"Ich will keine Spieler, die gut, aber unglücklich sind"

Florian Pernhaupt ist als Sportkoordinator des ÖTV für die Umsetzung des neuen Sportkozepts verantwortlich. Ein Einblick in die Arbeitswelt der Konditions-Koryphäe, die 2004 zum Trainer des Jahres gewählt wurde.

Florian Pernhaupt ist „der Flo“. Springen tun trotzdem die Anderen, wenn sie der harte Hund mit dem weichen Kern nach seiner Pfeife tanzen lässt. „Ich bin analytisch, aber menschlich“, sagt der Sportlehrer, „niemand hat etwas davon, wenn die Sportler gut, aber unglücklich sind.“

Der Flo wurde vor zwei Jahren beim ÖTV angestellt, um unter dem damaligen Sportdirektor Clemens Trimmel die operativen Abläufe zu übernehmen und den konditionellen Bereich zu leiten. Nachdem Robert Groß im März 2015 das Präsidentenamt übernommen hatte, stieg Pernhaupt zum Sportkoordinator auf. Gemeinsam mit Groß, Marion Maruska, Jürgen Waber und ÖTV-Geschäftsführer Thomas Hammerl entwickelte er das neue Sportkonzept, das am 1. Jänner 2016 in Kraft tritt. „Es gab angeregte Diskussionen, herausgekommen ist nichts Pathetisches, sondern ein Ergebnis, mit dem man etwas anfangen kann. Das Sportkonzept ist eine gesunde Basis, ein grundgesunder Entwurf. Nach ein paar Monaten werden wir sehen, wo sich das Konzept eindeutig bewährt und wo wir eventuell nachbessern müssen“, sagt der 45-Jährige.

Grundvoraussetzung für die Umsetzung des Sportkonzepts sei eine intensive Zusammenarbeit mit den Trainern und Jugendreferenten der Landesverbände. Und die Beantwortung der zentralen Fragen: Was kann jeder Landesverband tun, um Kindern den Tennissport schmackhaft zu machen? Wie kann der ÖTV die Landesverbände dabei unterstützen? „Es muss eine engere Zusammenarbeit geben“, sagt Pernhaupt, „und einen regelmäßigen Dialog, um die Nachwuchsarbeit koordinieren zu können.“

Nachdem Pernhaupt die Sportlehrerausbildung auf der Schmelz abgeschlossen hatte, stieg er 1992 ins Trainergeschäft ein. Er kümmerte sich bereits als 22-Jähriger um die Kondition der österreichischen Segel-Nationalmannschaft, die er bei zwei Olympischen Spielen – Barcelona und Atlanta - betreute. Nach einem Intermezzo beim Grünen Kreis, wo der Wiener ein Jugendhaus für Burschen gegründet hatte, kehrte er von 2001 bis 2008 zu den Seglern zurück. Die Erfolgsliste unter seiner Ägide: 30 Medaillen bei internationalen Großveranstaltungen, darunter drei Mal Gold und ein Mal Silber bei  Olympischen Spielen in Sydney 2000 und Athen 2004.

Im Jahr 2004 wurde Florian Pernhaupt von der Bundessportorganisation als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet.

2008 bestimmte der ÖTV Pernhaupt zum Konditionstrainer für die Nachwuchs- und Profispieler in der Südstadt, ehe er heuer, wie geschrieben, zum Sportkoordinator aufstieg. Groß sieht Pernhaupt insbesondere als Servicestelle zu sämtlichen Spitzenspielern, Landesverbänden, Eltern und Trainern, aber auch zu wichtigen Institutionen wie u.a. dem BSFF, dem Sportministerium, dem ÖLSZ Südstadt, der BSO, der NADA oder beispielsweise dem Team Rot-Weiß-Rot. Dazu erstellt Pernhaupt Motorik-, Belastungs- und Bewegungsprofile, das ist sein Steckenpferd. „Ich bin verantwortlich für das Konditionstraining in der Südstadt und bei den Nationaltrainings. Ich habe ein feines biomechanisches Auge und sehe, wie falsch eine Bewegung ist. Die gilt es dann zu korrigieren.“ Dazu kommt, dass sich nicht alle Sportler bewegen wie Federer. „Man muss sich immer die individuelle Auflösung anschauen und dann die individuelle Effizienz steigern.“ Erwähnenswert: Das hochmoderne, wissenschaftliche Stabilisationsprogramm als Muskelprävention greift, in der Südstadt gab es in den vergangenen Jahren kaum Spieler mit gröberen Verletzungen.

Derzeit arbeitet Pernhaupt mit Lucas Miedler, Gabriel Huber, Sebastian Ofner, David Pichler und Luca Mrsic im ÖTV-Trainingszentrum Südstadt. Er wird respektiert, ja, sogar gemocht, obwohl er die Körper der Burschen schindet. „Wichtig ist eine gute pädagogische Führung, eine Herzensbildung. Ich will Begeisterungsfähigkeit vermitteln“, sagt der dreifache Vater.

Spricht’s und geht an die Arbeit. Weil der Sportler und das Training im Mittelpunkt stehen müssen. „Und keinesfalls der Trainer.“

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