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INTERVIEW: PATRICK OFNER-TRAINER GERALD HEBEIN - "ANDEREN SPIELERN MUSS MAN ÖFTERS IN DEN A... TRETEN, IHM NICHT!"

Mit dem Finaleinzug beim ITF-Kat. A-Turnier in Mailand in der Vorwoche ist Patrick Ofner erstmals der Sprung unter die Top Ten der Jugend-Weltrangliste gelungen. Der Hintergrund dieses Erfolgslaufs ist "im Vergleich mit Thiem, Novak oder Eibl ein fast schon unprofessionelles Umfeld. Aber eines, das für ihn so anscheinend richtig ist" (Gerald Hebein). In der kommenden Woche startet der 18-jährige Kärntner bei den French Open.


PATRICK OFNER


25. Mai 2011

In Umag gewinnt Patrick Ofner im September 2010 sein erstes Kat. 1-Turnier, in Villach vor zwei Wochen rast er ohne Satzverlust zum Turniersieg, in der Vorwoche kann er in Mailand erst im Finale eines ITF Kat. A-Turniers gestoppt werden. In Mailand schlägt er noch dazu die Nummer 5 (Mate Pavic) und dann auch noch die Nummer 2 (Hugo Dellien) der Weltrangliste und ist jetzt die Nummer 10 der Welt ...
... ich bin selber noch ganz baff, was dieser Bursche da gerade leistet. Wenn man ihn daheim sieht und dann auswärts bei Turnieren - das sind teilweise zwei komplett andere Menschen. In Kärnten haben wir noch dazu das Problem, dass wir für ihn nur wenige passende Trainingspartner haben. Wie schnell er sich bei diesen Turnieren aber anpassen und umstellen kann, das ist schon phänomenal und verblüffend.

Hat sich diese Leistungsexplosion in irgendeiner Form abgezeichnet?
Im September 2010 hat er bei der Junioren-EM in Klosters gegen den Weltranglisten-Ersten Jiri Vesely in drei Sätzen nur ganz knapp verloren, und erst da ist mir so richtig bewusst geworden: In dem Burschen steckt noch viel mehr!

Wenn man ihn mit anderen Spielern im gleichen Jahrgang vergleicht, die teilweise ein wesentlich größeres Team um sich herum haben, wie ist es dann zu erklären, dass Patrick jetzt unter die Top Ten der Weltrangliste vorgestoßen ist?
Das ist eine Frage, auf die ich nicht wirklich eine Antwort habe. Aber ich muss schon zugeben: Wenn man Patricks Team mit jenem anderer Spieler vergleicht, dann ist seines in gewisser Weise total unprofessionell. Aber anscheinend passt es genau so für ihn. Sonst wäre er in der Weltrangliste nicht so weit vorne. Eine sehr wichtige Bezugsperson ist für Patrick z. B. ein sehr guter Freund, der selber recht gut Tennis spielt. Mit ihm spielt er sehr viel privat Tennis oder geht mit ihm ins Fitnesscenter. Enorm wichtig ist logischerweise auch sein Vater, der ihn oft auf Turniere begleitet.

Als Journalist schreibt man in Zusammenhang mit Patrick gerne und oft "der Schützling von Jerry Hebein". Was bedeutet das eigentlich konkret?
Ich hab ihn immer wieder trainiert - wie es halt mein Hauptjob (KTV-Generalsekretär; Anm.) zulässt. Intensiver machen wir das aber erst seit zwei Jahren. Und zwar auf der Basis, dass ich zu ihm gesagt habe: Wenn er zum Training kommt, dann muss er wirklich wollen! Ich will niemanden antreiben und kann ihn auch nicht auf Turniere begleiten. An und für sich funktioniert das so ganz gut.

Wer sind Patricks Trainingspartner?
Im letzten Winter war es besser. Da sind der Walter Treu und der Herbert Wiltschnigg zur Verfügung gestanden. Von diesen beiden hat Patrick sehr viel profitiert. Jetzt ist Walter Treu allerdings ausgefallen, weil er als Arzt im Krankenhaus seinem eigentlichen Beruf nachgeht, und Herbert Wiltschnigg war den gesamten Winter lang verletzt. Das heißt, wir haben entweder alleine miteinander trainiert oder es war Lisa Rückenbaum dabei. Also weitaus schwächere Sparringpartner als bisher. Deshalb wundert es mich, wie er sich immer wieder umstellen und auf dem Niveau und mit dem Tempo spielen kann, das ihm in den letzten Wochen diese Erfolge gebracht haben.

Wer betreut ihn während der Turniere im Ausland?
Zum größten Teil ist er komplett alleine unterwegs. So wie es jetzt in Villach war, nutze ich das aber natürlich aus und schau ihn mir an. Oder letztes Jahr hatte es sich so ergeben, dass ich nach Klosters mitgefahren bin.

