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"Ich will mit Azarenka spielen!"

Österreichs jüngste und aktuellste Siegerin eines ITF-Turniers (Oberpullendorf) Mira Antonitsch im Interview-Doppel mit ihrem Trainer Thomas Strengberger über ihren Erfolgslauf, der mittlerweile schon 14 Siege lang andauert, das Duell zwischen Dr. Roland und ihrem Trainingsprogramm und welche Parallelen das 15-jährige Nachwuchstalent mit Dominic Thiem hat.



Kannst du dich an deine letzte Niederlage eigentlich noch erinnern?

Mira: Das müsste im November 2013 gewesen sein, als ich in Luxemburg im Viertelfinale ausgeschieden bin.

Seither hast du inklusive der Österreichischen u16-Hallenmeisterschaften und auch sämtlicher Doppeleinsätze 14 Matches in Folge gewonnen.
Mira: Ich habe seit diesem Turnier in Luxemburg sehr viel trainiertund sehr viel an der Fitness gefeilt. Es war ein sehr anstrengendes und sehr hartes Training. (lächelt)Aber wie man jetzt sieht, hat es sich anscheinend gelohnt. Ich könnte mich bei Thomas über dieses harte Training ja beschweren. Viel lieber bedanke ich mich aber dafür bei ihm.

Ist Mira grundsätzlich ein Mädchen, das maunzt, sobald das Training härter wird?
Thomas: Mira ist eine Spielerin, die nicht unbedingt jammert. Sie ist aber sehr ungeduldig, wenn z. B. gewisse Übungen am Court nicht sofort so funktionieren wie sie es sich vorstellt.

Eine Eigenschaft, die man grundsätzlich als positiv einschätzen könnte.
Thomas: Einerseits ist es positiv, dass sie so hochmotiviert ist. Andererseits kann sie dadurch aber auch leicht in eine destruktive Phase "hineinfallen". Trotzdem ist mir ein solcher "Sturschädel" tausend Mal lieber als eine Spielerin, die man permanent motivieren müsste.

Was schon seit längerem auffällt: Du gewinnst meistens gegen ältere Gegnerinnen - 2013 bei den Österreichischen Meisterschaften z. B. gegen die um acht Jahre ältere Kathrin Weinwurm - und dann auch noch meistens ohne Satzverlust. Gibt’s dafür irgendeine logische Erklärung?

Mira: Ganz ehrlich? Ich wüsste nicht, welche. Ich habe ganz einfach in den letzten beiden Turnieren (u16-Hallenmeisterschaften, ITF-Turnier in Oberpullendort; Anm.) sehr gut gespielt und das, was ich im Training spiele, jetzt auch einmal während eines Turniers gut umgesetzt. Und weil ich in letzter Zeit sehr viel Fitness trainiert habe, konnte ich auch die langen Ballwechsel meistens positiv abschließen. Das war sicherlich ausschlaggebend dafür, dass es derzeit bei mir so gut läuft.

Letzte Woche ist dir in Oberpullendorf der erste ITF-Titel im Einzel gelungen. Wie fühlt sich das an?
Mira: Einfach nur sehr, sehr gut!

2014_01_20_12.48.16

Im Einzel hast du zuletzt im November 2013 einen Satz abgegeben, in Oberpullendorf hast du pro Match kaum mehr als vier Games abgegeben, und bei den Österreichischen Hallenmeisterschaften (u16) Anfang Jänner war die einzige, die dir Schwierigkeiten bereitet hat, Anna-Lena Neuwirth.
Mira: Dassoll jetzt auf keinen Fall Anna-Lenas Leistung schmälern oder eine Ausrede sein, aber ich hab an diesem Tag sicherlich nicht mein bestes Tennis gespielt. Anna-Lena hat mich mit ihrem aggressiven Tennis ziemlich überrascht und mich oft in die Defensive gedrängt. Der erste Satz war ziemlich eng, und es war dann sicherlich ausschlaggebend, dass ich mich im Tiebreak durchsetzen und dann im zweiten Satz viel freier spielen konnte.

