"Interessante Aufgabe, aber auch große Herausforderung"

Stefan Koubek ist der neue Kapitän des SIMACEK AUSTRIAN DAVIS CUP TEAM. Im Interview berichtet er über seine erste große Aufgabe, die Zusammenstellung des Teams für den Länderkampf in Schweden, und das "höchste Ziel, das ich mir stecken kann", mit Österreichs Team wieder zu den besten 16 Nationen der Welt zu gehören.

Stefan, vor dreieinhalb Jahren durfte ich mit dir jenes Interview führen, bei dem du dein Karriereende als Spieler bekanntgabst. Dabei habe ich dich auch gefragt, ob du dir vorstellen könntest, irgendwann den Posten des Davis Cup-Kapitäns zu übernehmen.

Jetzt hast du deine Antwort (lacht). Als mich der ÖTV kontaktiert und gefragt hat, ob ich dazu bereit wäre, habe ich gesagt: Ja, natürlich! Das ist für mich eine interessante Aufgabe, aber auch eine große Herausforderung, wie ich mittlerweile weiß.

Du sprichst von der Team-Zusammenstellung für das Schweden-Match.

Der Termin ist leider eine Katastrophe. Am Kalender wird ja immer etwas herumgedoktert, aber diesmal war das Doktorspiel nicht so gut. Nach den Australian Open wäre es um einiges besser gewesen, weil zu diesem Termin die meisten Spieler zurück ins Land kommen. Der Termin Anfang März mit Indian Wells direkt danach ist schwierig, weil wir dort drei Spieler dabei haben. Dominic Thiem steht im Hauptfeld, bei Andreas Haider-Maurer sieht es so aus, als könnte er noch rein rutschen, aber Jürgen Melzer muss in die Qualifikation. Der Davis Cup geht bis Sonntag, die Quali startet am Dienstag und die Reisezeit ist 20 Stunden. Das heißt, Jürgen müsste da wirklich in den sauren Apfel beißen, worauf ich aber natürlich ganz stark hoffe.

Abgesagt hat aber noch niemand, oder?

Nein, das nicht. Es gibt schon eine fixe Zusage von Alex Peya, Absagen noch keine. Dominic Thiem habe ich am Dienstag in der Südstadt kurz getroffen und auch mit Günter Bresnik länger gesprochen. Der derzeitige Status ist, dass sie sich anschauen, wie Dominic in den nächsten Wochen spielt. Er hat heuer noch kein Match gewonnen und ohne Selbstvertrauen ist es besonders beim Davis Cup schwierig, weil noch ein zusätzlicher Druck hinzukommt. Vor allem aber will er im ATP-Ranking weiterkommen und sich auf das 1000er-Turnier in Indian Wells bestmöglich vorbereiten. Ob er den Davis Cup bestreitet, steht genauso in den Sternen wie bei Jürgen Melzer und Andreas Haider-Maurer, der Schweden irgendwie zwischen Acapulco in Mexiko und Indian Wells einschieben müsste und damit reisetechnisch das Bummerl hat.

Wie kannst du in den nächsten Wochen auf die Spieler einwirken, um ihnen den Davis Cup schmackhaft zu machen?

Für mich war es immer eine Ehre, Davis Cup zu spielen, genauso wie es jetzt eine Ehre ist, Davis Cup-Kapitän zu sein. Ich hoffe, ich kann das den Spielern weitervermitteln. Ein Jürgen Melzer ist da sowieso sehr ähnlich, wenn nicht ganz gleich. Er hat immer seinen Mann gestanden und war für den Davis Cup verfügbar, genauso Alex Peya. Die anderen werde ich zu überzeugen versuchen. Ich kenne die Jungs alle sehr gut, sie kennen mich und ich habe auch das Gefühl zu wissen, woran ich bei ihnen bin. Aber um wirklich sagen zu können, wer spielen wird, ist es noch zu früh. Nur: Wenn man wirklich spielen möchte, findet man einen Weg.

Wann muss das Team stehen?

Am 24. Februar ist die Nominierung, am 1. März fliegen wir nach Schweden.

Apropos Schweden, was kannst du uns über den Gegner sagen?

Schweden ist definitiv nicht mehr die Tennisnation, die sie einmal war. Aber sie haben mit Elias Ymer einen sehr guten jungen Spieler, der mit 18 Jahren schon in den Top 200 steht und zu einer Gefahr werden kann. Dazu haben sie ein sehr gutes Doppel. Robert Lindstedt und Johan Brunström sind jetzt auch schon länger dabei und haben gemeinsam noch kein Spiel im Davis Cup verloren.

Mit wem planst du im Doppel?

Mit Alex Peya haben wir den Top-Doppelspieler Österreichs fix dabei. Mit ihm habe ich mich am Dienstag getroffen und übers Doppel unterhalten. Grundsätzlich ist mein Plan, mit drei Einzelspielern und Alex hinzufahren. Ich hoffe natürlich am meisten auf Jürgen Melzer, weil er im Einzel und im Doppel eine Macht ist. Sollte ich keinen Einzelspieler dabei haben, der auch sehr gut Doppel spielt, muss ich mir überlegen, ob ich zwei Doppelspieler mitnehme.

Egal, in welcher Formation: Das Ziel muss der Aufstieg sein, oder?

Wir werden ein Team stellen, das stark genug ist, um gegen Schweden zu gewinnen. Diese Hürde sollten wir nehmen, dann hätten wir uns ein Heimspiel gegen die Niederlande erspielt. Das wäre dann wieder einmal so eine Veranstaltung, bei der wirklich was los ist. Auf das arbeite ich hin.

Dein Vertrag läuft zunächst für das Jahr 2015, ist der Aufstieg in die Weltgruppe in dieser Zeit machbar?

Das ist das höchste Ziel, das ich mir stecken kann. Aber wenn ich nicht in die Weltgruppe kommen wollte, bräuchte ich mich gar nicht auf die Bank setzen. Ich will das, das Team will das und ganz Tennis-Österreich will, dass wir wieder bei den 16 besten Nationen der Welt mitspielen. Aber zunächst bin ich glücklich, wenn ich alle Spieler zusammentrommeln kann und wir die Aufgabe Schweden lösen. Dann bin ich sicher, dass wir auch zuhause gegen Holland voll aufgestellt sein werden.

Du bist seit Kurzem neben deiner Davis Cup-Tätigkeit auch Geschäftsführer bei Tennis-Point in Wien. Wie einfach oder schwierig ist es, diese beiden Jobs zu vereinen?

Das kann ich dir in einem Jahr sagen. Ich glaube, dass es zu handlen ist. Beim Davis Cup ist man drei Wochen im Jahr definitiv nicht da. Dann gilt es natürlich auch, Vorarbeit zu leisten, zu den Grand Slams zu fahren, Gegnerbeobachtung zu machen und die eigenen Spieler zu unterstützen. In Kontakt mit den Spielern zu bleiben ist bei den technischen Möglichkeiten heute sowieso kein Problem. Tennis-Point ist ein Fulltime-Job und der Aufbau des Geschäfts in Wien wird nicht ohne sein. Aber ich habe mir davor ja auch zwei Jahre Auszeit für meine Familie genommen, der kleine Bub ist jetzt im 17. Monat. Diese Zeit habe ich sehr genossen, aber jetzt war es auch höchste Eisenbahn, dass wieder Aufgaben auf mich zukommen und auf diese freue ich mich sehr.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

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