Davis Cup

Heimreise mit erhobenen Häuptern

Davis Cup: Jürgen Melzer(Bild) gibt in Kiew gegen die Ukraine ein sensationelles Einzel-Comeback, besiegt Marchenko in fünf Sätzen und stellt auf 2:2. Dennis Novak verliert das entscheidende Match trotz starker Leistung in vier Sätzen. Für das Team von Kapitän Stefan Koubek geht es nun 2017 weiter.

Für das SIMACEK Austrian Davis Cup Team ist das Spieljahr 2016 zu Ende. Beim Stand von 2:2 musste sich Dennis Novak im entscheidenden Einzel Sergiy Stakhovsky trotz sehr guter Leistung mit 3:6, 3:6, 7:6 (8), 5:7 beugen, damit verlor die Mannschaft von Stefan Koubek das Zweitrunden-Duell der Europa/Afrika-Zone I in Kiew gegen die Ukraine nach hartem Kampf mit 2:3. Herausragend war die Leistung von Jürgen Melzer, der nach dem souveränen Auftritt im Doppel auch im Einzel einen Punkt beisteuerte.

Jürgen Melzer, der aufgrund einer Schulterverletzung zehn Monate zum Nichtstun verdammt war, wurde in Absprache mit Kapitän Stefan Koubek am Schlusstag anstelle von Bruder Gerald für das erste Einzel nominiert. „Wir waren uns des Risikos bewusst, aber wir wollten es eingehen“, sagte Koubek. „Gerald hat sich auf dem schnellen Belag nicht so wohlgefühlt. Wir glaubten, dass das die bessere Lösung ist.“ Es war in diesem Fall die bessere Lösung. Jürgen Melzer lieferte Ilya Marchenko einen Kampf auf Augenhöhe und setzte sich schließlich als der routiniertere Spieler bei mehr als 35 Grad in seinem ersten Best-of-Five-Match seit den US Open 2015 mit 3:6, 6:3, 3:6, 7:5, 6:3 durch. Vor den Augen von Davis-Cup-Teamarzt Ulrich Lanz, der Melzer operiert hatte, hielt die Schulter der mehr als vierstündigen Belastung tadellos stand.

Melzer glich damit auf 2:2 aus und ermöglichte Dennis Novak das „Endspiel“. Der 35-Jährige war „natürlich überglücklich, nach so langer Zeit ein Fünfsatz-Match so zu gestalten und zu gewinnen. Das waren extrem harte Bedingungen da draußen, richtig heiß und da waren natürlich Höhen und Tiefen in der Partie, was normal ist, nach einer so langen Match-Pause“. Melzer war auch froh, dass „ich immer meinen Kopf oben gehabt habe und mich rausgezogen habe“. Es war Melzers insgesamt 70. Match im Davis Cup. „Dieser Bewerb ist für mich eine Herzensangelegenheit.“
 
Damit hatte Dennis Novak im letzten Einzel die Möglichkeit, mit einem Sieg über Sergiy Stakhovsky erstmals in der 111-jährigen österreichischen  Davis-Cup-Historie einen 0:2-Rückstand nach dem 1. Tag in einen Sieg zu verwandeln. Viel hat in der Tat nicht gefehlt. Obwohl der Ukrainer in der Weltrangliste um 110 Plätze besser klassiert ist als die Nummer 195 aus Niederösterreich, hielt Novak ausgezeichnet mit. Vor allem gegen Ende der Partie war Novak der bessere Spieler, der 22-Jährige führte im vierten Satz bereits 5:3, ehe er ein paar unglückliche Entscheidungen traf und der Ukrainer zum 6:3, 6:3, 6:7 (8), 7:5 ausservierte. In Summe schlug Stakhovsky 24 Asse.

„Wir haben hier eine richtig gute Woche hingelegt. Leider konnte ich nichts dazu beitragen, dass wir gewinnen“, sagte Dennis Novak. „Es war gegen Stakhovsky ein mega-enges Match, ich habe im vierten auf den Satz serviert. Wenn es in den fünften geht, bin ich der fittere und bessere Spieler und gewinne die Partie. Deshalb ist die Enttäuschung sehr groß. Es tut mir sehr leid für die Jungs. Jürgen hat eine unmenschliche Leistung gebracht.“

ÖTV-Präsident Robert Groß, der den Spielern vor Ort die Daumen gedrückt hatte, gratuliere den Ukrainern. „Ich bin aber sehr stolz auf unsere Mannschaft. Es war ein guter Spirit im Team. Besonders freut mich, dass Jürgen Melzer fünf Sätze durchgehalten hat. Mit diesem Team können wir für die Zukunft aufbauen.“

Nach dem 3:2 spielen Ukrainer vom 16. bis 18. September im Playoff um die erstmalige Teilnahme an der Weltgruppe. Österreich wird im März 2017 wieder in der Europa/Afrika-Zone 1 antreten.

Davis Cup, Europa/Afrika-Zone I, 2. Runde in Kiew, Hartplatz:
Ukraine - Österreich 3:2

Ilja Marchenko - Dennis Novak 7:6 (3), 5:7, 6:3, 6:2, Sergiy Stakhovsky - Gerald Melzer 6:3, 6:4, 6:3,
Denys Molchanov/Artem Smirnov - Jürgen Melzer/Philipp Oswald 3:6, 6:7 (7), 3:6, Marchenko - J. Melzer 6:3, 3:6, 6:3, 5:7, 3:6, Stakhovsky – Novak 6:3, 6:3, 6:7 (8), 7:5.


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