie wollte diesem Tennis Europe-Turnier unbedingt Doppel spielen, hat dann gegen Katarina Jokic eine richtig harte Einzel-Partie gehabt und anschließend daran auch noch ein Doppel. Und am nächsten Tag war sie dann richtig müde.

Sie betonen aber doch immer wieder, dass Lena konditionell top ist ...
... stimmt schon. Sie ist sehr fit. Laut den Tests ist sie super. Das haben wir zuletzt bei ihrem Aufnahmetest für die Südstadt-Schule gesehen. Was dabei auch wieder einmal herausgekommen ist: Sie ist mit ihren zwölfeinhalb Jahren körperlich allerdings sehr retardiert. Das hat sie von ihren Eltern - meine Frau und ich sind auch Spätentwickler gewesen. Die Spielerinnen, gegen die sie verliert, sind durch die Bank wesentlich größer als sie. Das soll jetzt keine Ausrede sein! Sie ist körperlich super, aber diese Doppelbelastung ist im Moment zuviel für sie. Sie hat schon beim Tennis Europe-Turnier in Antalya (30.4. - 8.5.; Anm.) sehr gut gespielt, dann aber im Viertelfinale gegen diese Russin (Darya Kasatkina; Anm.) blöd verloren, weil sie viel zuviele Fehler gemacht hat. Wie gesagt, das ist derzeit das Problem bei: Sie spielt drei Matches gut, und "bricht" beim vierten dann ein bissl ein. Das muss sie jetzt noch in Griff bekommen.

Wie sieht eigentlich ein typischer Arbeitstag Ihrer Tochter aus?
Das kommt immer auf die Schule drauf an. Grundsätzlich ist es aber so, dass sie pro Tag immer eine Konditions- und eine Tenniseinheit hat, jeweils eineinhalb Stunden. Manchmal macht sie noch eine zweite Tenniseinheit, da aber nur Aufschlag oder Return. Am Montag hat sie z. B. Schule bis 11:00 Uhr. Unmittelbar danach geht es los mit dem Konditraining. Danach hat sie Pause und am Abend dann Tennistraining. Gott sei Dank funktioniert das mit der Schule (Sporthauptschule Hetzendorf; Anm.), auf die sie derzeit geht, sehr gut.

Würden Sie es akzeptieren, wenn sie die Schule abbrechen wollen und Ihnen sagen würde: "Papa, ich will mich jetzt voll auf eine Tenniskarriere  konzentrieren"?
Das kommt darauf an. Grundsätzlich bin ich nicht so dafür, dass sie gar nichts für ihre Bildung machen soll. Ich finde es logischerweise gut, wenn Kinder lernen. Bei uns wird es vermutlich aber daraus hinauslaufen, dass wir das Ganze irgendwann einmal auf Home School ändern werden. Klar, dass Tennis bei ihr im Moment an erster Stelle steht. Ich will aber unbedingt, dass sie eine Ausbildung macht und finde es auch gut, wenn sie bei Turnieren eine Stunde pro Tag etwas für die Schule macht. Das bringt ihr über Umwege schließlich auch für die Konzentration am Platz etwas. Auf der anderen Seite muss das Tennis gerade jetzt aber unbedingt im Vordergrund stehen. Sollte es mit der Tenniskarriere nichts werden, kann sie die Schule mit 18 immer noch nachholen. Würde sie die Zeit am Tennisplatz aber jetzt verpassen, wär's mit der Karriere schon jetzt vorbei. Die endgültige Abrechnung werden wir dann mit 17, 18 oder 19 machen. Dann werden wir sehen, wie sie die nächsten Jahre auf der Tour vor allem vom Kopf her verkraftet.

Wo sehen Sie hier die größten Gefahren?
Es wird nicht immer so sein, dass sie ein Turnier nach dem anderen gewinnt. Die größte Herausforderung wird sein, dass sie - auch wenn sie Rückschläge hat - motiviert bleiben wird.

Warum wollte Lena eigentlich unbedingt Tennisprofi werden? Waren’s seinerzeit im Fernsehen die Williams-Sisters oder doch mehr der Job des Vaters?
Der Hauptgrund war, dass mir mein Vater eine Tenniskarriere kaum ermöglicht hat. Deshalb hab ich von Anfang an gesagt: Wenn meine Kinder talentiert sind und Tennis spielen wollen, dann ermögliche ich ihnen das auch. Wir haben diesen Weg daher mit der Lisa (Schwester; Anm.) begonnen, die allerdings nicht ganz soviel Talent wie die Lena hatte. Lena hat die Lisa immer am Tennisplatz gesehen und ist so mit diesem Virus infiziert worden. Also haben wir gesagt: Okay, dann spielst du halt! So richtig hab ich mich um die Lena allerdings zunächst gar nicht gekümmert. Dann hat sie mit fünf bei uns ein Tenniscamp gespielt, bei dem sehr gute Kinder dabei waren - und auf einmal gewinnt sie das! Das war der Zeitpunkt, wo ich mir gesagt habe: Vielleicht sollte ich sie mir doch etwas näher anschauen!

Und was haben Sie da gesehen?
In erster Linie das, dass sie den großen Vorteil hat, dass sie ES unbedingt will - für sie ist spielen und gewinnen das Höchste. Für mich gibt es zwei Kategorien von Spielern: Da ist einmal der Typ, der leicht gewinnt. Und dann der Typ, der erst über den Kampf zum Sieg kommt. Und die Lena ist ein Mädel, das leicht gewinnt.

Was kostet eigentlich eine Saison?
So hoch wie's bei der Babsi Haas ist (Interview mit Raimund Stefanits), sind wir noch nicht. Wir sind aber auch schon bei einer saftigen Summe angekommen. Wir haben Gott sei Dank vom ÖTV eine ordentliche Förderung bekommen, die für ihr aktuelles Leistungsniveau absolut okay ist. Zusätzlich erhält sie als Spielerin des WTV-Leistungskaders noch 3.500 Euro.

Wie lange "ruht" dieses Geld am Konto und wirft Zinsen ab?
(lacht) Nicht wirklich lange. Es war so, dass uns z. B. alleine das Turnier in Kordin (Malta) 1.900 Euro gekostet hat. Istanbul wird uns wahrscheinlich auch soviel kosten. Dann kommen auch noch die Hallenstunden dazu, der Konditrainer kostet auch etwas. Zusätzlich dazu haben wir für heuer die Orange Bowl geplant und wollen länger als 2010 in Amerika bleiben: Lena hat in Bradenton bei Ellis Ferreira (ehemaliger südafrikanischer Tennisprofi; Anm.) trainiert. Das wollen wir heuer ein bißchen mehr machen. Es ist also eine Lawine, mit der wir im Moment aber noch fertig werden. Auch mithilfe von Superfund, die uns auf Sponsorbasis unterstützen, obwohl sie im Moment eigentlich gar keine Gegenleistung erbringen kann, weil sie aufgrund ihres Alters und ihrer Resultate noch nicht regelmäßig in den Medien vertreten ist. Das wäre aber etwas, das ich gar nicht wollen würde: Ich finde es überhaupt nicht gut, wenn Jugendliche so früh in den Himmel gehoben werden. Dadurch wird ein Druck aufgebaut, mit dem viele Kids vielleicht gar nicht fertig werden.








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