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Davis Cup

INTERVIEW MIT JOAKIM NYSTRÖM: "GUTE CHANCEN AUF'S DAVIS CUP-VIERTELFINALE"

Davis Cup-Assistant-Coach und Ex-Melzer-Trainer Joakim Nyström (re. neben Davis Cup-Captain Clemens Trimmel) über Melzers beste Siegesstrategie gegen Tomas Berdych, 60 Grad Temperaturunterschied zwischen Melbourne und Astana und wie Clemens Trimmel Down Under gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte.


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17. Jänner 2013

Wirst du dir das morgen das Match deines ehemaligen Schützlings Jürgen Melzer gegen Tomas Berdych anschauen?
Leider, nein. Ich war zwar in Melbourne, bin aber seit letztem Freitag schon wieder zurück in Schweden.

Worauf wird es deiner Meinung nach ankommen?
Jürgen wird schon sehr, sehr gut spielen müssen, um als Sieger vom Platz gehen zu können. Er sollte nahe an der Linie stehen, um von dort aus seine Shots abfeuern zu können und Berdych soviel wie möglich zu bewegen.

Es ist schon ein bisschen crazy, dass unsere Spieler in Melbourne ausgerechnet auf jene Spieler getroffen sind bzw. treffen werden, gegen die sie entweder in der ersten Davis Cup-Runde (Kasachstan) spielen werden oder – wenn alles gut geht – vielleicht im Viertelfinale (Tschechien) treffen könnten: zuerst Haider-Maurer auf Korolev, danach Jürgen Melzer auf Kukushkin und morgen eben auf Berdych. Für einen Coach eigentlich eine ideale Situation.
Eine derartige Situation hat man tatsächlich nicht jeden Tag. Das ist wie ein Blick in die Zukunft. Für Clemens waren bzw. sind diese drei Matches wie drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Perfekt für die Vorbereitung auf die nächsten Davis Cup-Partien!

Bis Juni 2012 hast du Jürgen als Touringcoach begleitet. Hat er sich in seinem Spiel seither stark verändert?
Um ehrlich zu sein: Ich habe seither nicht allzu viele Matches von ihm gesehen. Ich habe ihn im Sommer 2012 in Cincinnati und bei den US Open gesehen, da ich dort ohnehin mit meinem neuen Schützling Jack Sock war. Danach habe ihn noch in Brisbane bei seinem Erstrunden-Match gegen Denis Kudla gesehen, das er in drei Sätzen gewonnen hat.

Melzers größtes Problem in der vorjährigen Saison war, „dass ich zu passiv bin, zu weit hinter der Linie stehe. Ich muss wieder der Spieler werden, der das Spiel diktiert.“ Hat er dieses Ziel schon erreicht?

Im Match gegen Kudla war es so, dass er den ersten Satz zumindest sehr leicht verloren und nicht wirklich gut gespielt hat. Danach hat er sich aber erfangen und das Match ziemlich souverän nach Hause gespielt. Das ist ihm gelungen, da er wesentlich aggressiver als noch im ersten Satz gespielt hat.

Welcher Erfahrungen hast du bereits mit Jürgens neuem Trainer Alexander Waske gesammelt? 

Ich weiß, dass er vor seiner Trainerkarriere auf der Tour Doppel gespielt hat. Ich kenne ihn aber noch nicht als Trainer.

Jürgen will Ende dieser Saison in der Weltrangliste eine Position um die 20 erreichen. Ein realistisches Ziel?
Das ist auf jeden Fall möglich! Ob er dieses Ziel aber tatsächlich erreichen wird, wird v. a. davon abhängen, ob sein Körper mitspielt. Bleibt er gesund und wird nicht immer wieder von kleinen Verletzungen gequält, ist alles möglich! Dann wird, so glaube ich, ein ziemlich gutes Jahr vor ihm liegen.

Nur wenige Tage nach den Australian Open steht die erste Davis Cup-Runde (1. - 3.2.2013) am Programm. Wie schwierig wird deiner Meinung nach für das ÖTV-Team die Umstellung vom Hardcourt in Melbourne auf den Sand in Astana?
Für uns "Österreicher" ist es auf jeden Fall sehr gut, dass wir auf Sand spielen dürfen. Dass Jürgen und AHM auf diesem Untergrund sehr gut sein können, haben sie schon mehrmals bewiesen. Deshalb sind die Chancen ziemlich groß, dass wir diese Partie gegen Kasachstan gewinnen können. Unsere Burschen dürften bis dahin gut in Form sein.

In Melbourne hatte es aufgrund einer Hitzewelle zuletzt 40 Grad, in Astana ist mit Temperaturen um minus 15 Grad, vielleicht sogar minus 20 Grad zu rechnen – ein Unterschied von nahezu 60 Grad! Wie soll man das denn verkraften?

(lacht)Gott sei Dank, spielen wir in Astana in der Halle. Und selbst, wenn das nicht der Fall wäre: Ihr Österreicher seid als geborene Skifahrer doch ohnehin die typischen "Schneemenschen". Und auch mir als Schweden macht die Kälte nicht wirklich etwas aus.

Du hast dir in Melbourne auch jene Spieler Kasachstans angeschaut, die bei den Australian Open angetreten sind.

Ja, schon, aber nicht alle. Kukushkin habe ich nicht gesehen, bei seinem Match gegen Jürgen ist Clemens im Publikum gesessen. Was ich aber so gehört habe, war, dass Kukushkin nicht wirklich fit in diese Partie hineingegangen ist. Sobald er aber wieder fit ist, ist er auf jeden Fall der solideste Spieler der Kasachen. Korolev habe ich in seinem Match gegen Haider-Maurer gesehen und Golubev habe ich bei seinem ersten Quali-Match in Melbourne gegen Ruben Bemelmans gesehen, das er glatt verloren hat. Diese beiden sind typische Up-and-down-Spieler. Ich glaube daher, dass wir gegen Kasachstan zwar aufpassen müssen, dass die Chancen auf ein Viertelfinale aber nicht so schlecht sind.

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