Unmittelbar nach diesem Match gegen Neuwirth hat dann gleich die nächste große Herausforderung auf dich gewartet ...
Mira: ... stimmt! Ich musste eine große Mathe-Prüfung in der Maturaschule Dr. Roland absolvieren. Damit ich mich wirklich perfekt auf meine künftige Profikarriere vorbereiten kann, haben wir - meine Familie und ich - schon vor einiger Zeit gesagt, dass sich nach der fünften Schulklasse in meinem Tagesablauf einiges ändern muss, um durch die Schule nicht mehr soviel Belastung zu haben. Mit dem Programm der Maturaschule Dr. Roland haben wir jetzt eine Möglichkeit gefunden, dass ich die Schule künftig nur mehr extern absolviere und ich nur mehr zu den Prüfungen in die Klasse muss.

Wie kann man sich eine derartige Prüfung vorstellen?
Mira: Man geht ganz normal in die Klasse und dann kommt eine Prüferin, zu der man nach vorne gehen und sich seine Fragen abholen muss. Ich hab an diesem Tag z. B. vier Fragen bekommen und hatte eineinhalb Stunden Zeit, um sie zu beantworten. (lächelt)Und dann stellt sich bloß die Frage, ob du das auch kannst oder nicht! Das war die schriftliche Prüfung, die mündliche war dann eine Woche später. Die nächste große Prüfung steht dann im März am Programm: Spanisch.

Eine Sprache, die du dir freiwillig ausgesucht hast?
Mira: Mehr oder weniger. Man muss bei Dr. Roland nämlich unbedingt eine Fremdsprache erlernen. Und Spanisch hat mir schon immer sehr gefallen. Außerdem wollte ich, wenn ich Interviews von Rafael Nadal gehört oder gelesen habe, sie auch unbedingt verstehen. Jetzt funktioniert's damit schon ganz gut.

Wie würdest du einer blinden Person die Tennisspielerin Mira beschreiben?
Mira: (überlegt lange)Ichwürde mich als Spielerin beschreiben, die versucht, so oft wie möglich das Spiel zu bestimmen. Ich kann jetzt aber auch schon sehr gut aus der Defensive in die Offensive kommen. Das hat früher nicht so gut funktioniert, deshalb haben wir daran sehr intensiv gearbeitet. Insgesamt bin ich sicherlich eine eher aggressive Spielerin, die nicht darauf wartet und hofft, dass die Gegnerin einen Fehler macht.

Mira spielt ein wesentlich höheres Tempo als die meisten anderen Mädchen in ihrem Alter. War das schon immer so oder lässt sich eine derartige "Eigenschaft" auch antrainieren?
Thomas: Sowohl als auch.Sie hatte schon immer schnelle Schläge, und es hat sie immer interessiert, auf die "Kugel" draufzugehen. Nichtsdestotrotz trainiert man das aber auch tagtäglich. In jüngeren Jahren ist das vielleicht nicht unbedingt optimal, was die Ergebnisse betrifft. Im Junioren- und später im Damen- bzw. Profitennis ist ein derartiges Tempo aber unbedingt nötig, um Erfolg zu haben.

Mira: Eine meiner Stärken - das sagen auch meine Trainer immer wieder - ist sicherlich, dass ich vor allem mit der Vorhand sehr schnell, aber auch sehr sicher spielen kann. Das ist offensichtlich ein Spiel, das vielen Gegnerinnen oft zu schnell wird. Früher war es oft noch so, dass ich zwar sehr schnell, aber nur selten ins Feld hineingespielt habe. Daran haben wir in den letzten Monaten sehr intensiv gearbeitet, sodass ich jetzt sowohl zügig als auch sicher spielen kann. Mittlerweile weiß ich sehr genau, was ich zu tun habe, wenn ich auf den Platz hinausgehe.