Habt ihr euch schon überlegt, wie es mit ihm und seinem Umfeld weitergehen soll, sobald er regelmäßig auf der Future-Tour unterwegs sein wird?
Sein Ziel war es bereits im Vorjahr, soviele ITF-Punkte zu sammeln, dass er jetzt bei den Grand Slam-Turnieren mitspielen kann. Dieses Ziel hat er bald einmal erreicht gehabt, und jetzt will er Future-Turniere immer wieder einmal einstreuen. Er wird heuer daher auch in Pörtschach mitspielen, wo er im Vorjahr seinen ersten ATP-Punkt geholt hat. Er geht da konsequent seine eigene Linie, die ihm so taugt und von der er überzeugt ist, dass es die richtige ist. Was aber tatsächlich in den kommenden Monaten möglich sein wird, das wird man erst sehen - er will nämlich im nächsten Jahr unbedingt maturieren.

Stimmt, Patrick ist eigentlich noch gar kein Tennisprofi, sondern "bloß" ein Schüler, der nebenbei sehr erfolgreich Tennis spielt ...
... stimmt, er ist im SSLK, im Schulsportleistungsmodell Kärnten. Das gesamte Konditionstraining wird von der Schule aus organisiert. Patrick ist noch dazu ein Bursche, der sehr viel alleine macht. Anderen Spielern muss man vielleicht öfter in den Allerwertesten treten und sagen: So, jetzt geh einmal laufen. So etwas macht er von sich aus! In dieser Hinsicht ist er extrem zielstrebig. Er hat für sich selber einen Plan erstellt, was er alles wann und wie erreichen will.

Was steht da z. B. für die French Open auf seinem Plan, die nächste Woche beginnen?
Welches Minimalziel er für sich selber vorgegeben hat, das weiß ich nicht. Beim "Plan" geht es mehr um die Trainingspläne. Am Beginn der Wintersaison hat er mir einen Trainingsplan in die Hand gedrückt: Du, Jerry, wäre es möglich, dass wir Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag dieses oder jenes trainieren? Da war alles ganz genau aufgeschlüsselt - unter der Woche das Training mit mir, am Wochenende trainiert er dann bei Sportunion Klagenfurt.

Genau diese Eigenständigkeit hat
im September 2010 Ex-KTV-Präsident und Melzer-Manager Ronnie Leitgeb in einem Interview mit tennisnet.com kritisiert: "Ich hätte ihm gerne alle Türen geöffnet, egal wo in der Welt, ich hab ihm das vor zwei Jahren angeboten. Er ist aber nicht bereit, Kärnten zu verlassen." Ein derartiges Angebot bekommt man nicht jeden Tag ...
... dieses Angebot gilt in gewisser Weise aber auch heute noch. Wenn Patrick bei seinen Turnieren irgendetwas braucht, dann kann er ihn jederzeit anrufen.

Derzeit hat Österreich mit Patrick Ofner (ITF 10), Dominic Thiem (ITF 13) und Dennis Novak (ITF 61) drei Spieler unter den Top 100 der Jugend-Weltrangliste, und mit Michael Eibl (ITF 102) klopft der nächste bereits an. Patrick geht in Kärnten seinen eigenen Weg, Thiem und Novak werden von Günter Bresnik an die Spitze herangeführt, Eibl trainiert in der Südstadt. Offensichtlich gilt das Sprichwort doch: "Viele Wege führen nach Rom" ...
Ich hab schon immer gesagt, dass es kein Patentrezept gibt, um Spitzenspieler zu produzieren. Patrick ist z. B. auch ein Spielertyp, der von einem Turnier zurückkommt und tagelang dann den Schläger auf die Seite legt. Das machen auch nur die wenigsten. Würde ich ihm als Trainer in dieser Phase sagen: "Weiter! Komm! Training!" - das hätte bei einem wie ihm überhaupt keinen Sinn. Er hat selber ein sehr gutes Gespür dafür, was er an Training und Regeneration wirklich braucht, um gut zu werden.

Wäre es für ihn sportlich aber nicht wertvoller, wenn er regelmäßig mit den besten Jugendlichen des Landes trainieren könnte, die ihren Trainingsmittelpunkt nun einmal im Osten Österreichs haben?
Auf jeden Fall. Deshalb sag ich ihm, dass er so oft wie möglich auf Turniere fahren muss, denn nur dort hat er die Trainingsmöglichkeiten und Partner, die er braucht. Ich habe ihm z. B. geraten, dass er im März gemeinsam mit Michael Eibl nach Südamerika fährt. Er hätte sich dort anhängen können. Das ist dann halt von der Schule aus nicht gegangen. Ich glaube aber, dass vieles mit der Matura, die er als Standbein unbedingt haben will, anders werden wird. Danach wird er durchstarten. Er hat noch dazu den Vorteil, dass er von der biologischen Entwicklung her jünger als ein "normaler" 18-Jähriger ist. Deshalb macht es nicht wirklich etwas aus, wenn er zuerst die Schule fertig macht und erst dann richtig einsteigt.

Wie viele neue Sponsoren haben nach den aktuellen Erfolgen eigentlich "angeklopft"?
Nicht allzuviele. Mich freut es aber unheimlich, dass "Kärnten Sport" und da v. a. der Landessportdirektor Reinhard Tellian den bisherigen Vertrag um einiges aufstocken wird. Das wird für Patrick - genauso wie die externe ÖTV-Förderung - eine enorme Hilfe für die nächsten Schritte weiter nach vorne sein.

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