"Immer wieder, immer wieder Österreich"

Stefan Ungerhofer vom österreichischen Davis Cup-Fanclub gibt einen Einblick in das Seenlenleben eines Fans während der Auswärtsbegegnung Anfang März in Örebro.

"Alter Schwede" oder: "Wie man an einem Wochenende, an dem man als Favorit eigentlich nur verlieren kann, alles gewonnen hat!"

"Lästige Pflichtaufgabe", "G'mahte Wies'n" oder "Im Vorbeigehen" - was hat man nicht alles im Vorfeld der Daviscup-Partie gegen die Schweden lesen müssen!? Es war für viele ausgewiesene Experten und auch solche, die es noch werden wollen, glasklar: am zweiten Tag muss die Begegnung 3:0 für uns entschieden sein. Umso größer war da natürlich bei all jenen der Aufschrei am Samstag, als unser Team mit dem Rücken zur Wand 1:2 zurück lag.

Unser Fanclub war mit einer kleinen, aber feinen Truppe vor Ort live dabei und hat Stimmung und Situation im Team hautnah miterlebt. Es war ein ständiges Auf und Ab der Gefühle über die drei Tage gesehen, mit einem - wie wir alle wissen - Happy-End.

Wir sind zwar keine zertifizierten und ausgebildeten Filzkugel-Experten. Zu den vielen Weisheiten, die im Vorfeld und an den ersten beiden Tagen auf das Team eingeprasselt sind, möchte ich dennoch kurz unsere Sicht präsentieren:

Rückstand = Blamage?
Die erste Partie am Freitag hat uns vor allem in den ersten beiden Sätzen und im fünften ordentlich überrascht. Elias Ymer hat wirklich frisch und frei aufgespielt und ordentlich Druck gemacht. Unserer Meinung nach kann man Jürgen keinen Vorwurf machen. Am Ende war einfach auch gehörig Pech dabei. Aber: Respekt für Elias, so wie der gespielt hat, kann man gegen ihn verlieren!

Die zweite Niederlage am Samstag war fast durchgehend eine klare Sache, die muss man einfach als solche hinnehmen: Jürgen und Alex sind aktuell nicht in ihrer Bestform, das ist zu akzeptieren und das ist auch ok so, denn die beiden sind keine Maschinen. Und auf der Gegenseite stand mit Robert Lindstedt (Doppel-Grandslam-Sieger Australian Open 2014) und Johan Brunström ein eingespieltes Daviscup-Doppel, das die letzten sechs Partien gewonnen hat.

Fazit: Von einer Blamage kann keine Rede sein.

Österreichische Nervenstärke = AHM!
Was wurde schon wieder darüber spekuliert, ob Andreas Haider-Maurer seine Leistung der letzten Wochen auch dann abrufen kann, wenn er unter Druck steht. Die neue Rolle als Nummer 1 im Team sei ungewohnt und könnte ihm Probleme bereiten, hieß es. Was Andi uns da am Freitag und Sonntag gezeigt hat, war wirklich beeindruckend: Er musste zweimal bei Rückstand mit dem Wissen auf den Platz, dass es vorbei ist, wenn er verliert. Er hat in der ersten Partie seine Leistung abrufen können, deshalb Christian Lindell vom Platz gefegt und ohne Probleme gewonnen.

Sein Match gegen Elias Ymer war aber in den ersten beiden Sätzen keine "g’mahte Wies'n", sondern wirklich eng und psychisch fordernd. In allen kritischen Situationen war Andi aber enorm fokussiert, hat viel Nervenstärke gezeigt und den Sack schließlich zugemacht.

Fazit: Ganz starke Kopfsache von Andreas Haider-Maurer.

Sonntag = Glückssache?
Nach der Niederlage im Doppel waren zwar alle – bis auf uns Fans – ein wenig geknickt, aber der neue Captain Stefan hat seine Sache wirklich gut gemacht und die Jungs wieder aufgerichtet. Die beiden Siege am Sonntag haben das gezeigt, sie waren aber in keinster Weise eine Glückssache. Andi hat seine aktuelle Stärke auf dem Platz zeigen können und somit den wichtigen Ausgleich als Basis für den Sieg souverän geholt.

Das Auftreten von Gerald ist aber in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben und zeigt, wie man an eine so große Aufgabe herangeht. Gleich beim Einlaufen kam die Faust in Richtung unserer Fangruppe und mir war zu diesem Zeitpunkt klar: Er will diese Partie, er übernimmt die Verantwortung für diese Partie und er wird das Ding heim spielen. Sein Gegenüber Christian Lindell kam mit Kopfhörern angedackelt, man hat gespürt, dass er eigentlich ganz woanders sein wollte, nur nicht auf diesem Platz.

Fazit: So geht man die Sache an, Riesenapplaus für Gerald!

Jürgen Melzer = Hut ab!
Unser Daviscup-Rekordspieler hat derzeit eine schwierige Phase mit vielen Niederlagen. Dann weiß er, dass er zwei Tage später in der Hitze von Indian Wells Quali spielt - und dennoch hält er dem Team die Treue! Zudem feuert er nach den zwei Niederlagen am Wochenende seinen Bruder Gerald auch noch ordentlich an. Da braucht es keine Worte mehr außer: Jürgen – Chapeau!

Papierform = "wurscht"!
Hören wir bitte endlich auf, die Weltranglistenpositionen der aufgestellten Spieler zu addieren, den Mittelwert zu bilden und gegenüberzustellen. Im Daviscup herrschen besondere Gesetze: die Stimmung, das Coaching durch Captain und Mitspieler, der Heimvorteil, usw. - das sind alles Einflüsse, die grundlegend andere Voraussetzungen für die Matches schaffen.

Wir sollten im Vorfeld IMMER den Gegner als gleichwertig akzeptieren, selbst wenn man auf dem Papier haushoher Favorit ist. Beispiele dafür, dass alles andere in die Hose gehen kann, gibt es genug. Ein Grund mehr, IMMER mit der bestmöglichen Mannschaft anzutreten. Der wichtigste Grund dafür ist für mich aber ein anderer: Ein Team kann nur genau dann funktionieren, wenn man sich kennt, auch abseits des Platzes funktioniert, Zeit gemeinsam verbringt, Spaß hat und zusammenwächst. Das kann man im Daviscup am besten bei Partien, die aus spielerischer Sicht keine Bestbesetzung verlangen. Das schweißt die Truppe zusammen und schafft Verständnis für schwierigere Aufgaben.

Fazit: Verwerft alle Argumente gegen die Teilnahme, die darauf aufbauen, dass der Gegner schwächer ist. Daviscup ist mehr als Matches spielen, das ist Feuer und Spirit!

Zum Abschluss sei mir noch ein kurzer Ausblick gewährt: Unser Fanclub hatte vorletztes Wochenende viel Spaß und hat, denke ich, eine ordentliche Leistung abgeliefert. Unser Ziel ist es immer, für einen halben Punkt des Teams verantwortlich zu sein. Ich denke, das haben wir geschafft. In der nächsten Runde geht unser Wunsch nach einer Heimpartie nach langer Zeit endlich wieder in Erfüllung. Es liegt auch in unserer Verantwortung, diese Gelegenheit beim Schopf zu packen und aus der Partie gegen die Niederlande ein richtiges Tennisfest zu machen. Und verlasst Euch drauf, das werden wir auch packen! "Immer wieder, immer wieder, immer wieder: Österreich"

Stefan Ungerhofer / Daviscup Fanclub

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