Zum Inhalt springen

ATP

"Ich rechne mir einiges aus!"

Im Doppelbewerb der French Open zählt Alexander Peya (Bild) mit Partner Bruno Soares an seiner Seite zu den Mitfavoriten um den Titel. Österreichs bester Doppelspieler im Interview über sein blindes Verständnis mit Soares, seine nicht vorhandene Bryan-Phobie und weshalb er glaubt, dass das österreichisch-brasilianische Duo sowohl bei den French Open als auch in Wimbledon nur schwer zu schlagen zu sein könnte.


In Madrid bist du mit Bruno Soares erst im Finale an den Bryan-Brothers gescheitert, in Rom war danach bereits im Achtelfinale (David Marrero / Fernando Verdasco) Endstation. Lag's an der Tagesform, dass ihr ausnahmsweise einmal nicht um den Turniersieg mitspielen konntet?
Man kann's auf einen Punkt bringen: Wir haben schlicht und einfach schlecht gespielt und waren nicht gut genug. So einfach kann man - auch wenn's ein bissl weh tut - eine Niederlage erklären. Wir haben am Ende der Partie zwar noch Chancen gehabt, das Match umzudrehen, obwohl sie schon auf den Matchgewinn serviert haben. Wenn man aber ehrlich ist, hätten wir diesen Sieg aber nicht verdient gehabt.

Hättet ihr gewonnen, wären euch im Viertelfinale erneut die Bryans gegenüber gestanden. Einerseits bedeutet das, dass ihr längst ein Niveau erreicht habt, um euch ständig mit den weltbesten Doppelspielern messen zu dürfen. Andererseits: Nervt das nicht auch ein bisschen, permanent so hohe Hürden vor die Nase "gepflanzt" zu bekommen?
Es nervt nicht, statt dessen denke ich mir: Irgendwann werden auch die zu schlagen sein. Wir haben bisher erst zwei Mal gegen sie gespielt und zwei Mal verloren. Das heißt also, dass wir nicht jede Woche gegen sie verloren haben. Deshalb hat sich bei mir noch keine Bryan-Phobie breitgemacht. Dass sie natürlich die Besten im Doppelgeschäft sind, das liegt auf der Hand. Dementsprechend schwierig ist es auch, sie zu schlagen. Speziell bei Turnieren in den fortgeschrittenen Runden sind sie das Maß aller Dinge. Nichtsdestrotz muss es das Ziel sein, sie auch einmal zu packen ...

Peya_Soares_1

... oder darauf zu warten, dass die beiden endlich einmal zurücktreten.
(lächelt)Solange sie die Branche so dominieren wie sie derzeit tun, werden sie sicherlich nicht aufhören. Deshalb muss man sich schon selber etwas überlegen und nicht auf die Pension der Bryans hoffen.

Über die Bryan-Brothers sagt man gerne, dass sie sich - quasi genbedingt - in so gut wie jeder Spielsituation blind verstehen und der eine genau weiß, was der andere ein paar Sekundenbruchteile später machen wird. Was haben die, was andere nicht haben?
Zum einen tatsächlich ein blindes Verständnis, weil sie beinahe schon seit ihrer Geburt miteinander spielen. Zum anderen sind sie einfach nur sehr, sehr gute Tennisspieler, die deshalb optimal zusammenpassen. Sie spielen auch von der Grundlinie sehr gut. Deshalb haben sie auch mit anderen Grundlinien-Doppeln sehr selten ihre Probleme. Alles in allem sind sie das konstanteste und solideste Doppel, das es derzeit auf der Tour gibt. Und sie machen nur wenig Blödsinn am Court, soll heißen Fehler.

Wie „blind“ verstehst du dich mittlerweile mit Bruno Soares?
Dass wir uns komplett blind verstehen, wäre vielleicht etwas zu viel gesagt. Das soll aber nicht heißen, dass der eine nicht wissen würde, was der andere machen wird. Es sind aber natürlich immer wieder Spielsituationen vorhanden, an denen wir noch arbeiten müssen und uns weiter verbessern können.

Du hast in der Woche vor den French Open mit Platz 14 dein bisher bestes Ranking in der Weltrangliste erreicht. Wie klingt das für dich?
Ich freue mich sehr darüber, weil es ganz einfach eine Bestätigung der Leistung ist. Ich werde aber sicherlich nicht den Fehler begehen und mich auf diesem "Polster" jetzt ausruhen.

Was muss passieren, um vielleicht einmal ein einstelliges Ranking zu haben?

Wenn wir weiterhin so spielen wie in den letzten Wochen und Monaten, dann wird sich das quasi von alleine ergeben. Ich bin aber nicht der Typ Mensch, der sich mit derartigen Zahlen beschäftigt, denn diese Zahlen sind "bloß" ein Produkt der Ergebnisse und diese Ergebnisse sind wiederum ein Produkt davon, wie man aktuell in Form ist. Wir konzentrieren uns darauf, bei jedem Turnier unsere Leistung zu bringen und weiterhin hart zu arbeiten. Die Folge davon wird dann sein, dass unsere Ergebnisse noch konstanter werden als sie es derzeit bereits sind. Ich glaube, dass wir momentan so spielen, dass wir durchaus am Weg in Richtung eines einstelligen Ranking unterwegs sein könnten.

Im August 2012 hast du mit Bruno Soares eure fixe Partnerschaft gestartet. Seither sind euch fünf Turniersiege, ein Finale und vier Semifinale „passiert“. Wenn man all das nur am Papier liest, klingt alles ziemlich easy. Wie viel Aufwand steckt tatsächlich hinter derartigen Erfolgen?