Vergleiche mit anderen Spielern herzustellen ist riskant und nicht immer zielbringend. Versuchen wir es trotzdem einmal: Ist Mira vergleichbar mit Dominic Thiem im gleichen Alter?
Thomas: Ein solcher Vergleich ist schwierig. Aber: Ähnlich wie früher beim Dominic wussten wir auch bei Mira von Anfang an, dass sie über sehr gute Schläge verfügt. Und ähnlich wie bei Dominic waren die Ergebnisse nicht so zeitig da wie man es sich vielleicht erwartet oder erhofft hätte, wenn man sieht, wie sie sich im Training präsentiert. Eine weitere Parallele ist sicherlich, dass beide für ihr Alter schlagtechnisch schon sehr, sehr weit sind.

Antonitsch_Strengberger

Woran muss noch geschliffen und gefeilt werden?
Mira: An der Beinarbeit und an der Lösung, wie man sich möglichst schnell und sicher zum Ball hinbewegt, muss ich noch sehr intensiv arbeiten. Oder: Wie bewegt man sich zu diesen Bällen hin, die eigentlich kaum erreichbar sind, und bekommt sie aber trotzdem noch "giftig" über's Netz? Dann ist da auch noch der Aufschlag und noch viele andere Sachen, die noch lange nicht perfekt sind. Das Wichtigste ist jetzt einmal: Das Basistennis ist da. Um all das andere in die richtige Richtung zu bekommen, spielt "Strengi" viele, viele Bälle und Punkte mit mir und macht mich oft so richtig "fertig". Ich bin aber froh, dass ein solch körperintensives Training jetzt wieder möglich ist

Du meinst, weil du 2013 gleich zwei Mal Probleme mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel gehabt hast?
Mira: Ja. Insgesamt konnte ich ein halbes Jahr lang keine Turniere spielen. Den ersten Faserriss habe ich mir während eines Turniers auf Malta zugezogen, als ich in der dritten Runde einen blöden Schritt gemacht habe und danach aber trotzdem unbedingt weiterspielen wollte. Danach musste ich einen Monat lang aussetzen, ehe ich wieder locker mit Tennis beginnen konnte. Danach wollte ich unbedingt das Turnier in Amstetten spielen. Die Woche darauf bin ich nach Deutschland gefahren. Dort hätte man das Match eigentlich unterbrechen müssen, da es extrem geschüttet hat. Sie haben es aber nicht gemacht, ich bin ausgerutscht und so ist es wieder passiert. Erst nach dieser Verletzung wurde meine Partie unterbrochen. Ich wollte danach aber unbedingt weiterspielen und hab das Match sogar noch gewonnen. Das war vielleicht nicht so schlau, und die Folge war eine sechsmonatige Pause ...

... die wahrscheinlich alles andere als lustig für dich war.
Mira: Mir war extrem langweilig. Hin und wieder bin ich mit meinem Papa am Platz gestanden und hab ein paar Bälle hin- und hergeschupft. Sehr viel mehr war da aber nicht!

Weißt du eigentlich wie dein Vater früher gespielt hat?
Mira: Weiß ich, ja. Ob sein Tennis schneller oder langsamer war als es das heutige ist, kann man aus diesen Videos auf Youtube nicht wirklich erkennen. Ich finde aber seine Art am Platz, wie er die Gegner manchmal vera... hat, ziemlich witzig. Ich hab mir z. B. das eine Video von seinem Wimbledon-Match gegen Ivan Lendl (Achtelfinale 1990; Anm.) schon öfters angeschaut. Das war einfach nur witzig.

Hätte dein Vater heute Chancen gegen dich?
Mira: Wir spielen eigentlich so gut wie nie gegeneinander. Wenn wir trainieren, dann spielen wir kaum Punkte, sondern spielen nur hin und her. (schmunzelt)Er hat aber schon öfters gesagt, dass ich ihm schön langsam zu schnell werde.

Wenn du es dir aussuchen könntest: Mit welchem Spieler oder welcher Spielerin würdest du gerne einmal am Platz stehen?
Mira: Ganz klar: Victoria Azarenka. Ich hab sie schon einmal in Linz getroffen, nachdem Sandra Reichel und Barbara Schett das eingefädelt haben. Das war ein unfassbares Erlebnis für mich. Ich bin mit hochrotem Kopf vor ihr gestanden und hab fast kein Wort herausgebracht. Aber mit ihr oder gegen sie einmal spielen zu können, das wäre der absolute Wahnsinn!


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