Zum Inhalt springen

ATP

INTERVIEW: NICO REISSIGS LANGER WEG ZURÜCK +++ "BIS ICH WIEDER TURNIERE SPIELEN KANN, DAUERT ES NOCH EWIG"

Am 29. Juli wurde Nico Reissig aufgrund eines Kreuzbandrisses, eines Seitenbandrisses sowie eines Einrisses im Meniskus in der Salzburger Privatklinik Wehrle vom ÖSV-Arzt und Kniespezialist Gerhard Oberthaler operiert. Drei Monate später kann das 22-jährige Südstadt-Talent "hin und wieder einmal zehn Minuten geradeaus laufen. Mehr ist noch nicht drinnen."


19. Oktober 2011

Seit deiner Verletzung im Achtelfinale des Challengers in Dortmund sind mittlerweile drei Monate vergangen. Wie geht es dir jetzt?
Was die Einstellung betrifft, geht es mir gut. Das passt mittlerweile wieder.

Was meinst du mit "das passt wieder"?
Unmittelbar danach war ich weniger auf die Situation, in die ich geraten bin, angefressen, denn damit muss man immer rechnen. Ich hab mehr die Angst gehabt, dass ich mir eine Verletzung zugezogen habe, die nur sehr schwer wieder verheilen wird.

Sind bei dir jemals Gedanken aufgekommen wie z. B. Was mach ich mit meinem Leben, wenn ich nie wieder Tennis spielen kann?
Vielleicht ganz am Anfang unmittelbar danach. Aber eigentlich bin ich nie wirklich davon ausgegangen.

Hast du heute eigentlich noch Schmerzen?
Ja, wieder! Weil ich in letzter Zeit sehr viel trainiert und viel Kraft "gemacht" habe, sind jetzt Beschwerden aufgetaucht, weil das scheinbar fürs Knie etwas zu viel gewesen ist.

Wie lange hat die erste Phase der Rehabilitation gedauert?
Bis 14. Oktober war ich in Aspach ("Revital Aspach"; Anm.), danach hab ich wieder nach Hause gehen können. (lacht)Wenn man das überhaupt "gehen" nennen darf. Jetzt mach ich ganz normal mit einem befreundeten Physiotherapeuten aus Salzburg mit der Therapie weiter.

Wie sieht derzeit für dich ein typischer Tag aus?
Im Moment heißt es für mich: Vollgas beim körperlichen Arbeiten! Ich steh im Schnitt jeden Tag um 7:00 Uhr auf, geh frühstücken, und danach hab ich von 8:00 Uhr bis durchschnittlich 18:00 Uhr durchgehend Therapie. Jede halbe Stunde hab ich entweder Magnetfeld- oder Stromtherapie. Oder Eis wird aufgelegt oder Moor. Kraft- und Koordinationstraining ist aber genauso dabei wie Ergometer - einfach alles, was die Sportwissenschaft auf Lager hat.

Du hast dir am 27. Juli im rechten Knie einen Kreuzbandriss, einen Seitenbandriss sowie einen Einriss im Meniskus zugezogen. Was kannst du mit deinem Knie mittlerweile wieder machen? Und was ist noch nicht möglich?
Im Moment kann ich das Knie unter Schmerzen bis auf 120 Grad abwinkeln. Das ist nicht wirklich weit, aber es ist in letzter Zeit schon sehr viel weitergegangen. Auch das Kniestrecken geht derzeit nur mit Schmerzen, was aber absolut normal ist. Woran es noch happert, ist die Beweglichkeit. Dafür hab ich aber im Bereich der Kraft in den letzten Wochen einiges aufholen können. Da bin ich schon wieder ganz gut beinander. Es ist aber trotzdem alles noch sehr weit weg von links-rechts-Laufen. Geradeaus nach vorne laufen geht schon langsam. Mehr als hin und wieder zehn Minuten sind aber noch nicht drinnen, weil das Knie das noch nicht aushält.

