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INTERVIEW: CLEMENS TRIMMEL ÜBER MELZER & CO IM VIERTELFINALE, TOP-TALENTE IN DER SÜDSTADT UND ÖSTERREICHS NÄCHSTEN TOP 100-SPIELER

Am 1. Jänner 2012 tritt Clemens Trimmel (re. neben ÖTV-Präsident Wolner) seine Doppelfunktion als ÖTV-Sportdirektor und Davis Cup-Captain an. "Das ist etwas, das ich nach meiner aktiven Karriere und nach meiner wirtschaftlichen Ausbildung immer machen wollte."

27. Oktober 2011

CLEMENS TRIMMEL ÜBER ...

... seine beiden neuen Jobs: Das ist etwas, das ich nach meiner aktiven Karriere und nach meiner wirtschaftlichen Ausbildung immer machen wollte. Wir haben Anfang dieser Woche den Vertrag für drei Jahre unterschrieben. Los gehen wird es für mich dann im Jänner 2012. Ich bin bis Mitte November noch fix angestellt (bei bwin; Anm.) und werde dann Zeit haben, mich auf den neuen Job und die neue Herausforderung vorzubereiten.

... Österreich im Davis Cup: Österreich steht in der Weltsportart "Tennis" ziemlich gut da, auch wenn Österreich in den letzten Jahren eine "Pendelnation" war. Trotzdem war Österreich in der Weltgruppe regelmäßig vertreten, und das ist ein toller Erfolg. Der Schlager gegen Russland Anfang Februar beweist das. Und hier muss definitiv das Viertelfinale das große Ziel sein. Zuletzt ist uns das vor 16 Jahren gelungen. Wenn alle fit sein und alle eine Topleistung bringen sollten und wir bei einer tollen Veranstaltung mit dem Publikum im Rücken spielen, dann ist das durchaus zu schaffen.

... die sportliche Rivalität in Österreich: Das ist für mich ein wichtiger Begriff, der notwendig und essenziell ist. Es soll und muss aber bei dieser "sportlichen" Rivalität bleiben. Ich werde mich nicht auf Grabenkämpfe einlassen, sondern versuchen, diese positive Rivalität zu fördern. Das betrifft Privatinitiativen in Zusammenarbeit mit dem Verband, Landesverbänden etc. Ich bin sicherlich der letzte, der gegen Privatinitiativen ist. Ich finde so etwas sehr gut. Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass es ein starkes nationales Leistungszentrum geben muss. Am Ende des Tages steht dann aber wieder das große Ziel, nämlich ein gutes Davis Cup- und Fed Cup-Team zu haben. Wo die SpielerInnen herkommen, ist dann eher zweitrangig.

... seine wichtigsten Ziele: Der für mich wichtigste Eckpfeiler im österreichischen Tennis ist die Kommunikation. Es wird in Österreich - was das Tennis betrifft- viel zu wenig kommuniziert. Österreich ist ein viel zu kleines Land, in dem jeder einzelne nicht seine eigenen Brötchen backen sollte. Ziel muss sein, gemeinsam zu arbeiten. Da nehme ich Privatinitiativen, Landesverbänden, den Nationalverband, Spieler, Betreuer, Manager, Eltern nicht aus. Ich werde daher auch versuchen, Leute, die sich in der Vergangenheit vielleicht nicht allzu positiv über den Verband geäußert haben, an einen Tisch zu bringen, um dann gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Ein weiteres großes Ziel für 2012 ist, die besten Talente zwischen 14 und 18 im Leistungszentrum Südstadt zu konzentrieren.

... das Leistungszentrum Südstadt: Ich erinnere mich noch ganz genau daran, als ich mit 14 den Anruf erhalten habe und gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, in der Südstadt zu trainieren. Für mich war das damals eine Riesenehre, mit Spielern wie z. B. Stefan Koubek in der Gruppe mit Petr Hutka als Cheftrainer trainieren zu können. Dort müssen wir wieder hin. Wir müssen versuchen, die besten nationalen Nachwuchsspieler in die Südstadt zu bekommen - immer in enger Kooperation mit Privatinitiativen, Landesverbänden etc. Logischerweise muss da aber auch das Paket stimmen, das der Verband anbieten kann. Ein wichtiges Stichwort ist hier "Internationalisierung der Südstadt". Das betrifft die Spieler genauso wie die Trainer, Betreuer, Mitarbeiter usw. Ein Vorbild ist für mich der französische Verband, in dem ehemalige ProfispielerInnen schon seit Jahren in sämlichen Positionen Funktionen übernehmen.

... Österreichs nächsten Top 100-Spieler: Eine schwierige Frage. Es ist aber offensichtlich, dass Dominic Thiem ein heißer Kandidat ist. Das ist ein Spieler, der zuletzt mit seinen beiden Partien in der Stadthalle bewiesen hat, dass sehr viel Potential vorhanden ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man einem noch nicht fertigen Spieler wie ihm noch zwei, drei Jahre Zeit geben und ihn in Ruhe arbeiten lassen sollte. Derzeit steht er nämlich vor der wichtigsten Phase in seiner Karriere, in der er im Herrentennis Fuß fassen will. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht gerade einfach ist.


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