Auf einen Punkt gebracht: Was Bruno und mir schon öfter aufgefallen ist, ist, dass wir einander pro Jahr öfter sehen als unsere Familien. Nämlich jede Woche. Daraus kann man schon erkennen, dass hinter unseren Erfolgen ziemlich viel Arbeit steckt. Weil wir versuchen, uns weiter zu verbessern, trainieren wir beinahe täglich miteinander. Das Ergebnis sieht man derzeit auch ziemlich gut. Und: Wir sind trotz unseren "hohen" Alters noch hungrig. Es ist schön zu sehen, was im Lauf dieses dreiviertel Jahres herausgekommen ist, indem wir uns immer wieder neue Ziele gesetzt haben, nachdem wir die alten erreicht hatten.

Ohne alle anderen Partner, mit denen du davor gespielt hast, schmälern zu wollen: Ist Bruno der bisher beste Partner an deiner Seite?

Betrachtet man unsere Ergebnisse, dann liegt die Antwort auf diese Frage eigentlich auf der Hand. Wir fühlen uns zusammen am Platz genauso wohl wie auch abseits vom Tenniscourt. Das gehört einfach dazu. Deshalb kann ich momentan sicher sagen, dass das bisher die beste Partnerschaft für mich ist.

Lass das bloß nicht deine Frau hören ...
(lacht)... ganz sicher nicht!

Du bist privat ein eher ruhiger und nachdenklicher Mensch. Welche Charaktereigenschaften hat Bruno?

Er ist ein sehr ruhiger und entspannter Mensch und passt schon aufgrund dessen sehr, sehr gut zu mir, da ich auch nicht unbedingt der lauteste und ausgeflippteste Typ bin. Fragt man andere Spieler auf der Tour, wird man nur schwer einen finden, der etwas Negatives über ihn sagen könnte.

Wer ist eigentlich bei einem Doppel, bei dem der eine Spieler aus Österreich und der andere aus Brasilien kommt, eigentlich für den Trainingsplan bzw. die Turnierplanung zuständig?
Das bespricht man einfach. Der Turnierplan ergibt sich momentan Gott sei Dank fast von alleine, da aufgrund unseres Rankings die ganzen großen Turniere einfach am Programm stehen müssen.

Bryans

Stichwort "große Turniere": Weshalb seid ihr in der Woche vor Paris nicht in Nizza oder Düsseldorf an den Start gegangen?
Wir haben uns in der Woche vor Paris einfach einmal eine Woche freigenommen, da wir in den letzten Wochen sehr viele Matches in den Beinen gehabt haben. Ich bereite mich derzeit im Leistungszentrum von Michael Oberleitner im Colony Club auf die French Open vor, während Bruno wieder einmal nach Hause geflogen ist, um in Brasilien seinen Akku aufzuladen. Für Menschen, die aus Südamerika kommen, ist es bei ihrem "Job" als Tennisprofi das größte Problem, permanent so weit weg von der Heimat sein zu müssen. Wir als Europäer sind vielleicht einmal ein Monat am Stück in Amerika und fliegen dann wieder nach Hause. Er hingegen bekommt im Normalfall vielleicht Mitte, Ende Juli die erste Gelegenheit, wieder einmal Heimatluft zu schnuppern.

Es ist noch gar nicht so lange her, als in den Köpfen vieler „Tennisexperten“ die Meinung vertreten war: Wer’s im Einzel nicht geschafft hat, der wechselt halt zum Doppel. Gibt’s derartige Meinungen auch heute noch?
Das kommt ganz darauf an, in welchem Land man gerade ist. Es ist schön zu sehen: Ich spiele mit einem Brasilianer zusammen, und bei ihnen hat das Doppel einen komplett anderen Stellenwert als bei uns. Spiele ich hingegen im Finale eines 1000er-Turniers, dann steht in den Medien so gut wie überhaupt nichts. Bei uns ist das höchstens eine Randnotiz wert. Was ich angesichts der österreichischen Doppel-Erfolge in den letzten Jahren sehr schade finde: Julian gewinnt ein Grand Slam-Turnier, Jürgen gewinnt sogar zwei, Oliver war 2010 unter den Top Ten. Trotzdem hat sich nicht wirklich etwas geändert. Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass Doppeltennis - außer, wenn es um den Davis Cup geht - medial kaum präsent ist. Bruno hat es in dieser Hinsicht wesentlich einfacher: In Brasilien ist es so, dass wir - sobald wir auf einem TV-Platz spielen - das Match live übertragen wird. Insoferne hat er es auch bei der Sponsorsuche wesentlich einfacher.

Es stehen die French Open vor der Tür und bald danach Wimbledon. Kann man sagen: Da euch die Bryan-Brothers (im Bild oben) eher relativ spät im Raster über den Weg „laufen“ werden, ist alles möglich?

Ich werde mir sicherlich nicht die Raster ansehen, um nach diesen beiden Amis zu suchen. Außerdem treten genug starke Teams an, gegen die man in jeder Runde verlieren könnte. Aber natürlich haben wir im Moment genügend Selbstvertrauen, um zu wissen, dass wir zu den Besten gehören. Wenn wir dort unsere Leistung bringen, werden wir nur schwer zu schlagen sein. Es muss aber natürlich alles zusammenpassen, da es in der Weltspitze enorm eng ist. Locker angehen werden wir das Projekt "French Open" also auf keinen Fall können. Trotzdem ist Paris ein Turnier, bei dem wir uns sicherlich einiges ausrechnen!

Top Themen der Redaktion

Allgemeine KlasseBundesliga

Aufschlag zur Bundesliga-Saison 2019

Am Samstag starten die Mannschaftsmeisterschaften. Die Staatsmeistertitel werden im Herbst im Final-Four-Turnier vergeben. Bei den Herren wird der Sieg wohl über Titelverteidiger Irdning führen.