Erinnerst du dich eigentlich noch an diese Sitatuation beim Challenger in Dortmund, die zu dieser Verletzung geführt hat? Hast du irgendetwas falsch gemacht oder war es schlicht und einfach eine „Shit happens“-Situation, die auch einem Djokovic, Nadal oder Federer jederzeit passieren kann?
Denen würde so etwas kaum passieren, denn die dürften auf so einem Platz gar nicht spielen. Es hat den ganzen Tag davor und dann auch am Vormittag ständig geregnet. Nachdem es dann für eine halbe Stunde aufgehört hat zu regnen, sind wir schon am Platz gestanden und haben gespielt. Während dem Match hat es erneut begonnen zu regnen. Es war aber immer so ein Mittelding zwischen rutschigem und trockenem Untergrund. Vor der eigentlichen Verletzung bin ich schon einmal ausgerutscht und hab mir ein bissl an der Leiste wehgetan, was aber nicht wirklich schlimm war. Ich kann mich aber sicherlich nicht beschweren, da er (Martin Klizan; Anm.) ja die gleichen Bedingungen gehabt hat und ich mit 4:1 im dritten Satz ganz klar auf der Siegerstrasse unterwegs war. Dann bin ich aber übermütig geworden und zu einem Ball zurückgelaufen, der ziemlich weit weg war und rutsch' hinten in so ein Eck hinein, in dem auch ein Loch drinnen war. Der Fuß ist hängen geblieben. Zack! Und aus! Ich hab sofort gewusst, dass das keine normale Zerrung, sondern etwas Schlimmeres ist.

Du bist am 29. Juli vom Kniespezialisten Gerhard Oberthaler und seinem Team operiert worden. Wie lautet derzeit die Prognose der Ärzte? Wann stehst du wieder am Tennisplatz? Wann spielst du vielleicht wieder Turniere?
Die Prognose wäre gewesen, dass ich nach sechs, sieben Monaten wieder am Platz stehen darf und dann das erste Mal aus dem Stand, ohne mich zu bewegen, spielen darf. So wie es jetzt ausschaut, wird das aber schon vier oder fünf Monate nach der Verletzung der Fall sein. Bis ich aber wieder Turniere spielen kann ... das dauert noch ewig.

Wie sehr geht dir dein Leben als Tennisprofi eigentlich ab?

Natürlich vermisse ich das alles. Die Verletzung hat aber - auch wenn das jetzt vielleicht blöd klingt - ihre guten Seiten. Ich war in den letzten Wochen soviel wie noch nie davor daheim. Im "normalen" Leben als Tennisspieler verbringe ich meine turnierfreie Zeit in der Südstadt. Jetzt bin ich bei den Eltern, bei der Schwester, bei der Freundin, treffe Freunde - das alles hab ich sonst nicht.


 VERWANDTE ARTIKEL 

» 10. August 2011
NICO REISSIGS WEG ZURÜCK - OP DURCH ÖSV-KNIESPEZIALISTEN, REHAB, BUNDESLIGA-FINALE IN SALZBURG +++ "WIR HOLEN DEN TITEL FÜR NICO"

» 28. Juli 2011
BIS ZU SECHS MONATE PAUSE FÜR NICO REISSIG +++ KREUZBAND- UND SEITENBAND GERISSEN, DER MENISKUS EINGERISSEN!

» 27. Juli 2011
NICO REISSIG VERLETZT SICH VERMUTLICH SCHWER AM KNIE +++ GILBERT SCHALLER: "DIE BITTERSTE STUNDE MEINER TRAINER-KARRIERE"



Top Themen der Redaktion

ATP

"Es war ein Vergnügen - auch wenn ich verloren habe"

Dominic Thiem unterlag bei den ATP-Finals in London zum zweiten Mal in Folge im Endspiel. Der Niederösterreicher musste sich dem Russen Daniil Medvedev, der mit Fortdauer der Partie nimmer stärker wurde, in drei Sätzen geschlagen geben.

Wochenvorschau

23. - 29. November 2020

Kalenderwoche 48: Wer? Wann? Wo?

Talent Filip Misolic hat sich in Bratislava für die Qualifikation eingetragen.

ATP

Eine legendäre Leistung, die unbelohnt blieb

Nach tollen Partien bei den ATP-Finals in London mussten sich Jürgen Melzer und Partner Roger-Vasselin im Champions-Tiebreak des Endspiels dem Duo Koolhof/Mektic mit 5:10 beugen. Für Melzer war es das letzte Match auf ATP-Ebene.